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vor 10 Jahren, 9 Monaten
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PsyTrance21

Sicherheitskonferenz München --> Gift für die Börse?

Startbeitrag von PsyTrance21 am 12.02.2007 13:37

Ich weiss ist nun schon 1 Tag alt, aber das war ja ziemlich harter Tubak was dort abging und ich denke dies wird alles andere als positiv für die Börsen sein.

Was denkt ihr darüber?

Hab einen kurzen Ausszug im TV gesehen, und Putin wirkte ziemlich aggressiv bei seinen Anschuldigungen und ich denke das waren nicht nur leere Worte der Russen gegen USA....

Zitat

12. Februar 2007, Neue Zürcher Zeitung





Harsche Rede Putins an der Münchner Sicherheitskonferenz

Konstruktive Konzepte Merkels - Gates gegen Rückfall in alte Konfrontation

Der russische Präsident Putin hat an der Münchner Sicherheitskonferenz den Vereinigten Staaten unipolare Machtansprüche und Kriegstreiberei vorgeworfen. Die Osterweiterung der Nato und amerikanische Stationen für ein Raketenabwehrsystem in Osteuropa brüskierten Russland und provozierten einen neuen Rüstungswettlauf.




Bü. München, 11. Februar

Nach einer sicherheitspolitisch sehr konstruktiven Eröffnungsrede der deutschen Bundeskanzlerin und EU-Ratspräsidentin Angela Merkel hat Wladimir Putin die Teilnehmer der jährlichen Sicherheitskonferenz in München mit einem aggressiv-vorwurfsvollen Auftritt gegen die amerikanische Politik und die Osterweiterung der Nato überrascht. Putin erklärte zu Beginn, ohne diplomatische Rücksichten das vorzutragen, was er denke. Ein Hauch von Rhetorik aus den Zeiten des Kalten Krieges überzog den Saal. Die vor allem an die Vereinigten Staaten adressierten Vorwürfe erinnerten an die einstige Sowjet-Taktik, die westlichen Bündnisse mit politischen Sprengsätzen zu spalten.
Geschickte Reaktionen

Doch liessen sich der neue amerikanische Verteidigungsminister Robert Gates und die Senatoren McCain, ein republikanischer Präsidentschaftsanwärter, und Lieberman nicht zu aggressiven Repliken verleiten. Gates hielt fest, dass in der weltpolitischen Wende von 1989/91 nicht einfach die Nato über den Warschaupakt «gesiegt» habe, sondern die Ideen von Freiheit und Menschenrechten Strahlkraft und Vorrang über die Mächte der Unterdrückung und Unfreiheit bewiesen hätten. Gates hielt sich ausdrücklich auch auf Distanz zu überholten Unterscheidungen zwischen «altem» und «neuem» Europa, mit denen sein Amtsvorgänger Rumsfeld mehrmals Nato- Partner diesseits des Atlantiks verärgert hatte. Von deutscher Seite gab es allerdings eine Reihe bemerkenswert verständnisvoller Stimmen für Putins Kritik an der amerikanischen Politik.

Der neue tschechische Aussenminister Karel Schwarzenberg stellte später wesentliche Punkte ins richtige Licht. Der deutsche Nato-Generalsekretär Wörner hatte im Jahre 1990 von Nichterweiterung der Nato nach Osten noch gegenüber der alten Sowjetmacht gesprochen. Heute gehört Russland selber zum Partnerschaftsrat der Nato. Und die frei gewordenen Länder Osteuropas, ehemals Satelliten Moskaus, verhandeln heute als souveräne Länder mit den USA über die Stationierung von Radaranlagen. Solche könnten gegebenenfalls der Abwehr von Raketen zum Beispiel aus Iran dienlich sein.

