schwacher Franken - Erhöhtes Risiko

Startbeitrag von * xetra * am 10.02.2007 16:28

Der schwächelnde Franken nährt die Angst vor steigenden Preisen und einem vorzeitigen Ende des Aufschwungs. Zu Recht?

Von Marcel Speiser

Der Euro wird härter und härter. Seit mehr als einem Jahr kostet die Gemeinschaftswährung mehr als im langjährigen Mittel von 1.54 Franken. Gemessen an den Januar-Monatskursen hat sich der Euro in den letzten 12 Monaten um 4,3 Prozent verteuert. Gestern Freitag kletterte sein Kurs auf bis zu 1.6272.

Der schwache Franken verschafft zwar den Exporteuren einen Wettbewerbsvorteil und freut die Touristiker. Doch das ist nur die eine Seite der Situation an den Devisenmärkten. Auf der anderen macht der teure Euro etwa den Einkaufstouristen in Süddeutschland ein Strich durch die Rechnung. Vor allem aber verteuert er die Schweizer Importe, die zu drei Vierteln aus den Ländern des Euroraums stammen. Und bei einem importierten Volumen von rund 123 Milliarden Franken fallen auch kleinere Kursschwankungen schnell ins Gewicht - für Firmen, Konsumenten, fürs ganze Land.

«Erhöhtes Risiko»

Kein Wunder deshalb, dass die Nationalbank den Frankenkurs genau im Auge behält. Denn: «Es gibt ein erhöhtes Risiko für einen steigenden Inflationstrend», wie Direktor Philipp Hildebrand diese Woche der «Handelszeitung» sagte. Besonders scharf beobachtet die wichtigste Beschützerin des Frankens und der Preisstabilität derzeit die Preise der eingeführten Güter und Dienstleistungen. Sie sucht dabei eine Antwort auf die Frage, ob der Frankenkurs die Teuerung anheizt oder nicht. Anders gefragt: Importiert die Schweiz Inflation?
Nach einem Blick auf die letzten verfügbaren Daten ist der Befund klar: Die Importpreise stiegen im Vorjahresvergleich rund um den Jahreswechsel 2005/2006 zwar erheblich stärker als die inländischen Preise, sind in den letzten sechs Monaten aber auch stärker eingebrochen als die Inlandpreise. Dies ist insbesondere eine Folge der massiv gesunkenen Energiepreise. Aktuell entwickelt sich die importierte Teuerung zwar negativ, aber mit klar steigender Tendenz. Fazit: Die inländischen Auswirkungen des Eurokurses sind bis jetzt nicht deutlich sichtbar und werden von anderen Faktoren wie etwa dem Ölpreis überkompensiert. Eine Gefahr für die Preisstabilität ist zurzeit nicht in Sicht.

Die Wirtschaftsprognostiker sind sich denn auch einig, dass die Inflation im laufenden Jahr und im 2008 bei plus/minus 1 Prozent liegen werde. «Ich sehe bis jetzt keine Anzeichen für eine steigende Inflation», sagte Jan-Egbert Sturm gestern Freitag. «Und das in keiner Art und Weise», fügte der Leiter der ETH-Konjunkturforschungsstelle an. Sind also die in letzter Zeit vermehrt gehörten Warnungen, der von Devisenspekulanten und Hedge Funds unterdrückte Franken werde die Nationalbank zu Zinserhöhungen zwingen und letztlich zu einem vorzeitigen Ende des Aufschwungs führen, pure Angstmacherei?

Zwei Gründe sprechen für ein Ja, ein dritter Grund aber für ein Nein:

Erstens ist die Schweiz zurzeit in einer weit überdurchschnittlich starken wirtschaftlichen Verfassung und wird das vorderhand auch bleiben. Die gestern publizierte Konjunkturumfrage der ETH zeigt jedenfalls klar, dass die Verantwortlichen in Industrie, Baugewerbe und Dienstleistungsbetrieben mit einer steigenden Nachfrage und damit rechnen.

Zweitens deutete ETH-Ökonom Sturm am Freitag an, dass sein Institut die jüngste Wachstumsprognose von 2,1 Prozent für das laufende Jahr im kommenden April nach oben anpassen werde. Im Klartext: Die für 2007 vorausgesagte Abschwächung des Wirtschaftswachstum im Vergleich zum 2006 dürfte weniger stark ausfallen als bislang angenommen.

Drittens aber wird die klare Zinsdifferenz zwischen dem Euroraum und der Schweiz vorderhand bestehen bleiben. Die Europäische Zentralbank und die Schweizerische Nationalbank dürften beide ihre Leitzinsen anheben, sodass den derzeit sehr aktiven Währungsspekulanten genügend Spielraum verbleibt für ihre Wetten auf einen sinkenden Franken - oder auf einen sinkenden Yen. Hält aber die Spekulation gegen den Franken noch lange an, wird sich das in höheren Importpreisen zeigen. Und dann sind alle positiven Inflationsprognosen schlicht hinfällig.

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