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Seb2

Aktuelle Lagebesprechung: Angst vor der Kettenreaktion

Startbeitrag von Seb2 am 04.08.2007 13:56

Wall Street: Angst vor der Kettenreaktion

New York (BoerseGo.de) - Wie sich die Bilder gleichen. Wie vergangenen Freitag endete der Tag und die Woche mit Ausverkaufsstimmung und einem panischen Kursrutsch. Wie vor einer Woche schlossen die Märkte auf ihren Tagestiefs.

Die Stimmung wurde schon durch die Vormittags (Ortszeit) gelieferten flauen Konjunkturdaten verdorben. Das heute gemeldete Jobwachstum enttäuschte genauso wie das Wachstum der Dienstleistungen, die mehr als 80% der US-Wirtschaft ausmachen.

Gefährlicher Zinsanstieg

Die Tatsache, dass der Hypothekenfinanzierer American Home Mortgage wegen der Subprime-Krise heute seine Geschäfte einstellte und damit die Reihe angeschlagener Banken und Hedgefonds fortführt, schürte die Angst vor einer Kettenreaktion. Die Turbulenzen steigern die Zinssätze, die zur Finanzierung riskanter Geschäfte verlangt werden, der Zinsanstieg wiederum erzeugt neue Turbulenzen, befürchten jedenfalls die Schwarzseher.

“Der jüngste scharfe Anstieg der Zinsen für riskante Geschäfte trifft vor allem die Schwächeren und führt damit zu mehr Unternehmenszusammenbrüchen", behauptet etwa Edward Altman, ein Finanzprofessor der New York University's Stern School of Business und Experte für Unternehmensbankrotte.


Bear Stearns gießt Benzin ins Feuer

Die panische Stimmung, die zum Schluss herrschte, war vor allem Bear Stearns zu verdanken. Die Investmentbank war in den vergangenen Wochen gleich wegen drei angeschlagenen Hedgefonds ins Gerede gekommen und wurde dafür heute von der Ratingagentur S&P abgemahnt. Der Kreditbewerter hat den Ausblick für die Schulden der Bank auf „Negativ“ gesenkt. Als Reaktion gab die Bank am Nachmittag eine Konferenz und schütte damit noch kräftig Benzin ins Feuer.

Die heutige Situation auf den Kreditmärkten sei die schlimmste seit 22 Jahren, hieß es dort. Schließlich war die Aussage, dass man auf Aktienrückkäufe zur Stützung des eigenen Aktienkurses verzichte, weil man das Geld brauche, um die aktuelle Krise zu überstehen, entlarvend und gab den taumelnden Börsenkursen noch einen zusätzlichen Schubs.

Der Dow Jones Industrial Average rutschte 2.09% auf 13,181.91 Punkte
Der S&P 500 verlor 2.66% auf 1,433.06 Punkte
Der Nasdaq Composite Index büßte 2.51% ein und schloss auf
2,111.25 Punkte.
Der Russell 2000 Index der kleiner Unternehmen erfasst (Small Caps) brach um 3,65% ein und beendete den unfreundlichen Tag auf 755.41 Zählern.

Der Zins für sicherere 10-jährige Staatsanleihen ging auf 4,68% zurück. Vor kurzem wurden dafür noch Zinssätze von über 5,2% bezahlt.



Im Vergleich zur Vorwoche verlor

der Dow Jones 0.63% und steht damit noch 5.8 % über Jahresanfang.
der S&P 500 1.78%. Gegenüber dem Jahresanfang bleibt noch ein Plus von 1%.
der Nasdaq Composite gab 1,99% ab
der Russel 2000 rutschte 2,88%


Branchen im Vorwochenvergleich:

Tops:
Verteidigung: + 2,16%
Ingenieurswesen: + 1,81%
Spiele: + 1,29%
Medizinische Ausrüstung: + 1,19%

Flops:
Investmentbanken: - 7,6%
Öldienstleister: - 6,4%
Biotech: - 5,4%
Kohle: - 5,4%


Dow: Treffen in Rot

Der Dow Jones erinnerte zum Schluss an ein Treffen von Kardinälen, es gab nur die Farbe rot zu sehen.

Am besten schnitt noch Procter & Gamble Co. ab. Der Haushaltsmittelriese lag mit seinen heutigen Quartalszahlen leicht über den Erwartungen lag und kündigte ein massives Aktienrückkaufprogram an. Das quittierte die Börse mit einem Verlust von 0,66% auf 62.88 Dollar.

Schlimmer erwischte es den Aluminium-Riesen Alcoa, den jetzt auch fallende Metallpreise plagen. Der Rohstoff-Titel fiel 4,49% auf 36.18 Dollar.

