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Erster Beitrag:
vor 14 Jahren, 2 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 14 Jahren, 2 Monaten
Beteiligte Autoren:
Hans Morschitzky, tom

Angst wg. Burnout? und psychotischer Partnerin

Startbeitrag von tom am 18.09.2003 21:14

Sehr geehrter Herr Dr. Morschitzky,

ich möchte Ihnen nun meine „kleine“ Angstgeschichte schildern, hoffentlich wird es Ihnen nicht zu langweilig !!??

Bis zu meinem 34. Lebensjahr ich hatte noch keinerlei Ängste gehabt, abgesehen von normalen kurzfristigen Ängstlichkeiten, die jeder Mensch hat.
Mein Unwohlsein oder auch schon Vorboten der Angst bekam ich Ende 1997, als meine Partnerin in eine schlimme psychotische Krise kam und sich nicht helfen lassen wollte.
Ich hatte in dieser Zeit überwiegend eine Art geballte Faust in meinem Körper, die nicht locker liess.
Ich habe 3 Monate gekämpft bis sie den Gang zum Psychiater antrat. Nach anfänglich hohen Dosen Neuroleptika war sie innerhalb kurzer Zeit wieder „auf dem Teppich“. Sofort löste sich der Druck bei mir und ich konnte mein Leben mit ihr wieder normal fortführen.
Doch leider setzte sie ihre Tabletten immer wieder ab, was bis zum Ende 2001 zu 9 weiteren
Krisen führte. Meine Belastungen waren in diesem Zeitraum nicht gerade gering, denn ich hatte als Prokurist 4 Geschäfte zu leiten und mit dramatischen Umsatzrückgängen zu kämpfen.
Was folgte waren Entlassungen und noch mehr Stress durch mehr Arbeit für mich. Zudem befand ich mich in einer Sandwich-Position, Druck von der Geschäftsleitung und den Angestellten.
Was folgte waren Interessenlosigkeit und vielleicht auch Selbstmitleid, da ich bemerkte, dass ich dem Ganzen nicht gewachsen war.

Ende 2001 kam dann mein Nervenzusammenbruch.
Meine Partnerin bekam eine erneute Psychose, meine Großmutter nahm mich wegen ihrer Krankheit immer mehr in Anspruch (nächtliche Krankenhausfahrten usw.).
Wegen starker Schmerzen im Brustbereich bekam ich plötzlich Angst etwas Schlimmes zu haben. Bis zur Diagnose (bakterieller Infekt) konnte ich vor Angst kaum Schlafen. Außerdem wunderte sich mein Hausarzt über den hohen Puls von ca. 120/Min. Auch der Kardiologe konnte nichts feststellen. Heute weiß ich das es meine Angst war, die mein Herzrasen verursachte.
Als sich dann noch einige Mitarbeiter krank meldeten und ich die Inventur für 4 Geschäfte alleine durchführen musste, war wohl der Pegel der Belastung so hoch angestiegen, das die Folge ein Nervenzusammenbruch war (27.12.2001). Panikartige Attacken mit den bekannten Symptomen.
Ich hielt durch und beendete wie in Trance die Inventur.
Daraufhin ging ich sofort zu einem niedergelassen Psychiater um Hilfe zu suchen.
Innerhalb von 2 Minuten bekam ich die Diagnose „Angststörung“ und eine Packung
„Insidon“. Dann durfte oder sollte ich wieder gehen und mir einen Therapeuten suchen.
Diesen hatte ich auch schnell gefunden und konnte dann innerhalb von 14 Tagen meine erste Therapiestunde antreten. Medikamente sollte ich keine nehmen.
Meine Angst oder die Attacken weiteten sich plötzlich auch auf andere Bereiche aus, wie z.B.
Angst vor meinen Beruf, Angst vor meiner Partnerin, Angst vor Menschenmassen,
Angst vor gesellschaftlichen Verpflichtungen, Angst vor schlimmen Krankheiten, Angst vor meinem Leben und dessen Bewältigung usw.
Da mein Therapeut mir keine genaue Diagnose meiner Angststörung nennen konnte oder wollte, begann ich verzweifelt und dann auch zwanghaft im Internet nach meinem Problem zu suchen. Ich wollte eine Lösung finden, damit das ständige Grübeln ein Ende hat.
Meine Vermutung an einer generalisieten Angststörung zu leiden, wurde von meinem Therapeuten nicht bestätigt.
Je mehr negative Berichte ich lass, umso mehr verstärkte sich meine Angst.
Nachdem ich ca. 7 Therapiestunden hinter mir hatte, ging es so langsam wieder bergauf
(ca. Ende Febr. 2002).
Was blieb war die Angst vor der Angst.
Vor dem erneuten Aufkommen einer Psychose seitens meiner Partnerin hatte ich keine Angst mehr, falls die Psychose wiederkommen sollte, würde ich anders damit umgehen.
Ein Trugschluss, wie sich später leider herausstellen sollte.
Aufgrund massiver Umsatzeinbrüche und der schlechten Wirtschaftslage haben wir uns entschlossen 3 Filialen zu verkaufen und haben auch gleich einen Käufer gefunden
( 12.2002 ).
Auch unsere Hauptfiliale sollte Mitte 2003 abgegeben werden.
Dieser Entschluss motivierte mich noch so einigermaßen.
Im Dezember verstarb dann meine Großmutter und ich musste mich um die Trauerfeier und das Ganze drumherum kümmern. Dieses habe ich ohne Probleme erledigen können.

