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vor 14 Jahren, 7 Monaten
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vor 14 Jahren, 7 Monaten
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oekolog, KGBull

für Hörsaalhocker..

Startbeitrag von oekolog am 20.11.2003 13:26

Tach

..mmh. Na..

UniSPIEGEL 5/2003 - 20. November 2003
URL: [www.spiegel.de]
"...Diplom vom Ghostwriter

Fremde Federn


Schreiben oder schreiben lassen? Diplom- und Doktorarbeiten kosten Nerven - oder ein paar tausend Euro, wenn man einen professionellen Ghostwriter für sich arbeiten lässt. Zum Beispiel Jürgen Schröder, 45, Universalschreiber mit einer imposanten Publikationsliste und ohne Scheu vor Themen, von denen er zunächst keine Ahnung hat.

Jürgen Schröders Referenzen sind eindrucksvoll: Er hat zu derivativen Finanzinstrumenten geforscht, einen Klinikneubau geplant und französische Gegenwartsliteraten interpretiert. Seine Publikationsliste umfasst 120 Einträge, darunter 10 Promotionen und 30 Diplomarbeiten. Schröder beherrscht Amerikanistik und Marketing, Krankenpflege und Kunstgeschichte, Sonderpädagogik und Psychologie.


JENS RÖTZSCH / OSTKREUZ

Ghostwriter Schröder: 30 Euro pro Seite


Das Universalgenie taucht allerdings in keinem Who's Who der Wissenschaften auf. Seine eigenen akademischen Weihen beschränken sich auf ein Diplom in Politikwissenschaft, erworben an der Freien Universität (FU). Titel der Abschlussarbeit: "Ideologischer Kampf versus regionale Hegemonie. Ein Beitrag zur Untersuchung der K-Gruppen", Berlin, 1990. Auf die Berufsbezeichnung Diplom-Politologe verzichtet Schröder lieber: "Ich mache mir nichts aus akademischen Titeln. Ich weiß ja, wie leicht man sie bekommen kann."

Jürgen Schröder, 45, ist Ghostwriter. Er schreibt gegen Bezahlung wissenschaftliche Arbeiten: 30 Euro pro Seite kostet ein Text auf Magister- oder Diplom-Niveau; sollen neue wissenschaftliche Erkenntnisse enthalten sein, wird es 10 Euro teurer. Seine Kunden findet Schröder über eine schlichte Annonce in den Berliner Stadtmagazinen "Tip" und "Zitty": "Ghostwriter verfasst wissenschaftliche Studien sowie Texte aller Art."

Unter der dort angegebenen Nummer melden sich zwei Sorten von Menschen: Die Verzweifelten und die Karrieregeilen. Für die Verzweifelten soll Schröder eingestürzte, oft mehrere hundert Seiten lange Textruinen neu errichten, die Karrieregeilen wollen sich mal eben das Material für die beiden Buchstaben vor dem Nachnamen abholen. Nur Professoren hat Schröder noch nicht am Telefon gehabt: "Die verfügen ja über ihre eigenen Ghostwriter am Lehrstuhl, wissenschaftliche Hilfskräfte, Assistenten und so weiter."

Bruch der akademischen Verkehrsregeln

Beide Gruppen - die, die mühsam die ersten Sprossen der Karriereleiter erklimmen, und die, die oben nach den Früchten greifen wollen - unterschreiben eine Vereinbarung, bevor der Ghostwriter mit ihnen ins Geschäft kommt: Der zu übergebende Text dient nur der persönlichen Unterrichtung und darf nicht bei wissenschaftlichen Institutionen eingereicht werden. Wie das zu verstehen ist, erklärt er auch gleich: "Da bin ich wie der Autohändler, der seinem Kunden einen tiefer gelegten Sportwagen verkauft und ihn vor der ersten Fahrt ermahnt, sich doch bitte an die Geschwindigkeitsbegrenzung zu halten."

Auf der Belehrungsklausel besteht Jürgen Schröder. Denn das Geschäft mit den getunten Texten brummt nicht zuletzt deshalb, weil sich viele seiner Kunden nicht an die akademischen Verkehrsregeln halten. Schröder hat mehr Aufträge, als er annehmen kann, und er ist nicht der einzige Vertreter seines Berufsstands in Berlin.

Mindestens ein bis zwei Prozent aller Doktorarbeiten in Deutschland stammen aus einer fremden Feder, schätzt Wirtschaftsprofessor Manuel Theisen, der seit Jahren Material gegen Doktorbetrüger sammelt. Verlässliche Zahlen gibt es aber nicht, weil aufgedeckte Betrugsfälle nicht zentral erfasst werden.

Trickserei kann schwere Folgen haben

Akademiker gehen allerdings ein erhebliches Risiko ein, wenn sie fremde Arbeiten unter eigenem Namen verwenden: Wer sich von einem Ghostwriter helfen lässt, verstößt gegen die Prüfungsordnung und läuft Gefahr, auch bereits erworbene Titel zu verlieren. Die Trickserei kann sogar strafrechtliche Folgen haben und als Betrug gewertet werden, etwa wenn ein Hochschulabsolvent mit einem erschlichenen Diplom einen Job erlangt, der den Abschluss voraussetzt. "Jede Hilfe, die über das Abtippen und formales Korrekturlesen hinausgeht, ist schon problematisch", warnt Hellmut-Johannes Lange, Leiter des Rechtsamts der FU Berlin.

