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vor 10 Jahren, 5 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 5 Monaten
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Traianus, F.A. von Hayek, M. Keynes, Thiago, mändli

Parallelen zur Depression ab 1929?

Startbeitrag von Traianus am 01.03.2008 09:28

Alles etwa gleich...Boom, Hausse, etc.....und dann auf einmal!!!

Wie es dazu kam
Amerika hatte während den Zwanzigerjahre einen einmaligen Boom erlebt. Von 1919 bis 1929 hatte sich die industrielle Produktion fast verdoppelt. Knappe fünf Millionen Autos wurden 1929 in Detroit gebaut. Neue Fernstraßen, Wolkenkratzer, moderne Wohnsiedlungen in den Vorstädten, Elektrizitätswerke etc. – alles war von einer Wachstumswelle ergriffen. Leider auch die Arbeitslosigkeit, denn die Produktivitätszunahme kam eher durch die Anwendung von Maschinen und weniger durch den Einsatz der Arbeitskräfte zustande. Im Sommer 1921 begann eine mehrjährige Börsenhausse, die nur von kleinen Rückschlägen unterbrochen wurde. Das Federal Reserve Board versorgte die Wirtschaft großzügig mit Geld – bis sie 1928 den Rediskontsatz anhob, weil ihr die Spekulationswelle nicht mehr geheuer war. Doch es war zu spät und traf vor allem die verschuldeten Farmer und Kleingewerbe. Gegen Ende 1928 kam der Motor ins Stottern, die Kurse wurden labiler, und am 26. März 1929 kam der erste massive Kurseinbruch, der zu einem ersten Jahrestief führte und allen einen Schrecken in die Glieder fahren ließ. Nun begann ein Gesundbeten des Marktes. Politiker, angesehene Industrielle, Bankiers, alle versuchten Optimismus zu verbreiten und auf die gesunden Fundamentaldaten des Marktes hinzuweisen. Es gelang weitgehend, bis am 3. September, als der Dow-Jones-Index seinen bis dahin absoluten Höhepunkt erreichte. Am 6. September veröffentlichte die New York Times ein düstere Prophezeiung von einem Wirschaftswissenschaftler und Hellseher aus Massachusetts mit Namen Roger Babson. Er sagt nun schon zum dritten Jahr einen Zusammenbruch der Börse voraus und beschrieb sehr genau alles dasjenige, was in den folgenden Wochen auch tatsächlich passieren würde. Seine Prophezeiung erfüllte sich selbst. Die Menschen gerieten in Panik und die Kurse stürzten. Nun begann ein Auf und Ab mit immer neuen Verkaufswellen, bis dann Ende Oktober jene schwarze Woche kam, die alles bisher Bekannte übertraf. Die Kurse hörten erst am 13. November auf zu fallen. Die Gesamtverluste aller amerikanischer Börsen belief sich auf annähernd 50 Milliarden Dollar.

Die Folgen
In immer neuen Erklärungen versuchte der damalige amerikanische Präsident Herbert Hoover seinen Landsleuten Mut zu machen: »Ich bin überzeugt, dass wir nunmehr das Schlimmste überstanden haben und uns mit vereinten Bemühungen bald erholen werden …« (1. Mai 1930). Doch das Schlimmste sollte erst noch kommen.

Das Land rutschte immer tiefer in die Rezession. Die Preise für Rohstoffe fielen, viele Farmer konnten ihre Schulden nicht zurückbezahlen und waren Bankrott. Die Zahl der Arbeitslosen nahm zu. Familien von Arbeitern ohne Einkommen wurden in den Armenküchen notdürftig abgespeist. Die Regierung verknappte das Geld. Die Krise ergriff die gesamte Weltwirtschaft. In Großbritannien stieg die Zahl der Arbeitslosen auf 2 Millionen, in Deutschland (das dazu noch immer unter dem Joch des unseligen Vertrags von Versailles litt) war es besonders schlimm: 6 Millionen Menschen waren ohne Arbeit und im Jahre 1932 waren es gar 40 % aller Erwerbsfähigen. Die Vorschläge der braunen Demagogen, das von den Alliierten aufgebürdete Joch endlich abzustreifen, und dem internationalen Kapital Paroli zu bieten, traf zunehmend auf offene Ohren. Ohne die Ereignisse an der Wall Street mit ihren katastrophalen Folgen wäre Hitler mit Sicherheit nicht an die Macht gekommen.

