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elweb Batterie
Beiträge im Thema:
7
Erster Beitrag:
vor 5 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 5 Monaten
Beteiligte Autoren:
laase, thegray, R.M, Bernd Schlueter, Sven Salbach, Berlingo-98

Rätsel gelöst - gefälschte IRFB4110

Startbeitrag von laase am 24.03.2017 10:24

ich weiß gerade gar nicht, auf wen ich mehr sauer sein soll, auf mich selbst oder auf die, die mir ungezählte Stunden meiner kostbaren Freizeit raubten.
Zu Story: ein elektronisches Schütz mit Mosfets soll die Batterie vom Ladegerät, einem Meanwell RSP1500 mit relativ hohem Rückstrom, trennen.

siehe auch den Beitrag zu fast gekillten Batterien

Habe solche Schaltungen schon oft gebaut, auch für noch viel höhere Ströme, immer ohne jegliche Probleme. Diesmal waren es drei "hart" parallel geschaltete IRFB4110, damit der Strom von bis zu 38A mit unter 2W Verlustleistung getragen werden kann. Die Fets müssen bis ca. 48V sperren können; man hätte auch 75V Mosfets nehmen können, aber mit 100V Typen ist man bei eventuellen Spannungsspitzen noch sicherer, dachte ich.
Nachdem meine "Mosfetbatterie" gleich nach dem ersten Laden einen kompletten Durchgang zeigte, wechselte ich einen Fet. Gar nicht so einfach herauszubekommen, welcher es ist, wenn alle drei parallel sind. Das hielt dann eine oder zwei Ladungen, bis wieder ein Rückstrom floß, sprich die Mosfets wieder durch waren. Ich zweifelte schon oft an mir selbst, ob ich denn das alles richtig ausgelegt und dimensioniert habe. Ich zweifelte zwischenzeitlich sogar daran, ob ein Mosfet wirklich "rückwärts" vom Strom durchflossen werden darf ...
So wechselte ich in den letzten 2,5 Jahren immer wieder Mosfets, bis heute Nacht die 10er Charge alle war, die ich damals gekauft hatte. Ich mußte daher dann auf den "kleineren Bruder" IRFB4310 umsteigen, was aber auch nicht sooo viel mehr Verlustleistung bedeutet. Damit klappte auf einmal alles. Ich war ja schon vorher langsam mißtrauisch und schaute dann ins Netz: ja, es gibt Meldungen zu fakes von IRFB 4110!
Die waren damals (vor drei Jahren) mit das Beste, was es am Markt gab. Ich hatte sie angesichts drastischer Preise bei den üblichen Händlern dann doch günstig bei Ebay gekauft. Sie sahen alle sehr gut aus, glatte Kühlfläche, keine Grate o.ä. Auch das IR Logo stimmte mit anderen Teilen von IR überein. Die Beschriftung war, nach heutiger Betrachtung, vielleicht noch sogar etwas akkurater ausgeführt, als sonst bei IR üblich. SIeht fast aus wie vom Laser eingraviert und "in die Rille gefärbt".
Sind aber letztlich alle bei nur 45-48V gestorben, hielten also nichtmal die Hälfte der angegebenen Sperrspannung von 100V aus.
Jetzt bleiben natürlich die Fragen: WER MACHT SO ETWAS? Die Bauteile wurden auf professionellen Bändern gefertigt, wahrscheinlich sogar moderner als die Linien von International Rectifier. So etwas kostet Millionen, wenn nicht gar Milliarden an Investition. Und dann um falsche Labels auf den Bauteilen anzubringen? Hinter solchen Fertigungsstraßen stehen doch oft namhafte Hersteller, die einen Ruf zu verlieren haben, wenn so etwas herauskommt. Warum werden dann trotzdem fake Bauelemente auf den Linien produziert? Es muß sich ja um andere Mosfets handeln. Anhand der Gatekapazität, Rds_on und "Sperrfähigkeit" zu urteilen wahrscheinlich welche um 40V und ca. 100A herum. Warum verkauft man die nicht einfach als solche und geht stattdessen das Risiko ein, einen 100V Mosfet daraus machen zu wollen? Ich kapiere es einfach nicht!
Bleibt mir nur, hier zu warnen:
- für wichtige Projekte KEINE Mosfets bei EBay kaufen
- erst recht nicht, wenn als SMD geplant und man die dann kaum noch wieder abbekommt
- im Datenblatt prüfen, in welcher Zeile die LOT-Nummer und in welcher das Logo stehen muß (IR-Logo stand bei mir in dritter Zeile, müßte aber laut Datblatt in zweiter stehen!)
- zum optischen Vergleich mindestens ein identisches Bauteil bei einem alternativen Händler einkaufen
- alle nur erdenklichen/"machbaren" Parameter VOR dem Verbau prüfen. Mindestens aber Sperrspannungsfestigkeit (reicht einfaches 100V regelbares Netzteil), Gate-Source-kapazität (z.B. im Vergleich mit Teil vom Alternativlieferant) und möglichst auch Rds_on durch Spannungsmessung an bekanntem Konstantstrom

