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The Praetorian

8-ung: US-Kreditkrise erfasst immer mehr deutsche Banken

Startbeitrag von The Praetorian am 12.08.2007 07:16

[www.spiegel.de]

IKB, WestLB, Postbank: Immer mehr deutsche Banken räumen Probleme mit US-Immobilienkrediten ein. Am tiefsten steckt die IKB im Hypotheken-Sumpf. Nach Informationen des SPIEGEL hat die Mittelstandsbank insgesamt 7,8 Milliarden Euro in wackelige Anleihen investiert.

Hamburg - Das sind selbst für die großen deutschen Geldhäuser keine Peanuts mehr: 600 Millionen Euro hat die Postbank in das Geschäft mit wackeligen Anleihen auf dem US-Immobilienmarkt investiert - die WestLB erklärte, der Konzern habe inklusive aller Töchter insgesamt 1,25 Milliarden Euro im sogenannten Suprime-Sektor (Kreditgeschäft mit Kunden mit geringer Bonität) angelegt.

Und die Geschichten gleichen sich: Stets beteuern die Kreditinstitute, ausschließlich in Wertpapiere mit guten Bewertungen wie "A" und "AA" oder gar dem höchsten Ranking "AAA" investiert zu haben. Trotzdem müssen sie nun hunderte Millionen Euro umschichten oder ganz abschreiben - weil die renommierten Ranking-Agenturen die Risiken völlig falsch einschätzten, oder weil die Investment-Strategen zu gierig mit riskanten aber hoch verzinsten Wertpapieren spielten.

Die Postbank musste nach Informationen des SPIEGEL vergangene Woche ihre Verbindungen zur Rhineland Funding Capital Corporation kappen. Das Bonner Institut hat außerhalb der Bilanz in zwei Untergesellschaften des Fonds investiert und auch Garantien abgegeben. "Die Postbank selbst stellte Liquiditätslinien im Zusammenhang mit Rhineland zur Verfügung", bestätigte ein Sprecher.

Bereits am Donnerstag hatte die WestLB eingeräumt, die Verwerfungen am US-Immobilienmarkt hätten auch sie erreicht. Die Situation der von Verlusten im Eigenhandel gebeutelten Bank lasse sich aber in keiner Weise mit der IKB vergleichen, erklärte ein Sprecher der WestLB.

IKB mit 7,8 Milliarden Euro am US-Hypothekenmarkt

Zentrale der IKB in Düsseldorf: Mit 7,8 Milliarden Euro am US-Hypothekenmarkt investiert.
Die Mittelstandsbank IKB steckt nach Informationen des SPIEGEL noch viel tiefer im US-Hypothekensumpf als bisher bekannt. Wegen des Verlustrisikos hatte die Bank eine Gewinnwarnung herausgegeben, die bundeseigene KfW - die 38 Prozent an der IKB hält - sprang mit einer Kreditlinie ein. Bekannt war da lediglich die Höhe der von der Finanzaufsichtsbehörde BaFin erzwungenen Risikoübernahme: 3,5 Milliarden Euro.

Tatsächlich ist die IKB aber noch viel stärker auf dem kriselnden US-Hypothekenmarkt engagiert: 544 Millionen Euro investierte die Bank selbst in die hoch riskanten Wertpapiere, die auf so genannten subprime loans basieren. Weitere 757 Millionen Euro investierte die Luxemburger Tochter der IKB in die Wackel-Anleihen. 6,5 Milliarden Euro der nunmehr teilweise unwiederbringlichen Investments liefen über die Rhineland Funding Capital Corporation.

Nach Gesprächen mit der Bafin wurde diese Position vollständig aufgelöst. "Wir haben diese Woche Vorkehrungen getroffen, die sicherstellen, dass diese Investments komplett in unsere eigenen Bücher kommen", heißt es in der Bank.

Zweckgesellschaft der SachsenLB im Visier der BaFin

Auch die SachsenLB ist angesichts der Krise ins Rampenlicht geraten. Die Finanzaufsicht BaFin nimmt eine umgerechnet fast 13 Milliarden Euro schwere Zweckgesellschaft der Bank ins Visier, die wie der in Schieflage geratene IKB-US-Fonds am krisengeschüttelten Kreditmarkt engagiert ist. Die Landesbank versuchte zu beschwichtigen. "Wir haben keine Liquiditätsprobleme. Wir können alle unsere Verpflichtungen erfüllen", sagte ein Sprecher der Bank. Die Lage der SachsenLB sei nicht mit der von der IKB vergleichbar. Es gebe keine Anzeichen für erhöhte Ausfallwahrscheinlichkeiten bei dem Fonds, der ausschließlich in Papiere investiert habe, die mit "AAA" eingestuft seien.

