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Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 7 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 7 Monaten
Beteiligte Autoren:
Chess, Bauchentscheid

Ich poste es nochmals, ich finde, schon wegen der Länge

Startbeitrag von Bauchentscheid am 02.03.2006 13:34

ist es ein eigener Thread wert...

Ich lese oft von Trades, die nur von Hoffnungen geprägt sind. So als der Wunsch Vater des Gedanken wäre. Doch eigentlich gibt es nichts anderes als solides Handwerk, das zum Gewinn führt. Klar kann man 5 Jahre bei steigenden Börsen Glück haben, dann aber auch 5 Jahre Pech haben. Um das Glück zu minimieren, gibt es ein paar Möglichkeiten. Eine davon ist die technische Analyse. Was ich dazu MK geschrieben habe, gebe ich nochmals wieder. Vielleicht gibts ja ne fundierte Diskussion:

Zitat

Der wirkliche Charttechniker schaut tatsächlich nur auf den Chart, nicht auf Fundamentaldaten. So besagt es eigentlich die Lehre... Doch beginnen wir mal ganz einfach. Schau Dir einen sehr langfristigen Chart einer Bude an, die Dich interessiert. Ohne irgendetwas über fundamentale Daten zu wissen, wirst Du aus dem Chart herauslesen können, wann es der Bude gut gegangen ist, wann nicht. In welchen Jahren grosse Gewinne oder positive Effekte sich zugetragen haben. Das ist ja auch klar. Schliesslich kaufen die Leute eine Bude, die rendiert und verkaufen sie, wenn es ihr nicht sehr gut geht. Schliesslich hat der Markt immer recht... Durch den Marktverlauf entstehen dann die Charts, welche die Vergangenheit der Bude sehr schön aufzeichnen. Den Techniker interessiert es dabei nicht, weshalb es einer Bude gut gegangen ist (Fusion, hoher Gewinn, Verkäufe), sondern einfach DASS es ihr gut gegangen ist (Zugegeben: Ich kenne wenige Fundamentalisten, die dies anders betrachten). Aus dieser einfachen Tatsache leiten die Techniker ab, dass sie die Fundamentaldaten nicht brauchen, denn diese können in die eine oder andere Richtung interpretiert werden (Super Gewinne führen manchmal zu sell on good news, manchmal zu Käufen). Deshalb ist es einfacher, sich auf das einzig interessierende, nämlich ob ein Ding steigt oder nicht, also den Chart, zu konzentrieren.

Soweit so gut, doch dann kommt die Schwierigkeit. Man handelt ja nicht die Vergangenheit (Charts bilden bloss die Vergangenheit ab), sondern die Zukunft. Und hier beginnen all die Probleme. Die Zukunft ist nicht vorhersehbar und es gibt alle erdenklichen Mittel, diese zu seinen Gunsten zu interpretieren. Da gibt es Elliot Wellen und alles mögliche. Den Technikern ist wohl gemeinsam, dass alle an ihre Methode felsenfest glauben, was natürlich wiederum falsch ist. Sie glauben, dass wenn sich der Kurs nicht in die gewünschte Richtung entwickelt, sie einen Fehler in der Analyse gemacht haben. Sie suchen nach Erklärungen und Fehlern im System (sieh Dir doch mal das Verhalten von Mändli an, der sein System verbessert und verbessert, nach Fehlern sucht etc.) und tüfteln und tun.

Dabei vergessen aber viele, dass es sich um die unvorhersehbare Zukunft handelt. Es wird nie ein System geben, dass diese mit Sicherheit voraussagt, deshalb hat es keinen Sinn, auf die Suche nach dem perfekten System zu gehen. Vielmehr macht es mehr Sinn, sich einfach eines Systemes zu bedienen. Such Dir eins aus, und beobachte es. Schau es an, verleib es Dir ein und Du wirst feststellen, dass Du die Zukunft noch immer nicht voraussehen kannst, doch dass Du Wahrscheinlichkeiten erkennst und davon ausgehen kannst. Und diese Wahrscheinlichkeiten, die kann man handeln. Und genau das macht der geübte Techniker. Er verbessert nicht sein System, sondern er verbessert seine Psyche und die Strategie.

Beispielsweise ist es statistisch einwandfrei erwiesen, dass 95 % aller Kurse innerhalb der Bollingerbänder liegen (da die Standardabweichung 2 beträgt und man in der Schule lernt, dass der Wert von 1.86 (oder wars 1.91) die entscheidende Grenze dafür ist). Und genau daraus kann man Schlüsse ziehen. Man muss sich nur bewusst sein, dass wenn es nicht so raus kommt wie man möchte, dass es statistisch gesehen nun zu den 5 % gehört, dass es nicht so gekommen ist. Deshalb darf man nicht sein System ändern, deshalb darf man nicht verzweifeln, sondern man muss es einfach annehmen... Lies z.B. mal den Uwe Wagner von Tradesignal, der führt ab und zu Statistiken zum Dax aus. Und wenn er sagt, dass beim Rückgang aufs erste Fibo-Retracement eine Wahrscheinlichkeit auf einen weiteren Anstieg bei 75 % liegt, dann kann man das handeln...

Was ich damit sagen möchte, die Technik gibt einem Hilfsmittel, mit denen man die Wahrscheinlichkeit der nächsten Kurse voraussagen kann. Diese Wahrscheinlichkeiten sind für jedes System anders und können nie verallgemeinert werden. Viele Techniker bedienen sich gewissen Regeln, deren Wahrscheinlichkeit sie sich nicht bewusst sind. Manchmal klappts, manchmal nicht. Doch eigentlich ist die Charttechnik nichts anderes als Mathematik (schau Dir mal die Berechnung eines Indikators an) und folgt somit deren Regeln...

Doch nun bin ich zu absolut geworden und zuweit abgeschweift.

Zur zweiten Frage: Ja, es gibt diese Trader (ich zähl mich nicht dazu). Kaltbrunner im Swissquote Forum gehört z.B. dazu. Er analysiert, denkt, überlegt und hat das nötige Fachwissen. Doch auch hier gilt, trotz noch so guter Kenntnis aller Fundamentaldaten, die zu handelnden Kurse sind die Zukunft, die man nicht beeinflussen kann. Das einzige was man kann, ist seinen Job besser machen als andere und somit die Fundamentaldaten besser zu interpretieren. Doch auch ein guter Fundamentalist liegt ab und zu daneben. Denn eigentlich ist auch dies bloss ein Spiel der Wahrscheinlichkeiten...

Win some, loose some, oder wie jemand so schön schreibt.


-hab am Text ganz wenig geändert-

BE

Antworten:

guter Artikel! Ich denke nur wer das Moneymanagement im Griff hat kann an der Börse wirklich Geld machen. Gruss

von Chess - am 02.03.2006 13:55
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