Rock im Park Review

Startbeitrag von thoaster am 01.07.2001 14:47




Die Erwartungen an das diesjährige RIP waren gross, sollten doch einige
Top-Acts aus dem New-Metal-Bereich auftreten. Tja, - sollten! Von der handvoll
Bands, die die Motivation zum Kauf eines Festival-Tickets in mir ausgelöst
hatten und mich an den Vorverkaufsschalter getrieben haben, um dort brav meine
150,- abzugeben, ist dann tatsächlich auch nur die Hälfte erschienen. Dass den
Veranstalter da nicht ausschliesslich die Schuld trifft, gestehe ich gerne
zu, jedoch weiss ich nicht genau, was ich von einem Veranstalter halten soll,
der es nicht zustande bringt, diese gross angekündigten Bands dann auch
ranzuschaffen! Man muss doch schwer davon ausgehen, dass zwischen dem Ausrichter
des Festivals und den Bands bzw. deren Management ein Vertrag zustande kommt,
in dem geregelt ist, wann der Act anzu- und aufzutreten hat und was er
wiederum als Gegenleistung dafür bekommt. Bei Vertragsbruch stehen dann ja wohl auch
gewisse Sümmchen als Vertragsstrafen im Raum, die eine Band bzw. die Leute
dahinter auch nicht einfach so zahlen möchten. Das lässt doch schwer die
Vermutung zu, dass es mit der Absage von MuDvAyNe, Disturbed, Slipknot und Orbital
mehr auf sich hat, oder?! Fakt ist jedenfalls, dass diese Bands allesamt
nicht gespielt haben und man sich somit als Konsument ziemlich verarscht
vorkommt. Wenn ich in den Laden gehe und mir einen PC kaufe, dort jedoch die
angepriesene Garfikkarte gar nicht drinnen ist, dann trage ich das Ding
normalerweise zurück und erwirke dort Ersatz bzw. einen Preisnachlass oder gebe die Kiste
gegen Rückerstattung des Kaufpreises gleich ganz zurück! Man hat einfach
nicht bekommen, wofür man gutes Geld bezahlt hat. Dass bei RIP an eine
Teilrückerstattung des Ticket-Preises bei weitem nicht zu denken ist, ist klar, da der
Veranstalter die Bands natürlich clevererweise „ohne Gewähr“
auftreten lässt. Er verliert in keinem Falle etwas – soviel ist klar! Aus
diesem Grunde machte sich unter den gleichgesinnten Besuchern eine harte
Enttäuschung gepaart mit einem starken Gefühl des Verarscht-werdens breit. Dass
es bei Festivals und so vielen Bands immer zu Komplikationen und
Programmänderungen kommt ist klar und durchaus nachvollziehbar und einsehbar, aber mit
dieser Häufigkeit und dann auch noch eine bestimmte Zielgruppe betreffend ist
meines Erachtens nach nicht mehr vertretbar! Hätte ich vorher gewusst, dass
diese Bands alle nicht spielen werden, hätte ich mir alles was mit dem Festival
und diesem Wochenende zu tun hatte sparen können!!!

