Risikoverhalten von Frauen und Männern bei Derivaten

Startbeitrag von KnockOut am 11.08.2009 10:56

Betrachtet man die Durchdringung der Depots mit Derivaten und Strukturierten Produkten, stellt man signifikante Unterschiede zwischen den Geschlechtern fest. Unterscheiden sich Frauen und Männer im Risikoverhalten und somit in den Investitionsentscheidungen? Trifft dies zu, so ist aus der Vertriebssicht mit unterschiedlichen Produktpaletten zu arbeiten, damit das Potenzial in beiden Geschlechtern abgerufen werden kann.
Unterscheiden sich Frauen und Männer im Risikoverhalten und somit in den Investitionsentscheidungen? Die Frage wird oft mit Ja beantwortet; das heisst, man geht von unterschiedlichen Risikopräferenzen der Geschlechter aus. Diese Sicht wird auch von einem Teil der wissenschaftlichen Literatur unterstützt. Es gibt aber auch wissenschaftliche Arbeiten, welche zum Schluss kommen, dass es keine Unterschiede zwischen dem Risikoverhalten von Frauen und Männern gibt.

Träfe es zu, dass sich die Geschlechter beim Risikoverhalten differenzieren, so hätte dies weitreichende Konsequenzen für das Anlagegeschäft: Das Potenzial der Frauen würde mit der heutigen Beratung bei weitem nicht abgeschöpft.

Was gilt jetzt?

Es gibt starke Evidenz, dass es keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern betreffend der Risikopräferenz gibt. Vor einigen Jahren lancierte die ZKB das Retailprodukt ZinSMI. Beim Vertrieb des Produktes wurde besonders stark Wert auf einfache, vollständige und nicht übertreibende Kommunikation der Produkteigenschaften gelegt. Das Resultat war: 56 Prozent der Zeichnungen erfolgten durch Frauen. Da mehr als 120 Millionen Franken gezeichnet wurden, kann nicht von einem Zufallsergebnis gesprochen werden. Vor der Lancierung wurden bankintern Mitarbeitende ausgewählt, um den Einfluss der Kommunikation auf hypothetische Produktentscheidungen zu testen. Dabei legten 49 Prozent der Frauen im Experiment offen, dass sie in ein Produkt investieren würden, welches äquivalent zum ZinSMI war – die Resultate sind in der realen und hypothetischen Welt gleich. Dies, obwohl nur vier Prozent der Frauen in der Umfrage jemals ein Strukturiertes Produkt gekauft haben, im Gegensatz zu 36 Prozent bei den Männern.

Diese Resultate sind ein starkes Signal dafür, dass sich Frauen und Männer nicht in den Risikopräferenzen unterscheiden. Woher rührt dann das übliche unterschiedliche Risikoverhalten? Die Art und Weise der Kommunikation ist entscheidend für das Kaufverhalten. Ein wesentlicher Zusammenhang besteht dabei zwischen der Klarheit und Verständlichkeit der Kommunikation und dem Selbstvertrauen, bei unklaren Informationen Entscheidungen zu treffen: Ellen Lenney zeigte in den 70er Jahren, dass Frauen weniger Selbstvertrauen besitzen, um Investitionsentscheidungen zu treffen, als Männer, wenn die Kommunikation unklar war. Mit anderen Worten: Frauen investieren nur in Produkte, die sie verstanden haben, und Männer sind für die Bank die grösseren Beratungshaftungsrisiken. Betrachtet man die teilweise unverständliche Kommunikation der Produkteigenschaften, dann überrascht der tiefe Depotwert bei den Frauen nicht.

Somit wird die versprochene Erhöhung der Transparenz bei den Strukturierten Produkten durch die Emittenten nicht nur die Beratungsrisiken senken, sondern auch das heute brachliegende Marktpotenzial bei den Anlegerinnen für Derivate und Strukturierte Produkte öffnen.


Paolo Vanini ist Leiter Strukturierte Produkte und Cross Assets bei der Zürcher Kantonalbank sowie Vizepräsident des Schweizerischen Verbands für Strukturierte Produkte (SVSP).
quelle:stocks

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