Antworten:

Der schwarze Freitag, der in Wirklichkeit ein Donnerstag war- diesem Datum ging eine enorme Spekulationswelle voraus, nicht nur an den Finanzmärkten, sondern auch im Immobilienmarkt, v. a. in Florida. Die Implosion der Immobilienblase in Florida, oder des "Florida-Booms" im Jahre 1926 hätte eigentlich ein erstes Warnsignal sein müssen. Interessant ist allerdings weniger das Platzen der Immobilienblase selbst, sondern vielmehr die Steigerungsrate des Geldvolumens, das in Florida u. a. für die Immobilengeschäfte umgesetzt wurde: Beliefen sich die Bankausweise 1925 in Miami- eingereichte Schecks und Wechsel- auf 1'066'528'000 Dollar (eine Milliarde und 66 Millionen) so betrugen sie 1928 gerade mal noch 143'364'000 Dollar. Wohlgemerkt: Ein Grossteil der Immobilienkäufe war natürlich Kreditfinanziert!

Genauso erging es den Spekulanten an den Finanzmärkten: Alles Kreditfinanziert! Zu Beginn des Jahres 1926 betrug das Volumen der Maklerkredite noch zweieinhalb Millionen Dollar. Am Ende des Jahres 1928 marschierte es bereits auf die sechsmillionen Dollar zu- was einer Steigerungsrate von fast dreihundert Prozent innerhalb von zwei Jahren entspricht.

"Das Jahr 1928 bot viele Möglichkeiten, Geld zu verdienen. In wohl kaum einer anderen Zeit konnte man so schnell reich werden.", hat dazu der bekannte Amerikanische Ökonom John Kenneth Galbraith in seinem zum Klassiker der Wirtschaftsliteratur avancierten Buch "Der grosse Crash 1929 (Ursachen, Verlauf, Folgen)" bemerkt. Hier tut sich eine Analogie zum Jahr 2000- bzw. zum Jahr 2008 auf: Mit (gepumptem) Geld Geld verdienen- und zwar so schnell und soviel als möglich!

Interessant ist auch hier wieder die Art und Weise, mit der das spekulative (und hauptsächlich gepumpte) Geld an die Finanzmärkte weitergeleitet wurde: Es war die Zeit der sog. Investment-Trusts (heute wohl Fonds). 1928 wurden 186 neue Investment-Trusts gegründet. Bis zum Ende des Jahres 1929 gab es insgesamt 265 solche Gesellschaften in den USA- eine bemerkenswerte Steigerungsrate und zweifellos ausschliesslich Giergetrieben. Richtig ist auch, dass es bereits im März zu einem (vorauseilenden) Kurseinbruch in New York kam. In der Folge stiegen die Kreditzinsen am 25. März 1929 auf 14 Prozent, und betrugen am Folgetag bereits 20 Prozent! Einigen "Marktteilnehmern" schwante wohl schon zu diesem Zeitpunkt Böses!

*Fortsetzung folgt*

J.M.K ;-)



von M. Keynes - am 01.03.2008 11:20
Ich persönlich sehe sehr "schwarz" auf uns zukommen.

Wie siehst du das?
Könnte auf einmal alles drehen?

von Traianus - am 01.03.2008 11:34
Es gibt immer gewisse Parallelen zur Vergangenheit, es werden immer wieder ähnliche Fehler gemacht, doch keine Krise ist identisch mit einer Vergangenen, das wäre ein Trugschluss. Es finden sich auch andere Analogien, im Nachhinein werden wir alle schlau sein. Wichtig ist, solche Krisen möglichst schadlos zu überstehen und die richtigen Entscheide zu fällen. Alles andere bringt nichts.

von F.A. von Hayek - am 01.03.2008 13:11
"das einzige was wir aus der geschichte lernen, ist dies, dass wir nichts daraus lernen."


