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vor 12 Jahren, 10 Monaten
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Tesla

L'equipe über die Pariser Fanszene

Startbeitrag von Tesla am 25.03.2005 14:32

Gefunden in einem Forum ... Für interressierte Leser sicherlich SEHR interressant ...

"Paris - Geschichte eines Clash

Paris Saint Germain ist ein Fall: dort hat sich die Krise am schärfsten zugespitzt: Sie hat sich auf den Verantwortlichen für die Sicherheit fokussiert. Wird die juristische Mediation etwas bringen?

PSG - Metz, 18.12.2004. Der Parc des Princes leuchtet, brutal erleuchtet von zehnfachen Fackeln. Die Ultras sind mit ihren Feuern ohne Probleme eingedrungen, die Detektoren haben nicht angeschlagen: die supporters haben "italienische" Varianten genommen, ohne metall-Zusätze. Aussen, eine weitere Gruppe, unterstützt von den bereits im Stadion befindlichen Fans, stürmen den Parc (sehr umgangssprachliche Formulierung). 15. Minute des Spiels: Die ersten Feuerwerkskörper fliegen von der Virage de boulogne aufs Spielfeld. Auteuil antwortet und es fliegen immer mehr aufs Spielfeld. Das Match wird für mehrere Minuten abgebrochen. Nach mehreren Wochen der Spannung hat das Armdrücken zwischen Jean-Pierre Larue, Sicherheitschef des Stadions und den Fans eine kritische Schwelle erreicht.

Die sich zugetragene Chronik dieser Zusammenstöße, diesen ständigen Schlägen zwischen den Fans und der Direktion des Vereins ist die geschichte eines Clubs, der auf den Tribünen, die seit mehreren Jahren gewohnt sind selbstständig zu agieren, sein Gesetz durchsetzen will. Die Geschichte eines gegenseitigen Unverständnisses. Unumkehrbar.

Zum ersten Mal seit PSG-Galatasaray im März 2001 ist der parc ein Pulverfass. Die Gesamtheit der Gruppen, offizielle wie nicht-offizielle (genannt indépendants = Unabhängige), die sich seit 19 Monaten einen Kampf um de Vorherrschaft des Stadions liefern, haben erstmals ein gemeinsames Ziel: Larrue feuern!

Kurze Zusammenfassung der Ereignisse. 20. Mai 2003, PSG - Rennes. Um ihr zehnjähriges Jubiläum zu feiern, hat Tigris, die offizielle Gruppierung von Auteuil, ein Banner ausgerollt auf dem zu lesen ist: Die Zukunft gehört uns. Dieser Satz provoziert Boulogne, die sich als historischer Kop sehen. Vier tage später, beim Auswärtsspiel in Auxerre, werden tigris und die Supras (ebenfalls Auteuil) von den indépendants Boulogne im Gästeblock attackiert. Auch die Boys machen mit. Das Commando Pirates, eine der radikalsten Gruppen kommt zur Verstärkung. Die Auseinandersetzung ist von solch einer Gewalttätigkeit gezeichnet dass di Polizei eingreifen muss und Auteuil den Block verlassen muss. Die Saison 2003-2004 verlängert diese Auseinandersetzung. Von Februar bis Mai 2004, in Auxerre, in le Mans, Strassburg und im Stade de France kommt es zu neuen Zwischenfällen. Die Rechnung ist gesalzen für den PSG, 258.000 Euro Strafe muss an de Liga bezahlt werden, alleine der Einsatz in Strassburg kostet 50.000 Euro.

Francis Graille, der Präsident von PSG, weiß dass die guten Resultate der Mannschaft diese Probleme kaschieren. Er weiss aber auch dass eine Saison 2004/05 unter ähnlichen Vorzeichen seine Stellung im Verein gefährden kann. Nach dem Rückzug von Claude Deschamp, Sicherheitsdirektor im Parc im Januar 2004, übernimmt Lionel Drexler, der Stadionverantwortliche, das Dossier nur wideryillig. Graille muss also einen neuen Verantwortlichen finden. Zwei Kandidaten bieten sich ihm an: ein altes Mitglied der Anti-Hooligan Zelle der RG (allgemeine Informationen?) genannt Nounours und Jean-Pierre Larrue, commissaire divisionnaire (?) in Bordeaux. "Der Mann ist Gesetzt, von einer exzellenten Reputation und Alain Roche, der ihn aus Bordeaux kennt, hat von ihm in höchsten Tönen geschwärmt." Graille möchte ihn unbedingt, aber Larrue ist erst ab dem Sommer verfügbar. Erster Fehler, Larrue lässt die Fans ohne Ansprechpartner für 6 Monate . Und er wählt jemanden, der die Welt der Tribünen nicht kennt.
Larrue muss den lokalen Sicherheitsvertrag durchsetzen (ein Vertrag zwischen dem Verein und den lokalen Behörden über Vorschriften für den Parc, ohne Fans zustandegekommen) und sich dem Dossier der indépendants widmen, dem Knoten des Problems. Es gab dringende Anfragen der Gruppen um sie vor den indépendants zu schützen, versichert er. In Strassburg sind es die indépendants die die Gruppen erpressen ins Stadion zu gehen und dort Feuer zu legen (?). Am 3. August 2004 nimmt Larrue die Arbeit auf.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Vereins sind die Fans unter der Vormundschaft eines Sicherheitschefs. Er weiß von Anfang an, dass das keine leichte Aufgabe sein wird. "Ich habe mich am 5. August vorgestellt, erinnert er sich. Ich habe die Gruppierungen um einen runden Tisch vereint, mit Champagner und Snacks. Einige sind gekommen, und bei der ersten Nennung meines Namens sind zwei (Gavroches und Rangers) aufgestanden und gesagt: "Das kümmert uns einen Dreck." Danach, haben sich die Boys ebenfalls erhoben und haben gesagt, sie wollen hier keine Bullen."

