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vor 10 Jahren, 6 Monaten
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Seb2

Zinsangst bleibt anscheinend doch das bestimmende Thema

Startbeitrag von Seb2 am 15.06.2007 07:15

Die Zinsangst und ihre Auflösung stellen aktuell die maßgebliche Determinante des Aktienmarktes dar. In spätzyklischen Marktphasen sind extreme Marktschwankungen an der Tagesordnung. Beim Leitindex S&P 500 können wir uns daher auf unmittelbare Sicht eine Strapazierung selbst der Bänder 1460-1535 vorstellen.

Die Anfang Juni technisch übergekaufte Situation des DAX hat sich in einer deutlichen Gegenbewegung aufgelöst. Der Auslöser dafür kann in einem Shift der Zinsstrukturkurven nach oben rund um den Globus gesehen werden. Die erste Woche Kursabschläge beim DAX mit zwischenzeitlichem Verlust von fünf Prozent hat einen deutlichen Anstieg der Overkonfidenz bei institutionellen Investoren hervorgebracht. Mit anderen Worten die Gegenbewegung wird von den Investmentprofis als herzlich willkommen angesehen, einhergehend mit einer extrem angestiegenen Investitionsbereitschaft auf der Rentenseite, die zu gewissen Teilen allerdings wohl einer „Jetzt-Erst-Recht-Haltung“ entspringt, da die Overkonfidenz im Renten-Bereich von sehr luftigen Höhen in der letzten Vorwoche in den tiefsten Keller geplumpst ist. Sei´s drum, auch der gestrige Tag hat mit neuerlichen Wirtschaftsdaten gezeigt, dass die Zinsangst und deren Auflösung derzeit der wesentliche Treiber am Markt ist. Es ist also gewiss, dass sowohl von der Rentenseite selbst, als auch am Aktienmarkt, entlastende Zinssignale äußerst positiv aufgenommen würden. Die Frage eben ist nur, ob solche zu erwarten sind. Mehr noch als für das Investment ist diese Vorgabe für das Trading Kriegs entscheidend, da die derzeitigen Tages-Volatilitäten im Markt extrem sind. Die finale Einschätzung der Konstellationen des Rentenmarktes fällt weder ins Aufgabengebiet noch in die Kompetenz dieses Produktes, womit wir diese im Hinblick auf ihre derzeitige Bedeutung für das Aktientrading hier lediglich deskriptiv in Augenschein nehmen können. Gleichwohl eine solche Vorgehensweise zwar extrem verkürzt ist, fokussieren wir auf die Situation beim US-T-Bond-Future. Der Chart links oben lässt klar die Bedeutung der Unterstützung bei 105 Punkten erkennen. Ein Reißen dieser Unterstützung würde von größerer Bedeutung sein. Am rechten Rand hat der Wochenchart den Ansatz zu einem Reversal gebildet, womit eine unmittelbare Gefährdung abgewendet werden könnte. Nach den Gesetzen der Charttechnik scheint es allerdings allenfalls eine Frage der Zeit, wann die Nackenlinie einer solchen Trendwende- Formation fällt. Der Chart links unten auf der Frontseite mit dem JP Morgan Global Bond Total Return Index sämtlicher Laufzeiten illustriert auf globaler Ebene die Performance von Bonds und ihr positiver Beitrag zur Performance reiner Bond- als auch gemischter Portefeuilles. Im dritten Chart auf der ersten Seite haben wir die durchschnittliche Duration eines globalen Rentenportefeuilles abgebildet. Sichtbar ist die historisch hohe Duration bei 6,2 Jahren, womit im langjährigen Maßstab auch der stärkste Hebel vorliegt. Die Zinsangst, die der Markt entwickelt, wenn sich, wie gerade geschehen nicht gerade erwartungsgemäß herausstellt, dass die globalen Notenbanken das kurze Zinsende in fast konzertierter Aktion nach oben nehmen, erklärt sich von selbst. Mit den obigen Ausführungen, die mit dem gleichen Tenor noch ausweitbar wären, soll an dieser Stelle keinerlei Zinseinschätzung abgegeben werden, dies ist mit derlei Methodik auch nicht möglich, da die abgebildeten Charts nur bedingt als Timing-Indikator geeignet sind. Vielmehr soll lediglich das aktuelle Umfeld illustriert werden, das abgesehen, von der zuvor bereits technisch übergekauften Situation des Aktienmarktes, die Volatilität in Bonds- aber insbesondere Aktien begründet hat.

Zur Illustration des übergeordneten Aktienumfeldes für das Trading sei der Chart des Bull-/Bear-Spreads der American Association of Individual Investors angeführt werden, der sich historisch als sehr gutes Proxy für die Stimmung des US-Anlegers bewährt hat. Die aktuelle Situation lässt sich im langfristigen Maßstab als klares, kontinuierliches Stimmungstief ausmachen. Ähnliche Indikationen können wir auch dort ausmachen, wo wir mit unseren Money.Flow- Tools messen, wie die kumulierte Preisstellung jedes einzelnen abgeschlossen Geschäftes an der NYSE ist. Dort zeigt sich ein analoges Sentiment, sprich die Bereitschaft der Käufer höhere Preise beim Aktienerwerb in Kauf zu nehmen ist sehr niedrig. An historischen Höchstständen liegend muss zumindest letztere Indikation als klare negative Divergenz gewertet werden.

Auf den DAX sind solche Betrachtungen nicht übertragbar. Wir registrieren hierzulande auf einen Nenner gebracht eine unbeirrt zuversichtliche Stimmung der Marktteilnehmer. Die Bereitschaft sich von Aktien konkret zu trennen ist bis jetzt noch nicht veritabel zu beobachten. Die gesehenen Volatilitäten sind nach unseren Beobachtungen klarer Ausdruck einer spätzyklischen Phase. Technische Bereinigungen hat die jüngste Gegenbewegung nur sehr limitiert hervorgebracht.

Die technischen Orientierungsmarken werden in der nächsten Zeit am Aktienmarkt die 1535 und die 1490/60 beim S&P 500 darstellen. Diese sind weniger als Tradingbänder, sondern vielmehr als Signalmarken zu verstehen. Wir erwarten im Zuge eines fortgeschritten globalen Aktienmarkttrends eine Fortsetzung der extremen Volatilitäten

Quelle: HVB

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