Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Paddeln in Osteuropa, Sachsen und anderswo
Beiträge im Thema:
11
Erster Beitrag:
vor 4 Jahren, 6 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 2 Jahren, 10 Monaten
Beteiligte Autoren:
Spartaner, dundak, Harzpaddler, Carsten aus Cuxhaven

Bitte um Infos zur Tara für Anfang Oktober

Startbeitrag von Spartaner am 16.08.2013 21:14

Hallo Leute,
wir überlegen, ob für die Berliner Herbstferien die Tara in Montenegro in Frage kommt. Wir fahren wie immer zu zweit im 16.5er Ally und ordentlich Gepäck über mehrere Tage. Also nicht Tagestouren leer in irgendwelchen Plasteturnschuhen.
Die Tara kann man wohl oberhalb und unterhalb der Teufelsklamm befahren, was wir beides versuchen würden, wenn das Wasser ausreicht.
Dieses Forum scheint das einzige zu sein, dass sich schon mal mit der Tara befasst hat (außer Fernsehgucken ...).
Darum mal hier ein paar Fragen:

- ist der Fluss überhaupt geeignet, von einem 1/4-Tonnen-Ally-Schiff befahren zu werden?
- kennt jemand Online abrufbare Pegel Tara oder nahegelegene Flüsse?
- ist im Oktober überhaupt mit ausreichend Wasser zu rechnen dort?
- unterhalb der Teufelsklamm, im gewöhnlich häufig befahrenen Abschnitt, kann man sich wohl maximal 3 Tage aufhalten. Früher konnte man bis Foča weiterfahren. Heute passiert man dabei die Grenze von Montenegro nach Bosnien. Das Auswärtige Amt meint in seinen Reisehinweisen, dass man in beide Länder auch nur mit dem Personalausweis reinkommt. Kann das jemand von euch bestätigen? Oder gibt es mit PA irgendwelchen Extrastress?
- Im PA landen ja gewöhnlich keine Ein- und Ausreisestempel. Wenn man also mit Boot nach Bosnien gelangt, sollte sich doch keiner dran stören, oder? Oder sind die dort so richtig bissig drauf (Kroatien scheint zB vieles sehr ernst zu nehmen).

- Gibt es irgendwelche Neuigkeiten, die auf der Tara-Seite im Faltboot-Wiki aktualisiert oder ergänzt werden könnten?

Es wäre schön, jetzt rechtzeitig mehr über diesen Fluss zu erfahren.

Gruß Michael

Antworten:

Tara und andere montenegr. Reviere machen im Mai/Juni mehr Spaß

Michael,

ich war im Juni dieses Jahres mit einem ehem. Studienkollegen mit dem Fahrrad durch die Montenegrinische Bergwelt unterwegs, 700 km + 11.000 Höhenmeter (anstrengend, aber lohnenswert). Ziel war dabei auch ganz besonders die Tara, die wir von der Durdevica-Brücke durch die Teufelsschlucht über die Städtchen Mojkovac und Kolašin bis hinauf nach Matesovo begleitet haben.

Unsere Fahrt ging von dort aus weiter entlang eines rechten Tara-Zuflussees bis auf den Treshnjevik-Pass am Komovi-Gebirge, wo uns leider der Rahmenbruch (auweia - Alu!) am Rad meines Mitfahrers zwang, die geplante Weiterfahrt nach Albanien (Prokletije-Gebirge/Vermosh-Tal) abzubrechen. Im 80 km entfernten Podgorica fanden wir jedoch eine Aluschweißerei, die in einer guten Stunde das Rad wieder auf Vordermann brachte und wir die unbeschreiblich schöne Südumfahrung des Skutari-Sees mit etwas mehr Zeit viel besser genießen konnten :) - Zurück ging es von da an der Adriaküste über Kotor bis nach Dubrovnik (= Startpunkt).

Doch nun zurück zur Tara. Wie schon gesagt, wir waren in der ersten Junidekade vor Ort, die Schneeschmelze war (nach dem auch in Montenegro in diesem Jahr ebenso wie bei uns unüblich langen Winter) immer noch in vollem Gang, besonders im Durmitor-Gebirge in Lagen höher als 1900 m und v.a. nord-/ostexponiert, war flächendeckend noch eine bis zu 70 cm hohe Restschneedecke vorhanden, der asphaltierte Sedlo-Pass zwischen Zabljak und Pluzine an der Piva wurde erst am 6. Juni vom letzten Schnee beräumt und für den Verkehr freigegeben (wir haben dort 4 m hohe ausgefräste Schneewände entlang der Passstraße erlebt). Krokusse, Schlüsselblumen, Blausterne und Huflattich boten während zweier anschließender Gipfelbesteigungen im Durmitor-Gebirge tausenfache Blütenpracht auf dem abgetauten Boden, überall plätscherte und tröpfelte es. Die sauberen, türkis schimmernden und fast immer glasklaren Bäche und Flüsse waren entsprechend gut gefüllt.