"Noch keine gravierende Auswirkungen"


SUBPRIME
Als Subprime werden Schuldner mit niedriger Bonität bezeichnet, arme Menschen, die sich den Kredit, den sie aufnehmen, eigentlich nicht leisten können. Dieser Sektor des Kreditmarktes entwickelte sich seit Anfang Juni 2003, nachdem der damalige Notenbank- Chef Alan Greenspan den Leitzins auf ein Prozent abgesenkt hatte. Dadurch nahmen plötzlich viele Menschen Kredite für Hypotheken auf - ohne zu bedenken, dass sie diese später, bei höheren Zinsen, wieder zurückzahlen müssten. Der Markt boomt: Allein in den vergangenen zwei Jahren sollen US- Finanzdienstleister 3200 Milliarden Dollar an Hypothekendarlehen ausgegeben haben - rund 20 Prozent an Kunden geringer Bonität. Unterdessen warnen Ökonomen vor Panik angesichts der immer weitere Kreise ziehenden Börsenkrise. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erklärte, das starke Wachstum der Weltwirtschaft sei trotz der weltweiten Turbulenzen an den Börsen nicht ernsthaft in Gefahr. Die Auswirkungen seien kontrollierbar, die Wirtschaftsdaten weiterhin gut.

In Deutschland beruhigte der Wirtschaftsweise Bert Rürup in der "Berliner Zeitung": "Noch sehe ich keine gravierenden Auswirkungen auf die robuste Konjunktur in Deutschland. Die Krise wird auf die Finanzmärkte beschränkt bleiben, zumal sich die Europäische Zentralbank außerordentlich klug verhält und den Markt ausreichend mit Liquidität versorgt. Der Aufschwung sollte deswegen intakt bleiben."

Ganz anders dagegen schätzt der Finanzmarktexperte Wolfgang Gerke die Lage ein: "Es ist eine reale Gefahr da, wenn die Krise sich noch ausweitet. Dann sind Dominoeffekte denkbar. Eine Wachstumsbremse von 0,5 bis 1 Prozentpunkt ist da schnell möglich", sagte Gerke in einem Interview der "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung".

Die Anleger an den Börsen weltweit sind ebenfalls weiter in Sorge - wie sich deutlich an den zum Wochenende weiter fallenden Aktienkursen ablesen ließ. Der Dow Jones wurde durch die Finanzspritzen der Fed zwar positiv beeinflusst, schloss aber dennoch um 31,14 Punkte oder 0,23 Prozent auf 13.239,54 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq ging um 11,60 Punkte oder 0,45 Prozent zurück auf 2.544,89. Der EuroStoxx 50 ging mit einem Minus von 2,66 Prozent auf 4161,29 Zähler aus dem Handel. Auch die Börsen in London und Paris verzeichneten deutliche Verluste. Der Londoner Aktienindex FTSE 100 verlor zeitweilig 3,1 Prozent und näherte sich den 6000 Punkten an. Der Dax verlor bis zum Freitagabend 1,48 Prozent auf 7343,26 Punkte. Zeitweise ging es für den Leitindex bis auf 7293 Zähler runter. Der MDax der mittelgroßen Werte gab 2,65 Prozent auf 9931,75 Zähler ab. Der TecDax verlor 3,71 Prozent auf 882,23 Zähler.

Auch in der kommenden Woche rechnen Experten mit erheblichen Turbulenzen an den Aktienmärkten. Schon die kleinsten Anzeichen dafür, dass weitere Unternehmen von der Hypothekenkrise betroffen sind und möglicherweise um ihre Existenz fürchten müssen, werde etwa den US-Index Dow Jones nach unten ziehen. Die Frage sei nur, ob die US-Notenbank Fed den Dingen ihren Lauf lasse oder als Retter einspringe, meint etwa Chip Hanlon, Präsident von Delta Global Advisors. Für ihn sei letzteres wahrscheinlicher.

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