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Forum:
PYTHA
Beiträge im Thema:
5
Erster Beitrag:
vor 4 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 4 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
Olaf Jehn, Till Stremlau, Anton Puntigam, Carl C. Fink

Werkplanungen mit Einga

Startbeitrag von Olaf Jehn am 11.10.2013 17:44

Also hier mal ein Beispiel einer überschaubaren Werkplanung für den Ausbau eines Waschraumes in einem Kindergarten.
Die Zeichnungen sind so, wie ich sie gewöhnlich in die Produktion gebe, also nicht fürs Forum nachgebessert oder so. In der Regel versuche ich alle Werkplanungen detailreich auszuarbeiten, aber jeder kennt den Zeitdruck, das passiert also mal mehr mal weniger. Die hier gezeigten Pläne sind im Grunde der Normalstand.
Mit Stücklisten arbeite ich eigentlich wenig. Meist nur dann, wenn die Maße so unüberschaubar werden, dass es anders nicht geht. Damit kommen meine Schreiner aus verschiedenen Gründen besser zurecht.
1. Es wird sich besser in das Produkt hineingedacht.
2. Beim Zuschnitt ist die Kontrolle der Verbindungen automatisch dabei.
3. Die Werkstücke sind nicht unbekannt, d.h. die Sichtseiten sind anschaulich definiert.
4. Maßliche Kontrolle findet statt, z.B. Frontmaße sind so ein leichtes zu kontrollieren auch von anderen.

Meist ist die Stückliste das Credo der Schreinerzunft. Ich stelle mir diese Frage auch oft, auch im Hinblick auf automatischen Zuschnitt, kann es eigentlich dann auch nicht anders sein. Der findet bei uns jedoch derzeit noch ohne Ablaufunterstützung statt.

Die Plangröße ist A2. Finde die eigentlich zum Zeichnung gut, jedoch in der Werkstatt eine Umstellung. Generell habe ich dafür spezielle Auftragsbretter, die die Pläne tragen, auch in A2. Unhandlich ist das schon allerdings. Aber in A3 bekommt man manche größen schlecht unter.

Generell für Möbel erstelle ich die Zeichnungen auf dem Plottblatt 1:20. Unterstützte Schnitte , meist aus dem Standardkatalog in 1:1 sparat auf Papier.

Folgende Vorgehensweise:

Erstellung aller Bauteile 3d. Zuhilfename von Bibliotheksbauteilen, ganze Schränke, etc. Meist sind die Sachen aber so unterschiedlich, dass ein Beginn von 0 oft schneller ist.
Alle 2D Zeichnungen sollen aus dem 3d direkt sein. Sodass Änderungen bis zum Schluss ein neu erstellen / verändern der 2D Plottblätter ausschließt. Dies ist durch die -Ansichten nun noch einfacher, gottlob.
Dafür sortiere ich gerne auf verschiede Layer. Dabei verfolge ich folgendes Konzept für Möbel.
Korpus mit Bemaßung
Korpus Innenbemaßung
Korpusausstattung mit Bemaßung
Front mit Bemaßung
Sockel mit Bemaßung.

Da die Sache mit dem Layerstatus nicht so glücklich gelöst ist, entsteht hier mehr Klickaufwand.
Das liegt jedoch daran, dass die Layerstruktur bei Veränderung auf alle Layerstaten auswirkt.
Aber hier gehts nicht um Baustellen.

Wenn nun nach dieser groben Unterteilung die Bauteile und Bemaßung, bzw. auch Text erstellt sind, lasst sich leicht eine Ansicht ohne störende Innenbemaßung, eine Innenansicht ohne störende Frontbemaßung erstellen, die flexibel bleibt, auch wenn sich z.B. Fronteinteilungen dann nochmal ändern.
Gerne nutze ich auch den Assoz. Schnitt. Schnell sind davon beliebige Schnitte und Ansichten erstellet. Wenn sich was änders geht es teilweise mit. Aber die Bemaßung muss in der Regel immer nachgearbeitet werden.

Ist nun dieser Weg effektiv ? Was wäre einfacher, schneller zu machen.
Der neue Befehl "Maße Beschrifung übertragen" ist eine sehr gute Erleichterung. Hier habe ich nun eine Vorlage, von der ich dann die ganzen Beichnungen, samt Farbwerte einfach übertragen kann. AKB= Aussen Korpus Breite, AKH Aussen Korpus Höhe.

Nun, ich vernachlässige die genaue Zuordnung von Material, das steht im Text. Ebenso die Verbindungsauswahl, da keine direkte Übergabe an die CNC. Die CNC Programme für Möbel habe ich so flexibel parametrisch programmiert, dass während ein Teil gefräst wird, das andere programmiert werden kann. Vertikale und Horizontale Seiten sind mit nur einem Klick umprogrammiert.