Im Januar dieses Jahres aber rutschte meine Partnerin wieder in eine kleine Krise und die gehasste Angst war von einer auf die andere Sekunde wieder da.
Ich beantragte weitere 20 Therapiestunden um schnell wieder aus der Angst zu kommen.
Aufgrund meiner Panik versuchte ich wieder selber den Hintergrund und den Auslöser meiner Angststörung in diversen Angst-Büchern und im Internet zu suchen.
Plötzlich war ich der Meinung ein Alkoholproblem zu haben, da ich im Internet sehr viel über Angst im Zusammhang mit Alkohol gelesen hatte. Die Angst verstärkte sich daraufhin.
Ich ging zu einer Beratungsstelle um mein Problem analysieren zu lassen. Mit 3 Flaschen Bier am Abend sei ich zwar gefährdet, aber nicht abhängig, sagte man mir. Ich sollte mir eher Sorgen um mein Burnout machen.
Das Problem Alkohol hatte sich gottseidank erledigt, obwohl ich dann 4 Wochen keinen Schluck Alkohol anrührte.
Nun begann ich Informationen über das Burnout-Syndrom zu suchen. Doch mein Therapeut wollte sich zu dieser Diagnose nicht äußern.
In dieser Zeit ( Jan. und Febr. ) ging es mir ziemlich dreckig und ich informierte die Geschäftsleitung mit meiner sofortigen Kündigung.
Ich hatte einfach meinen Job geschmissen, das hätte ich mir sonst nicht zugetraut.
Von nun an war ich mir sicher zum zweiten Mal in ein Burnout geraten zu sein und wollte die freie Zeit nutzen um mich wieder zu erholen. Ab Anfang April kam dann die Lebensfreude zurück.
Meine letzte Therapiestunde hatte ich im Juni’ 03.
Aber an eine neue Anstellung wollte und konnte ich nicht denken.
Im Juni und Juli bin ich 2 Mal allein in den Urlaub gefahren und habe meine Freiheit wirklich genießen können.
Trotzdem schleppte ich andauernd 3 Gedanken mit mir herum.

1. wie verhalte ich mich bei einer erneuten Krise seitens meiner Partnerin?
Ich bemerkte auch, dass ich mich in den Jahren immer mehr von meiner Freundin .
distanziert habe, sie aber immer noch liebe ( seit 18 Jahren ).
2. Wird es mir jemals wieder gelingen ins Berufsleben zurückzufinden, aufgrund von
fehlender Motivation, Beklemmungen und der Angst vor erneuten Psychosen meiner
Partnerin ?
3. Wie reagiert meine Psyche, falls wirklich einmal eine schlimme Krankheit auftauchen
sollte ?

Im August trat die Geschäftsleitung meiner alten Wirkungsstätte an mich heran, mit der Bitte ihnen bei der Auflösung der letzten Filiale zu helfen.
Da ich ja schon mit dem Geschäft abgeschlossen hatte und zudem sehen wollte wie ich im Arbeitsleben wieder reagiere, sagte ich zu.
Ich hatte plötzlich wieder Motivation und erledigte alle meine Aufgaben ohne Probleme bis zur endgültigen Schließung.

