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Mondlandungs(f)lüge?
Beiträge im Thema:
8
Erster Beitrag:
vor 8 Jahren, 3 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 8 Jahren, 2 Monaten
Beteiligte Autoren:
klauwin, Togge, Harald Kucharek, Heiko, silvio, Susanne Walter, RPWalther, Matze II

Interview mit Leonow

Startbeitrag von Matze II am 20.06.2009 13:27

Hallo,

den Artikel fand ich interessant:

Interview mit Leonow

Zitat

Hätte Koroljow 1969 noch gelebt, wären wir mit grosser Sicherheit ein halbes Jahr vor den Amerikanern auf dem Mond gelandet.


Aber mit dieser Aussage macht sich Leonow doch etwas unglaubwürdig. Oder?

Gruss Matze II

Antworten:

Hi Matze,

ja, einerseits klingt das nach einem schlechten Verlierer * andererseits könnte was dran sein. Nach dem Tod von Koroljow ist einiges drunter und drüber gegangen. Es gibt aber noch viel mehr Gründe, warum die Amis die Ruskis geschlagen haben: >Why did the Soviet Union lose the Moon Race?

von Susanne Walter - am 20.06.2009 14:11
Um als erste bemannt auf dem Mond zu landen, hätten vor allem die beiden Todfeinde Koroljow und Gluschko (der K. durch Denunziation in den Gulag gebracht hatte) zusammenarbeiten müssen.
Nur Gluschko hätte es - vielleicht - schaffen können, einen dem F1-Triebwerk vergleichbaren Motor zu entwickeln. Allerdings hatte das Team von Wernher von Braun in Huntsville auf diesem Gebiet einen großen Vorsprung.
Koroljow und seinem Nachfolger Mischin blieb nichts anderes übrig, als kleine Motoren zu bündeln, und so hatte die Startstufe der N1 30 (in Worten: dreißig!) Motoren. Sei w die Wahrscheinlichkeit für einen fatalen Ausfall (z.B. Explosion) eines Motors, so beträgt die Wahrscheinlichkeit für einen Ausfall der N1-Startstufe [1-(1-w)^30] - ein Wert, der bei wachsendem w rasend schnell gegen 100% strebt. Auf deutsch: so eine Konstruktion ist praktisch nicht mehr beherrschbar.

Aus diesem Grund halte ich es für fast unmöglich, dass die Russen eine Landung vor den Amerikanern hätten schaffen können. Bei der bemannten Umrundung sah die Sache besser aus, was die NASA veranlasste, schon die 3. Saturn V bemannt mit Apollo 8 zum Mond zu schicken. Angeblich hatte eine Fault Tree Analysis ergeben, dass für Bormann, Lovell und Anders die Erfolgswahrscheinlichkeit ein Drittel, die Überlebenswahrscheinlichkeit 2 Drittel betrug. Zum Vergleich: die Überlebenswahrscheinlichkeit von Gagarin soll 42% betragen haben.

Immerhin haben die Russen im September 1968 die ersten Lebewesen an Bord von Zond 5 erfolgreich um den Mond und wieder heil auf die Erde gebracht: ein paar Schildkröten.

Schöne Grüße,
RPWalther

von RPWalther - am 20.06.2009 17:45
Zitat

Nur Gluschko hätte es - vielleicht - schaffen können, einen dem F1-Triebwerk vergleichbaren Motor zu entwickeln. Allerdings hatte das Team von Wernher von Braun in Huntsville auf diesem Gebiet einen großen Vorsprung.


Die Russen waren Jahre weg von einem F-1 Triebwerk und das unterstreicht nur die absolute, wichtige Bedeutung, die Wernher von Braun hatte. Die F-1 war sein Kind.

