clavius.info - Gagarin Landung am Fallschirm geheim?

Startbeitrag von Matze II am 19.02.2005 00:04

Hallo,

auf [www.clavius.info] habe ich folgendes gelesen:

".....Erst vor kurzer Zeit gaben die Sowjets zu, dass Yuri Gagarin mit einem Schleudersitz seine Kapsel verließ, bevor sie landete. Gemäß den Regeln, die von den USA und der UDSSR akzeptiert wurden, um die Weltraumrekorde vergleichen zu können, macht dies den Anspruch von Gagarin ungültig. Kein Wunder, daß die Sowjets nahezu 40 Jahre warteten, um diesen Teil der Geschichte zu erzählen....."

Der Flug von Gagarin war 1961. Nahezu 40 Jahre später wäre das Jahr 2000. Da kann aber was nicht stimmen. Die separate Fallschirmlandung von Gagarin wurde mir schon in meiner Schulzeit erzählt. (1973-1983) Das weiss ich ziemlich genau. Leider kann ich keine Quelle nennen :-(

Hat dazu jemand mehr Informationen?

Gruss Matze II
.

Antworten:

Matze II schrieb:

Zitat

Der Flug von Gagarin war 1961. Nahezu 40 Jahre später wäre
das Jahr 2000. Da kann aber was nicht stimmen. Die separate
Fallschirmlandung von Gagarin wurde mir schon in meiner
Schulzeit erzählt. (1973-1983) Das weiss ich ziemlich genau.
Leider kann ich keine Quelle nennen :-(

Hat dazu jemand mehr Informationen?

Ich kann Dir nur sagen, dass das in Westberlin in meiner Schulzeit (1970-1982) nicht gelehrt wurde.
Und auch ansonsten kann ich mich nicht erinnern, dass ich es irgendwo erwähnt gehört/gelesen hätte (für solche Dinge hab ich eigentlich ein ziemlich gutes Gedächtinis).

Martina

von Martina W. - am 19.02.2005 01:13
Martina W. schrieb:

Zitat

Ich kann Dir nur sagen, dass das in Westberlin in meiner Schulzeit (1970-1982) nicht gelehrt wurde.
Und auch ansonsten kann ich mich nicht erinnern, dass ich es irgendwo erwähnt gehört/gelesen hätte (für solche Dinge habich eigentlich ein ziemlich gutes Gedächtinis).


Na ja, wenn's in der Schule nicht gelehrt wurde... Solche Details gehen dort oft unter.
Ich habe ein Buch von 1985, wo auch noch von der Landung in der Kapsel geredet wird. M.W. war damals aber schon die Wahrheit bekannt. Etwas anderes ist es, wann das offiziell von den Russen zugegeben wurde. Die katholische Kirche war ja mit der Anerkennung des kopernikanischen Weltbildes oder der Rehabilitierung von Galileo Galilei auch etwas langsamer als der Rest der Welt.

James Oberg müßte es eigentlich wissen, aber ich kann zur Zeit nur wenig im Internet erreichen, da die Telekomiker zum zweiten Mal in dieser Woche seit gestern mittag ihre Router in Karlsruhe irgendwie zersägt hat und es immer noch nicht im Griff hat...

von Harald Kucharek - am 19.02.2005 07:09
hallo martina,

zwei quellen habe ich gefunden:

Heinz Mielke
Raumfahrt Weltraumforschung
transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1986
1. Auflage 1986
(Manuskript abgeschlossen: August 1984)

da steht auf seite 547:

Zitat

"...Das Landungs- und Bergungssystem der Raumkapsel trat in Aktion, wenn letztere Unterschallgeschwindigkeit erreicht hatte. I. allg. landeten die Raumfahrer nicht mit der Kabine, sondern trennten sich von dieser durch Herauskatapultieren ihres Sitzes. Dazu öffnete sich in einer Höhe von etwa 7000 m automatisch die Ausstiegsluke, und 2 s später wurde der Raumfahrer mit seinem Sitz katapultiert. Kurz darauf öffnete sich sein Fallschirm. In 4000 m Höhe löste sich der Sitz und fiel frei zur Erde, während der Raumfahrer weiter am Fallschirm mit etwa 6 m/s Sinkgeschwindigkeit herabschwebte. Am Fallschirm des Raumfahrers hingen außerdem noch an einer 15 m langen Leine der Notproviant, ein Paket Hilfsausrüstungen und das Schlauchboot, das sich im Falle eines Niedergehens auf dem Wasser automatisch mit Druckluft füllte.
In 4000 m trat auch das Landungssystem des Kabinenteils in Aktion, wobei sich zunächst der Deckel der Fallschirmluke öffnete und den Bremsfallschirm freigab. In einer Höhe von etwa 2500 m löste der Bremsfallschirm den Hauptschrim aus. Blieb der Raumfahrer während des gesamten Abstiegs in der Kabine, so hielt er die Ausstiegsluke geschlossen und öffnete sie erst nach der Landung. Dieses Verfahren wurde beispielsweise bei der Rückführung von "W.6" (Tereschkowa) angewendet....."