Ende August wollte die neue Geschäftsleitung, die die letzte Filiale übernommen hatte, mich als Filialleiter ab 1. September einstellen.
Ich war mir mit der neuen alten Aufgabe sehr unsicher, da ich eigentlich mit dem Geschäft nichts mehr zu tun haben wollte.
1 Woche wollte ich mir die neue Firmenstruktur und den Geschäftsablauf anschauen um dann eine Entscheidung zu treffen.
Die ersten 3 Tage ging mir alles leicht von der Hand und ich sah wieder eine kleine Perspektive, obwohl ich eigentlich eher wieder aufhören wollte.

Doch dann kam wieder alles ganz anders.
Ich hatte wieder das komische Gefühl das sich meine Freundin wieder auf eine erneute Krise zubewegte. Eine minimal veränderte Verhaltensweise meiner Partnerin reichte aus und meine Angst flammte wieder auf (07.09.03). Sie nimmt nun nach einigen Stressmomenten die doppelte Dosis ihrer eigentlichen Erhaltungsdosis (Tabletten !), ohne das ich es von ihr verlangt habe.

Meine Angst ist zwar nicht mehr so stark und andauernd, aber wie sie sich weiter entwickeln könnte weiss ich jedenfalls noch nicht.
Heute ist der 18.09.03 und ich habe zwar immer noch ein flaues Gefühl, aber es ist irgendwie doch auszuhalten.
Ich weiß zwar das ich die 3 oben beschriebenen Probleme immer noch mit mir herumtrage, aber die Auslöser meiner Panikreaktionen waren immer die psychotischen Krisen meiner Partnerin. Ich kann mit dieser „Belastung“ einfach nicht umgehen.
Ich habe übrigens am Samstag, den 20.09.03 meinen letzten Tag in der Firma.

Lieber Herr Dr. Morschitzky,
ich hoffe Sie nicht mit dem langen Text überstrapaziert zu haben.
Mir ist bekannt, das Sie keine Ferndiagnosen stellen möchten und können,
aber ich weiß so langsam nicht mehr weiter. Ich möchte eigentlich nur erstmal wissen, mit welcher Angststörung(en) ich es zu tun haben könnte und wie meine Probleme in den Griff zu bekommen sind, denn ich habe auch Bedenken vor einer Chronifizierung.
Die Erkrankung meiner Partnerin scheint mich im Griff zu haben oder es hat mich innerhalb der vergangenen Jahre irgendwie traumatisiert. Zudem bin ich in vielen Bereichen zu dünnhäutig geworden und größeren Belastungssituationen momentan nicht gewachsen.
Eine Trennung von meiner Partnerin habe ich auch schon in Betracht gezogen, aber mir fehlt die Kraft und der Wille, zudem ist es wohl auch keine Lösung.
Oft denke ich daran alles hinzuschmeissen und abzuhauen, dann sage ich mir aber wieder „Stell dich deinen Problemen und Ängsten und lauf nicht davon“.
Sollte ich eine erneute Therapie machen und mir einen anderen Therapeuten suchen ?
Wie sieht es mit einem Antidepressivum aus ? Ich weiß, Sie möchten keine Antwort darauf geben !
Vielleicht brauche ich viel mehr Zeit um wieder von selbst zu gesunden und meine Ängste abzulegen, z.B die Angst vor der Angst, oder befinde ich mich in irgendeiner Sackgasse und weiss es nicht einmal (z.B. Lebenskrise).
Vor der Erkrankung meiner Partnerin hatte ich übrigens keine Ängste (oder/und Phobien ?), nicht mal depressive Verstimmungen. Im Grunde war ich immer sehr ausgeglichen.
Über eine Antwort von ihnen wäre ich sehr dankbar. Vielleicht haben Sie auch noch einen Buch-Tipp für mich.
Mit freundlichen Grüssen
Tom

Antworten:

Lösungen suchen und nicht nur Symptome beseitigen!

Hallo!

Aus der Darstellung ist Ihre Not zu erkennen. Sie haben jene Voraussetzungen, die häufig zu Angststörungen und/oder Depressionen führen, nämlich gleichzeitig Probleme im Beruf und in der Familie. Ihre Symptome und Beschwerden sind einfühlbar. Je mehr Sie sich nun krank machen, um so mehr lenken Sie sich von Ihren wahren Problemen ab: Wie lösen Sie Ihr Problem mit Ihrer Frau und wie machen Sie beruflich weiter?

