Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Warrants.ch Warrants-Talk
Beiträge im Thema:
5
Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 7 Monaten
Beteiligte Autoren:
prophecy, Comps, Hama, M. Keynes

Beitrag: Die Schulden-Bergpredigt

Startbeitrag von prophecy am 24.02.2006 15:42

Die Schulden-Bergpredigt

Unsere Politiker sind zu den Futtertrögen der Macht zurückgekehrt. Die Altlasten aus allen Vorgänger-Regierungen sind geblieben: Das gigantisch wachsende Schuldengebirge, das Fünfmillionenheer der Arbeitslosen. Diese nationale Problematik wird Sie als weitsichtiger Anleger in ihren Entscheidungen in den nächsten Jahren zu wachsamer Skepsis gemahnen.


Schuldenlast - damals wie heute ins Bild gerückt

Aus heutiger Sicht waren die Staatsschulden Peanuts, die 1968 F. J. Strauß in seiner legendären Rede so trefflich ins Bild setzte. Es ging um 35,5 Mrd. DM. In 100-DM-Scheinen ausgedrückt, so Strauß, ist das ein Papierberg von 3.500 m Höhe mit einem Gewicht von 28.000 Tonnen. Strauß war übrigens der letzte Bundesfinanzminister, der noch einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen konnte. Die Manie zum Schuldenmachen besteht bei allen Politikern. Seit den 70er Jahren gelingt es dem Bund in keinem Jahre mehr einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen, egal welche Regierung gerade an der Macht ist.

Heute im globalen Papiergeldzeitalter mit den Zentralbanken als Geldzauber-Anstalten, entziehen sich die Papiergeldmonster unserer Vorstellungskraft. Um sich ein Bild von unserer jetzigen Gesamtverschuldung von 1,475 Billionen Euro zu machen - ein Zahlenkoloß mit 12 Stellen hinter dem Komma - greifen wir zur größten Geldeinheit, dem 500-Euro-Schein mit 160 x 82 mm als Baustein. Hintereinander gelegt, ergeben diese Scheine eine gedachte extraterrestrische Strecke von 472.000 km; diese reicht weit über den Mond hinaus. Selbst dieses Bild kann die Schuldenfalle in der sich unser Staat selbst gefangen hält nicht begreiflich machen. Sachwerte als Bezugsgröße vermögen das eher. So entspricht der deutschen Staatsschuld als Aktiva rund 59 Mio. VW Golf im Wert von jeweils 25.000 Euro. Hintereinander gereiht, reicht diese fiktive Autoschlange gut 7mal um den Erdball.


Die Schuldentilgung: selbst über Jahrhunderte ein unlösbares Problem

Zur Historie der Pro-Kopf-Verschuldung: Im Jahre 1970 lag sie erst bei 1.292 Euro, 1990 waren es schon 7.380 Euro. Mittlerweile wird jeder Neugeborene mit einer aufgebürdeten Schuldenlast von 17.500 Euro vom Vater Staat begrüßt. Realistischer ist es, wenn man die Gesamtverschuldung nur auf die Anzahl der Erwerbstätigen von 38,86 Mio. bezöge. Das ergibt rund 38.000 Euro pro Kopf. Jeder Haushalt müßte im statistischen Mittel also auf sein Jahreseinkommen verzichten, um den Schuldenberg abzutragen. Die Steuereinnahmen betragen rund 460 Mrd. Euro. Die Gesamtverschuldung des Staates macht demnach 320% seiner Steuereinnahmen aus, d. h. mehr als drei Jahre müßte der Staat auf sämtliche Ausgaben verzichten, um den Schuldenberg zu beseitigen. Das ist einfach unrealistisch. Wirklichkeitsnäher wäre es, wenn der Staat aus seinen Steuereinnahmen eine jährliche Tilgungsrate von 0,5% für den Schuldenabbau verwendet. Dafür würde unser Staat sage und schreibe 650 Jahre benötigen.

Ein happiger, negativer Stundenlohn sind die Zinsen auf die Staatsschulden, die uns stündlich acht Mio. Euro abverlangen. Bleibt es auf Dauer bei dieser Belastung? Nein, denn mit schrumpfender Bevölkerung und steigender Lebenserwartung wird der Schuldenabbau völlig unmöglich. Selbst ein Jahrtausend würde zur Entschuldung nicht ausreichen. Im übrigen werden die Zinsen in Zukunft eher anziehen. Mit normalen Mitteln der Sparsamkeit läßt sich das Schuldengebirge nicht abtragen.


Wie konnte sich das Schuldengebirge so gigantisch auffalten?

