Österreichische Silbermünzen – angeblich ein Steuertrick

Startbeitrag von KnockOut am 02.07.2009 06:06

Liebe Journalisten der Boulevard Wirtschaftspresse: manchmal denke ich das das eine oder andere Wirtschaftsstudium auch in Pressabteilungen eine gute Anlage gewesen wäre. So schreiben einige Zeitungen und sogar das Privatfernsehen einen Bericht, der nur eines schaffen soll: hohe Zugriffszahlen und Empörung im Winde der Polemik. Was mich ebenso schockiert ist wie so manche Boulevard-finanzierte Blogseite oder Geld-Community ebenso darauf aufspringt (einen Link zu dieser Presse verkneife ich mir hier).

In Österreich gäbe es einen “ganz tollen” Steuertrick, Silbermünzen im Nominalwert von 1,50 Euro über die Grenze zu tragen, obwohl deren Marktwert bei über 10 Euro liegen würde. Diese neue Silbermünze aus Österreich wäre angeblich der Geheimtipp bei deutschen Anlegern: Mit ihr liessen sich große Mengen Schwarzgeld über die Grenze schaffen – der Zoll müsste tatenlos zusehen. Die Nachfrage würde boomen, die Prägeanstalt käme mit der Herstellung kaum hinterher.

Nun mal zu den Fakten:

Erstmal muss der Privatanleger in Deutschland 7% Mehrwertsteuer auf seine “Geldanlage” zahlen. Schon das ist ziemlich dämlich. Bei Verkauf bekommt er diese nämlich nicht zurück.

Kaufen Sie einmal ein Stück Gold bei einer Bank und verkaufen Sie dieses dort wieder. Dann wiederholen sie den Vorgang am selben Tag. Wenn Sie noch 50% Ihres ursprünglichen Wertes haben, dann war Ihre Bank günstig. Ähnlich verhält es sich mit dem Wert von (nicht historischen) Münzen (die man an jeder Ecke bekommt).

Der Wert des Silbers ist reine Spekulation. Es gewährt weder Dividenden, noch Zinsen oder Miete. Gleichzeitig geht einer der grössten Abnehmer, die Fotoindustrie, dank Umsatzboom bei Digitalkameras mittelfristig verloren. Ähnlich verhält es sich mit dem Gold – schauen Sie sich einmal die Werte von Edelmetallen in 1980 im Vergleich zum Jahr 2000 an.

Silbermünzen müssen wie Bargeld transportiert, verschlossen und versichert sein. Es ist schon schwer genug, ein Schliessfach zu erhalten. In Ihrem eigenen Heim sind höchstens CHF 5.000 (Schweiz) versichert. in Ferienwohnungen oft überhaupt nichts. Natürlich gibt es Sonderlösungen, aber auch die kosten Geld und Gebühren.

Und dann wäre es schliesslich die dümmste Idee, mit einem Auto voller Silbermünzen (6.500 Münzen erlaubte Menge dürften alleine über 200 Kilogramm ohne Verpackung ausmachen) herumzufahren – und ein Beamter, der die findet, vermerkt sich schon einmal einen lebenslangen Eintrag in seiner Datei zu Ihrem Namen. Dann haben Sie und Ihre Familie genau das Gegenteil von “Privacy” erreicht!

Private Banking hat ein ganz anderes Niveau. Es geht um Wohlstand, der ehrlich erarbeitet wurde und nun erwartet, dass man ihn sichert ohne neidische Blicke und unkontrollierbare Informationen, zu denen weitere Informationen “gedichtet” werden könnten, zu erhalten. Desweiteren geht es um politische Planungssicherheit. Deutschland alleine hat in 10 Jahren den steuerlichen Sparerfreibetrag 6 mal hoch und wieder heruntergesetzt. Und eine strenge Geldwäscheprüfung müssen Sie auch bestehen, wenn Sie mit Münzen handeln wollen. Versteuern Sie besser Ihr Vermögen und gönnen Sie sich den Luxus von Privateigentum mit Sicht auf ein Konto, auf das nur Sie alleine Einblick haben.


[investmentberater.ch]

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