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Eigen-Sinn
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4
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 4 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 4 Monaten
Beteiligte Autoren:
kobax, Hans, Pia, Stadtphilosoph

Im Schatten meiner Selbst

Startbeitrag von Stadtphilosoph am 04.08.2002 19:37

Im Schatten meiner Selbst
Noch immer stehe ich im Schatten meiner Selbst
und wähne mich in der angenehmen Kühle der Dunkelheit
Ruhe vor den schrecklichen Schreien trauerbringender Vorurteile
Ruhe vor den anklagenden Rufen schmerzbringender Schuldzuweisungen
Ruhe vor den flüsternden Stimmen warheitszerreisender Lügen
Alleine und doch in Gesellschaft meines Geistes
brüte ich in makabren Scheinwelten
träume ich in erleichternden Luftschlössern
und schmiede eiserne Pläne meinen Schmerz zu unterjochen
Wie lange werde ich noch stehen?
Wann kann ich endlich heraustreten
aus dem Schatten meiner Selbst?


Inzwischen bin ich 19 jahre und versuche mich selbst am Riemen zu reißen...
ich hatte den besten einstufungstest in der ganzen grundschule seit mehreren jahren ende der vierten klasse, war schon damals außenseiter und mein leben war nicht gerade einfach. inzwischen bin ich gereift und habe auch schon suizidandrohungen und tiefe depressionen hinter mir.

ich bin auf dem gymnasium zweimal sitzengeblieben und was bitte bringt es mir, wenn ich wirklich begabt sein sollte?

manchmal wünschte ich ich würde ein normales leben leben, denn es kostet teilweise wirklich kraft, dass hier alles durchzuziehen. meine gedanken kann ich in zwischen wieder kontrollieren und es kommen nur noch wenige löcher....
zum glück habe ich mich größtenteils selber therapiert und inzwischen versuche ich die kontrolle über mein derzeitiges verhalten zu bekommen, wobei mir 3 wochen sturmfrei helfen.

manchmal sind es nur die kleinen sachen, wie zum beispiel das zuschrauben der zahnpastatube oder das lichtausmachen im badezimmer, aber kleine erfolgserlebnisse helfen mir...

oft denke ich drüber nach, dass meine eltern wirklich einen fehler gemacht haben...
mein bruder auch über bis hochbegabt sitzt mit 3 fünfen und einer sechs auf der realschule und ist dieses jahr sitzengeblieben.

ich kann ihnen auch keine vorwürfe machen, trotzdem macht es mich traurig...

und da wundert sich einer, dass ich den ganzen tag am essen bin...
ich würd es nervennahrung nennen.. was fürn glück, dass ich nicht dicker werde

greetz Staphi

Antworten:

ich bin auf dem gymnasium zweimal sitzengeblieben und was bitte bringt es mir, wenn ich wirklich begabt sein sollte?

Die einen bleiben sitzen, weil sie es intellektuell nicht packen, die anderen bleiben sitzen, weil sie mit ihrem Potential nicht umzugehen wissen, und die dritten bleiben sitzen weil ... aber halt, von den dritten will ich hier nicht reden, mir geht es um die anderen ... vielleicht um dich.

Klüger kann man sich nicht machen, aber lernen, seinen Verstand einzusetzen, das geht. Daher sehe ich dich im Vorteil, denn du kannst für die Zukunft etwas ändern.

Vielleicht möchtest du dich auf dieser Seite etwas umsehen, ich könnte mir vorstellen, dass du dort eher etwas für dich findest:

[www.stormingbrains.de]

Liebe Grüße von Pia alias hippogriff, hoffentlich auf ein baldiges Wiedersehen!