Mein Tipp: Stellen Sie sich vor, Sie fühlen sich völlig gesund, was würden Sie dann tun - beruflich und familiär? Darum geht es doch! Wenn Sie sich neben Ihrer kranken Frau auch noch durch diverse Diagnosen krank machen, werden Sie in Ihrer Situation nicht gesünder handeln, obwohl dies jetzt notwendig ist.

Wenn Sie eine Angstdiagnose brauchen, dann finden Sie bestimmt die richtige, wenn Sie nur mein Info "Ängste" lesen - doch ist dadurch irgendetwas anders in Ihrer Situation?

Als Geschäftsführer verstehen Sie, was ich meine, wenn ich behaupte: Wenn Sie eine Umsatzsteigerung erreichen wollen, dann müssen Sie mehr tun, als Diagnosen und Fehleranalysen erstellen, nämlich Lösungen suchen, um den Absatz zu steigern, egal aus welchem Grund er früher gesunken ist.

Wie Sie wissen, gebe ich als Psychotherapeut zu Medikamenten keine Stellungnahme ab. Wenn Sie welche nehmen möchten, dann ist das Ihre Sache.

Wenn Sie eine Psychotherapie machen, dann sollten Sie nicht nur Negatives (wie Symptome) los werden wollen, sondern Positives visualisieren (Wie soll es weitergehen? Wobei soll Sie ein Psychotherapeut unterstützen?)

MfG

Hans Morschitzky

Wenn

von Hans Morschitzky - am 20.09.2003 18:27

Re: Lösungen suchen und nicht nur Symptome beseitigen!

Lieber Herr Dr. Morschitzky,

vielen, vielen Dank für Ihre schnelle Analyse.

Ich glaube Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen.
Es ist im Prinzip egal, welcher Art Angst oder Depression ich ausgeliefert bin, denn ich ändere ja nichts an meiner Lebenssituation und dadurch haben es die Symptome einfach, sich wieder zu melden.
Nur die richtige Lösung zu finden ist in meiner Lage auch nicht ganz einfach.
Gut, meine Arbeit in dem neuen, alten Unternehmen habe ich beendet.
Mein Problem ist z.Zt. immer noch, ich weiß was ich nicht mehr will, aber ich weiß nicht, was ich in Zukunft beruflich machen will oder möchte, da sich an diesen Gedanken wieder der Kloss im Hals bildet und ich momentan keinerlei Motivation hervorbringen kann.
Ein Gespräch mit meiner Partnerin, über eine eventuelle Trennung, endete nach mehrstündiger Diskussion auf beiden Seiten mit Tränen.
Ich glaube, das meine Ungeduld auch zu diesen Depressionen beiträgt.
So schnell wie möglich jeden „Ballast“ über Bord zu werfen und dann ist alles wieder OK, nur so setzte ich mich wieder unter unnötigen Druck.
Ich sollte lebenswichtige Entscheidungen nur im stabilen Zustand angehen, oder ?
Auch sollte ich, wie Sie schon richtig angemerkt haben, meine negative Grundhaltung, die ich in den letzten Jahren aufgebaut habe, durch positives Denken ersetzten. Auch das ist nicht ganz einfach, aber wahrscheinlich mehr als notwendig.
Vielleicht sollte ich deshalb nochmals therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen, obwohl ich jegliche Probleme meines Lebens selber lösen muss.

Lieber Dr. Morschitzky,
falls ich auf dem richtigen Weg sein sollte, aber immer noch einige gravierende Mängel in meinem Denken und Handeln aufweisen sollte, dann wäre es nett, sich vielleicht nochmals zu melden, vorausgesetzt Sie können etwas aus meinem Text entnehmen und werten, bzw. analysieren.

Mit freundlichen Grüssen
Tom

von tom - am 22.09.2003 10:34

Re: Lösungen suchen und nicht nur Symptome beseitigen!

Hallo!

Ja, Sie sollten eine kürzere Therapie machen, um Ihre Partner- und Berufssituation zu klären und sich dabei nicht so sehr auf die eigenen Symptome konzentrieren, denn diese lenken sie ab von den wahren Problemen.

MfG

Hans Morschitzky

von Hans Morschitzky - am 24.09.2003 07:53
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