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Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 8 Monaten
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vor 11 Jahren, 8 Monaten
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Steeplejack, *yes

Artkel: Risiko für Unternehmen

Startbeitrag von *yes am 16.02.2006 22:42

Hallo Leute
Hier ein lesenswerter Artikel aus der NZZ vom Mittwoch. Macht nicht auf Panik, gibt ab paar bedenkenswerte Hinweise
Gruss *yes

NZZ vom 15.2.06
«Die Unternehmen haben das Risiko noch nicht wirklich erkannt»
Herr Prof. Kekulé,* was könnte eine Pandemie bei Unternehmen anrichten?

Das kommt sehr darauf an, wie gefährlich das Pandemie-Virus ist und wie gut sich das Unternehmen vorbereitet hat. Im Falle einer gemässigten Pandemie, wie etwa der Hongkong-Grippe von 1968, wird sich der Krankenstand eine Zeit lang etwa verdoppeln.
Damit dürften die meisten Unternehmen mehr oder minder gut klarkommen. Wenn sich jedoch etwas wie die Spanische Grippe von 1918 wiederholt, muss mit 30 bis 50 Prozent Erkrankungen im Unternehmen gerechnet werden. Hinzu käme eine grosse Zahl von
Mitarbeitern, die aus Angst vor Ansteckung zu Hause bleiben. Wer Kinder hat, wird diese aus den Tagesstätten und Schulen nehmen und also eventuell auch zu Hause bleiben, um sich um die Kinder zu kümmern. Wenn aber ein Unternehmen gut vorbereitet ist und die
Mitarbeiter vielleicht sogar wissen, dass ihnen dort besser geholfen wird als vom Staat, dann kommt es zu viel weniger panikbedingten Arbeitsausfällen. Durch Hygienemassnahmen im Unternehmen und Versorgung mit Grippe-Medikamenten kann zudem die Zahl der
Erkrankungen erheblich gesenkt werden. Das kann der Unterschied zwischen wirtschaftlichem Untergang und Überleben sein.

Stimmt es, dass die Unternehmen unzureichend auf den Pandemiefall vorbereitet sind?

Ja, die Unternehmen im deutschsprachigen Raum haben das Risiko «Pandemie» noch nicht wirklich erkannt, im Gegensatz zu vielen angelsächsischen Firmen. Das ist gefährlich, denn insbesondere börsennotierte Unternehmen müssen Pandemien demnächst als
Unternehmensrisiko einkalkulieren, d. h., sie müssen den Analysten vorrechnen, wie viel sie im Falle einer Pandemie verlieren und was sie getan haben, um die Verluste einzudämmen.

Welche Massnahmen könnte denn ein geeigneter unternehmensinterner Pandemieplan umfassen?

Das kommt sehr auf die Branche und die Unternehmensgrösse an. Wir haben mittlerweile eine Reihe von Strategien für spezielle Unternehmensarten ausgearbeitet wie etwa Banken, die Pharma- oder die Automobilindustrie. Eine Würstchenbude wird wohl am besten einige
Monate schliessen. Dagegen sollten global operierende Unternehmen nicht verkennen, dass die Pandemie in Wellen um die Erde rollt, d. h., in einem Teil der Welt wird weiter gehandelt, weil die Welle noch nicht angekommen oder schon vorbei ist. Internationale Unternehmen
können deshalb ihre Produktion oder Dienstleistung so planen, dass sie jeweils die noch funktionierenden Märkte weiter bedienen. Das kann Milliarden Umsatzverluste vermeiden. Einige Unternehmen wie etwa Banken haben die Möglichkeit, einen Teil ihrer Aktivitäten über
das Internet abzuwickeln, also die Mitarbeiter zum Teil nach Hause zu schicken oder die Arbeit von entfernten Standorten aus machen zu lassen. Das geht im produzierenden Gewerbe natürlich nicht so einfach, da gibt es andere Strategien, wie die Vermeidung von Infektionen am Arbeitsplatz durch Schutzmasken und Medikamente.

Empfehlen Sie den Unternehmen, Medikamente für den Ernstfall einzulagern?