...oder so, meinte einst ein weiser zeitgenosse.

von mändli - am 01.03.2008 14:13
Weltuntergang ist der 4. Mai 2102 oder der 21. Dezember 2012...Diese zwei Termine erscheinen nachdem ich "Weltuntergang" im Google eingegeben habe...Und schon entstehen die ersten Diskrepanzen. Ich wähle nun das erste Date. Ihr Date könnt Euch natürlich selber auswählen.
Spass bei Seite....Es hat doch immer schon schlimmere Krisen gegeben und die Menschheit hat auch alle mehr oder weniger mit Bravur überstanden. Sorry, aber weshalb sollten wir diese nicht überstehen? Sofern sie überhaupt eine wird....Für mich ist sie "im Moment" nur ein vorübergehendes Phänomen. Und auch wenn sich die Subprime-Krise auf die Eurolandia und erst dann auf die Schweiz sich ausbreiten würde, merkt Euch, das Beste kommt sowieso nach der Krise,--), also no problem oder?...Gruss Thiago

von Thiago - am 01.03.2008 15:21
Eine Krise ist es schon, bloss nicht für alle. Es gibt IMMER Gewinner und Verlierer einer Krise, oft sind es weniger Gewinner, es wäre interessanter sich mal darüber zu unterhalten, wie man zu den Gewinnern gehören kann viel weniger als was alles schlimmes passieren kann. Nur so als Idee ;)

von F.A. von Hayek - am 01.03.2008 15:36
:spos: :spos: :spos: :spos: :spos: :spos: :spos: :spos:

Was haltet ihr von Gold?

von Traianus - am 01.03.2008 15:36
ich habe Edelmetalle (Gold, Platin, Silber) 2005 gekauft, nun habe ich fast alles verkauft. Für mich ist es aktuell überkauft, genauso wie der USD überverkauft ist (dort kann man noch short bleiben mit engen Stopps). Neueinstieg erst nach einer Korrektur (auch saisonal bedingt).

Gold ist mir auch zu stark in den Medien mittlerweile, habe mir heute 4 Zeitungen durchgeschaut, in jeder wird Gold empfohlen mit Zielkursen 2000-5000$/oz, das gefällt mir nicht.

Rohstoffen bin ich nur noch in Soft Commis drin, aber auch dort wird es gefährlich (absichern).

Man sollte sicher immer eher das anschauen, wo aktuell niemand von spricht...


von F.A. von Hayek - am 01.03.2008 15:44
Also ich weiss wirklich nicht mehr, was ich unter "Krise" verstehen soll. Aber ich weiss nur, dass wenn alle; Politiker, Medien, Individuen (auch in Foren) unsw. nur nach "Krise" ausrufen, dann wird sie mit Bestimmtheit kommen. Ich tendiere aber zu behaupten, dass eine "wahrscheinliche" Krise in Eurolandia und die Schweiz durch diese "Ausrufe", die man täglich hört, fast herbeigeführt wird, denn wir alle wissen, wie labil und manipulierbar wir alle bzw. unser Gehirn ist. Darum sollte man mit "Ausrufe" von Bad-News lieber aufpassen. Wenn ich mir die letzten Daten (EU-CH) so anschaue, sehe ich "noch" kein Grund zur Besorgnis, aber ich will hier nicht nur schön reden.
Aber etwas steht fest, ich fühle mich schon jetzt als "Gewinner", denn ich kann "noch" positiv denken und der Rest kommt von allein. Oder ich könnte negativ denken, und sagen z.B., dass wir hier in der CH bereits in einer Immobilien-Krise stecken, denn wir den ökonomischen Wert der Immobilien(Preise) seit dem 1991 immer noch nicht erreicht haben, unsw... Also reine Ansichtssache. Schönes Weekend Thiago



von Thiago - am 01.03.2008 17:04
Eben, wie weiter unten schon gesagt: Ich bin weder ein Zweckpessimist noch dazu angetan, mir die Welt so schlecht als möglich zurechtzubiegen.

Was da auf uns zukommt- ich weiss es nicht. Wie Hayek schon geschrieben hat: Von 90 Prozent überstanden bis Weltuntergang liegt alles drinnen.

Ich finde das die zur Zeit wohl realistischste Einschätzung der Lage ;-) .

J.M.K.

von M. Keynes - am 01.03.2008 20:58
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