Der Schuldenstand steigerte sich von 1950 bis 1970 zuerst moderat auf 2,7 Mrd. Euro Neuverschuldung pro Jahr, steiler verlief die Kurve zwischen 1971 bis 1989 mit einer Verschuldungsgeschwindigkeit von 21,6 Mrd. Euro, also um Faktor 9. Zwischen 1990 und 2004 stieg die Jahresneuverschuldung exponentiell um 61,5 Mrd. Euro (Faktor 20). Mehr als 75% der Staatsschulden sind seit 1950 durch Geldentwertung sprich Inflation, "finanziert" worden. Jetzt übertrifft unsere Realverschuldung den kritischen Reichsmark-Schuldenstand von 1948 um 40%, der damals zu einer Währungsreform, zur Enteignung der Bürger geführt hatte!


Verdeckte Schulden unterhalb der Sichtgrenze

Der staatliche Schuldenberg verhält sich so wie ein Eisberg: Man lamentiert über die sichtbare Spitze des Eisbergs, ignoriert aber verdeckte Probleme, die unter der Wasserlinie harren. So wuchs das Beamtenheer Ende der 50er Jahre von 1,2 Mio. auf zuletzt 2,23 Mio. Neben den offiziell ausgewiesenen Schulden gibt es nämlich Verpflichtungen der öffentlichen Hand zur Zahlung der Ruhestandsbezüge pensionierter Beamte und die Zuzahlungen für Rentenversicherung. Außerdem bestehen nicht ausgewiesene Verpflichtungen für Kriegsschulden, für die Wiedervereinigung und Zahlungsversprechen an internationale Organisationen. Insgesamt verbraucht der Bund zwei Drittel seines Haushalts allein für die tatsächlichen Gesamtschulden. Das führt auf eine geschätzte Horrorzahl, die zwischen 3 bis 5 Billionen Euro liegt.


Die demographische Entwicklung und die rauher werdende Soziallandschaft vereiteln den Schuldenabbau

Wurden 1964 noch 1,357 Mio. Menschen bei uns geboren, so waren es im Jahre 2003 nur noch 700.000. Ein 60-jähriger Mann hat heute eine "Lebensrestlaufzeit" von fast 20 Jahren, eine Frau von fast 24 Jahren. Als Folge dieser Überalterung wird Deutschland ab 2025 nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,5% generieren. Für einen glücklichen Zwischenboom besteht kaum eine Chance. Die zunehmende Belastung der Erwerbstätigen sinkt selbst dann nicht, wenn die Einwanderungsquote steigt. Die meisten Zuwanderer drängen nicht auf den Arbeitsmarkt, sondern belasten unser Sozialsystem: die Verarmung in der Bevölkerung nimmt zu. Geringeres Volkseinkommen bedeutet aber geringere Steuereinnahmen. Für Sparmaßnahmen des Staates ist damit kein Platz. Das Finanzieren der Staatsausgaben über Kredite wird auch in Zukunft weitergehen. Damit steigt der Schuldenstand immer stärker an. Das Ende naht, wenn kein Bürger mehr bereit ist, dem Staat Kredit zu gewähren. Die staatlichen Krakenarme erdrosseln die Eigenverantwortung und Eigenvorsorge der Bevölkerung, die Abhängigkeit vom Kollektiv nimmt zu. So werden sich die Lebensbedingungen der Bevölkerung, die zwischen 2010 und 2030 lebt, dramatisch ändern. Zur Schuldensenkung wird das staatliche Sozialsystem zwangsweise abgebaut, die politische Landschaft wird sich radikalisieren, revolutionäre Veränderungen drohen. Eine Verschärfung der Besteuerung des Privatvermögens (2004: 4,1 Bio. Euro) ist mit Sicherheit zu erwarten.


Elegante ad hoc-Entschuldung durch Inflation

Die Inflation zehrt: bei 10% Inflation sinkt in 10 Jahren ein Schuldenbetrag von z. B. 100.000 Euro auf unter 29.000 Euro: Wer 1950 Geld in den Sparstrumpf stopfte, kann sich heute infolge der permanenten Inflation nicht einmal 25% des Warenwertes wie damals dafür kaufen. Dem Staat bietet aber die Inflation ein elegantes und zugleich 2x erprobtes Entschuldungsszenario, das mit schleichender Enteignung seiner Gläubiger einher geht. Dieser Wohlstand auf Pump durch Verschuldung würde im normalen Geschäftsleben strafrechtlich verfolgt. Doch davor sind Politiker grundsätzlich durch den staatlichen Führungsauftrag und ihre Immunität geschützt.