Steigt das Auftragsvolumen in der dreifachen Menge in einem Auftrag vor, so wird der Ruf nach einer CNC Anbindung laut. Nun, die ist teuer und ich habe bisher nur sehr wenige gesehen, die so flexibel sind, dass sie auch wirklich nahtlos funktionieren. Auf meiner Sicht ist die CNC Anbindung im Handwerk oft nur der Farbpinsel, der die unzurechende Kenntnis von CNC Programmierung übertüncht. Aber das ist auch eine andere Baustelle.

Dieser Beitrag soll eine Disskussion anregen, wie Einga eingesetzt wird anhand eines Beispiels. Ich wäre für Anregungen, anderen Vorstellungen, Hinweisen dankbar, damit auch wirklich ein Austausch stattfindet. Gerne sind auch "nur Leser" aufgefordert Fragen zu stellen.

Hier finden Sie die Zeichnungen:

[imageshack.us]
[imageshack.us]
[imageshack.us]

Antworten:

Hallo Herr Jehn!

Die vorgehensweise finde ich sehr sinnvoll, da dadurch sämtliche Maße und Beschriftungen bei Änderungen mitgehen und nicht wie beim asso.Schnitt bei den Anderungen verloren gehen.

Eine Freage habe ich alerdings zu übereinander ligenden Bauteilen:
Wei gehen Sie vor wenn Sie unterschiedliche Korpen übereinander haben - z.B. Küchenoberschränke?
Im GR sehe ich dann zu viele verdeckte Kanten die ich dann schwer unterscheiden kann. Verwenden Sie dann verschiedene Stifte für die Korpen?

Danke für die sehr ausführliche und anschauliche Beschreibung!

LG aus dem steirischen Vulkanland!
Anton Puntigam

von Anton Puntigam - am 11.10.2013 18:37
Hallo Herr Jehn,

von der Arbeitsweise sind wir gar nicht so weit von einander entfernt.
Sehr interessant ist die Verwendung von Layern, ersetzt sie doch manchen Ass. Schnitt.

Ich erstelle auch alles in 3D und lege die Bauteile auf eine immer gleiche Layerstruktur. das erleichtert das Arbeiten, weil immer alles an der gleichen Stelle steht.
Seit V20 nutze ich die Ass. Schnitte, die immer auf der XY-Ebene liegen, weil alle 2D-Elemente aus der Bibliothek so aufgebaut sind. Lästig bis nervig ist der teilweise Verlust der Bemaßung, wenn aktualisiert wird. Auf dem Plottblatt kombiniere ich die Schnitte der XY-Ebene mit den Ansichten von 3D. Sie werden nach Augenmaß mit den Scnitten ausgerichtet. die Beschriftung erfolgt in Einga, nicht auf dem Plottblatt.
Die Stückliste dient mir als Kontrolle für die Konstruktion, ob keine falschen Dimensionen vorkommen. Manchmal übergebe ich die Daten direkt an die Verschnittoptimierung, um den Materialbedarf zu ermitteln.
Mit Solids arbeite ich nur noch bei sehr komplexen Projekten. Die Datenmenge ist um ein Vielfaches kleiner als bei Ass. Schnitten. Aber es gibt keine Verbindung zum 3D mehr.
Wichtig sind bei mir die Stiftfarben und Stiftarten. Wände, Beschläge, Glas und Korpusteile haben immer einen bestimmten Stift. Das hilft mir bei der Orientierung im Datensatz.
Was ich nie mache:
- dxf oder dwg Daten direkt in einen Datensatz laden
- Bibliotheksteile, die ich nicht selbst erstellt habe, ohne Tests zu laden

Bevor ich ausdrucke, speichere ich das Projekt ab, nach Änderungen auf dem Plottblatt gehe ich zuerst zurück in Einga und rufe dann das Drucken nochmals auf.
Ich drucke nur noch über pdf-Dateien aus (pdf-factory pro). Das ist auch gut für das Datenarchiv, denn diese Daten lassen sich schnell öffnen und verwalten.

Meine Arbeitsweise habe ich schon ein paar Mal bei den Anwendertreffen gezeigt. Das geht schneller und direkter als das Beschreiben hier im Forum. Auch einen Fehler einwandfrei reproduzierbar an das Mutterhaus zu übermitteln, ist nicht immer einfach.

von Carl C. Fink - am 11.10.2013 18:57
Hallo Herr Jehn,

erstmal danke für den Beitrag, sowas find ich Klasse!!!

