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Elterngefuehle-Behinderung
Beiträge im Thema:
11
Erster Beitrag:
vor 16 Jahren, 3 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 11 Monaten
Beteiligte Autoren:
Dorothee, Helmut, olaf, Silvie, Birgit, Klemens, Beate

Schuldzuweisungen und Schuldgefühle

Startbeitrag von Dorothee am 07.02.2001 15:22


Es reicht!!!!

Schuldgefühle hatte ich in meinem Leben mit meiner 15jährigen mit Schwerstbehinderung lebenden Tochter genug.
Wieviele Schuldüberlegungen mein Leben begleiteten kann ich nicht mehr zählen. Und wenn dann noch von Außen Schuldzuweisungen kommen, z.B. dass meine Tochter nicht genug gefördert wird; dass ich sie zuviel therapiere oder als Höhepunkt die Aussage, dass ich mit meinen Gedanken vor der Schwangerschaft die Behinderung meiner Tochter verursacht habe, dann reicht es mir! Ich fühle mich verletzt, unverstanden, wütend und manchmal einfach hilflos! Und ich meine: Es reicht!!!!! Ich habe keine Lust mehr auf Schuldzuweisungen und Schuldgefühle!

Wie geht Ihr mit Euren Schuldgefühlen um? Wie reagiert Ihr auf Schuldzuweisungen? Welche Erfahrungen habt Ihr damit gemacht?
Fragt hier einfach einmal
Dorothee

Antworten:

Hallo Dorothee,

kann es nicht auch sein, dass diese Schuldgefühle absolut frauentypisch sind?
Meine Frau hat bezüglich unserer 3jährigen Maus auch alles mögliche an Überlegungen angestellt. Und sie zieht sich die Meinung anderer Menschen auch unheimlich an.
Obwohl ich als Vater - trotz Berufstätigkeit - sehr viel Zeit verbringe, komme ich nicht auf die Idee mich für Ihre Behinderung oder langsame Entwicklung schuldig zu fühlen!
Meine Frau kann an diesen "netten" oft als Frage deklarierten Schuldzuweisungen anderer Leute auch ganz schön knabbern. Komisch, dass mich keiner so anspricht. Ich würde wohl ziemlich direkt die Sachlage klarstellen!

Was meinst Du? Nicht doch ein recht frauenspezifisches Problem! Vielleicht könntet Ihr von den Männern noch etwas lernen? (Das ist absolut nicht ironisch gemeint!)

Klemens

von Klemens - am 07.02.2001 16:03
Hallo Dorothee, Hallo Klemes,

anders als du Klemens, bin ich bei uns (weil meine Frau es aus gesundheitlichen Gründen nicht kann) quasi seit der Geburt unserer heute 16 jährigen schwerst mehrfach behinderten Tochter, in der " Mutter Rolle " und entsprechend oft mit ihr unterwegs. Das ich nicht mit diesem "Schuld zuweisenden" Unterton gefragt werde was meine Tochter hat kann ich nicht sagen. Es ist mitunter ganz schön heftig was da kommt. Dennoch hab ich da längst nicht so große Probleme mit, wie ich es immer wieder bei richtigen "Müttern" erlebe. Das Mütter damit anders umgehen, und auch wohl anders gefragt werden als Väter kann ich mir sehr gut erklären.

Da ist zum einen der Umstand, das selbst Mütter von nicht behinderten Kindern wenn sie auf das tun ihrer Kinder angesprochen werden oft recht angegriffen Antworten. Das ist verständlich, denn was Müttern überall in der Natur seit Jahrtausenden tun ist einfach gesagt nichts anderes als ihrem ererbten Urinstinkt zu folgen, bzw. ihre Kinder zu Schützen. Wenn dann jemand auch nur Ansatzweise an der Richtigkeit des tuns einer so handelnder sensibler Mutter zweifelt, fühlt diese sich halt angegriffen und antwortet entsprechend.