Am härtesten traf es unter den Blue Chips American Express. Dort machen sich die Investoren Sorgen über möglicherweise zahlungsunfähige Kreditkartenschuldner. Die Konsequenz: Ein Minus von 5,61% auf 57.49 Dollar.



S&P 500: Gebeutelte Investmentbanken

Der Übeltäter des Tages war natürlich Bear Stearns. Der Bank-Titel wurde mit einem Minus von 6,30% auf 108.35 Dollar abgestraft.
Da half es vorläufig wenig, dass die Analysten von Bank of America zu Hilfe kamen und erklärten, dessen Bewertung stünde auf einem 12-Jahres-Tief und der Kurseinbruch sei übertrieben.

Auch andere Investmentbanken wurden schwer gebeutelt
Lehman Brothers fiel 7,73% auf 55.78 Dollar
Goldman Sachs verlor 4,15% auf 179.68 Dollar.
Merrill Lynch rutschte 3,45% auf 70.05 Dollar

Allein heute fiel der Teilindex für Finanzwerte um 3,8%, seit seinem Höchststand am 30. Mai ist das Teilbarometer um 15% abgesackt.

Dennoch scheint den Amerikanern der Appetit noch nicht vergangen zu sein. Darden Restaurants, ein Betreiber legerer Gaststätten (Red Lobster, Baham Breeze, Smokey Bones), hatte bereits am Vortag deutliche Umsatzgewinne gemeldet und wurde dafür mit einem Plus von 5,97% auf 44.56 Dollar belohnt.




Nasdaq: Mißgeschick des Konkurrenten

Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, konnte sich dem Schlamassel nicht entziehen: Minus 2,50% auf 487.63 Punkte.

Zu den wenigen Lichtblicken des sonst düsteren Tages zählte SanDisk, die um 1,25% auf 53.43 Dollar anvancierte. Der Speicherchip-Hersteller profitiert heute von einem Mißgeschick eines Konkurrenten. Ein Stromausfall bei dem koreanischen Rivalen Samsung Electronics Co. legt dort gerade die Produktion von Speicherchips still. Samsung hofft die Produktion binnen 2 Tagen wieder aufnehmen zu können. Betroffen sind sogeannte NAND-Halbleiter, die in MP3 Playern und Video Game-Geräten als Speicher dienen.
„Die Unterbrechung bei Samsung ist gut für SandDisk, weil jetzt Samsung-Kunden wie etwa Apple ihre Speicherchips woanders kaufen müssen“, erklärt dazu Goldman Sachs.


Der Videospiele-Hersteller Activison gewann wegen guter Quartalszahlen 2,95% auf 18.84 Dollar.

Apple konnte dagegen heute nicht von seiner Glamour-Rolle profitieren und gab 3,40% auf 131.84 ab. Da halfen auch Gerüchte über neue iMac-Rechner, die angeblich kommende Woche vorgestellt werden, wenig.

Ein Desaster gab es bei Network Appliance. Der Softwareanbieter und IT-Dienstleister hatte bereits gestern nach Börsenschluss seinen Ausblick für Gewinn und Umsatz drastisch gekappt. Das war bereits das zweite mal in Folge. Dafür wurde der Nasdaq-Titel mit einem Kurseinbruch um 19,99% auf 22.97 Dollar abgestraft.

Der Broker Bear Stearns hält den Kursrutsch für gerechtfertigt. Er sieht Anzeichen tiefgehender Probleme und glaubt, das Papier bleibt "Underperformer" . Die Citigroup hält das Kurdebakel dagegen für eine Kaufgelegenheit.



Internet: Inseln im Blutbad

Im Internetbereich gab es tatsächlich einige Inseln, die sich dem allgemeinen Blutbad entziehen konnten.

Dazu zählt ausgerechnet die in schon lange vernachlässigte Ebay, die immerhin 0,85% auf 33.32 Dollar gewann. Der Broker Pacific Crest hat das Papier von "Sector Perform" auf "Outperform" angehoben und ein Kursziel von 42 Dollar gesetzt. Der Broker beobachtet Zuwächse bei den auf den Ebay-Seiten eingestellten Angebote (Listings) in Deutschland und in Großbritannien. Der US-Markt stagniere zwar derzeit, könne sich aber beschleunigen, heißt es.

Audible gewann sogar 5,69% auf 11.51 Dollar. Der Anbieter von Hörbüchern und Audiodateien im Internet, hatte gestern nach Börsenschluss einen Verlust ausgewiesen der geringer ausfiel als erwartet. Noch mehr beeindruckte die Investoren aber ein Wandel in der Geschäftsstrategie. Die Zahl der neuen Abonnenten für die Hör-Dienste ging im Berichtszeitraum zwar auf 56.000 zurück (vorher: 65.000). Dafür wurden aber die teureren Angebote AudibleListener Gold und Platinum stärker gebucht.

