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das schnelle geld..

Startbeitrag von zeppelin* am 10.03.2005 13:30

Das schnelle Geld
von Jochen Steffens
Die Anleger warten auf das Beige Book, das morgen Abend veröffentlicht wird, und von dem sie sich Neuigkeiten über die Inflationsgefahren erhoffen, wie auf den wöchentlichen Ölmarktbericht, der ebenfalls morgen veröffentlicht wird. Da bleibt mir ein wenig Zeit, vom Thema abzukommen:
Es ist schon seltsam, an der Börse jedoch nichts Ungewöhnliches: Immer wieder werde ich mit neuen obskuren Ideen konfrontiert, wie man schnell reich werden kann.
Gerade sind zwei Traderkollegen aus Kuba wiedergekommen, mit leuchtenden Augen, in denen man große blinkende Dollarzeichen sehen kann. Nicht nur, dass sie ständig von den kubanischen Frauen schwärmen, sie erzählten mir auch, dass sie nun planen, in Kuba Grundbesitz zu erwerben. Ein 350 qm Haus im Kolonialstil. Eingangshalle mit riesiger Treppe und Säulen, überdimensionierte Terrassen und Balkons, mitten in Havanna – das Klischee halt. Kleiner Einsatz, große Gewinnchance – verzehnfachen wollen sie ihr Geld. Sie argumentieren wie folgt:
Was noch alles passieren muss
Gut, dafür muss lediglich Fidel Castro sterben oder die Regierungsgeschäfte abgeben, aber der sieht ja auch nicht mehr so gesund aus. Und schließlich könne man auf den Reichtum auch notfalls 15 Jahre warten. Okay, keiner weiß, was passiert, wenn Fidel Castro tatsächlich abdankt. Aber warum sich Gedanken machen, die Amis werden schon dafür sorgen, dass Kuba nicht an der amerikanischen Vorstellung von Demokratie auf der einen Seite und Law and Order auf der anderen Seite vorbeikommt. Gut, die Rechtsunsicherheit in Kuba ist ein Problem, auch die Möglichkeit übers Ohr gehauen zu werden (die ich noch für die wahrscheinlichste aller Varianten halte), und all die anderen Tücken, die solche windigen Geschäfte mit sich bringen – aber es geht doch um den schnellen Reichtum!
Natürlich sind oft genau die Investitionen am lukrativsten, die auch das größte Risiko beinhalten. Aber in den allermeisten Fällen scheitern die Hoffnungen auf schnellen Reichtum an der Realität. Doch ganz unnütz sind solche Investitionen auch dann nicht, man hat schließlich bis dahin eine schöne Zeit mit Träumen und Hoffnungen von Reichtum verbracht.
Die Aktienehe
Das erinnert mich an einen Bekannten, der im Jahr 1999 in eine dubiose Firma investiert hat, die am OTC-Markt in den USA gelistet ist. (OTC=Over the counter, sprich Freiverkehr. Hier befinden sich hochstspekulative Aktien, die an anderen Börsen nicht zugelassen würden.) Zunächst ist diese Firma, eine Online-Spielkasinofirma, im Boom von einem Pennystock auf über 20 Dollar gestiegen.
Der Bekannte hat damals mal eben 200.000 DM verdient. Dann ist die Aktie von 20 Dollar auf 13 Cent im Tief gefallen. Der Bekannte hatte mal eben 200.000 DM und fast seinen ganzen Einsatz verloren. Jede freie Minute seit fünf Jahren verbringt er seitdem mit dieser Aktie, hat unzählige Mails an die Ceo's geschrieben, jede Nachricht, jede Veröffentlichung mit fieberhaftem Glanz in den Augen erwartet. Er hatte sich, was man eigentlich nie tun sollte, völlig in diese Aktie "verliebt", sieht nur noch die positiven Seiten dieser Aktie. Wobei verliebt eher untertrieben ist: Er war und ist mit dieser Aktie quasi verheiratet. Er teilte schließlich jede freie Minute, viele nächtliche Träume und wache Stunden voller Sorge mit ihr. Er opferte ihr seinen letzten Penny und kaufte (ihr) damit immer wieder weiter fleißig Aktien nach.
Wahnsinn mit Methode
