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vor 11 Jahren, 9 Monaten
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M. Keynes, Oekonom, motho, sommy

Die Gretchenfrage

Startbeitrag von M. Keynes am 21.01.2006 17:42

"Ehe geldpolitische Massnahmen ihre volle Wirkung entfalten, vergehen zwischen sechs Monaten und einem Jahr."

Joseph Stieglitz


Nun also wurden die Zinsen in den USA im vergangenen Jahr erheblich angehoben. Dasselbe wird in Europa jetzt, in diesem Jahr erfolgen- nicht so stark zwar (schliesslich will man den fragilen Wirtschaftsaufschwung hier nicht durch eine zu restriktive Geldpolitik gefährden), doch es wird bei der EZB nicht nur bei einem einzigen Schritt à 25 Prozentpunkten im laufenden Jahr bleiben.

Die Noten- und Zentralbanken sind seit 1973 stigmatisiert und haben ihren Fokus sozusagen ständig auf das Eindämmen einer möglichen Inflation gerichtet; die Preisstabilität steht also ganz oben auf der Prioritätenliste dieser äusserst einflussreichen Gilde.

Die USA, unsere finanz- und wirtschaftspolitischen Protagonisten, rechnen in diesem Jahr mit einem baldigen Ende des vorherrschenden Zinszyklus. Das freut die Märkte in New York, weshalb sie dieses Jahr auch so hübsch psychologisch wichtige Marken überschritten haben. Natürlich ächzt die amerikanische Volkswirtschaft unter einem historisch hohen Schuldenberg, weshalb die entsprechend spezialisierten Bogen-Offsett-Druckmaschinen jenseits des grossen Teiches Noten in Unmengen drucken und drucken und drucken- u. A. dank unseren Pensionkassen, den Asiaten und ihren Dollarreserven, dem Petrodollar usw. usw. Um einige Aussagen, die hierzu in diesem Forum zum Thema gemacht wurden, etwas zu relativieren, habe ich hier noch ein anderes Zitat des Wirtschafts-Nobelpreisträgers Joseph Stieglitz:

"Solange wir nicht wissen, wie Haushaltsdefizite ökonomisch eigentlich zu bewerten sind, wird die Wirtschaftspolitik auch in Zukunft auf wackligen Füssen stehen (...)."

Aber das nur so nebenbei. Jetzt möchte ich langsam zum Kern meiner Gedanken kommen: Das Zeitfenster, innerhalb dessen erw. geldpolitische Massnahmen wirken sollten (müssten), beträgt also etwas mehr als ein Jahr. Betrachtet man die Zinskurve in den USA, so muss es dem abdankenden Allan Greenspan Angst und bange gewesen sein, dass er auf eine derart restriktive Geldpolitik umgeschwenk ist- und das in bemerkenswert kurzer Zeit. Das laufende Jahr sollte also das Jahr sein, in dem die vor etwas über einem Jahr begonnene Zinserhöhungen wirken sollten... Man spricht explizit von diesem Jahr, dass ja ein prosperierendes werden soll. Einige Marktstimmen sprechen jedoch bereits jetzt schon von einer Abschwächung der US-Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte '06. Aha: 2007 ist ein Jahr, von dem niemand spricht...

Gedankensprung: wie allgemein bekannt ist, antizipieren die Börsen an der zukünftigen Entwicklung. Das zweite Halbjahr fällt in den USA voraussichtlich schwächer aus. Und dann..? Jetzt die Gretchenfrage:

Wie weit im Voraus nehmen die Börsen eine zukünftige Entwicklung vorweg..?! Sechs Monate im Voraus? Zwölf..? Zwei Jahre? Nicht vergessen: am Horizont ziehen dunkle Wolken auf... Gibt es also auch eine Art Faustregel, wie lange im Voraus die Börsen eine künftige Entwicklung vorweg nehmen (analog zur Regel in der Geldpolitik)?

Ich bin etwas ratlos.

Wer kann mir eine Antwort auf diese Fragen geben?

Antworten:

Schwierig zu sagen wie die zukünftige Entwicklung sich bietet. Ansätze dazu sind scheinbar vorhanden:





von Oekonom - am 21.01.2006 18:57
Das ist eine mögliche Variante, stimmt ;-)

Aber zurück zur ursprünglichen Frage: die Wolken am Horizont sind unverkennbar- wann werden diese von der Börse antizipiert?