Aus Prager Sicht ist heute auch die hinter Putins Anschuldigungen stehende Idee einer russischen «Einspruchszone» in Osteuropa definitiv überholt. Aussenminister Schwarzenberg bemerkte überdies, Putins Rede liefere die besten Argumente für die Osterweiterungen der Nato. Künftige neue Mitglieder müssten jedoch bereit sein, ihren Teil an Lasten und Aufgaben der Allianz zu tragen.
Amerikanische Akzente

Bundeskanzlerin Merkel plädierte in ihrer Eröffnungsrede unter Hinweis auf mögliche Folgen des Klimawandels wie Flüchtlingsströme oder Konflikte im Kampf um Ressourcen für ein «umfassendes Verständnis von Sicherheit». Es gelte, zivile und militärische Aspekte wohlüberlegt zu verknüpfen, wenn man bei Stabilisierungseinsätzen wie jetzt in Afghanistan Erfolg haben wolle. Festigkeit liess Merkel gegenüber Iran spüren. Das Land müsse sich den Uno-Resolutionen zum Nuklearprogramm beugen und auch gegenüber Israel Signale neuer Gemeinsamkeit zeigen, wenn es nicht weiter in die Isolation abgleiten wolle. Merkel illustrierte das Konzept «vernetzter Sicherheit» am vielseitigen Bemühen um eine Stabilität in Libanon, auf die auch Syrien zu verpflichten sei. Auch am Beispiel Kosovo machte Merkel das Gewicht politischer Elemente deutlich, die für eine tragfähige Krisenbewältigung zu den militärischen Vorkehren hinzutreten müssen.

Der amerikanische Verteidigungsminister Gates gab sich bei seinem Auftritt am Sonntagmorgen gelassen erstaunt über Putins Vorwürfe an die Adresse Washingtons und erwähnte die von Putin und Verteidigungsminister Iwanow an ihn ergangene Einladung nach Moskau, die Gates in eben diesen Tagen angenommen hat. Vielleicht haben jene ein Stück weit recht, die Putins aggressive Kritik vor allem an sein heimisches Publikum adressiert sehen, das einer teilweise verlorenen Weltmachtrolle nachtrauert. Gates bestätigte das Konzept der Nato-Strategie, das militärische Anstrengungen mit politischer Hilfe, wirtschaftlicher Entwicklung und Kampf gegen Einflüsse der Drogenkartelle kombiniert. Er unterstrich, dass aber in der Praxis alles von konkreter Bereitschaft zum Einsatz von menschlicher Kraft und von Geld abhänge. Als «sozialer Klub» oder mit «Papier-Mitgliedschaften» könne die Nato nicht Bestand haben. Untereinander habe man die Verantwortung für gemeinsame Interessen und Werte zu teilen. Nur Beharrlichkeit und geistiger Einsatz vermöchten, wie George Washington einst gesagt habe, «Wunder» zu bewirken.
Sorgen um Afghanistan

Im Zentrum der Münchner Debatten stand immer wieder Afghanistan, wo die Infiltration von Taliban-Kämpfern und Selbstmordattentätern aus dem pakistanischen Grenzgebiet die Anstrengungen der Amerikaner und der Nato- Truppen zu unterlaufen droht. Ein deutscher Berater des afghanischen Präsidenten sprach von einer «explosiven Gemengelage» und von einem «kleinen Zeitfenster» für einen Erfolg. Der pakistanische Aussenminister Kasuri wies auf die immer noch knapp drei Millionen afghanischen Flüchtlinge diesseits der Grenze hin. Er betonte, dass eine vollständige Kontrolle der Übertritte über die 2400 Kilometer lange Grenze zu Afghanistan unmöglich sei, da unter anderem gerade die Europäer weder für eine Verminung der Grenze noch für den Bau eines Grenzzauns zu haben seien.

Ein baldiger Erfolg der Nato-Mission in Afghanistan bestimmt aber am Ende den Ruf und die Glaubwürdigkeit des Bündnisses, das sich in einem Stadium des Übergangs vom transatlantischen Verteidigungs- zum weltweit agierenden Sicherheitsbündnis befindet. Der Generalsekretär der Nato, de Hoop Scheffer, sprach mit Blick auf das effektive Wirken der Nato von einem «Bruch zwischen Fakten und Rhetorik» in Putins Rede. Der australische Aussenminister Downer und ein Sprecher des japanischen Aussenministeriums signalisierten Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Nato.

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