Dem Broker Jefferies & Co gefällt das Konzept, einen kleineren Kundnenkreis anzustreben, der aber dafür aber pro Kopf mehr ausgibt.


Ob es an der Reisesaison liegt. Jedenfalls schnitten die Online-Reisebüros gut ab. Expedia gewann 0,87% auf 27.68 Dollar.
Der chinesische Online-Reiseverkäufer Ctrip kletterte sogar 5,93% auf 42.90.

Der Online-Juwelier Blue Nile verteuerte sich um 3,82% auf 81.07 Dollar.


Amazon.com verlor 3,65% auf 76.79. Damit wurde der gestrige Kursgewinn wieder ausgelöscht. Meldungen über Neuerungen, wie ein Internetbezahlungs-System in Konkurrenz zu Ebays PayPal oder der testweise Verkauf von frischen Lebensmitteln in Seattle, wurden heute ignoriert.

Yahoo verlor 1,88% auf 22,92 Dollar.

Auch Google geriet in den Abwärtssog und gab 1,57% auf 503.00 Dollar ab.



Energie: Steigen jetzt die Fonds aus?

Die Fonds sind derzeit anscheinend auf der Suche nach neuen Spielzeugen. Jedenfalls wurden heute auch zahlreiche vor kurzem noch beliebte Rohstoffe verkauft. Besonders unter Druck standen die Industriemetalle wie Kupfer oder Nickel. Zink war im freien Fall. Da schloss sich auch das Öl an.

Dazu trugen die flauen US-Konjunktdaten bei, die eine Dämpfung der Spritnachfrage signalisieren.

Außerdem reduzierte die Colorado State University ihre Vorhersage von Mega-Hurricanes, die die Ölförderung unterbrechen könnten, von fünf auf vier.

Der September-Kontrakt für Crude fiel 1.43 Dollar auf 75.43 Dolllar.
Im Vergleich zur Vorwoche kostet das Öl 2,04% weniger

Der September-Kontrakt für Erdgas bröckelte 0.022 Cents auf 6.084 Dollar. Minus 2,09% im Vorwochenvergleich
Der September-Kontrakt für Benzin sank um 1.12 Cents auf 2.025 Dollar. Minus 2,65% im Vorwochenvergleich


Energie-Titel: Zweifel an den Produzenten

Viel deutlicher als die Rohstoffe traf es deren Produzenten:

ExxonMobil Corp. setzte heute seinen scharfen Kursrutsch mit minus 3,64% auf 82.08 Dollar fort.
Chevron Corp. gab um 3,42% nach und schloss auf 81.02 Dollar.
ConocoPhillips sank 3,33% auf 77.59 Dollar.
Die Uranmine Cameco verlor 2,20% auf 39.05 Dollar

Monsanto, als Produzent von genverändertem Mais-Saatgut, Teilhaber am Biospritboom bröckelte 1,39% auf 64.08 Dollar.


Gold: Übliche Gegenbewegung zum Dollar

Der Dollar fällt, also muss das Gold steigen. Die Rechnung ging auch heute wieder auf.

Der August-Kontrakt für Gold stieg 5.40 Dollar 670 Dollar. Da aber der Dollar jetzt billiger ist, heben sich die beiden Bewegungen weitgehend auf, das Gold bleibt also in Euro gerechnet weitgehend neutral.

Für Silber gilt das gleiche Kalkül. Der September-Kontrakt für Silber verteuerte sich um 15 Cents auf 13.14 Dollar.


Barrick Gold verbesserte sich um 0,33% auf 33.21 Dollar
Newmont Mining verlor dagegen 1,99% auf 40.90 Dollar


Ausblick:


Montag:

Casinobetreiber Wynn Resorts

Dienstag:

Treffen des Federal Open Market Committees (Fed)
Das Arbeitsministerium meldet die Produktivität der US-Wirtschaft vom 2. Quartal

Der Netzwerksausrüstungsgigant Cisco Systems Inc., der Stromerzeuger El Paso Corp., Casinobetreiber Harrah's Entertainment Inc.

Mittwoch:


Der Versicherer American International Group, das Medienkonglomerat News Corp. (Zeitungen, TV, MySpace, bald das Wall Street Journal), der Mobilfunkbetreiber Sprint Nextel Corp

Donnerstag:

Die wöchentlichen Arbeitslosenmeldungen. Außerdem melden die großen Einzelhandelsketten ihre Verkaufszahlen vom Juli

Freitag:
US-Staatshaushalt
(MG)

www.boersego.de

Antworten:

Re: Putten ist also weiterhin Trumpf, denn

am montag wird der SMI 1,5-2 % tieferstehen :hot: :hot: :hot:

von Seb2 - am 04.08.2007 14:08
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