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Vader

Die USA steuern mit Volldampf in den Ruin

Startbeitrag von Vader am 10.10.2004 13:09

Die USA steuern mit Volldampf in den Ruin


Die Vereinigten Staaten türmen immer höhere Schulden auf – finanziert von Japan und China. Eine Wende ist nicht in Sicht. Das Ungleichgewicht bedroht zunehmend die Weltwirtschaft.

Asien und das Defizit der USA

Von Meinrad Ballmer

Während in den USA die Politiker ebenso wie Notenbankchef Alan Greenspan Zuversicht verbreiten, demonstrieren die Obligationenmärkte rabenschwarzen Pessimismus. Die professionellen Investoren glauben nicht an einen dauerhaften Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft. Obwohl Greenspan seit Juni schon drei Leitzinserhöhungen um insgesamt 0,75 Prozentpunkte bekannt gegeben hat, sind die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen im selben Zeitraum um 0,85 Prozentpunkte gesunken. Anfang des Jahres rechneten Experten noch damit, dass die 10-Jahr-Renditen bis Ende 2004 auf 6 Prozent klettern würden. Doch sie liegen inzwischen bei 4 Prozent und tiefer als zu Jahresbeginn. Wären die Anleger überzeugt, dass es wirtschaftlich nachhaltig aufwärts geht, müssten die Langfristzinsen an den Märkten stark steigen.

Auch die kurzfristigen Aussichten für die amerikanische Wirtschaft haben sich deutlich verschlechtert. Zwar wächst die Produktion der amerikanischen Firmen immer noch kräftig, doch inzwischen ist der Absatz ins Stocken geraten – die Lagerbestände steigen. Jan Amrit Poser, Chefökonom der Bank Sarasin, zieht aus dem rasanten Lageraufbau den alarmierenden Schluss, dass ein starker Rückgang des Wirtschaftswachstums unmittelbar bevorsteht. Die USA – als Lokomotive der Weltwirtschaft – beginnen zu bremsen.

Haushalte sind finanziell unter Druck
Dass die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen in den USA nicht im bisherigen Tempo weiterwachsen kann, ist offensichtlich. Finanziell sind die amerikanischen Konsumenten nämlich am Anschlag. Die Haushalte haben Schulden wie noch nie und legen nichts mehr auf die Seite: Die Sparquote ist inzwischen fast auf null gefallen. Die von der Regierung Bush gewährten Steuererleichterungen laufen Ende dieses Jahres aus. Angesichts der Leitzinserhöhungen rechnen die Haushalte überdies mit steigenden Hypothekar- und Kreditzinsen, was die Immobilienpreise unter Druck setzen könnte. Zudem belastet das massiv teurere Öl die Budgets. – Doch vor allem die langfristigen Trends der amerikanischen Volkswirtschaft machen schmerzhafte Anpassungen unausweichlich.

Die Vereinigten Staaten leben seit Jahren über ihre Verhältnisse. Das Land kauft die Gütermärkte der Welt leer und bezahlt seine Lieferanten mit Schuldscheinen. Vor allem die Notenbanken von Japan und China häufen immer höhere Dollarguthaben an und stapeln Berge von amerikanischen Staatsobligationen. Asien finanziert die Schuldenwirtschaft der Amerikaner. Dabei werden die Fehlbeträge immer grösser: Seit 1996 ist die Nachfrage in den USA stärker gestiegen als die Wirtschaftsleistung – in jedem Jahr.

Schulden werden teurer
Unabhängig davon, ob sich das Land in der Rezession oder im Aufschwung befand, das Defizit der amerikanischen Volkswirtschaft gegenüber dem Ausland ist kontinuierlich gewachsen: Inzwischen importieren die USA fast doppelt so viel, wie sie exportieren. Die Lücke in der Leistungsbilanz beträgt heute 6 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP). Und das Leistungsbilanzdefizit steigt weiter – jedes Jahr um ein weiteres Prozent des BIP. Was immer stärker ins Gewicht fällt, sind die Zinsen, die die USA für ihre wachsende Schuld gegenüber dem Ausland zahlen müssen.

Auch der Staatshaushalt ist in den letzten Jahren ausser Kontrolle geraten. Rund 500 Milliarden Dollar fehlen der US-Regierung in diesem Jahr. Und die Aussichten haben sich massiv verschlechtert. Die Investmentbank Goldman Sachs rechnet für die nächsten 10 Jahre mit einem kumulierten Haushaltsdefizit von astronomischen 5500 Milliarden Dollar – im Schnitt etwa 3,5 Prozent des BIP. Die Furcht nimmt zu, dass nach den Präsidentschaftswahlen die Party vorüber sein wird. Unabhängig davon, wer die Wahl gewinnt, das explodierende Staatsdefizit wird die Regierung zu einem restriktiveren Kurs zwingen.

Amerikas «Zwillingsdefizit» – der Fehlbetrag der Volkswirtschaft gegenüber dem Ausland und die tiefroten Zahlen des Staatshaushaltes – wird zum Handicap für die wirtschaftliche Zukunft. Geht die Entwicklung weiter wie bisher, dann steigen innert 10 Jahren sowohl die Auslandsschulden der USA als auch die Staatsschulden auf über 100 Prozent des BIP. «Das Land wird die Kontrolle über sein ökonomisches Schicksal verloren haben», urteilt Martin Wolf, Ökonom der «Financial Times». Doch das heutige Ungleichgewicht in der Weltwirtschaft wird früher oder später Anpassungsprozesse auslösen.

Die wahrscheinlichste Entwicklung ist ein drastischer Fall des Dollarkurses. Um das heutige Leistungsbilanzdefizit der USA von 6 Prozent des BIP auch nur zu halbieren, ist nach Berechnungen von Goldman Sachs eine handelsgewichtete Abwertung des Dollars von 20 bis 30 Prozent nötig. Je länger die heutigen Trends anhalten, je grösser das Ungleichgewicht in der Weltwirtschaft wird, desto heftigere Schocks stehen bevor. [TA | 01.10.2004]

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