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vor 8 Jahren, 6 Monaten
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Sniper

Geldmarkt Stimmung

Startbeitrag von Sniper am 10.06.2009 06:40

Börsen-Zeitung, 10.6.2009 Der Blick auf die Sätze am Geldmarkt deutet die Entwarnung nur an: Von den historischen Höchstständen im Oktober vergangenen Jahres sind die Euribor-Notierungen, allen voran der Satz für drei Monate, auf historische Tiefststände gefallen, jetzt stabilisieren sich die Notierungen. Am Dienstag lag der Drei-Monats-Euribor bei 1,286 %, verglichen mit mehr als 5,39 % im Herbst 2008. Doch nicht nur die absoluten Sätze haben deutlich nachgegeben, auch die Aufschläge und Risikoprämien gehen zurück. So haben sich die Spreads zwischen den Geldmarkt-Sätzen und den Eonia-Swaps, die das antizipierte Tagesgeldniveau abbilden, wieder auf Levels begeben, wie sie vor dem Kollaps der US-Bank Lehman Brothers üblich waren. Allerdings ist es nicht so, dass am Interbankenmarkt wieder alles in Ordnung ist. Für eine Entwarnung ist es noch deutlich zu früh. "Der Geldmarkt funktioniert nach wie vor nicht so, wie es vor der Krise war", sagt ein Händler. Die tatsächlich gehandelten Volumina im unbesicherten Bereich sind dem Vernehmen nach sehr dünn, viele Häuser verzichten darauf, längerfristig Geld zu leihen oder auszuleihen. "Am liebsten würden wir nur noch Overnight handeln", sagt ein Disponent. Bei Tagesgeldsätzen zwischen 0,5 % und 0,7 % ist es derzeit in der Tat verlockend, die längeren Fristen links liegen zu lassen.
eränderte Normalität

Mittlerweile stellen sich am Markt viele Akteure die Frage, ob die aktuelle Situation noch als Teil der Krise zu verstehen ist oder ob eine neue Normalität Einzug gehalten hat. Nach wie vor möchte sich kaum ein Disponent namentlich zitieren lassen, weil die Angst zu groß ist, dass daraus Rückschlüsse auf die Situation des eigenen Hauses gezogen werden könnten. Hinter vorgehaltener Hand wird aber deutlich: Die Ware Liquidität hat mittlerweile einen Preis, der maßgeblich durch Angebot, Nachfrage und Qualität des Nachfragenden bestimmt wird. Schon an den Overnight-Sätzen zeigt sich, dass manche Häuser unaufgefordert doppelt so viel bieten wie bestens beleumundete Adressen. Früher war der Geldmarkt "wie ein Brei", sagt ein Händler. Alle haben in etwa das Gleiche für Liquidität gezahlt, die Unterschiede waren marginal. "Der Geldmarkt funktioniert inzwischen eben nach den gleichen Prinzipien wie viele andere Märkte", sagt ein Händler einer deutschen Großbank. Mittlerweile gebe es Häuser, die auf Preisniveaus unterhalb der Euribor-Notierungen handelten, und solche, die wegen eines etwaigen Ausfallrisikos eben einen Aufschlag zahlen müssten. Sicher ist: Die Zeiten, in denen sich die Banken ohne Probleme unbesichert 12-Monats-Geld hin-und hergeschoben haben, ist wohl definitiv vorbei. Allerdings sind solche Geschäfte zwischen Banken derzeit auch nicht so notwendig, wie es einst war. Die Europäische Zentralbank (EZB) flutet den Markt mit Liquidität, zum Ende der Mindestreserveperiode teilte sie am Dienstag im Hauptrefinanzierungsgeschäft gut 302 Mrd. Euro sowie 56,8 Mrd. Euro per Vierwochentender zu. Morgen stehen Geschäfte über drei und sechs Monate an. Die Notenbank tritt in allen Fristen als Anbieter auf, am 24. Juni kommt der erste 12-Monats-Tender. Bislang hilft das Engagement der Notenbank, die Liquidität billig zu halten, allerdings stellen viele Marktteilnehmer bang die Frage, was passiert, wenn die EZB sich aus ihrer vorherrschenden Stellung am Markt zurückzieht. Dass der Eonia in den vergangenen Wochen angestiegen ist, deutet laut Analyst Christoph Rieger von er Commerzbank darauf hin, dass die Banken weniger Überschussliquidität als zuvor bereithalten. Daraus ließe sich ableiten, dass der Geldmarkt besser funktioniert und weniger gehamstert wird. Andererseits aber könnten die Banken ihre notenbankfähigen Sicherheiten auch einfach nur zurückhalten, um sie für den 12-Monats-Tender Ende Juni einzubringen.


Börsen-Zeitung, 10.06.2009, Autor Martin Hampel, Frankfurt, Ausgabe Nr. 108, Seite 17, 552 Worte

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