Wenn das doch schon alles gewesen wäre! Kommt erschwerend der wirklich
mieserable Informationsfluss dazu. Wenn eine Band schon absagt, dann möge man das
doch öfters auf allen Bühnen bekannt geben und nicht erst eine Stunde vorher!
Mir kann keiner weiss machen, dass dem Veranstalter diese Informationen
nicht wesentlich früher bekannt waren und das Publikum einfach nur unnötig lange
hingehalten wurde. Es kann ja für den Sprecher auf den Bühnen kein grosses
Problem sein, nach jedem Act kurz den Stand der Dinge und evtl. das noch
anstehende Tagesprogramm zu verkünden, oder?! Das würde jede Menge unnötiger
Warterei verhindern und wenigstens diesen Teil des Frustes, nämlich den umsonst
gewartet zu haben und dadurch evtl. eine andere Band verpasst zu haben, aus der
Sache herausnehmen. Auch steht bis heute auf der WebSite www.rock-im-park.de
immer noch auf dem Titelplakat als erster Act im Talent Forum die Gruppe
Disturbed und MuDvAyNe ebenso! Im Spielplan wurden ja wenigstens die Auftritte
von MuDvAyNe und Orbital korrigiert, der von Slipknot am Freitag jedoch nicht!
Sieht mir ein bisschen nach konfuser Extrem-Schlamperei aus, was?! Naja, das
mit MuDvAyNe ist ja eh so eine Gerüchteküche, denn sollte sich das Gerücht
bestätigen, dass sie bei Rock am Ring ihren regulären Auftritt absolviert
haben und dann noch für Slipknot eingesprungen sind, dafür aber bei Rock im Park
gar nicht gespielt haben, dann flippe ich aus, wie Wolfgang Petry das mal so
schön formuliert hat! Es kursiert auch das Gerücht, dass Slipknot noch am
Samstag, 02. Juni, ein Konzert in Wien gespielt habe. Vielleicht war den Jungs
ja die Fahrerei von Nürnberg nach Wien und zurück nach Deutschland dann doch
zu viel oder sie haben ihre Masken unterwegs liegenlassen, haha! Aber es sind
ja eben soweit nur Gerüchte und ich möchte hier ja auch niemandem Unrecht
tun!

Ein weiteres grosses Manko war die Tatsache, dass die 2 Nebenbühnen
(Alternative Stage und Talent Forum) schon am frühen Nachmittag dermassen überfüllt
waren, dass der Einlass weiterer Besucher nicht mehr gestattet werden konnte.
Irgendwie muss man sich da doch im Bezug auf den Andrang bzw. der Anzahl der
verkauften Tickets verkalkuliert haben, oder?! Auch diese Tatsache hat das
Festival zu einer Farce gemacht, denn das hin und her tingeln zwischen den drei
Bühnen war somit nicht mehr oder nur extrem eingeschränkt möglich, da man
sich in der Eissporthalle schon gegen 15:00 Uhr einfinden musste, um eine Band
um 20:00 Uhr zu sehen, da man sonst gar nicht mehr reingekommen wäre! Das
kann es doch nicht sein!!! Ausserdem sollte man dringend die Belegung der Hallen
mit Bands überdenken, denn eine Gruppe wie Tex mit einer komplett anderen
Musikstilrichtung zwischen Godsmack und Thumb im Alternatent auftreten zu
lassen ist der absolute Wahn! Kein Wunder, dass die Armen ausgebuht wurden! Das
ist weder für das Publikum schön, noch ein tolles Erlebnis für die Band, die
mir wirklich leid taten, den das Publikum war einfach komplett nicht ihres!
Angesagte Bands wie Static-X lässt man dann im Talent Forum spielen, haben sie
doch letztes Jahr schon die Alternative Stage gerockt! Irgendwo ist doch da
der Wurm drin, oder?! Vielleicht sollte man bei der Gelegenheit auch mal die
Namen der Stages überdenken, denn Talent Forum stimmt ja mal nicht, wenn ihr
dort Static-X auftreten lasst und Alternatent ist ja wohl auch mal ganz falsch,
denn erstens war es ja dieses Jahr kein Zelt mehr und zweitens kann man dort
dann auch keine Gruppen wie Echt oder Tex spielen lassen. Aber das ist jetzt
eher Kleinkram und nebensächlich.