Im Prinzip muss man jederzeit mit dem Eingreifen von Bärtigen in unserem Alltag rechnen. Deshalb spricht auch niemand mehr von "buy and hold" seit nine-eleven. Aber das natürlich nicht offiziell.

Zur Zeit habe ich es beruflich tatsächlich mit einem der von Dir abgebildeten Sorte zu tun. Und mit einem Top-Terroristen hatte ich ebenfalls zu tun. Kein wirklich berauschendes Gefühl, wirklich.

Grüsse in den Abend hinein



von M. Keynes - am 21.01.2006 20:33
Ahmedineschad(Tele-Text): „Er rief nun auf die islamsichen Staaten auf ihre wirtschaftliche Macht gegen den Westen einzusetzen.“
„Parallel zu dem politischen Krieg ist ein versteckter großer Wirtschaftkrieg im Gange, und die islamischen Staaten sollten ihr Potenzial nutzen, um den Feinden die Hände abzuhacken.“
Das ist internationale politische Ökonomie. Mit viel Angst auf beiden Seiten.
Robert Gilpin: U.S. Power and the Multinational Corporation. 1975.
“In the short run, the distribution of power and the nature of the political system are major determinants of the framework within which wealth is produced and distributed. In the long run, however, shifts in economic efficiency and in the location of economic activity tend to undermine and transform the existing political system. This political transformation in turn gives rise to changes in economic relations that reflect the interests of the politically ascendant state in the system.”
Jemand schrieb hier was von die anderen islamischen Staaten und die anderen Oilis (Venezuela, Bolivien, Chile hat auch was gesagt, Simbabwe(Afrika) u.a.) freuen sich durchaus über die großen Sprüche von Iran.
Richtig.
China kann sich die scheiße bei dem wachstum leisten, für eine zeit, ausfall im sicherheitsrat.
Geil finde ich, wie AL Quaida Hebel und Optionis zum 9/11 eingesetzt haben soll. Ahmedinedschad hat eine wahre sache gesagt und ich drehe mich in meinem nicht vorhandenen Sarg um: „ Österreich und Deutschland sollen doch ein Stück von ihrem Territorium abtrennen, damit die Israelis einen legalen platz haben. Boa eh, Verursacherprinzip. Aber als Deutscher bin natürlich SCHOCKIERT über solche inakzeptablen Äußerungen.
Die US-Wirtschaft: Bernanke versucht wie sie alle die preise unten zu halten und deshalb soll das wachstum für 06 geringer gefahren werden. dies aber sicher nur um „reculer pour mieux sauter“
das problem wird in ein paar jahren trotzdem die sozialversorgung, die gesundheitskosten und die renten.
ameriak ist unvorbereitet und die politik ist handlungsunfähig in dem punkt wegen unwissen über die wirkungen ihrer möglichen handlungen in wichtigen punkten in der zukunft. wiederwahlen. bei den zinsen muß man kurzfristige und langfristige beachten. Fed hat sich um die kurzfristigen gekümmert. langfristige (z.B. Hypotheken) sind niedriger. Business findet derzeit nicht viel alternativen zu einer rendite von 4%.
deshalb weniger investitionen. aber da ist noch mehr. das ist alles nur interessant bei ceteris paribus einer leidlichen sicherheitspolitischen lage.
M.K.:“ Natürlich ächzt die amerikanische Volkswirtschaft unter einem historisch hohen Schuldenberg, weshalb die entsprechend spezialisierten Bogen-Offsett-Druckmaschinen jenseits des grossen Teiches Noten in Unmengen drucken und drucken und drucken- u. A. dank unseren Pensionkassen, den Asiaten und ihren Dollarreserven, dem Petrodollar usw. usw.“
Wichtig! Die Hälfte der USA oder mehr gehört den ASIATEN. Check out the IPE. Anpassungen notwendig.
Das Haushaltsdefizit selbst ist nur eine mehr oder weniger eine Pipi-Variabel. Man beachte auch die Leistungsbilanz. Klar (Gähn) das Doppeldefizit. + auf der Kapitalverkerhsbilanz. Aber wie lange . Die Ausländer finanzieren wie in den 6oern das amerikanische privileg (de Gaulle). Dann aber wandel in der IPE- Zusammenbruch von Bretton-Woods. Infolge flexible Wechselkurse. Es gibt auch jetzt wieder eine Wechselkursproblematik. Eine Anpassung auf allen Ebenen könnte bevorstehen. In den frühen achtzigern hat reagan mit seinem doppeldefizit und hohen zinsen den bären erlegt. Jetzt steht wieder so etwas bevor. China ist stark. Bellende Hunde beissen nicht. Das sind die Oilies. Sie wollen was ab haben vom Kuchen, der okzidental- konfuzianisch verteilt wird.
Für die Börse hierzulande bedeutet das vorsicht. Das solle die zweite natur aller spekulanten sein.
Drecksvolk.

