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vor 10 Jahren, 1 Monat
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doomboom

«Das ist der Anfang vom Ende des Bankgeheimnisses»

Startbeitrag von doomboom am 21.07.2008 06:08

tagi, 21.07.2008:

Das Vorgehen der Behörden gegen die UBS in den USA werde Folgen haben, sagt der US-Ökonom David Beim. Für andere Banken, aber auch für das Bankgeheimnis.

Bei der Senatsanhörung letzte Woche in Washington hat die UBS noch einmal bekräftigt, was sie im November 2007 schon eingeleitet hat: Die Grossbank wird ihre Offshore-Geschäfte mit amerikanischen Klienten aufgeben. Damit ist es der US-Justiz gelungen, ein Steuerschlupfloch zu schliessen, das die Vereinigten Staaten jedes Jahr viel Geld gekostet hat. Wie viel genau, wird sich im Laufe der weiteren Ermittlungen zeigen, für welche die UBS ihre vollumfängliche Kooperation zugesagt hat.

Pro Jahr entgehen der US-Steuerbehörde IRS durch solche Auslandbankgeschäfte 100 Milliarden Dollar, schätzt der Unterausschuss des Senats, der die Anhörung durchgeführt hat.

Banken müssen jetzt umdenken
Obwohl die IRS diese Zahl so nicht bestätigen will, ist klar, dass es um enorme Beträge geht. «Es ist in jedem Fall zu viel, um dem nicht nachzugehen», sagt David Beim, Ökonomieprofessor an der Columbia University in New York und ehemaliger Investment-Banker. «Der riesige Betrag ist eine grosse Motivation, diese Ermittlungen weiterzuführen. Und damit geraten auch andere Banken unter Druck, die solche geheimen Konten führen.»



Beim glaubt, dass zumindest die grösseren Banken dem Beispiel der UBS früher oder später folgen müssen. «Die Regeln werden immer schärfer. Wenn ich eine Bank leiten würde, würde ich anfangen, meine Strategie zu überdenken.» Auf lange Sicht würden sich auch kleinere Banken dem Druck nicht entziehen können, glaubt Beim.

Das Ringen der amerikanischen Behörden mit dem Schweizer Bankenplatz hat eine lange Geschichte. In den 80er-Jahren setzten die USA durch, dass das Bankgeheimnis für Drogenhändler und andere Kriminelle nicht mehr galt. Später folgte der Streit um die nachrichtenlosen Vermögen. Der Kampf gegen Steuerbetrug sei in diesem Kontext zu sehen, sagt Beim. «Es ist die Ausweitung eines Prozesses, der schon vor Jahrzehnten begonnen hat. Und was wir jetzt sehen, ist der Anfang vom Ende des Schweizer Bankgeheimnisses.» Es sei international durchaus anerkannt, dass ein gewisser Kundenschutz nötig und korrekt sei, aber nur solange keine wichtigen Gesetze gebrochen würden. «Das ist auch eine Folge der Globalisierung. Die Länder müssen Rücksicht nehmen aufeinander und ihre Regeln. Auch die Schweiz ist da keine Ausnahme und wird sich anpassen müssen.»

Schweizer Regelung spitzfindig
Dass die amerikanischen Behörden auch deshalb so rabiat gegen die UBS vorgehen, um für den eigenen Bankenplatz einen Konkurrenzvorteil zu erreichen, glaubt Beim nicht. «Es geht hier um das Durchsetzen von Gesetzen», sagt er. Schliesslich sei die Schweizer Unterscheidung zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug «sehr subtil» und für viele andere Länder, die USA inklusive, schwierig nachzuvollziehen. Beim betont: «Die US-Behörden wollen einfach klarstellen, dass das hier anders läuft. Andere Länder müssen verstehen, dass solche Geschäfte in den USA illegal sind.»

Beim räumt jedoch ein, dass es ein Nebeneffekt der Untersuchungen sein könnte, dass der Bankenplatz Schweiz geschwächt wird. «Aber das hilft nicht speziell den US-Banken, sondern allen Geldhäusern, die in Ländern operieren, wo es keine Bankgeheimnisgesetze gibt.»

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