Punktwolke und Pytha

Startbeitrag von Olaf Jehn am 11.09.2016 08:57

An alle Pytha Anhänger, die von den Punktwolken umtrieben sind und am Anwendertreffen entsprechend Diskussion gesucht haben, biete ich einen Einblick in meine Arbeitsweise.

Seit ca. 8 Wochen hat ein Faro Scanner den 3d Disto nicht ersetzt, jedoch stark ergänzt.
Nach langer Recherche und Diskussion mit folgender Investition (leider nicht günstig, das muss klar sein) sieht mein Workflow wie folgt aus:

Vor Ort.:
1. Raum Scannen mit Faro in kleinster Auflösung im Innenbereich völlig ausreichend
(ca. 10min pro Scan, mehrer Standorte je nach Erfordernis ohne zusätzliche Referenzarbeit)
2. Währenddessen Besprechung mit der Kundschaft / Architekt
3. Evtl. Zusatzdokumentation per Kamera / Diktiergerät / Handskizze ! ( sollte auch noch seine Berechtigung haben, vor allem für Detaillösungen vor Ort im Gespräch mit den Entscheidern.
Jegliche 3d Software wird "leichter" zu bedienen, eine Handskizze entsteht nicht per Mausklick, hier der Aufruf an alle Schreiner/Tischlerkollegen die ursprüngliche Sprache unseres Gewerks nie zu vergessen. Es wird eine Zeit geben, in der wir Handskizzen anfertigen, Pytha diese liest und danach 3d-Geometrie baut. (V30)

Zu Hause:
1. Scannerdaten per Software Registrieren ( so nennen die Vermesser das ). Also mehrere Scans werden zueinander richtig positioniert, das geht sehr gut automatisch.

2. Danach kann man die Punktwolke 3d erkunden (das wäre in Faro Scene), einfache (sehr einfache) Messungen vornehmen. Das ist der Zeitpunkt, an dem man z.B. einer nachfolgenden Person für die technische Bearbeitung sehr gut und anschaulich, da der Raum 3d erfahrbar ist, einzuweisen, was die Gestaltungs- und Konstruktionsabsicht ist. Ähnlich wie in RadioLab kann man nun sich interaktiv durch die Raum bewegen, Details und Aufgaben besprechen.

3. Export der Punktwolke als Projekt, hier kann man auch dann die Daten gut sortieren teilen. Also z.B. in Ankleide Obergeschoss, Kinderbad, Elternbad, Hauswirtschaftsraum.

4. Es ist möglich aus der Punktwolke heraus bereits Punkte zu exportieren und in Pytha einzulesen. Jedoch halte ich das derzeit zu umständlich, denn wie soll es mit den Punkten in Pytha weitergehen ? Auch die Darstellung der Punkte ist dann wenig sinnvoll , da diese überproportional dargestellt werden, bei einer Scanauflösung von ca. 3mm pro Punkt kommt es hier zu Überschneidungen in der Ansicht, sodass letztlich nur ein oranger Teppich in Pytha zu sehen ist. Auch Werkzeuge in Pytha fehlen nun, davon eine Wand zu erstellen, ein Netz oder weiteres.

Abhilfe schafft hier der Weg über Orthogonale Fotos. Hört sich erstmal seltsam an, ist aber wie folgt zu verstehen.
Da der Scanner Punkt gemessen hat und jeder Punkt nachher mit den Farbwerten des passenden Fotos belegt wurde, kann man aus der Punktwolke heraus Ansichten generieren, die Maßstäblich exakt incl. den Farbwerten also ein Foto entsteht. Je nach Auflösung kann man sehr sehr tief einzoomen, bis auf Pixelebene eben die Masspunkte bleiben. Das ganze ist natürlich viel komplizierter.
Entweder man nutzt nun die Scannersoftware für diese Orthogonalen Fotos oder eine weitere Software, die darauf spezialisiert ist, diese verlässlich und vor allem "schnell" zu erzeugen. Bei dem Ganzen darf man nicht vergessen, dass es sich im kleinsten um ca. 11 mio Scanpuntke handelt und das nach oben schnell wachsen kann.

5. Die Software nennt sich Pointcab. Sie liest die 3d Punktwolke ein und generiert sofort eine Draufsicht , Seitenansicht links und eine Frontansicht, das ist bereits Orthogonale Fotos, die alle Scandaten enthalten. Hier kennt sich der Schreiner nun wieder aus. Nun kann man den Raum sehr leicht ausrichten, dass z.B. eine Wand exakt der X -Achse entspricht.
Da die Grundrissansicht alle Scandaten wie bereits geschrieben erhält kann man bereits abschätzen, wie "schief" mein Raum denn nun ist. Das erkennt man das der breite der Wandlinien, ist diese "dicker" liegen einfach mehr Scanpunkte in der Höhe mit unterschiedlichen Abständen z.B. in Y übereinander.
Um der Sache nun Herr zu bleiben erstellt man nun Schnitte. Diese kann man so konfigurieren, dass die Auswahl z.B. nur 2mm in einer Ebene Beträgt.
Was erhält man nun, ein Profil. Dieser Profilschnitt wird ebenfalls sofort als Orthogonales Foto erzeugt, hier hat man nun bessere Linienklarheit, die dann vektorisiert werden. Ähnlich dem Vektorisieren von Bilddaten kann man hier Linien erkennen lassen, oder manuell setzen, da man so entscheidet, was wichtig für einen ist. Diese Linien werden als DFX ausgegeben.
Sie können sich nun vorstellen, wenn man in der Höhe 3-4 Schnitte setzt, in Raumrichtung vertikal 3-4 Schnitte, entstehen profilgebende Kantenzüge.

6. Wenn die DFX Schnitte in Pytha importiert werden, so entsprecht deren Originalposition entsprechen des erzeugten Schnittes. So entsteht ein Raum

7. Nun kann man in Pytha danach den Raum konstruieren mit den bekanten Werkzeugen und Methoden nach dem "Best Fit" Prinzip. Ist eine Wand schief, nimmt man für die Pytha Wand nun den kleinsten Punkt. Oder den größten, wenn es genau anders sein soll. Möchte man genau Blenden einpassen, so kann man natürlich vorher den Schnitt genau an die Stelle setzen, an der die Blenden eingebaut werden sollen. Entsprechend kann man in Pytha dann den Kantenzug als Aussenzug verwenden.


Wer den ganzen Workflow einmal "Live" erleben möchte, kann mich gerne anschreiben. Nach Terminvereinbarung kann ich ein Beispiel per Teamviewer unentgeltlich zeigen.
Wer ein schwieriges Aufmass vor sich hat und gerne Unterstützung dafür sucht, so wäre hier auch eine Dienstleistung meinerseits möglich.

Viele Grüße
Olaf Jehn

Vielen Dank an das Pytha Team, es war wieder ein wunderbares Anwendertreffen.

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