Zitat

Koroljow und seinem Nachfolger Mischin blieb nichts anderes übrig, als kleine Motoren zu bündeln, und so hatte die Startstufe der N1 30 (in Worten: dreißig!) Motoren. Sei w die Wahrscheinlichkeit für einen fatalen Ausfall (z.B. Explosion) eines Motors, so beträgt die Wahrscheinlichkeit für einen Ausfall der N1-Startstufe [1-(1-w)^30] - ein Wert, der bei wachsendem w rasend schnell gegen 100% strebt


Erstaunlich ist nur, dass es die Russen trotz diesen auch ihnen bekannten Fakten versuchten. Was für eine Verschwendung! OK. Es war natürlich auch eine politische Zwangsentscheidung.



:cheers:

von silvio - am 20.06.2009 18:36
Zitat
silvio
Zitat

Was für eine Verschwendung!


Und das ist es bis heute, die Chinesen versuchen es auch allein, die Amerikaner sind auch relativ im Alleingang unterwegs. Und das ist so, obwohl in dem Interview sehr deutlich steht, das auch "die Feinde" angesichts der Leistungen "des Feindes" Respekt und Anerkennung empfinden.

Die großen Hoffnungen, die im "one small step ..." lagen und dabei ausgesprochen wurden haben sich nicht erfüllt (was jetzt nicht die Leistung an sich schmälert), leider.

Gruß
Heiko
www.earth-moon.de


von Heiko - am 20.06.2009 22:50
Zitat
Susanne Walter
Hi Matze,

ja, einerseits klingt das nach einem schlechten Verlierer * andererseits könnte was dran sein. Nach dem Tod von Koroljow ist einiges drunter und drüber gegangen. Es gibt aber noch viel mehr Gründe, warum die Amis die Ruskis geschlagen haben: .


Wobei man auch berücksichtigen sollte, daß
- der Vorsprung der Sowjet nie so riesig war, wie es manchmal dargestellt wird
- schon zu Koroljows Lebzeiten mit Gemini auf, oder sogar überholt wurde





von klauwin - am 22.06.2009 07:41
Es ist kaum anzunehmen, dass Koroljow und sein Team nicht wussten, dass Regeleung von 30 Triebwerken schwierig und das Risiko eines Ausfalls groß war. Immerhin hatte man schon reichlich Erfahrung mit der R-7 gesammelt, die immerhin 20 Triebwerke hat, von denen jeweils vier zu einem Block zusammengafasst sind.

Die Aussage von Leonow halte ich trotzdem für recht kühn, da die Russen gut zwei Jahre später mit ihrem Mondprogramm begannen als die Amerikaner.

Bemerkenswert ist, dass Wernher von Braun im Zusammenhang mit der Mondlandung in den USA kaum noch erwähnt wird und vereinzelt sogar behauptet wird, er wäre für das Programm relativ bedeutungslos gewesen.

von Togge - am 25.06.2009 13:08
Zitat
Togge
Bemerkenswert ist, dass Wernher von Braun im Zusammenhang mit der Mondlandung in den USA kaum noch erwähnt wird und vereinzelt sogar behauptet wird, er wäre für das Programm relativ bedeutungslos gewesen.

Er war wichtig für die Entwicklung der Saturn V Rakete, aber nicht für das Gesamtprogramm. Im Dokudrama "Wettlauf zum Mond" wird ein ganz anderer Eindruck erweckt.
Von Braun hatte sich bei Mercury/Redstone unbeliebt gemacht durch seinen Druck, dass die Mercury-Kapseln erst einmal nach Huntsville sollten, um dort an die Redstone angepasst zu werden. Bei Gemini/Titan blieb er ganz aussen vor und bei Apollo hatte er sich um die Saturn zu kümmern und sonst um nichts. Von Braun war auch immer weniger wichtig als Ingenieur, sondern vor allem als Manager. Wäre er, sagen wir, 1965 ausgefallen, glaube ich nicht, dass sich dadurch das Programm sehr verzögert hätte.
Wenn ich mich richtig erinnere, hat Huntsville bei Skylab auch einiges an sich gezogen, was eigentlich beim JSC besser aufgehoben gewesen wäre. Auch damit machte sich Huntsville/WvB unbeliebt.

von Harald Kucharek - am 25.06.2009 13:23
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