Neue Börse in Dubai

Startbeitrag von * xetra * am 20.07.2005 15:56

Investoren in die Wüste

Das Emirat Dubai will Investoren mit einer neuen Börse in den Wüstenstaat locken. Im September soll der Handel an der Dubai International Financial Exchange (DIFX) starten. Diese soll die bestehenden Lokalbörsen ablösen und die zeitliche Handelslücke zwischen den Aktienmärkten in Asien und Europa schließen.

"In drei bis vier Jahren wollen wir die internationalste Börse der Welt sein, gemessen an der Herkunft der Emittenten, nicht am Volumen", sagt Steffen Schubert, Vorstandschef der DIFX und ehemaliger Chef der Münchener Börse. Die Spannbreite der gelisteten Firmen soll von Indien bis Ägypten und von der Türkei bis Südafrika reichen. "Ich gehe davon aus, dass in drei bis vier Jahren bis zu neunzig Prozent der gelisteten Unternehmen nicht aus den Vereinigten Arabischen Emiraten stammen."

Der Schlüssel zu den internationalen Märkten

Aktienhändler Fidel Helmer von Hauck & Aufhäuser Privatbankiers sieht das Vorhaben optimistisch: "Das Finanzzentrum in Dubai könnte der Schlüssel der arabischen Welt für den Eintritt in die internationalen Märkte werden." Für internationale Investoren sei die Region um den Persischen Golf attraktiv. Auf den Konten der Golfbewohner lagerten riesige Vermögen. "Bislang waren die Transaktionswege jedoch zu lang und die Abwicklung von Handelsgeschäften zu kompliziert", sagt Helmer.

Auch die Deutsche Bank wird Makler an der DIFX. "Die Börse in Dubai soll eine Brücke zwischen dem Handel im Fernen Osten und in Europa schlagen", sagt Jeffery Culpepper, Leiter des Aktiengeschäfts Mittlerer Osten und Nordafrika bei der Deutschen Bank. Er hoffe auf mindestens eine, möglicherweise sogar mehrere Neuemissionen am ersten Handelstag.

Börsenchef Schubert erwartet, dass in den ersten sechs bis zwölf Monaten fünf bis zehn Unternehmen an den Markt kommen. Aus Deutschland hätten bereits zwei Unternehmen Interesse bekundet, die in der Region aktiv seien und deren Börsengänge bis zum Jahr 2007 zu erwarten seien. Auch Unternehmen aus Europa seien an einem Listing interessiert. Das Emissionsvolumen einzelner Unternehmen, die Interesse bekundet hätten, betrage bis zu einer Milliarde Dollar.

Transparenz und Professionalität

Die Zulassungsbedingungen der Emittenten orientieren sich an den Regularien der Börsen in London, New York und Frankfurt. Transparenz und Professionalität würden ebenso großgeschrieben wie anderswo. "Die Compliance-Regeln in Dubai werden dem Standard der führenden Börsen der Welt entsprechen", sagt Culpepper. Etwa 50 Mitarbeiter des Frankfurter Bankhauses sollen im Finanzbezirk Dubai arbeiten, rund zehn Mitarbeiter direkt an der Börse DIFX.

Der Aktienindex der neuen Börse - dessen Name noch offen ist – soll alle Branchen abbilden. DIFX-Chef Schubert sagt: "Egal ob Industrie, Öl, Gas, Tourismus -die Börse in Dubai bietet das komplette Spektrum für breitangelegtes Interesse der Investoren." Auch Anleihen und später Derivate sollen auf der Angebotsliste der DIFX stehen. Der europäische Börsenbetreiber Euronext stellt die Handelsplattform. Gehandelt wird in US-Dollar.

Deutsche Unternehmen halten sich zurück

Deutsche Unternehmen bekunden zwar Interesse, üben sich aber in Zurückhaltung: Obwohl Dubai etwa für die ThyssenKrupp AG als interessanter Wachstumsmarkt gilt und der Industriekonzern bereits mehrere Großaufträge aus dem arabischen Emirat erhalten hat, ist es nach Auskunft des Unternehmens "noch viel zu früh", um an ein Zweitlisting der Aktie zudenken. Für Siemens ist Dubai zwar ein "interessanter Markt", ein Listing dort sei aber "kein Thema", sagt ein Siemens-Sprecher. Auch für den Maschinenbauer MAN besteht grundsätzlich kein Bedarf, an einem weiteren Börsenplatz außerhalb Deutschlands gelistet zu sein.

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