Hier ein paar Ergänzungen/Anregungen von mir:

1. Vorangehensweise
Ich denke Sie machen das so ganz gut. Ich fange meine Zeichnungen auch immer bei "0" an. Auch arbeite ich mit dem Schrnakgenerator nicht so gerne. Geht anders Schneller und effektiver meiner Meinung nach. Das bei "0" anfangen ist zwar eigebtlich auch nicht wirklich sinnig bei einem 3D Programm, jedoch fehlt dazu eine richtige Parametrik, also mehr als ein paar Maße, und eine Variablenprogrammierung (Darauf hoffe ich ja noch bei Pytha). Dann könnte man auch super mit Bibliotheksteilen arbeiten, die dann schon sämtliche Informationen hätten! Mehr dazu die Tage nochmal ;-)


2. Stückliste
Mit den Stücklisten kann ich leider nicht so ganz nachvollziehen, schließlich ist es ja gerade das, was ein 3D-CAD ausmacht (meiner Meinung nach). Ich Handbahe es soweit wie Sie, jedoch gebe ich meinen Bauteile gleich den Artikelnamen (gleicher wie in der Branchensoftware) und weise Kante, etc zu! Gleiches gilt auch für Bauteilnamen. Anschließend exportiere ich die Stückliste über Excel in meine Branchensoftware. Hier habe ich nun gleich meine Materialpreise, Drucke einen Zuschnittplan und die dazugehörigen Etiketten aus! Gerade die Zuschnittoptimierung ist ein sehr sehr wichtiges Instrument. Auf den Etiketten stehen un sämtlich Eigenschaften drauf, bedeutet kein "Teilesuchen" etc. mehr!

Ich denke man muss einfach mal gewisse Dinge einführen, dann gehen die Angestellten auch den Weg mit, wenn man diesen Vernüftigt erklärt!


3. CNC-Programmierung
Da haben Sie voll und ganz recht, dass man mit ner Variablen-Programmeirung sehr viel erreicht! Jedoch um die Durchgängigkeit zu haben wäre es natürlich super, sämtlich Bearbeitungen im CAD zuzuweisen, anschließen Barcode aufs Etikett und ab dafür! Hier geht es wieder schlicht um Fehlerminimierung! Gerade bei nicht "Standard-Schränken"!

4. Auftragsbretter
Das finde ich schon eher unpraktisch. Wir haben z.B. folgende gemacht: Grundplatte aus Multiplex mit Möbelrollen untergeschraubt, Rahmen aus KVH 40x60 (Höhe ca. 1800mm), anschließend von beiden Seiten eine Magnettafel raufgeschraubt (Größe wie man es möchte, wir haben, glaub ich 1400mm x 1000mm). Fertig ist der perfekte "Auftragsdatenblätter-Zeichnungshalter" für jeden Schreiner. Ist zumindest mal eine Überlegung Wert, ob solche Wagen in die Werkstatt passen!

von Till Stremlau - am 12.10.2013 14:53
Genau so sieht richtiger Erfahrungsaustausch statt. Ich hoffe das nutzt auch vielen anderen noch nicht so aktiven Forumteilnehmer und spornt an, selbst mal ein paar Gedanken zu schreiben.

Herr Stremlau, Sie haben natürlich recht mit der Stückliste. Das ist ein wunder Punkt, den ich gerne los werden würde.
Folgende Hindernisse warum nicht:

1. Zu wenig Zeit im Büro. Dazu bräuchte ich einen Mitarbeiter, der das macht...
2. Der Mitarbeiter muss genau wissen, was er tut. Das muss dann einfach passen.
3. Die Mitarbeiter in der Werkstatt verlassen sich dann auf Etikett. Wenn was nicht passt, Fehler machen wir alle, aber in der Fertigung das keiner merkt, kommt die Ausrede, es war doch so vorgegeben.
4. Der Auftragsbrettwagen ist eine gute Idee. Jedoch fehlt uns der Platz. 18 Werkstattleute auf 660qm ist anstrengend, aber Besserung ist in Sicht. Habe die Auftragsbrettwagen auf meine ToDoListe für Betriebseinrichtung gesetzt. Derzeit haben wir Plexiglasplatten, die wir "mitnehmen" von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz, die dann entsprechende Vorrichtungen haben, an die die Bretter gehängt werden.
5. Echte Parametrik ? Da sagen Sie was. Das in Einga... wäre ein Traum. Es gibt ein nettes kleines Zuschnittoptimierungsprogramm namens OptiCut. Dort ist eine echte variable Stückliste dabei. Z.B. habe ich dort Türzargen hinterlegt. Durch Eingabe von ZFM ZFH und MW werden alle Teile entsprechend generiert, und dann optimiert. Da wir eine Serie von Möbeln fertigen, die teilweise auch damit Zuschnittoptimieren, ist eine weitere Option auch gut und zwar Serienteile. Also Teile, die man immer wieder braucht, werden in den "Restplatten" positioniert und somit noch weiter der Zuschnitt reduziert.
Aber in einem bin ich total einverstanden, wenn Zuschnittoptimierung, dann Etikett aufs Brett.

Gruß Olaf Jehn

von Olaf Jehn - am 12.10.2013 15:06
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