Bei Müttern von Behinderten Kindern läuft dieses naturgegebene "Bemuttern" allerdings wesentlich anders ab als sie es von "Natur aus" gewohnt sind. Gibt es bei Müttern nicht behinderter Kinder schon mal krach wenn die Oma kritik übt, so ist es bei Müttern besonderer Kinder nicht nur die Oma, sondern etliche Leute die ihr sagen wie sie wann, uns was sie wie mit ihrem Kind machen sollen. Im Kreissal kuckt die Hebamme anders wenn ein Behindertes Kind kommt, die Ärzte machen der Mütti mehr Mut als wenn das Kind nicht behindert wäre, dann Fragen die Verwandeten.. " ei wie kann das denn... " dann kommen die Ärzte und Therapeuten und sollen wollen müssen der Mutter raten wie sie am besten mit ihrem Kind umgeht. Dann bleibt von dem wie Mütter naturgegeben mit ihrem Kind umgehen mitunter nicht mehr viel überig.

Weil sie oft auf deren Hilfe angwiesen sind nehmen so betroffene Mütter Ratschläge und Empfehlungen von Ärzten und Therapeuten zwar gerne an, reagieren auf einfache Fragen nach der Behinderung des Kindes von 0815 Bürgern jedoch mit der Zeit immer angegriffener und verletzter. Vielleicht kann man es so sagen, das sie den Teil des "Bemutterns" des Behinderten Kindes, den sie "wieder ihrer Natur" notgedrungen den Ärzten und Therapeuten abgetreten haben, gegen jeden anderen auch nur ansatzweise Kritsch fragenden Menschen verteidigen, und daraus Schuldgefühle entwickeln. Soweit mein Erklärungsversuch warum Mütter anders damit umgehen als Väter. Sie sind länger in der Rolle und gehen daher - nicht schlechter, nicht unbedingt besser - aber eben anders damit um als Väter. Jetzt hab ich zwar viel geschrieben, am Ende gehen Mütter halt so mit ihren Problemen um, und machen entsprechende Erfahrungen weil es eben Mütter sind. Genau wie Klemens schon schrieb ;-)

Wie war bzw. ist es bei uns ? Meine Tochter verbrachte die ersten 3 Lebensjahre fast nur im Krankenhaus, und war auch hinterher jahrelang Stammkunde bei allen möglichen Ärzten. Mit 2 Wochen bekam sie eine Menigitis. Als sie davon wieder zuhause war 6 Wochen später eine Darmlähmung (eine Folge von OP bedingten Verwachsungen), nach 4 Wochen zuhause kam die Epilipsie, dannach immer wieder Fieder und Hirndruckposbleme, Krämpfe, Fieber. So vergingen die ersten Jahre. Wir fragten uns imer wieder selbst, und wurden von Freunden und Bekannten entsprechend gefragt, ob wir etwas falsch gemacht hatten. Ich hab mir jedesmal von den Ärzten erklären lassen woher das was Sonja hatte kommen, und was man dagegen tun kann. Weil kein Arzt je Andeutungen in die Richtung machte, das wir irgendwie etwas hätten verhindern können, hab ich auf Fragen mit schuldzuweisendem Unterton von Anfang mit dem selben Verhalten auf "zu dumme Fragen" reagiert. Ich frage die Leute ganz einfach ob sie Kinder haben, und ob die alle ok sind. Wenn ja sollten sie lieber dankbar dafür sein, noch keine Gelegenheit gehabt zu haben Fehler zu machen, von denen eines Ihrer Kinder sein Leben lang behindert ist, als anderen Leuten so etwas vor zu halten. Dann ist meistens Ruhe.


:-) Helmut

Vater von Sonja, 16 J. alt, nach einer schweren Erkrankung
im Alter von 2 Wochen jedoch noch auf dem Stand von 9 -15
Monaten. ICP, HC, Epi., gehörlos, kaum Verständigung,
schwerst mehrfach behindert.

AIM : HHelmutS Mail : Helmut.Stroick@t-online.de
helick@web.de

von Helmut - am 22.02.2001 18:42
Hallo,

zusammenfassend würde ich schon sagen, dass sich die Schuldgefühle der Mutter eines besonderen Kindes zusammensetzen aus
- den typischen Rollenerwartungen
- den biographischen Rollenerfahrungen
- der hohen Verantwortung für die Kinder
- und fehlendem Selbstbewußtsein.