Kommen wir wieder zum finanziellen Aspekt zurück. Wenn im Internet auf der
offiziellen WebSite des Festivals zu lesen ist „Natürlich ist es auch
verboten Glasflaschen oder ähnliches mit in das Stadion zu nehmen. Erlaubt sind
PET-Flaschen mit max. 0,5 Liter Inhalt und Tetrapacks mit max. 1 Liter
Inhalt.“ und man sich als Besucher einkaufstechnisch auf diese Gebote
einrichtet, dann kann man doch auch erwarten, dass diese von Seiten des
Veranstalters auch eingehalten werden. In diesem Falle natürlich wieder ganz anders. Am
Freitag hiess es, man dürfe nur 0,2l PET-Flaschen mitnehmen und ab Samstag
durfte man dann gar nichts mehr mitnehmen. Jaja, da konnte man die
Dollar-Zeichen in den Augen der Begünstigten förmlich klingen hören, denn man war dadurch
ja gezwungen, die zahlreichen Getränke-Stände anzusteuern und dort jedesmal
5,50,- für ein 0,4l Getränk abzudrücken. Also in meinen Augen ist das
Abzockerei hoch 10 und darüber bin ich wirklich sehr verärgert!!!

Auch die Wartezeiten beim Einlass wären deutlich zu verkürzen gewesen,
hätten die vielen Ordner und Security-Leute für ihr Geld auch was getan. Aber dem
Besucher bot sich insbesondere vor dem Eisstadion folgendes Bild:
Von den 4 oder 5 festinstallierten Einlassvorrichtungen wurde lediglich eine
oder maximal zwei besetzt, auch wenn sich die Leute davor schon in rauhen
Massen drängten! Auf der langen Treppe vor der Halle tröpfelten die
eingelassenen Menschen spärlich nach oben durch eine grosse Masse von die Arme
verschränkten, muskelbepackten Ordnern mit wichtigen Knöpfen im Ohr und böse
dreinschauend, denn es hätte ja sein können, dass einer eine gar nicht erlaubte 0,5l
PET-Flasche durch die Schleuse geschmuggelt hat! Auch die Durchsuchung beim
Einlass war ein Witz, denn es wurden vornehmlich die Taschen und Rucksäcke nach
Getränken durchsucht. Ich bin kein einziges Mal richtig abgetastet worden
und hätte in den grossen Taschen meiner Armee-Hose einen ganzen Basar an Waffen
einschmuggeln können. Stattdessen hat man nichts besseres zu tun, als
Taschen teilweise doppelt zu durchsuchen und sich Kommentare von seitens der
Security wie „es ist doch bloss zu eurer Sicherheit! Ihr wollt doch auch
nicht erschossen werden!“ anhören zu müssen. Richtig müsste das nach dem
Bild, das sich mir bot, eher wie folgt heissen: ihr wollt doch die ganzen
Getränke, die ihr extra nach den Geboten und Verboten gekauft und hergeschleppt
habt, doch auch nicht alle trinken müssen. Die ortsansässige Brauerei steht vor
dem finanziellen Aus und ist dringend auf eure Hilfe angewiesen!

Resumée:
Rundum war das Festival für mich persönlich ein extrem enttäuschendes
Erlebnis, das obendrein durch die unverschämte Abzockerei auch noch ein Heidengeld
gekostet hat. Man hat einfach nicht das bekommen, für das man bezahlt hat,
jedenfalls ein bestimmter, nicht allzu kleiner Personenkreis nicht! Nächstes
Jahr müssten schon 20 Bands spielen, für die sich eine Anreise lohnen würde,
denn die Hälfte davon sagt ab, bei 5 kommt man wegen schlechter Organisation
und Durchführung nicht rein – bleiben 5 Bands, die das Geld erst einmal
wert sein müssen. Man hatte natürlich auch positive Erlebnisse, wie der
Auftritt der Emil Bulls oder von Static-X und Limp Bizkit, aber diese werden eben
von der übergrossen Anzahl von negativen Ereignissen überschattet, was sehr
schade ist!
Nächstes Jahr wird das Festival sowieso stattfinden, aber ohne mich!!!
Ich werde mir vielleicht mal das Bizarre angucken, von dem ich bisher nur
Positives gehört habe oder ich lasse es ganz sein und warte erst einmal ein
paar Jahre ab, wie sich das alles organisatorisch entwickelt.

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