Im produzierenden Sektor ist das meist unverzichtbar, da kritische Unternehmensteile nicht abgeschottet oder abgeschaltet werden können. Auch im Dienstleistungsbereich gibt es einzelne Aktivitäten, die nicht per Telefon oder Internet gemacht werden können. Da die Mittel teuer sind, empfiehlt sich aber eine gründliche Planung. Wir haben festgestellt, dass etwa die Menge des benötigten Tamiflu sehr stark variiert. Je nach Unternehmensart und strategischem Ziel der Pandemieplanung kann die Zahl der benötigten Tamiflu-Einheiten
zwischen 5 und 80 Prozent der Mitarbeiter liegen. Es wäre sicher nicht sinnvoll, statt vernünftiger Pandemieplanung Unsummen für nicht benötigtes Tamiflu auszugeben.

Wo liegt die Grenze zwischen angebrachter Vorsorge und übertriebener Panik?

Wer die Möglichkeit hat, im Falle einer Pandemie direkte Menschenkontakte zu vermeiden, und seine Kinder einige Monate zu Hause lassen kann, braucht kein Tamiflu oder Relenza. Man kann eine Ansteckung im Alltag - etwa beim Einkaufen im Supermarkt - viel besser
vermeiden, indem man einen Atemschutz trägt und häufig die Hände wäscht. Wer aber zum Beispiel als Arzt oder Polizist arbeitet, sollte beim Arbeitgeber darauf drängen, dass dieser die Grippemittel bereithält. Da gibt es noch viel zu tun.

Braucht es für besonders exponierte oder kritische Unternehmen besondere Massnahmen?

Die Unternehmen der Infrastruktur des Staates sind ein grosses Problem, das leider noch viel zu wenig ernst genommen wird. Auf jeden Fall müssten kritische Unternehmen und Einrichtungen gezielt geschützt werden. Wir haben gesehen, dass es dabei viele schwierige Einzelfragen zu lösen gibt. Beispielsweise ist damit zu rechnen, dass das Internet im Pandemiefall überlastet sein wird, was auch Sicherheitsprobleme aufwirft. Oder: Was passiert, wenn die Sicherheitsleute einer Firma Tamiflu bekommen, deren Kollegen, Frauen und Kinder aber nicht?

Erhalten die Arbeitgeber genügend Unterstützung durch die Behörden?

Nein, die Behörden sind leider überlastet mit ihren eigenen Problemen, sie müssen ja die Pandemieplanung für den Staat machen. Unser Institut wird derzeit mit Anfragen überschüttet. Das ist wohl der beste Hinweis dafür, dass die Unternehmen mehr Unterstützung brauchen würden. Anderseits sind das Risikomanagement und das «Business
Continuity Management» für Grossunternehmen eine alte Sache, für Behörden dagegen Neuland. Meiner Erfahrung nach sind Unternehmen, wenn sie sich der Aufgabe einmal angenommen haben, bei der Pandemieplanung viel schneller und effizienter als Behörden.

Interview: Claudia Wirz
* Prof. Alexander S. Kekulé ist Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Als Fachmann für Seuchenbekämpfung und biologische Sicherheit ist er Mitglied der Schutzkommission beim Bundesminister des Innern
der BRD.

Antworten:

Re: Risiko für Unternehmen

Danke für den Artikel - gefällt mir gut.

Was allerdings für mich auch in diesem Artikel ungenügend angesprochen wird sind die (mittlerweile immer mehr erhärteten) Zweifel über die Wirksamkeit von Tamiflu & Co. im Bezug auf die Vogelgrippe.

Das Dumme mit der Panik ist nun mal, dass sie alles andere als rational ist. Und das macht sie unberechenbar.

Stellt Euch vor wie die Börse reagiert falls sich Tamiflu & Co. nicht als zuverlässige Retter in der Not erweisen.

Für mich gibt's im Pandemie-Szenario nur ein wirklich gutes Investment: Edelmetall, und zwar nicht vorwiegend industriell verwendetes, sondern altmodisches Gold und Silber.



von Steeplejack - am 17.02.2006 08:05
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