von Pia - am 05.08.2002 10:31
Hallo Staphi,

schau mal, ich bin nie sitzengeblieben, ab der 7. Klasse war der Leistungsdurchschnitt immer 1,1, trotzdem bin ich von der Penne geflogen, meine Einstellung zum Staate DDR damals entsprach nicht ganz der Norm, der Auslöser für den Rausschmiss war ein daneben gegangenes chemisches Experiment, der Ofen im Internatszimmer flog in die Luft. Und dann hätte ich mein Abitur machen können, neben einer Berufsausbildung, ich habe für die Schule da schon garnichts mehr gemacht, der Durchschnitt war trotzdem wie gehabt, aber ich habe die Chemieprüfung zum Abi geschwänzt und dann habe ich die Scheiße hingeschmissen. -grins- Ich habe Leistungssport gemacht, mit 16 bin ich die 100 m in 11,8 s gelaufen, bin 6.30 m weit gesprungen und hatte schon 3 Marathonläufe hinter mir. Aber Biertrinken, Zigarettenrauchen und Mädchen waren viel interessanter, als Tag für Tag für Leistung zu schwitzen. -lächel- Ich habe dann schon als etwas älterer Herr angefangen zu studieren, der Leistungsdurchschnitt war dann noch ein wenig besser -lächel-, trotzdem, ich wurde geext! Man sagt mir heute noch ein sehr scharfes analytisches Denken nach und ich galt als mathematisches Wunderkind und begabter Schreiber. Also vielleicht war oder bin ich begabt? Na und, ich habe auch so einen Weg im Leben gefunden!

Du fragst: "ich bin auf dem gymnasium zweimal sitzengeblieben und was bitte bringt es mir, wenn ich wirklich begabt sein sollte?"

Diese Frage musst Du Dir selbst beantworten! Vielleicht durch eine Änderung der Einstellung zu Dir selbst und Deiner vielleicht bestehenden Begabung? Soll Dir diese Wohlstand und Anerkennung bringen, dann bringt sie Dir so nichts! Wenn sie aber in Dir lebt, wenn es Dir Spaß macht, aus ihr zu schöpfen, zum Beispiel in den wohldefinierten Gedanken zum Beginn Deines Postings, dann wird sie Dir neben Leid auch viel innere Freude bringen. Du musst lernen, Deine Werte selbst umzusetzen, mit 19 kannst Du, musst Du, es selbst in die Hand nehmen. Oder mit Deinen Worten, Du musst aus Deinem Schatten treten! Erkenne Deine Stärken und lächle über Deine Schwächen, nutze Deine Stärken und kaschiere Deine Schwächen. Du wirst sehen, selbst die Schwächen erkennen andere dann nicht mehr, nehmen diese als Eigenheiten hin und akzeptieren sie. (Ich habe meinem Geschäftsführer einmal, als er "dummes" Zeug zu Alkohol im Dienst geschwaffelt hat, gesagt, denken Sie, wenn ich stundenlang sitze und das Unmögliche möglich zu machen versuche, und dann einen Durst bekomme, da hole ich mir nicht ein Bier aus dem Kühlschrank? Er hat geschluckt und gesagt, aber so habe ich das doch nicht gemeint, wenn sie nicht besoffen über den Flur stürzen! Da hatte er kurz vorher erfahren, dass ich an einem Freitag nach 16 Uhr einen Einfall hatte und nach einer Flasche Dornhäuser gegen 18 Uhr die Lösung eines unserer größten programmtechnischen Probleme an unseren Verband mit dem Hinweis auf die belebende Wirkung des Rotweines per Mail gesandt habe! -gröööl-)

Du schreibst: "manchmal wünschte ich ich würde ein normales leben leben, denn es kostet teilweise wirklich kraft, dass hier alles durchzuziehen."

Nun sag mir doch, was ist ein "normales Leben"? Irgendwo im weiten Web habe ich in philo-sofie-schen Anfällen unter anderem einmal geschrieben: "Keiner ist Normal, denn jeder ist Anders!" Wer bestimmt, was Normal im Leben ist? Ich empfinde, zugegebenermaßen nach vielen Tiefs und Zweifeln, mein vergangenes Leben heute als "normal", trotz das es geprägt war vom Leben in der Gosse, Verfolgungszeiten, Aufgeben, Hinfallen und immer wieder Aufstehen. Heute mit 49 empfinde ich es nach vielen Kämpfen, nach Zweifeln, nach Wut und Selbstmitleid, auch als mein "normales" Leben, dass vor ein paar Monaten meine Frau unseren 9-jährigen Sohn, mein ein und alles, genommen hat und hier ausgezogen ist! Willst Du das Leben des "Normalos", dann wird Deine Begabung Dich dabei stören, findest Du Dein Leben, dann wirst Du es mit Inhalten füllen, wirst leiden aber Du wirst Glück erleben, was anderen vollkommen unbekannt ist.