von motho - am 22.01.2006 00:36
Zitat

die Wolken am Horizont sind unverkennbar- wann werden diese von der Börse antizipiert?


Das wird wohl niemand exakt voraussagen können. Die Börse hat die Eigenheit, fast nie realtitätsgetreue Bewertungen vorzunehmen. Vielfach ist sie über- oder untertreibend. Um diese Zustände zu korrigieren genügt eine Meldung zur richtigen Zeit. Somit spielt die Nachrichtenlage eine grosse Rolle und was die Akteure daraus machen. Der Mensch empfängt diese Information und reagiert darauf indem er seine Handlung danach ausrichtet.

Wann und wie die Nachrichtenlage auf den Markt durchschlägt ist nicht im voraus zu beantworten. Um Analysen und Prognosen erfolgreich in die Praxis umzusetzen, ist es unerlässlich, sich einer Handelsdisziplin zu unterwerfen. Ohne sie ist jede Analysemethode, selbst wenn diese verhaltensorientiert ist , zum Scheitern verurteilt. Viele Akteure beginnen nämlich ohne wesentliches Vorwissen in den Finanzmärkten zu handeln und verlieren auf diese Weise unter Umständen (unnötig) viel Geld, nur weil sie sich auf ihr Gefühl verlassen oder sich aber nicht genügend mit den Spielregeln des Marktes auseinander setzten.

Das Geheimrezept erfolgreich zu agieren heisst vermutlich nicht nur Prognose, sondern vorallem Disziplin.



von Oekonom - am 22.01.2006 09:04
André Kostalony würde dazu sagen:

"Die Börse ist launisch und unberechenbar. Man muss auch die Reaktion des Publikum erraten..."



von Oekonom - am 22.01.2006 11:20
Kenne ich Dich etwa aus dem Off-Topic? Die Art und Weise, wie Du schreibst, die Art und Weise, wie Du assozierst, verschiedenste Fakten, Nachrichten, Fiktionen und Interpretationen hochverdichtet wiedergibst, erinnert mich wirklich an einen Teilnehmer aus dem Off-Topic, als noch so Leute wie Goldmann Sucks und Andere dort aktiv waren.

Du bist Deutscher, wie Du schreibst, nicht? Aber an Dein ehemaliges Pseudonym kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern. Was ich noch weiss ist, dass Du damals scheinbar studiert hast, und keine Hemmungen hattest, Options-Strategien darzulegen, die meistens verlustreich geschlossen werden mussten. Mut hattest Du, das muss ich zugeben!

Doch vieleicht liege ich auch ganz falsch und tue Dir jetzt unrecht...

Grüsse ;-)



von M. Keynes - am 22.01.2006 13:30
Nein, ich war noch nie im Off-Topic, sehe aber, daß mein Posting dastehen könnte.
Es geht um die Börse; bei vielen in einem Zeitraum von einem 1 Jahr max. 2.
Mein beitrag ist semiwissenschaftliche Prosa, die mögliche entwicklungskurven der int. pol. Ökonomie skizziert. Die Propheten der Börse machen alle unwissenschaftliche Thesen; ein weiteres Indiz für die wichtige rolle, die die psycholgie hier spielt.
KLar ist aber auch, daß die psychologie mit einer gewissen fehlermarge die materielle
Marktentwicklung wiederspiegelt; wohl in bezug auf die zukunft, von deren einschätzung Investment abhängt. Geht man von einer verschiebung des globalen Gleichgewichts zugunsten von asien aus, wird dies effekte zeitigen auf die okzidentalen börsen. Weiß aber nicht, ob spekulationskapital in andere märkte umgeleitet wird.
Zu unzuverlässig ist die Regulierung der Finanzmärkte z.B. in China. Die Börse ist unterentwickelt und daher unvorhersagbar. Dort zu investieren ist stark reglementiert. Habe kürzlich gelesen, daß in China um die 10 Derivate angeboten werden.