Er habe keinen Einfluss darauf, was die Kunden mit seinen Texten anstellten, sagt Ghostwriter Schröder: "Viele denken, na wunderbar, jetzt muss ich nur noch das Deckblatt entwerfen und das Ganze abgeben."

Eine Erfolgsversicherung kann Schröder nicht bieten, wohl aber eine gewisse Professionalität. Anfängerfehler unterlaufen dem Profi-Schreiber nicht: Wörtliches Abschreiben ist verpönt; von Arbeiten, die im Internet verfügbar sind, übernimmt Schröder nur kurze Passagen. Er hält sich nicht lange mit der Literaturrecherche auf, arbeitet am liebsten in Bibliotheken, wo die wichtigsten Werke zu einem Thema in einem Regal beieinander stehen. Fachbücher schlachtet er aus - drei, vier knackige Zitate, das reicht. In seinem Computer hat Schröder Auszüge aus 2000 Büchern gespeichert, von Standardwerken der Betriebswirtschaft bis zu psychologischen Theorien.

Zwei bis drei Wochen dauert es, bis Schröder eine Diplomarbeit aus seinem Baukasten holt

"Hausarbeiten schreiben ist wie mit dem Baukasten spielen", sagt der Ghostwriter. Er beschränkt das Thema auf ein realisierbares Projekt, errichtet ein tragfähiges Gliederungsgerüst, das er nach und nach mit Textbausteinen auffüllt. Wenn der Rohbau steht, schichtet er einzelne Teile um, glättet und streicht das Ganze schön an: "Ein, zwei alte Philosophen in der Einleitung machen sich meistens gut."

Zwei bis drei Wochen dauert es, bis Schröder eine Diplomarbeit aus seinem Baukasten holt, für eine Doktorarbeit braucht er wenige Monate. Die nötigen Handgriffe hat sich Jürgen Schröder während seiner Schulzeit in den siebziger Jahren erworben: Dort redeten er und seine Mitschüler sich über gesellschaftsverändernde Theorien die Köpfe heiß und schrieben Pamphlete gegen den Vietnamkrieg. Eine gute Ausbildung, wie Schröder sagt. Nach der Schule drohte die Bundeswehr: Jürgen Schröder ging von Hamburg nach Berlin und studierte zwölf lange Jahre lang, zuerst Altamerikanistik, Völkerkunde, Islamwissenschaft, dann Politik, wo er hängen blieb. An der Uni habe er nicht viel gelernt, sagt der Dauerstudent - außer, dass er das gleiche Referat auch mehrmals halten konnte, wenn er es ein bisschen überarbeitete. Nach dem Studium nahm Schröder einen Job am Archiv "APO und soziale Bewegungen" an und ordnete Flugblätter, verkaufte dann Computer-Software und versuchte sich als Fahrradkurier. Bis er 1997 mit dem Ghostwriting anfing.

Heute lebt Schröder von seinem Beruf, mit einer Diplomarbeit pro Monat kann er sich über Wasser halten. Es sind die ungeschriebenen Gesetze eines Faches, die dem Ghostwriter manchmal das Leben schwer machen, die Zitiergemeinschaften und vorherrschenden Lehrmeinungen: "Da kenne ich mich natürlich nicht so aus, wie jemand, der ein Fach sieben Jahre lang studiert hat. Aber wenn der Guru der Disziplin sagt, die Erde ist eine Scheibe, dann schreibe ich, dass die Erde eine Scheibe ist."

Dünne Bretter bohren

Und einen weiteren Risikofaktor für den Erfolg einer Arbeit kann der Ghostwriter nicht ausschließen - die Unfähigkeit der eigenen Kunden. Eine Pädagogin rief nach Übergabe der Arbeit bei ihm an und wollte sich das Fremdwort "konventionell" erklären lassen. Für zwei Existenzgründer sollte er einmal eine Konkurrenzanalyse überarbeiten: "Die hatten einfach die entsprechenden Gelben Seiten für ihre Branche aus dem Telefonbuch kopiert."

Der Ghostwriter als Kritiker des akademischen Betriebs: Die Wirtschaftswissenschaftler bohrten erschreckend dünne Bretter, meint Schröder, und die Maschinenbauer seien nicht in der Lage, einfachste technische Abläufe verständlich zu erklären. Bei den Medizinern sehe die empirische Basis für eine Arbeit oft so aus: "Ich habe zwölf Jahre lang als Unfallarzt auf der Kreuzung Leute zusammengeflickt. Die einen habe ich genäht, die anderen geklammert und die dritten geklebt. Lässt sich daraus etwas machen?"

Ghostwriting sei keine hohe Wissenschaft, sagt Schröder. Trotz aller Routine gefällt ihm seine Arbeit. Während sich seine fest angestellten Kollegen der akademischen Hackordnung unterordnen müssen und jahrelang um denselben Forschungsgegenstand kreisen, kann er sich seine Themen selbst aussuchen: "Mein Traum war immer, so lange über etwas zu forschen, wie ich Lust habe."

JAN FRIEDMANN



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© UniSPIEGEL 5/2003 ..."


Gruß
oekolog

Antworten:

habe ich schon von gehört...

Euer lieber
DDr. KGBull

von KGBull - am 21.11.2003 11:34

DDr. wie Dr.Dr.?

Hall:)a

Dr.Dr. (Stulle-Mettwurst) klingt so nach Stottern und Nachsitzen. Oder ist das ein Ehrenplatz auf der Hauptplatine, da ja der Rechtsnachfolger der DDR der DDR-Ram ist. :D



Gruß in die Welt
Ööööökolog

von oekolog - am 21.11.2003 12:44
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