Nachdem ich ihm vier lange harte Jahre geraten habe, aus der Aktie auszusteigen oder wenigstens nicht weiter nachzukaufen, habe ich aufgegeben. Doch nicht nur das. Ich habe sogar meine Meinung geändert. Wer weiß, vielleicht wird er mit dieser Aktie reich. Natürlich ist es völliger Wahnsinn, mittlerweile knapp 50.000 € und damit all sein Geld in eine Aktie, die auch noch an der OTC gelistet ist, zu investieren. Aber er hat schließlich auch bei 13 Cent nachgekauft, und so mittlerweile einen Schnitt von 87 Cent erzielt.
Und siehe da, in den letzten Wochen ist die Aktie auf 2 Dollar gestiegen. Seine Hartnäckigkeit, sein unerschütterlicher Glaube hat sich ausgezahlt. Natürlich verkauft er nun trotzdem nicht, das würde keiner tun, der 5 Jahre lang diesen Wahnsinn mitgemacht hat – nicht, wenn die Aktie nun endlich das macht, worauf man 5 Jahre gewartet hat. Aber wer weiß, wenn sie in den nächsten 10 Jahren irgendwann wieder auf 20 Dollar steigt, hat er mehr als eine Millionen Euro verdient. Vielleicht ist es diese Form von Wahnsinn, der einige Leute an den Börsen wirklich reich gemacht hat.
Noch ein Wahnsinniger
Das erinnert mich an Andre, der sich verspekuliert hatte und völlig pleite war. Lediglich mit viel Glück, totalem Wahnsinn und etwas Unterstützung von außen schaffte er es wieder, ein Vermögen aufzubauen. Diese Geschichte machte ihn wohl zu dem größten Guru der Börsenhistorie. Nur was passiert wäre, wenn diese eine Spekulation von Kostolany schief gegangen wäre, davon schreibt keiner.
Es ist so oft einfach nur Glück
Sowieso ist mir bei der Studie von Biographien aufgefallen, dass viele der großen "Börsen-Gurus" lediglich ein oder mehrmals wirklich Glück hatten – und danach bekannt wurden.
Man könnte es einmal überspitzen: Es ist ein wenig so, als würde man von dem einen, der zwei Mal im Lotto gewonnen hat, nun sagen, er wäre Lottospezialist. Er würde Bücher herausbringen: "Wie ich mit Lotto meine erste Millionen machte", oder "die Kunst, über Lotto nachzudenken". Warum werde ich bloß das Gefühl nicht los, dass diese Bücher nicht ganz so erfolgreich wären, wie die von Kostolany?
Aber es ist so: Von den vielen, die auch alles riskierten, hartnäckig durchgehalten haben um dann noch alles zu verlieren, erzählen keine Bücher, dazu finden sich keine Statistiken – davon will noch nicht einmal jemand etwas hören.
Einmal Reichtum, immer Reichtum?
Das Dumme ist, wenn man einmal Glück hatte und über viel Geld verfügt, dann kann man mit ein wenig Ahnung von den Börsen relativ sicher sein Geld verdienen. Ich kann Ihnen dazu auch ein Beispiel geben:
Es gibt ein Garantie-Zertifikat, dass ich den Lesern der Makro-Strategie empfohlen habe. Dieses ist im Moment für ca. 94 € zu erhalten. Garantiert ist eine Auszahlung von 100 € im März 2008. Das bedeutet, sie haben sichere 6,38 % Gewinn in 3 Jahren. Das hat damit zu tun, dass der Euro-Stoxx, auf den dieses Zertifikat emittiert ist, ca. 22 % unter dem Emissionswert liegt. Sollte jedoch der Euro Stoxx wieder um diese 22 % ansteigen, wird dieses Zertifikat jedes weitere Prozent Gewinn von diesem Level eins zu eins am Ende der Laufzeit auszahlen. Mit anderen Worten: 6,3 % sichere Rendite plus die theoretische Chance, großen Profit zu machen, ohne Risiko. Sie können dann natürlich die 6 % Rendite auch noch auf ein hochspekulatives Zertifikat anlegen, das davon profitieren wird, dass der Stoxx eben nicht diese 23 % ansteigt – aber das ist ein ganz anderes Thema. Kein Risiko, trotzdem Rendite und auch noch hohe Gewinnmöglichkeiten – der Traum eines jeden Anlegers ...
P.S. Kaum hat der Dax wieder ein neues Hoch erklommen, rasselts schon wieder steil nach unten – wie immer, ist man geneigt zu sagen ...

Antworten:

kann ich alles gut nachvollziehen. *s* o.t.

o.t.

von SMI8000 - am 10.03.2005 14:01
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