Aufgrund dieser decalage von wirtschaftlichem potenzial und investitionsmöglichkeiten (verschiebung)ist auf mittlere und v.a. längere sicht einstieg in echte werte angesagt, die jeder braucht oder was mit anfangen kann: Erdöl und Gold.
Wenn man Geld hat , würde ich ANteile von erneuerbaren kaufen. Dann macht man es wie Warren Buffet, der heute einschaläft und in zehn Jahren als Multimillionär wiederaufwacht. (Gibt es hier welche?!) Er nannte derivate übrigens "financial weapons of destruction"LoL.
Wenn er bald weniger kohle macht, ist dies auf die sicherheitslage zurückzuführen.

Ich selbst habe nur Aktien, da ich für Derivate nicht zugelassen bin. Frage mich, wieviel Kapital man haben muß, damit sie einen wieder zulassen...Habe vor zehn Jahren schon OS investiert. Seit 06 beobachte ich den Markt wieder intensiv.
Hätte ich mein Kapital in Derivate investieren können, hätte ich es verdoppelt.
Es war klar: Die Pseudo-Rallye des DAX schrie nach Korrektur. Mit der Herbst Rallye war ein weiterer ununterbrochener Anstieg sehr unwahrscheinlich. Hätte an der Nikkei-Erholung verdient. Beim Dax geputtet und gewartet...
Jetzt habe ich wieder Aktien und muß auf einen langen Atem bauen. Werde ich wieder reinholen, wenn die führer der welt nicht durchdrehen und die vögel nicht zu sehr mutieren.

Über allem steht noch immer die US-Wirtschaft: Die muß man studieren: Alle wichtigen, möglichen Variablen sammeln und miteinander korrelieren. Aus der Vergangenheit lernen, heißt zu erkennen, was jetzt anders ist. Was bedeutet das? Hätte das andere in der Veergangenheit einen positiveren oder negativeren Trend generiert? Danach richten. Bin Student, werde mir das alles genauer angucken.

Vielleicht nochmal zur Herbst/Winter-Rallye des Dax: Der IWf hat jetzt überraschend positive BIP-Prognosen gestellt. Die Luft ist raus an der Börse. Das was positiv bevorsteht, ist in der Rallye eingepreist. Mehr traut man nicht zu. Die Finanzwelt begrüßt Ds Entwicklung ist aber nicht euphorisch. Als die Bäume in den Himmel wuchsen, testete man die Manie auf ihre materielle Grundlage, die die psychologie determiniert. Man ist nicht überzeugt. Deshalb: Ruhige Kugel schieben.
Scheiße, wieviel dividende gibt es eigentlich?

Greetz
Motho

von motho - am 22.01.2006 15:13
Wenn ich ganz ehrlich bin, hatte ich eigentlich von niemandem eine Antwort erwartet. Obwohl die Börse die Zukunft zu handeln glaubt, ist sie doch auf die Gegenwart fixiert, oder, wie es die FAZ vom Samstag absolut zutreffend beschrieben hat:

"An der Börse kauft man Träume, aber verkauft werden Fakten."

Es wird nicht so sein, dass man an den Märkten auf die Schlange wie das sprichwörtlich erstarrte Kaninchen schauen wird- im Gegenteil: man lässt die Wolken solange ziehen, bis man sie nicht mehr übersehen kann... Und bis dahin wird ein reger Handel stattfinden und Rückschläge werden zu Einstiegschancen uminterpretiert.

Grüsse ;-)



von M. Keynes - am 22.01.2006 16:47
... hihi - genau das ist der Haken, vor allem wenn man das Publikum nicht sieht :laugh:

von sommy - am 22.01.2006 20:27
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