Du schreibst: "oft denke ich drüber nach, dass meine eltern wirklich einen fehler gemacht haben...
mein bruder auch über bis hochbegabt sitzt mit 3 fünfen und einer sechs auf der realschule und ist dieses jahr sitzengeblieben." Ich habe mit 18 heimlich geheiratet, na ja, mit 19 war ich dann auch schon geschieden. Eines Tages, meine Lehrer hatten sich bei meinen Eltern wieder einmal über mich beschwert, da dachte ich, der Zeitpunkt ist gut, Stunk ist sowieso, also habe ich die Hochzeitsbilder rausgeholt! Meine Eltern haben mich damals rausgeschmissen, meine Frau durfte bleiben. Da stand ich nun, der Winter kam, ich habe an den Wochenenden teilweise mit Decke und Zeltplane im Schnee geschlafen, das Internat war zu, wir hatten keine Wohnung, die Schwiegereltern hatten mich schon längst rausgeschmissen. 2 Jahre später war ich vollkommen am Boden, ich bin zu meinen Eltern gefahren, die sagten, wir haben heute eine Veranstaltung im Haus, die Leute dürfen Dich nicht sehen, komme morgen wieder. Ich bin nicht wiedergekommen, nach vielen Jahren, ich war damals am Theater als Kulissenschieber und Stuntman beschäftigt, stand mein Vater am Bühneneingang und sagte: "Komm nach Hause, wir müssen miteinander reden!" Großzügig wollte ich ihnen verzeihen, aber .... Ich musste in kürzester Zeit erkennen, es gab nichts zu verzeihen! Sie wussten es nicht anders! Woher auch? Ich habe mich ihrem Zugriff schon mit 15 entzogen, bin ins Internat, habe gemacht, was ich wollte! Meine Welt war eine ganz andere, als die ihre! Nein, sie hatten keine Fehler gemacht, jedenfalls nicht so, dass man daraus einen Vorwurf machen konnte! Sie wussten es nicht anders! Also lass die Vorwürfe an die Alten, Du hast jetzt Dein Leben in der Hand, mache etwas daraus.

Bitte denke nun nicht, so ein alter Sack, der hat gut schwaffeln, der ist ja nun anerkannter Spezialist im Sozialrecht, der arbeitet für alle möglichen "hochgestellten" Persönlichkeiten so ganz nebenbei, dass musste ich mir auch erkämpfen! Auch meine Freiheiten, die ich heute genieße, die Anerkenntnis durch meine Kollegen, die ja sehen, ich bin ein faules Schwein mit Anfällen von Genialität, der statt "Guten Morgen" als Antwort gibt "Du mich auch!", auch das ist erarbeitet! Und vielleicht war ich ein wenig begabt, um das zu erreichen?! Gut reich bin ich dadurch nicht geworden, aber ein wenig Zufriedenheit und Glück ist wichtiger!

Also mach etwas aus Deinen Fähigkeiten, lächle über Deine Schwächen, sei Du und denke bitte über das Gesagte nach!

Meint

Hans

von Hans - am 05.08.2002 21:55
hey, ich kann dich sehr gut verstehen, ich hab enämlich sehr ähnliche probleme. bin mittlerweile 23 und habs immer noch nicht im griff. jedoch werde ich bald eine therapie machen. ich erhoffe mir nicht allzuviel, gebe aber die hoffnung nicht auf.
und das solltest du auch niemals tun.
ich wünsche dir viel kraft auf deinem zukünftigen weg.
mfg
kobax

von kobax - am 06.08.2002 23:27
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