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Informationen zum Thema:
Forum:
Elterngefuehle-Behinderung
Beiträge im Thema:
3
Erster Beitrag:
vor 16 Jahren
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 12 Monaten
Beteiligte Autoren:
Ute, Dorothee, doris

Geschwistergefühle...

Startbeitrag von doris am 24.05.2001 17:54

Hallo,
ich hoffe ihr habt einen schönen Feiertag gehabt!
Jetzt zu der Geschichte, über die ich mir grade Gedanken mache. Wir haben zwei Kinder. Marc ist vier und Sebastian zweieinhalb. Sebastian ist hyperaktiv und hat autistische Züge (u. a. ). Jetzt waren wir heute bei einer befreundeten Familie zum grillen. Und wieder einmal hat mich Sebastian durchgehend auf Trapp gehalten. Er scheint gezielt nach Sachen zu suchen, die er nicht darf. Hauptsächlich sucht er sich sehr gefährliche Sachen aus, so das ich gar nicht die Möglichkeit habe es zu ignorieren, es sei denn ich toleriere, das er versucht auf die Balkonbrüstung zu klettern. Alles in allem haben natürlich auch unsere Freunde viel mit aufgepaßt, so daß ich den Nachmittag schon als entspannt bezeichnen würde.
Trotzdem war Marc den ganzen Nachmittag über sich selbst überlassen. Er macht dabei auch keinen schlechten Eindruck - er ist sehr gut in der Lage sich "unsichtbar" zu machen. Auf dem Nachhauseweg kam aber dann seine Frage: "Mama, können wir den Basti nicht jetzt sofort ins Bett stecken"auf meine Frage warum (es war 17.00Uhr) sagte er: "weil er stört"
Wie soll man damit umgehen? Ich und auch mein Mann ( der übrigens heute auf Vatertagstour war und nicht mit war) versuchen so oft wie möglich uns Zeit für ihn zu nehmen, trotzdem kommt er eindeutig zu kurz.
Meine Frage ist jetzt, wie verhindert man Haßgefühle (vielleicht etwas hart beschrieben) seinem Bruder gegenüber?Wie soll ich diesem verjährigen etwas erklären, was ich selber sooft nicht verstehe?
Vielleicht liest jemand der selber ein behindertes Geschwisterkind hat diesen beitrag und beschreibt mir das ganze mal aus seiner Sicht?
Ich habe übrigens selber einen Bruder mit einem Herzfehler, der sich früher alles erlauben konnte, ohne dafür bestraft zu werden. Meine Mutter hat immer gesagt er sei etwas besonderes, da müßten wir anderen halt Rücksicht nehmen. Diesen Fehler der Bevorzugung werde ich sicher nicht so leicht machen.
So, leider etwas lang und vielleicht auch durcheinander, aber exact das ging mir genauso durch den Kopf

Doris

Antworten:

Hallo Doris,
Zu Deinem Text könnte ich jetzt richtig „schön ausführlich“ antworten. Dazu fehlt mir allerdings jetzt die Zeit!
Mario ist jünger als seine mit Behinderung lebende Schwester. Allerdings habe ich nicht den Eindruck, dass er zu kurz gekommen ist. Vielmehr bin ich – eben um ihn nicht zurückstehen zu lassen – immer sehr bewußt mit unserer gemeinsamen Zeit und überhaupt mit unserem Familienleben umgegangen.
Und als Mario im Kindergarten und in der Schule war, habe ich gesehen, wie wenig Mütter gesunder Kinder sich bewußt ihren Kindern zuwandten. Oft waren Fernsehen und Computer dort ein willkommener Babysitter.
Was ich allerdings immer versucht habe (gelingt natürlich nicht immer) ist, dass ich seine Gefühle ernst genommen habe. Wenn z.B. Marc das Gefühl hat, dass Basti ihn an diesem Nachmittag stört, so würde ich seine Gefühle ernst nehmen und darauf eingehen. D.h. ja nicht, dass ihr Basti „schlecht“ macht, sondern über Marc´s Empfindungen sprecht!
Mario habe ich auch – möglichst altersgemäß – versucht ehrlich meine Gefühle auszudrücken. Das hat mancher Verunsicherung entgegengewirkt.
Natürlich hat Mario auch heute noch Phasen, in denen ihn seine Schwester einfach nervt. Aber das erlebe ich in „normalen“ Familie mindestens genau so oft.
Soviel für heute.
Liebe Grüße
Dorothee

Ich gebe auch gleich noch eine neue Nachricht ins Forum zu einem Seminar: „Ich bin auch noch da!“
Kann ich wärmstens empfehlen!

von Dorothee - am 25.05.2001 17:38
Hallo Doris,
ich habe meiner jüngeren Tochter zugemutet, mit ihrem älteren behinderten Bruder aufzuwachsen, wie ich auch ihm zugemutet habe, seine Eltern mit einer kleinen Schwester zu teilen.
Zuerst gab es bei uns Nachmittage, an denen ich bewusst etwas mit der Kleinen unternommen habe, und Max meiner Mutter überlassen habe. Später habe ich gemerkt, dass auch Max mich einmal ungestört braucht. Nun hat auch er immer wieder einen Nachmittag mit mir alleine, den er auch sehr geniesst.
Am Wochenende teilen wir uns auch öfter mal auf, je ein Elternteil mit nur einem Kind.
Spontan fiel mir übrigens auch ein, dass Geschwister eigentlich auch dazu da sind, dass man sie ab und zu nicht leiden kann. Frag mal meine kleine Schwester....
Ich denke ähnlich wie Dorothee, und ich glaube dass du mit der Kritik, die du an den Aussagen deiner Mutter gemacht hast weisst, dass es schon sehr wichtig ist, mit den Geschwistern auch offen darüber zu reden, und auch mal zu sagen, dass einem das Verhalten des behinderten Kindes auch mal nervt, dass es aber eben anders ist, und man damit anders umgehen muss.
Meine dreijährige Tochter bemerkt allerdings erst seit sie in den Kindergarten geht, dass Max überhaupt anders ist. Weil sie jetzt plötzlich eine Kleine ist, und dort die Grossen mehr können als sie . Ich bin selbst gespannt, wie sie im weiteren damit umgehen wird.
Ute

von Ute - am 29.05.2001 20:11
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