Wie ungeheuer der deutsche Staat von der Geldentwertung profitierte, zeigen die 164 Mrd. Mark Kriegsschulden des Ersten Weltkriegs, die sich durch die Währungsumstellung (1 Bio. : 1) am 15. November 1923 auf gerade einmal 16,4 Pfennig der neuen Rentenmark verringerte Im übertragenen Sinne würde ein Supermikroskop mit einer Vergrößerung von 1 zu 1 Bio. den bisher tiefsten Blick in die kleinsten Bausteine der Materie erlauben. Eine Währungsreform - also eine Enteignung der Bürger - ist ein radikaler Befreiungsschlag von der Schuldenlast. Das rigorose Abschaffen der Altschulden wäre ein deutlicher Schritt aus der nicht bewältigten Vergangenheit hin in eine "bereinigte" Zukunft mit wirtschaftlichem Kahlschlag. Die Wahrscheinlichkeit für eine bevorstehende Währungsreform liegt im Jahr 2010 bei 25%; sie steigt bis 2020 auf fast 70%, um bis 2030 auf 90% anzuwachsen. Wahrscheinlich wird das singuläre Ereignis zwischen 2010 und 2020 eintreten. Unternimmt die Bevölkerung rechtzeitig etwas gegen die drohende Gefahr, etwa durch Umschichten der Werte, ist sogar wesentlich früher mit einem Kollaps zu rechnen.


Verschuldungsweltmeister USA und das weltweite Schulden-Szenario

Die Gesamtschulden der USA in Höhe von 36 Billionen US$ sind höher als das gesamte Welt-Sozialprodukt von 32 Bio. US$. Würde man diese gigantische Summe im Sekundentakt Dollar für Dollar durchzählen, dann hätten bereits die frühen Hominiden vor 1 Million Jahren mit der Zählprozedur beginnen müssen. Eine weitere unfaßbare Zahl: die US-Neuverschuldung frißt 70% der Weltersparnisse auf. Von 1995 bis Ende 2002 stieg die Gesamtverschuldung der USA von 10,28 auf insgesamt 38 Bio. US$. Das ist Faktor 4 des Sozialprodukts (BIP). Man stelle sich bloß vor, daß ein Dollar einem Liter Wasser entspräche, dann könnte man mit dieser gigantischen "Liquidität" den 51 Kubikkilometer fassenden Bodensee zu 70% in seinem Wasservolumen nachbilden. Für eine Billion Dollar Neuverschuldung benötigte die US-Volkswirtschaft im Jahre 2003 gerade mal 17 Wochen; das ist das Fünffache des Sozialprodukts. Um also einen Dollar mehr Sozialprodukt zu erzeugen, machen die USA sechs Dollar neue Schulden. Durch die Liquiditätsschwemme sind die Sachwerte enorm inflationiert und damit überbewertet, sowohl die Aktienmärkte als auch die Immobilien. Das in Jahrtausenden geförderte Gold der Menschheit hat einen Gesamtwert von rund 1,5 Bio. US$. Finanzgaukler Alan Greenspan hat für die Erzeugung der gleich hohen Schein- und Kreditgeldsumme gerade mal zwei Jahre gebraucht.

Die physische Weltgeldmenge wurde in nur drei Jahren über 90% ausgeweitet! Das globale Derivate-Volumen liegt bei 300 Bio. US$: das 27fache des jährlichen BIP der USA. Als Aktivaposten könnte man damit jedem der 6,3 Mrd. Weltbürger ein Mittelklasseauto schenken.