Denn mit steigendem Selbstbewußtsein müßten die Schuldgefühle eigentlich zurückgehen.
Allerdings ist der Aufbau eines gesunden Selbstbewußtseins als Mutter eines besonderen Kindes in der gegenwärtigen sozialen Situation gar nicht einfach.
Wie bekommt die Mutter schon Anerkennung? Selbstwertgefühl und Wertschätzung von Außen sind doch wohl eine Dyade, die das Leben erst erträglich und auch einfacher werden läßt!

Soviel erst einmal für Heute!
Liebe Grüße
Dorothee

von Dorothee - am 23.02.2001 09:56
Hallo zusammen,

dazu möchte ich auch gerne noch was sagen.
In den ersten Jahren hat die Behinderung unserer Kerstin (inzwischen fast 10 Jahre alt, schwerst-mehrfach-behindert aufgrund einer seltenen Chromosomenstörung) auch heftigst an meinem Selbstwertgefühl - das eh gering ausgebildet war - geknabbert. Wenn sich schon Mütter ganz "normaler" Kinder über deren Fortschritte und Fähigkeiten definieren, wo bleibt dann erst die Mutter eines Kindes, das trotz intensivster Bemühungen rein gar nichts kann?
Bei uns war es so, dass ich diejenige war, die mit Kerstin von Termin zu Termin gehetzt ist, um nur ja nichts zu verpassen. Mein ganzes Leben hatte ich nur auf das Kind ausgerichtet. In den ersten zwei Jahren hatten wir noch keine Diagnose, da stand die Schuldfrage noch ständig im Raum, selbst von den Ärzten, die mich ungläubig musterten, wenn ich angab, dass die Schwangerschaft und Geburt ganz normal und ohne Komplikationen waren. Mit der Diagnose wurde es dann zum Glück etwas einfacher. Ich konnte auf die Fragen, was denn mit dem Kind los sei, endlich eine Antwort geben: "Reiner Zufall - Laune der Natur" - auch wenn diese Antwort nicht sonderlich befriedigend ist, so hat es mir doch geholfen, zu wissen, dass ich nichts falsch gemacht hatte. Vorher hatte ich mir wieder und wieder diese Frage gestellt.
Wenn diese Zweifel an einem nagen, braucht es nur eine kleine Frage ("Wie alt ist sie denn? Warum kann sie denn noch nicht laufen?"), um das mühsam zusammengeraffte Selbstwertgefühl wieder zu zerstören.
Wenn man macht und tut, um das Kind zu fördern, alles andere aufgibt, und dann kommen Leute, die natürlich alle besser wissen, was zu tun ist, da kann man dann schon mal empfindlich reagieren - oder auch aggressiv.
Ich bin inzwischen von der Schuldfrage los, sie bringt niemanden wirklich weiter. Aber immer noch treffen mich Fragen wie "Musste das sein? Konnte man das nicht vorher feststellen?" bis ins Mark. Die Fragen korrekt und ausführlich zu beantworten wäre ein Riesenaufwand, wobei das Gegenüber vermutlich nicht mal die Hälfte verstehen würde. Also kommt von mir immer öfter die Antwort: "Nein, das hätte nicht sein müssen. Aber hätten wir etwa das Kind in den Müll werfen sollen? Und überhaupt - müssen solche Fragen eigentlich sein???" Wenn der Frager/die Fragerin danach Bauchschmerzen hat, finde ich das nicht schlimm, denn ich habe von den Fragen auch immer Bauchschmerzen.
Zusammenfassend möchte ich sagen, dass es wichtig auch für das Kind ist, wenn die Mutter sich nicht total aufopfert, denn dann muss sie sich nicht allein über die Fortschritte ihres Kindes definieren.
Jetzt habe ich ziemlich wirr geschrieben, hoffe aber trotzdem, dass mich jemand verstanden hat.
Viele liebe Grüße und Köpfe hoch,