Leider bestand während des Vorbeifahrens an den Flüssen keine Möglichkeit bzw. war keine Zeit vorhanden (und es war auch nicht das Ziel unserer Reise), die einladenden wilden Wasser per Boot zu befahren. Als lohnenswert habe ich (hier mal als Rad fahrender Paddler) sie dennoch alle sofort eingestuft und dabei in Erwägung gezogen, dass sie dennoch keine reinen Wasserwanderreviere darstellen, sondern den eher sportlichen Charakter des Paddelns unterstreichen.

Abwechslung (selbst für Faltboote) gibt es auf der Tara auf alle Fälle - seien es großflächige Kiesbänke und mäandrierende Abschnitte in weit geöffneten Talabschnitten, stark bewachsene Ufer (mit herausragenden Ästen/Strauchwerk) und die direkt darunter befindliche Strömungsmitte, verblockte Stellen in Felsdurchbrüchen mit viel Gischt und Strudeln, kurvenreiche Stromschnellen, Wellen und Walzen - ein wunderschöner Fluss mit viel Charakter - v.a. auch auf den 20 Kilometern zwischen Kolašin und Mojkovac.

Aber eines lass zu Hause: den Ally, den du mit 250 kg Ballast steuern willst! Die Tara verträgt sich viel lieber mit sportlichen und wendigen Kajaks, die diversen Veranstalter/Ausrüster vor Ort bieten auch nur das (neben den üblichen Raftingbooten und Flößen) explizit an. Außerdem sind die verkehrs- und tourismusinfrastrukturellen Bedingungen recht gut, so dass man in kurzer Zeit zwischen den drei Hauptrevieren in Montenegro wechseln kann: die Flüsse Moraca (ähnlich Soca), 56 km (im Oberlauf auf 25 km WW III-V) und Lim/Ljuca, 93 km (WW I-III [V]) sind nämlich auch nicht zu verachten!

Aber, und jetzt kommt das große Aber besonders in Hinsicht auf den geplanten Reisezeitraum im Oktober! Von April bis Ende Juni ist Hauptsaison, danach ist sämtlicher Schnee in allen Gebirgen ringsum geschmolzen (besonderer Einfluss auf Wasserstände in den Ober- und Mittelläufen) und abgeflossen und die Tara ist auf Regenwasser angewiesen. Ob das Fahren zum Ende der Saison dann wirklich so viel Spaß macht? Maximal auf den 80 km durch die tiefe Schlucht auf dem Weg nach Bosnien ist genug Wasser vorhanden.

Ich würde jedoch auf alle Fälle Ende Mai/Anfang Juni bevorzugen und dann versuchen, die Tara auch im Oberlauf zu fahren und zwischen den vielfältigen Möglichkeiten zu pendeln - die Wege per Auto sind kurz und die Shuttelei hält sich in Grenzen. Darüber hinaus gibt es in Montengro noch viele andere lohnenswerte Flüsschen, bei denen ich mir im Stillen gesagt habe: Hier später nochmal herkommen mit einem Festboot unterm Hintern und nicht im Sattel sitzend :-)

Bis bald in vier Wochen auf'm Bach - ich hoffe, Du bist bei Rolands diesjähriger Anarchistenpaddelei wieder mit dabei :-) (wer weiß, wohin es in diesem Jahr geht?)

Gruß Carsten

Wenn Du mich wegen Fragen zu Montenegro/Tara etc. telf. erreichen willst (habe noch viele andere Tipps und Hinweise, die hier den Rahmen sprengen): Null Siebzehn Null Acht Fuffzehn 74 Sechsundzwanzig.

von Carsten aus Cuxhaven - am 17.08.2013 15:35

Re: Tara und andere montenegr. Reviere machen im Mai/Juni mehr Spaß

Danke für deine Einschätzung.
Im Mai/Juni kann Andrea leider nicht langer genug Urlaub nehmen (Ferienzwang).
Ich denke, wir werden den Oberlauf auslassen und uns auf den Abschnitt zwischen Đurđevića Tara und Foča beschränken, evtl. höchstens bis Goražde weiterpaddeln. Dieser Abschnitt scheint in Zukunft doch noch verbaut zu werden (BIH plant den Bau mehrerer Wasserkraftwerke entlang der Drina).

Vom Ally wirst du uns allerdings nicht abbringen können ;-)
Es ist für uns einfach schöner, eine durchgehende Tour mit Gepäck zu machen, sich beliebig treiben lassen zu können, als jeden Tag Tagestouren mal hier, mal dort, Flüssehopping. Abgesehen davon, dass ich Leihboot sowieso nicht mag, da sitzt immer die (geplante) Zeit im Nacken. Dann nehme ich mir lieber die Zeit und besichtige einmal öfter eine Stromschnelle oder trage auch mal ein kleines Stückchen um.