Gegen das fiat money (Geld aus dem Nichts) ist kein Kraut gewachsen

Wir, die wir uns sorgen um unsere Zukunft, können uns auf eine "Währungsharmonisierung" vorbereiten, indem wir rechtzeitig aus Geldanlagen aussteigen und in Sachanlagen umschichten. Der Staat wie auch die Banken wissen genau, dass mit gutgläubigen Naivlingen, die bis zum bitteren Ende vertrauen, die größten Enteignungsgeschäfte zu machen sind. Die Anleger von Staatsanleihen zahlen ihre Zinsen indirekt selber - nämlich als Steuerbürger; obendrein müssen sie noch Zinsertragssteuer abführen. Letztlich führen permanente Inflation, endlose Aufschuldung, zunehmende Wachstumsschwäche und anhaltender Kapitalverzehr zum finalen Bankrott im Sozialsystem. Die Abhängigkeit der Bürger vom Staat steigt, die Bürokratie wuchert in der Umverteilungsgesellschaft. Wenn "der Staat" Bankrott macht, verliert wir unser Vermögen; wir haften, nicht der Staat. Der eigentliche Betrug der Staaten heißt fiat money: das aus dem Nichts geklonte Geld ohne echte Wertschöpfung. Die Crux ist ohne Zweifel das staatliche Geldmonopol. Dieses Falschgeld wird per Edikt als "gesetzliches Zahlungsmittel" erklärt. Nicht der schlechteste Lösungsansatz wäre es, wenn es der Bürger der staatlichen Kontrolle entzöge, um es als Privatgeld den privaten, konkurrierenden Marktkräften zu überlassen. Nur privates Gold als ehrliches Geld und strenger Eigentumsschutz böten einen dauerhaften Bann vor Inflation. Ein radikaler Systemwechsel wäre dazu vonnöten, denn der eingeschlagene Weg führt in die Irre, führt ins Chaos. Der Staat würde sich selbst ad absurdum führen, wenn er diesen ketzerischen Gedanken zuließe und es in der Tat freie, eigenverantwortliche Bürger gäbe. Fehler und Sünden der Vergangenheit werden aber fleißig fortgesetzt. Wie sagte schon Mephisto im Faust:

So erben sich Gesetz und Rechte (hier die Schulden) wie eine ewige Krankheit fort - sie schleppen von Geschlecht sich zu Geschlechte (Regierungen) und rücken sacht von Ort zu Ort - Vernunft (Sparsamkeit) wird Unsinn, Wohltat (Sozialstaat) Plage - weh dir, dass du ein Enkel (Bürger) bist! Vom Rechte, das mit uns geboren ist, von dem ist leider! nie die Frage.


Fazit

Die "ordentliche Entsorgung" des Schuldengebirges wäre eine Illusion. Schminken Sie sich das soziale Schlaraffenland Deutschland ab. Die Politik des leichten Geldes (Liquiditätsschwemme durch Manipulationen der Papiergeldsysteme) führte weltweit zu einer ausweglosen Schieflage auf der Titanic. Die billionenschwere US-Immobilien- und Derivate-Blase kann jederzeit platzen. Amerika könnte in eine Stagflation von noch nie gesehenem Ausmaß fallen. Dramatisch werden die Zinsen steigen. Man wird weiterhin hemmungslos Geld drucken, Steuern erhöhen, letztendlich militärische Abenteuer um die Ölquellen als Ausrede für das Desaster suchen. Handeln Sie lieber Leser, packen Sie Sachwerte "beim goldenen Schopf". In einigen Jahren wird der Goldpreis Stammtischgespräch sein - wie einst der Neue Markt, dann ist es zu spät. Machen Sie das Beste aus meinem Fingerzeig.


© Hans Jörg Müllenmeister

www.goldseiten.de

Antworten:

..copy % paste war dieser Beitrag aber keinesfalls wert - reine Weltuntergangs-Stimmungsmache - ist hier nicht der richtige Platz dazu ! :mad:



von Hama - am 24.02.2006 20:50
Goldseiten.de ist übrigens eine recht interessante Mischung aus Fiktionen und Fakten.

Diese Mischung :-) kann man übrigens mehrheitlich rauchen.

Fährt aber schlecht ein...

Schlechter Stoff eben.



von M. Keynes - am 24.02.2006 21:11

vielen Dank für den Artikel. Auch wenn man der vielen Warnungen langsam müde wird, ist es dennoch wichtig immer wieder darauf hinzuweisen. Ich hoffe schon, dass ich was mitnehme und habe z.B. meine Investitionen so umgeschichtet: Investition auf steigende Ölpreise, sinkenden Dollar zum Euro, Investitionen in Grippemittelfirmen, Gold habe ich natürlich auch gekauft und noch dazu physisch etliche Goldmünzen. Tja, eine gute Investition ist es wohl auch in Bildung und Immobilien zu investieren. Sollte der Crash kommen bin ich zumindest ein wenig vorbereitet, wobei es dann aber meist doch anders kommt als man denkt. Nochmals vielen Dank für den guten Artikel! Ciao Comps :-) :spos:

von Comps - am 25.02.2006 02:08
Hey Hama!

Ich finde schon. Was sagst du denn zu diesem Thema? Vor allem das Beispiel Amerika beunruhigt. Ist doch logisch dass diese Schuldenlast zwangsweise die Wirtschaft früher oder später in die Knie drückt. Etwas Vorsicht ist daher die Mutter aller Porzellanvasen wie man so schön sagt - nicht wahr?



von prophecy - am 25.02.2006 08:50
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.