Birgit

von Birgit - am 27.02.2001 08:21
Hallo!
Ja Schuldgefühle kenne ich zur Genüge!
Und ich bin auch ziemlich sauer, dass solche Gedanken überhaupt bei mir im Kopf rumspuken!
Und dann noch die lieben Äußerungen von Außen.
Als Marcel geboren war und kurze Zeit später auch die ersten Vermutungen in Richtung Behinderung gingen, da kam ich zweimal in Läden in unserem Ort und plötzlich hörte das Reden auf! Schrecklich!
Eine Frau schaute etwas hilflos in den Kinderwagen und strahlte mich an: "Was ein süßer kleiner! Und gleichzeitig merkte man, bzw. ich zu deutlich, dass das total aufgesetzt war.
Und als ich weiter ging zur Fleischtheke begann hinter mir das Getuschel!
Ich hasse es!
Und dann auch die netten Hinweise einer Freundin, die mir mitteilte, dass die Überlegungen in unserem Ort dahin gehen zu überlegen, ob ich denn wohl geraucht habe, oder was ICH sonst noch gemacht haben könnte, dass es zu so einer Behinderung gekommen ist!
DAS IST SO SCHRECKLICH!
Grüße
von Chrissi (die eigentlich Beate heißt und diesen Namen in der Schulzeit bekommen hat!)

von Beate - am 01.03.2001 08:53
Hallo Chrissi,

das sind Erfahrungen, auf die man/frau wirklich gerne verzichten möchte!

Wir leben einfach in einer Gesellschaft, in der der Mutterrolle eine Verantwortung aufgebürdet wird, die schon fast „unmenschlich“ ist.
Mutter zu sein, bedeutet einen 24-Stunden-Job zu haben, ohne Bezahlung und andere soziale Vorteile, wie Krankenschein, Urlaub etc. Anerkennung gibt es dafür keine! Wenn der Job Mutter gut ausgefüllt wird, wird das so hingenommen – SELBSTVERSTÄNDLICH!
Geht irgend etwas schief: Wer könnte da schuld sein?
Da ist es ja kein Wunder, dass selbst die unmöglichsten Vermutungen angestellt werden. Denn letztlich KANN es ja nur die Mutter sein, die da etwas falsch gemacht hat!

Eltern schwerstbehinderter Kinder haben nur in seltenen Fällen den Vorteil, auf die Erfahrungen anderer Eltern zurückgreifen zu können. Erst im Laufe der Jahre entwickeln sich Beziehungen zu anderen betroffenen Müttern. Am Anfang stehen die Mütter in der Verantwortung und der Beziehung zu ihrem Kind oft sehr allein dar.
Ich hoffe, dass Du Kontakte zu anderen aufbauen kannst und von dort Unterstützung erfährst.
Und vor allem scheint es mir wichtig zu lernen klare Grenzen zu setzen und den direkten Kontakt mit den Menschen der Umgebung nicht zu scheuen!
Also nicht unterkriegen lassen, sondern möglichst selbstbewußt auftreten, auch wenn Dir vielleicht innerlich ganz anders zu Mute ist.
Liebe Grüße
Dorothee

von Dorothee - am 02.03.2001 15:07

Re: Schuldzuweisungen und Ansehen von Familien mit besonderen Kindern

Hallo an Alle!

Ich habe gerade etwas "Un-Nettes" in meinen Unterlagen gefunden!
Hier ein Zitat aus einer Erhebung:

"Gleichzeitig ist man sich nach wie vor ziemlich sicher, daß viel über Familien
mit Kindern mit geistiger Behinderung geredet wird, und an der Verbreitung der
Meinung, daß die Eltern zumindest teilweise an der Behinderung schuld seien, hat
sich offenbar nicht geändert. Zumindest wird vermutet, daß diese Ansicht noch
verbreitet sei. Gravierend verschlechtert hat sich jedoch, folgt man diesen
Ergebnissen, das Ansehen der betroffenen Familien: Waren sich 1976 die Befragten
noch unsicher, so gaben sie nun fast durchgängig an, eine Familie mit einem
geistig behinderten Kind sei weniger gut angesehen."