das "Raumfahrt Weltraumforschung" lexikon von mielke in der 1. auflage von 1986 ist der direkte nachfolger von mielkes lexikon "Raumfahrt". im prinzip das gleiche buch nur um das thema weltraumforschung erweitert.

das "lexikon raumfahrt" habe ich so gegen 1979 in die hand bekommen. da stand das mit der separaten fallschirmlandung genauso.

in der "Flieger-Revue" 9/99 wird auf seite 66 das buch "Die Gagarin-Story" von Gerhard Kowalski vorgestellt:

Zitat

"....Durch das gesamte Buch sucht Kowalski übrigens fieberhaft eine "Landungslüge" zu entlarven, die der Verlag als Sensation herausstellt. Bekanntlich landeten die Wostock-Kosmonauten nicht in ihrem Raumschiff, sondern wurden in einer Höhe vo etwa 7000 m herauskatapultiert und gingen am Fallschirm nieder. Kowalski vertritt vehement die Meinung, daß erst mitte der 80er Jahre die Wahrheit über die Fallschirmlandung Gagarins publik wurde" (S. 152).
Das wundert mich schon. Die allererste Information über die Fallschirmlandung Gagarins konnte ich dem Buch "Juri, der erste Kosmonaut" von Erwin Bekier entnehmen, das im August 1961 in - übrigens rekordverdächtiger dreimonatiger Produktionszeit - in der DDR erschien. Darin beschreibt Bekier auf den Seiten 37 bis 39 detailliert jene angeblich unbekannte Fallschirmlandung von Gagarin."

weiterhin gab es auch die schülerzeitschrift "technikus". da war diese landephase sogar mit kleinen bildern dargestellt. habe ich aber leider nicht mehr.

wie gesagt, ich habe in meiner schulzeit alles mögliche über astronomie und raumfahrt gesammelt. und da tauchte immer wieder diese fallschirmlandung gagarin's auf.

das war jetzt mal ein bisschen raumfahrtliteratur aus dem osten ;-)

im gegenzug wurde das apollo-projekt so beschrieben, wie man es jetzt auch überall nachschlagen kann.

gruss matze II
.

von Matze II - am 19.02.2005 14:00
Hi Matze II

Sag mal, so nebenbei:

Hat das einen bestimmten Grund, dass du mal sehr korrektes "Deutsch" pflegst, um dann wieder in die Unsitte des "Kleinschreibens" zu verfallen? :rolleyes:



von Max 2 - am 19.02.2005 14:05
hi max,

ja, hat einen bestimmten grund. das korrekte deutsch habe ich abgeschrieben. es ist ja von einer quelle übernommen und da muss man es genauso wiedergeben wie es da steht.

das schlechte deutsch ist von mir.

matze II
.

von Matze II - am 19.02.2005 14:12
Hi Matze,

ihr habt wenigstens etwas über die Raumfahrt in der Schule (1975-1987) gelernt, bei uns (1975-1987) war das leider kein Thema, weder in Geschichte noch in Physik etc. !

Gruss Dirk

von Dirk - am 19.02.2005 15:55
hallo dirk,

das hing, glaube ich, immer vom lehrer ab. unser geografielehrer war auch gleichzeitig astronomielehrer an der schule.

aber weil astronomie sein hobby war, bestand unser geografieunterricht manchmal nur aus themen wie kometen, raumstationen usw. so haben wir im osten schon in der 5. oder 6. klasse einen super diavortrag über die mondlandung gesehen. die dias hatte er von seinen "westverwandten" bekommen.
also man musste schon ein bisschen glück haben.

matze II
.

von Matze II - am 19.02.2005 16:25
Matze II schrieb:

Zitat

zwei quellen habe ich gefunden:

Danke!
Da wird dann wohl ein Posting mit Bitte um Korrektur an Jay fällig.

Martina

von Martina W. - am 19.02.2005 18:21
Matze,

kannst Du mir eventuell Kopien der Artikel per Post zukommen lassen?
Postadresse per Mail.

Martina

von Martina W. - am 19.02.2005 18:42
ja, kann ich machen.

von Matze II - am 19.02.2005 18:57
Matze II schrieb:

Zitat

ja, kann ich machen.

Danke, Mail ist unterwegs :)

Martina

von Martina W. - am 19.02.2005 19:08
Jetzt muss ich nur noch irgendwo den Bekier auftreiben - die momentan funktionstüchtigen OPAC-Kataloge listen ihn nicht.
Hilfe wird natürlich gern angenommen :)

Martina

Nachtrag: hier gibt's das Buch für 5 EUR.

von Martina W. - am 19.02.2005 19:13
Hallo.
Ich lese hier im Forum schon lange mit. Jetzt muss ich aber auch mal meinen Senf dazu geben.

