Vergleich alternative Antriebe

Startbeitrag von Gerhard Wendebourg am 27.03.2001 23:01

Ich habe mir zum Vergleich einmal verschiedene umweltfreundliche Antriebe angesehen:

m.E. hat dabei derzeit der Pressluftantrieb die Nase vorn: die derzeit entwickelten MDI-Prototypen sind deutlich kostenguenstiger, leistungsfaehiger und ersparen die Sauereien mit Bleibatterien:

200 km Reichweite in der Stadt, 110 kmh Hoechstgeschwindigkeit, DM 4,- Treibstoffkosten / 100km bei 450kg Nutzlast (5 Personen) und einem Raumangebot, das zw. einem PKW und einem Transporter liegt, Schnellauftanken in 2 Minuten, die Moeglichkeit fuer laengere Strecken hybrid betrieben zu werden..

Gibt es schon andere / E-FAhrzeuge, die - mit aehnlich geringem Aufwand - Vergleichbares bieten ?

hier noch die Links zur Pressluft:

[www.s-line.de]
[www.zeropollution.com]

Hinweise zum Thema bitte an gw@nwx.de



PS: der Energiespeicher - die Achillesferse der Alternativen - besteht beim Pressluftauto aus Presslufttanks: 400l bei 300 bar (4 Röhrenbehaelter 0,25m x 2,1m) und leistet damit 20kwh (mit Kevlar-Berstschutz, ansonsten verschleissfrei)

Antworten:

Hallo,

prinzipiell sehe ich auch den Druckluftantrieb als umweltfreundlichste Alternative.
Allerdings habe ich bislang außer ein paar Bildern und Berichten im Internet noch kein Fahrzeug "live" gesehen, um mir selbst ein Bild machen zu können.

Die anscheinend aktuellsten Informationen zur Markteinführung finden sich übrigens unter [www.mdi.lu] .
Danach sind die Fahrzeuge frühestens ab 2002 in Frankreich verfügbar.
Ein weiterer Nachteil ist IMHO, das es keine "Schnellademöglichkeit" an einer normalen Steckdose gibt.

Vom 25.-27. Mai findet in der Ökologischen Akademie Linden (Bayern) die Tagung "Neue Autos braucht das Land!" statt.

Verschiedene Firmen (BMW, Honda, Fiat, TWIKE, Elsbett,...) stellen ihre Konzepte vor, und auch Carsten Walloschke von MDI Deutschland hält einen Vortrag. Ich hoffe, das er einen MDI-Prototyp zum Probefahren mitbringt!:xcool:

Nähere Infos zur Tagung gibts bei Herrn Thomas Ködelpeter unter
oekologische-akademie@gmx.de .

Wer Interesse hat, dem kann ich auch das Tagungsprogramm per Mail schicken (gezipptes Word-Dokument, ca. 58 kB).

Mit sonnigen und luftigen Grüßen ;-)
Jens Schacherl

von Jens Schacherl - am 28.03.2001 08:45
Ich habe mir mal die Internet-Seiten bezüglich des Pressluft-Fahrzeugs angesehen. Dabei sind mir leichte Unterschiede bei den technischen Daten und der Vermerk, das sich die Daten während der Entwicklung noch veränder können, aufgefallen. Also habe ich mal ein wenig gerechnet:

Mein TWIKE braucht etwa 3,8 kWh je 100km ab Batterie, bei etwa 85% Wirkungsgrad des Motors also mindestens 3,2 kWh mechanische Energie. Von 320 kg Gewicht von Fahrzeug und Fahrer mal umgerechnet auf 755 kg beim Pressluft-Fahrzeug ergibt das 15,1 kWh bei 200km Reichweite. Ich kann mir nicht vorstellen, das auf dem Weg von der Steckdose über den Kompressor und die Druckverluste beim Presslufttank sowie die Reibungsverluste beim Motor noch ein Wirkungsgrad von 75% erzielt wird. Dieser Wirkungsgrad wäre aber erforderlich, wenn man mit 20 kWh ab Steckdose mit einem derart schweren Fahrzeug 200km weit kommen will. Mir drängt sich hier die Vermutung auf, das die Werte ein wenig "schöngerechnet" worden sind um potentielle Kunden und Geldgeber zu überzeugen. Ein objektiver Vergleich, etwa auf einer öffentlichen Veranstaltung (Tour de Ruhr oder so), wäre sicher wünschenswert.

Im Moment kann ich nur folgende Vorteile und Probleme anführen:

Kostenvorteil. Für knapp 25000 DM ein sechssitziges Fahrzeug mit Elektroantrieb und verschleissfreien Batterien anzubieten wird wohl so schnell keinem gelingen.

Batterierecycling. Es entstehen keine Umweltschäden durch das Recycling oder die Entsorgung von Batterien.

Ladezeiten. Ein Flächendeckendes Netz von Kompressorstationen für die Schnelladung müsste erst noch geschaffen werden. Aus einer 230V-Haushaltssteckdose können meines Wissens maximal 3,6 kW entnommen werden, was einer Ladezeit von mindestens 5,5 Stunden entspricht. Ausserdem sind die Angaben was die "Selbstentladung" der Presslufttanks anbelangt (200km oder 10 Stunden ?!?) nicht besonders aussagekräftig.

Grösse. Ein PKW ist im Durchschnitt mit 1,2 Personen besetzt. Ein 6-Sitzer macht also nur bei wenigen Nutzern einen Sinn. Eine kleinere Version, so eine Art Pressluft-TWIKE wäre sinnvoll und würde auch das Problem mit den Ladezeiten verringern.

Lärmbelästigung. Hat sich schon jemand Gedanken darüber gemacht, wieviel Krach ein 3 kW-Kompressor beim "Aufladen" der Tanks macht? Kann ich dann noch mit billigem Nachtstrom laden, ohne eine Strafanzeige wegen Ruhestörung zu riskieren?

Zuladung. 400 Liter Luft bei 300 bar Druck müssten etwa 150 kg wiegen. Wenn darin 20 kWh Energie gespeichert werden, entspricht das einer Energiedichte von 130 Wh je kg, also ungefähr einer Lithium-Batterie. Sind diese 150kg bei dem Leergewicht von 675-700kg bereits mit eingerechnet?

Unfall. Wie sieht es mit der Explosionsgefahr bei schweren Unfällen aus? Wenn durch Beschädigung der Lufttanks schlagartig einige Kilowattstunden Energie freigesetzt werden, können kleinere Trümmerstücke wie etwa Glassplitter schon mal zu tödlichen Geschossen werden. Eine gewöhnliche Pistolenkugel enthält auch nur etwa 0,2 Wh an Energie!

Alles in Allem stellt das Pressluft-Fahrzeug sicher auch nach einer objektiven Beurteilung noch eine interessante Alternative zum Verbrennungsmotor dar. Ich bin jedenfalls schon gespannt darauf, das Fahrzeug endlich mal in Aktion zu erleben.

SternFuchs

von Natascha Schlüter - am 30.03.2001 21:24
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