Ich weiß nach der Geschichte auch, warum meine letztgebaute Stromsenke für Fahrradakkus schon bei nur 50W bei noch handwarmem Kühlkörper kaputtging: der "im günstigen Set" erworbene 2N3055 war garantiert auch ein fake!

Viele Grüße, Lars

Antworten:

die 2N3055 sind in der Tat ein PRoblem...mein LAbornetzteil war danach wie wieder dauerkurzschlussfest ohne einen zusätzlichen Lüfter

von Sven Salbach - am 24.03.2017 10:34

Chinesische Waldmühlenerfahrung

Wir hatten bereits im vorigen Jahr die Steuerung für die gesamte Waldmühle angeschlossen und erlitten Schiffbruch durch falsche Herstellerangaben eines chinesischen Herstellers elektronischer Relais.
Wir gingen dem auf den Grund und fanden nach Aufsägen den Grund:
Die von uns großzügig gewählten 40-Ampere -Relais beeinhalteten den gleichen 10 Ampere-Triac wie die natürlich billigeren 10Ampere-Typen.
Das Sägen hat sich gelohnt: die Mühle läuft nach einigen Korrekturen. Manche Chinesen sind einfach nur furchtbar. Verallgemeinern kann man das nicht.

von Bernd Schlueter - am 24.03.2017 10:47
Hallo Lars,
ich hatte vor einiger Zeit auch mal einen TV Beitrag gesehen von besonderem Bauelemente Re-Cycling. Da werden aus alten Geräten Bauelemente im grossen Stil und mit recht abenteuerlichen Mitteln ausgelötet, gesäubert und wieder in den Handel gebracht. Scheint eine regelrechte Industrie geworden zu sein.

Möglicherweise sind die dann durch die "Feuerzeremonien beim Auslöten" nachhaltig vorgeschädigt.

Wie erkannt man sowas? Jedenfalls bleibt das Misstrauen bei günstigen ebay Angeboten. Also lieber nicht kaufen.

Im Netz finded man z.B. solche Kommentare:
"Das Problem kann praktisch jeden Nutzer treffen. Zwischen sieben und 15 Prozent der Elektrogeräte enthalten Schätzungen zufolge gefälschte Chips. Ein bis drei Prozent aller auf dem Markt gehandelten Halbleiter sollen keine Originale sind. Zusammengenommen würde die Fälscherindustrie zu den 20 größten Halbleiterherstellern weltweit zählen.
Die USA sehen das Problem als Bedrohung der nationalen Sicherheit an. Denn immer wieder gelangen die gefälschten Chips auch in teure Waffensysteme wie etwa Kampfjets. „Das gefährdet unsere Truppen und kostet uns ein Vermögen“, warnte Senator Carl Levin bereits vor zwei Jahren bei der Vorstellung einer Studie."


Gruss, Roland

von Berlingo-98 - am 24.03.2017 10:54
Hallo Roland,
das wäre ja vollkommen ok für mich: Recycling echter (und guter) Bauelemente. Das würde ich sogar begrüßen! Gut dimensionierte Halbleiter halten i.d.R. ein Leben lang.
Aber das Labeln eines 40V 70A Mosfets hin zu einem (angeblichen) 100V 180A Mosfet stellt den erwartungsvollen Anwender vor riesige Probleme! Man verläßt sich ja zunächst auf die vermeintlich zugehörigen Datenblattangaben und denkt nicht gleich an ein falsch betiteltes Bauelement. Man sucht also den Fehler an sich selbst ...

von laase - am 24.03.2017 20:08
Hallo

Gibt auch gefälschte Bleiakkus, da ist unten ein Marmorklotz drinnen.

Lager und elektronische Bauteile kauft man beim Fachhändler oder Distributor auch wenns teurer ist.

Gruß

Roman

von R.M - am 24.03.2017 21:34
Zitat
laase
Hallo Roland,
........Bauelement. Man sucht also den Fehler an sich selbst ...




DAS ist der Fehler, ein Bauelement des Charakter - den Fehler bei sich selber zu suchen - wird gern auch von anderen zu deren Vorteil verwendet.

Sorry - da kommt wieder "Engl. Humor" durch.

von thegray - am 25.03.2017 11:06
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