Der Iran droht dem Westen

Startbeitrag von * xetra * am 20.01.2006 16:24

Öl kostet bald 70 Dollar pro Barrel, aber das ist noch gar nichts. Der Iran droht, den Ölpreis auf nie gekannte Höhen steigen zu lassen.
Von Helmut Achatz

Den Namen Davoud Danesh-Jafari werden Autobesitzer und Öltankbefüller noch häufiger hören. Irans Wirtschaftsminister drohte, der Ölpreise könne schnell auf ein Niveau steigen, mit dem der Westen nie gerechnet hätte. Er und sein Chef Mahmud Ahmadinedschad wollen, dass sich Europa und die USA aus seinen Atomplänen heraushalten. Das schwarze Gold setzen sie als Druckmittel ein.

Zehn Prozent der Ölreserven

Wäre ja alles nicht so schlimm, aber im Iran lagern rund zehn Prozent der weltweiten Ölreserven, das sind immerhin 133 Milliarden Fässer Öl mit einem Inhalt von 159 Litern – und damit weit mehr als in Russland oder im Irak. Das Land am Persischen Golf ist zudem der zweitgrößten Ölproduzent innerhalb der Opec (Organization of Petroleum Exporting Countries), nach Saudi-Arabien. Es liefert täglich schätzungsweise vier Millionen Barrel oder umgerechnet über 600 Millionen Liter Rohöl vorzugsweise an Europa und die USA.

Mit einem Ölboykott würden sich die Iraner selbst ins Fleisch schneiden, das wissen sie. Deswegen werden sie es vorerst bei Drohungen belassen. Aber allein die reichen, den Preis explodieren zu lassen. Sollte der Iran seine Lieferung stoppen oder verringern, ließe sich der Mangel von den anderen Opec-Ländern nicht so ohne weiteres ausgleichen.

Probleme auch in Nigeria

Dazu kommt noch, dass der Iran nicht das einzige Problem-Öl-Förderland ist. In Nigeria herrscht Krieg. Militante Gruppe haben Ölfördertürme von Royal Dutch und Shell angegriffen und Ölleitungen attackiert, worauf hin die Firmen Arbeiter evakuierten. Deswegen fehlen der öldurstigen Weltgemeinschaft täglich rund 200 000 Barrel. Die Rebellen in Nigeria kämpfen gegen die ungerechte Verteilung der Petro-Dollars in ihrem Land.

Folge dieser Unruhen und Drohgebährden: Seit Jahresanfang verteuerte sich nicht nur Öl aus dem Iran und Nigeria, sondern auch schwarzes Gold der Marke WTI, wobei WTI für Texas Intermediate steht. Selbst für das Brent-Öl aus der Nordsee müssen die Kunden tiefer in die Tasche greifen. Die Märkte sind eng miteinander verflochten, die Anbieter nutzen ihre Macht.

Dennoch gibt es unterschiedliche Preise für die einzelnen Ölsorten. Das texanische Öl der Marke WTI kostet einen Tick mehr als Nordsee-Öl, da ers weniger Schwefel enthält und somit kostengünstiger in der Raffinierie in seine Bestandteile Benzin und Diesel zu zerlegen ist.

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