(Aus: Klauß, Theo (1996): Ist Integration leichter geworden?
In: Geistige Behinderung 1/96, 56 - 68)


Soviel zum Thema soziale Integration von Familien mit besonderen Kindern!
Laßt Euch nicht unterkriegen!
Dorothee

von Dorothee - am 02.03.2001 15:09

Re: Schuldzuweisungen und Ansehen von Familien mit besonderen Kindern

Hallo Dorothee,

nicht unterkiregen lassen ist gut. Solche Berichte verstärken doch eher die Unsicherheit von Betroffenen Familien, als das sie sie entlasten. Helfen tut es vieleicht wenn man sich ansieht, wie die Politik mit betroffenen Familien umgeht, wie die Politiker ihr tun in der öffetnlichkeit darstellen, und was sie Betroffenen vom tun der Politiker haben.

Während unsere Politiker meistens Gesetzte basteln, die eher nur kosten verschieben, als das sie Betroffenen helfen, und diese Gesetze in der Öffentlichkeit als große Verbesserung für Betroffene präasentieren, entsteht in der Öffentlichkeit halt der Eindruck, das Betroffene gut versorgt sind. Weil die Betroffenen aber oft nix von den noch so angepriesenen Gesetzen haben, werden immer wieder und mehr Rufe Betroffener nach mehr hilfe laut, was in immer größer werdeden Teilen der öffentlichkeit so nicht erkannt wird, und so dank unserer Politiker das Ansehen von Betroffenen sinkt.

Ein gutes Beispiel für dieses Vorgehen der Politiker ist, wie sie mit sogenanter "Rechter Gewalt" umgehen. Wenn ein Mensch in Springerstiefeln nach aller bester Nazimanier einen Ausländer tritt, verurteilen unsere Politiker das auf schärfste. 5 Minunten später sitzen die selben Politiker hinter ihrem Schreibtisch, und haben kein Problem damit, Behinderte nach ebenso aller bester Nazimanier so billig wie möglich druchs Leben zu bringen, und das in der Öffentlichkeit als großen Fortschritt zu verkaufen.

Da der ein großere Teil der Bevölkerung den Politikern glaubt, oder sie durch wegkucken unterstüzt bleibt nicht aus das das Ansehen von Betroffenen Familien sinkt.

:-) Helmut

von Helmut - am 03.03.2001 09:53
Hallo, alle!

Hierzu auch mein Senf:
Auch ich kenne Schuldgefühle: Als wir vermuteten, dass etwas mit Andy nicht stimmt bzw. bis zu seiner Diagnose hatte ich auch ständig wiederkehrende Schuldgefühle und wusste nicht, was mir lieber sein sollte: Ein auf Probleme während der Schwangerschaft beruhender "Defekt", bei dem mir alle Welt Vorhaltungen machen würde bzgl. meines Verhaltens in dieser Zeit, oder ein Gen-"Defekt", der (im vermuteten Fall) durch mich vererbt ist (so einer ist es dann auch gewesen bzw. ist es). Ich konnte mich nicht entscheiden, denn ich hatte sogar im letzteren Fall Schuldgefühle!

Erst durch viel Nachdenken wurde ich langsam selbstbewusster!

Heute weiß ich, dass mir vor allem zwei Dinge geholfen haben:
1. Darauf zu kommen, dass die Leute, die beim Wort "Gendefekt" schief gucken, schließlich nicht wissen, welche Gendefekte sie in sich tragen, die vielleicht 1 oder 2 Kinder später auftreten...(in unserem Fall ja auch erst beim 6. Kind)...
2. Mir klar zu machen, dass ich durch die Zahl meiner Kinder beeinflusst war, mein Selbstwertgefühl von ihrer Gesundheit abhängig gemacht hatte - nicht zuletzt durch Mitmenschen, die Sprüche gemacht hatten wie: "Ist ja nur halb so schlimm, wenig Geld zu haben - Hauptsache, die Kinder sind gesund!"

Was glaubt ihr, wie ich mich fühlte (und an schlechten Tagen heute noch fühle), wenn eine(r) mich fragt, ob Andy dies oder jenes kann und ich das verneine (oder ich es von mir aus erwähne, weil es dafür einen Anlass gibt) und dann als Antwort kommt: "Naja, Hauptsache, er ist sonst gesund, oder?)

Aber das kennt ihr ja alle...

In diesem Sinne

Ciao,
Silvie

von Silvie - am 03.03.2001 13:22
bist du mutter eines geistig beh?Meld dich doch!

von olaf - am 05.06.2001 13:40
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