Ich habe ein Buch von 1969.
Dr. Herbert Pichler. Die Mondlandung . Verlag Fritz Molden.

Auf Seite 224 steht: Nach Überwindung der Hitzebarriere und dem Abbremsmanöver schoss sich der Raumfahrer auf seinen Schleudersitz durch die vorher aufgesprengte Luke aus der Kugel. Später warf er den Schleudersitz ab und ging an einem eigenen Fallschirm zu Boden.
Die Sowjets wiesen jedoch darauf hin, der Kosmonaut könnte notfalls auch in der Kabine verbleiben.

Gruß
Werner M

von Werner M - am 19.02.2005 21:43
Werner M schrieb:

Zitat

Hallo.
Ich lese hier im Forum schon lange mit. Jetzt muss ich aber
auch mal meinen Senf dazu geben.

Und danke für die nächste Quelle!

Der Molden-Verlag sitzt in Wien, oder?

Martina

von Martina W. - am 19.02.2005 23:27
Im Buch steht Wien-München-Zürich

Werner

von Werner M - am 20.02.2005 08:33
Wenn ich schon einmal dabei bin.

Buch
Ernst A. Steinhof
Weltraumfahrt
Carl Habel Verlag
Darmstadt, 1973


Seite 227
…es ist noch zu bemerken, dass das Raumschiff Wostok sowohl horizontale Landung als auch Landung des Kosmonauten am Fallschirm ermöglicht.

Und noch was.
Ich habe das Revell-Modell des Wostok Raumschiffes. Muss es Anfang der 70er Jahre bekommen haben.
Darin befindet sich ein herausnehmbarer Schleudersitz. Auf dem Schleudersitz lag die Figur des Kosmonauten (wo ist sie nur hin).
Die Leute von Revell werden sich sicher was dabei gedacht haben.

Gruß
Werner

von Werner M - am 20.02.2005 09:35
Werner M schrieb:

Zitat

Die Leute von Revell werden sich sicher was dabei gedacht
haben.

Das wäre aber Spekulation, damit kann ich nur schlecht argumentieren. Dass einer drin ist, heißt ja noch nicht unbedingt, dass er auch benutzt wurde - mein Auto hat auch Airbags ;)

Martina

von Martina W. - am 20.02.2005 13:12
eS wird schwer zu trennen sein, wer da von Tatsachen und wer von Vermutungen spricht und die mit Tasachen verwechselt und dadurch wieder richtig hinbekommen hat. Es war ein bekanntest Konstruktionsmerkmal der Vostok, dass sie einen Schleudersitz hatte, das war kein Geheimnis. Die Russen taten aber erst so, als wäre er nicht benutzt worden. Wenn nun jemand damals schrieb,, Gagarin hätte einen Schleudersitz gehabt und sei mithilfe diesen gelandet, dann trifft das zwar die Wahrheit, aber eventuell nur zufällig.

von Harald Kucharek - am 20.02.2005 14:22
Zitat

Die Russen taten aber erst so, als wäre er nicht benutzt worden


aber dann wäre die schleudersitzbenutzung nicht in mehreren büchern so angegeben.

von Matze II - am 20.02.2005 15:32
Matze II schrieb:

Zitat

aber dann wäre die schleudersitzbenutzung nicht in mehreren
büchern so angegeben.

Matze, Du hast Dir ein T-Shirt verdient:
[www.apollohoax.com]



Martina

von Martina W. - am 21.02.2005 19:30
Und dann gab es da noch eine Fix und Fax-Geschichte (nee, nicht Fix und Foxi) aus den 70ern (?), wo die Mäuse Fix und Fax mit ihrem Vetter Fex einen Raumflug "im Dienste der Forschung" unternehmen und auch per Schleudersitz und Fallschirm landen.

Swunn

von Swunn - am 22.02.2005 14:14
Hallo,

bereits in "Die Mondlandung", von Dr. Herbert J Pichler, Verlag Fritz Molden, 1969, wird gesagt, dass die Kosmonauten aus den Wostok-Kapseln vor der Landung ausstiegen.

Viele Grüße,
Rene

von Rene - am 02.03.2005 22:41
Rene schrieb:

Zitat

bereits in "Die Mondlandung", von Dr. Herbert J Pichler,
Verlag Fritz Molden, 1969, wird gesagt, dass die Kosmonauten
aus den Wostok-Kapseln vor der Landung ausstiegen.

Hatten wir schon in diesem Thread :)

Martina

von Martina W. - am 03.03.2005 11:47
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