>Du bist bei Rolands diesjähriger Anarchistenpaddelei wieder mit dabei
ja, wenn das Wetter stimmt ;-)

Gruß Michael

von Spartaner - am 18.08.2013 13:21

Tara

Hallo Micha,

da wirst Du wohl die Tara vor mir befahren. Der für mich aufschlussreichste Artikel ist bei Soulboater unter [www.soulboater.com] . den kennste aber bestimmt schon. Von uns ist meines Wissens nach bisher nur Jensen gefahren, der ist aber zur Zeit verschollen. Aber bestimmt taucht er bald wieder auf...

von dundak - am 19.08.2013 16:10
Hallo Leute,
wir sind wieder zurück von der Tara und haben einen kurzen Reisebericht veröffentlicht: Tara und Drina Oktober 2013.

Die oben gestellten Fragen haben sich mittlerweile alle geklärt.

Vielen Dank noch mal an Carsten für seine Tipps.

Gruß Michael

von Spartaner - am 21.10.2013 19:44

Bericht Tara

eindrucksvoll und schön viel Wasser.

Obwohl wir letzte Woche in Südfrankreich auch fette Wasserstände gefahren sind (Beaume ab Rossieres mit bis zu 70 Kubik, Ardeche ab Vogue mit 70 Kubik, Große Schlucht Ardeche mit 200 Kubik - waren bei Euch die Wellen höher. Und das mit nem vollen Ally, während wir mit Plastebooten (dabei aber auch 5 Wanderboote) unterwegs waren. Respekt an Andrea und Michael und bis bald.

von dundak - am 27.10.2013 15:30

Re: Bericht Tara

Hallo Leute,
ich habe jetzt einen ausführlichen Bericht über unsere Tour auf Tara und Drina im Oktober 2013 fertiggestellt: Link.

Zuerst für mich/uns, aber dann auch für die vereinzelten Leute, die sich für -jedes- Detail unserer Tour auf diesem schönen Balkan-Fluss interessieren. ;-)

Gruß Michael

von Spartaner - am 22.01.2014 21:28

Tara 2015

Dieser Winter zählt, wenn ich das richtig werte, wohl wieder zu den schneereicheren. Schaut hier: [www.meteo.co.me]
Das erste Bild zeigt die große Bogenbrücke über die Tara.
Sieht gut aus für Tara-Fahrer dieses Jahr, wenn das Frühjahr jetzt nicht noch extrem trocken und heiß wird. ;-)

Gruß Michael

von Spartaner - am 09.03.2015 17:14

Re: Tara 2015

Ok, es sieht zwar nicht so gut aus wie im Winter 2012/13, als Carsten (im Juni danach) da war, aber extrem viel besser als 2013/14: Schneesummen der letzten 13 Jahre (aus [www.meteo.co.me])

Da das meiste davon sehr spät gefallen ist, könnte im Frühjahr noch genügend Schmelzwasser da sein, oder?

Gruß Michael

von Spartaner - am 16.04.2015 19:34

Re: Tara 2015

[www.kajaktour.de]

In diesem Artikel zeigt das 12. Foto (entsprechend weit runterscrollen) den zwischen zwei Felsen eingeklemmten Baum...
Als wir im Rahmen der Kajakchallenge 2012 dort waren, mussten, die, die nicht durchrollen wollten, den Baum umtragen, weil er gerade mal 20cm über dem Wasser lag...
Wieviel Platz hattet Ihr unter diesem Baum?
Den letzten Abschnitt (ab Brstanovica glaube ich) fuhren wir dann nur noch zu zweit, weil Stöni,der Kanulehrer aus Essen, die Verantwortung für die Gruppe nicht übernehmen wollte...
Nie vorher...und auch danach nicht mehr...hatte ich solch gigantische Wellen unter meinem Kajak...Es war ein unglaublicher Ritt. Aber trotz der Wellenhöhe ...locker 3m ...blieb es dort sehr fair...Man musste halt nur jeweils auf dem Wellenkamm schauen, wo voraus die Monsterlöcher lauerten :-)
Die Tara war wirklich ein Balkan-Highlihgt...

Jochen aus MD

von Harzpaddler - am 22.04.2015 09:35

Re: Tara 2015

Wenn ich mich recht erinnere, gab es 2013 diesen Baum nicht mehr (bin mir aber nicht ganz sicher). Natürlich hatten wir nicht dermaßen viel Wasser. Euer Hochwasser muss ja gigantisch gewesen sein. Bei 3m-Wellen wäre es uns sicher so gegangen wie Mecke auf dem Tagliamento: Luftstütze, oben einfach umgekippt ;-)

von Spartaner - am 22.04.2015 09:48
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.