Drei Wochen später, Larrue erkennt die ersten Zusammenstöße. Beim Spiel gegen Saint-Etienne, am 29. August, die Boys und die Supras sind die ersten, die ihm Hass aussetzen. "Er kommt von einer Polizeikarriere, sagt das Supra-Mitglied Christophe. Er ist mit seinen alten Mechanismen gekommen." 14 Tage später gegen Monaco wenden sich alle Gruppierungen gegen ihn. [...]( Hier kommt ein Zitat mit einer Redewendung, die ich nicht verstehe). Nach dem Ende des Matchs belagern 400 Fans die Tribüne présidentielle und verlangen von Graille empfangen zu werden. Eine Abordnung verlangt vom PSG Präsidenten Larrue ruhigzustellen. Graille lehnt das ab, was ihn ab dem Spiel drei Tage später mit Banner konfrontiert wird die seinen Kopf fordern. Die indépendants stoßen zu der Fronde hinzu, die an Umfang zunimmt.

Der verantwortliche der Sicherheit des Clubs konzentriert den Konflikt auf seine Person. Und verwechselt Schnelligkeit mit Überstürzung. "Er ist immerhin Weltmeister, verteidigt Graille. Seine ersten Proteste nach nur einem Monat zu haben ist doch der Beweis wirksam zu sein. Man fürchtet sich." Man muss die Ordnung wiederherstellen, sagt ein Verantwortlicher der Fans. Aber Larrue wollte das viel zu schnell ohne Dialog. Die bissigsten offiziellen Gruppen sahen sich ihres Materials beraubt. Ihre Lokale sind durchsucht worden, Tigris macht ein Banner das Larrue als Beschmutzer des Parks tituliert. Am nächsten Morgen wird der Vorsitzende von Tigris von der Polizei verhört.

Eine übertrieben Maßnahme stachelt die Wut der Fans noch weiter an: die "Tracablité". Bei Auswärtsspielen kauft der PSG die gesamten Gästekarten und verkauft sie nur an diejenigen, die einen Ausweis vorlegen. Der größte Teil verweigert das. In Saint_Etienne am 22. Januar, bleiben die, die das verweigern, im Bus. Einige andere Auswärtsspiele schaffen weitere Probleme: Die Pariser Fans kaufen Tickets auf anderen Tribünen, was das Sicherheitsproblem verschärft. Die Sicherheitschefs beschweren sich bei ihrem Präsidenten. Die Ordnungskräfte, die die Bestimmungen von Larrue durchsetzen sollen, sind genervt. Paris ist kein Pariser Problem mehr. Am nächsten Morgen nach dem Match gegen Saint-Etienne, die Präfektur de la Loire (die Region) zieht eine Beschwerde gegen PSG in Betracht. Nach dem Match gegen Metz m Dezember, Canal+ (frz. Pay TV Sender mit Anteilen an PSG) verschärft den Druck auf Graille das problem zu lösen. Jean-Philippe d'Hallivillée, der Pressesprecher von PSG, übernimmt das Dossier. Er trifft alle gruppen. Zwischenzeitlich haben sieben von denen (Boys, Tigris, Supras, Lutèce, Gavroches, Rangers, Authentik) sich einen Anwalt, Herrn Lappe, genommen, der die Idee vorträgt das ganze über den Rechtsweg zu klären...

Eine Meditation wird begonnen unter der Führung des Sozilogen Patrick Mignon. Eine Premiere in Frankreich: ein Verein und seine Fans bedienen sich eines rechtlichen Schrittes und Anwälte um ihre Schwierigkeiten zu regeln. Das Ziel der Meditation: einen Text verabschieden mit den Rechten und Aufgaben eines jeden einzelnen. Drei Tage vor dem ersten Treffen, im Rahmen der Präsentation des neuen Trainers, tritt ein Mann auf um mit Graille zu sprechen. Es handelt sich um Olivier Fréoux, der eine kleine Reputation auf Boulogne geniesst und angesehen wird als der Mentor von Casual Firm, einer Gruppe von indépendants. Der Präsident kann dem schließlich ein Gesicht zuordnen, was seit Tagen hinter den Kulissen kursiert. "Ich habe Graille auf seine Initiative hin getroffen. Ich habe keineswegs, wie er behauptet, den Frieden auf den Tribünen versprochen. Er hat mich gefragt, wie man die Tribünen beruhigen kann." Die Direktion des Vereins dementiert diese Version: "Ich habe diesen Herrn niemals eingeladen, sagt Graille. Ich möchte auf diese Provokation nicht antworten." Am nächsten Tag, einer der Fréoux nahestehenden, "Fabrice-Fabrice" wird mit anderen indépendants in den Vereinssitz eingeladen.
Olivier Fréoux war Ende der 90er Verantwortlicher der "Fanabteilung" unter der Verantwortung von Jean-Francois Domergue, Generaldirektor und Michel Denisot, Präsident. Er arbeitete zusammen mit Pascal Berger, verantwortlich für stadiers (?) und Figur aus dem Skinhead Milieu. Der Club hatte damals entschieden diese beiden Boulogner zu "verantwortlichen" um die radikalen Tribünen zu besänftigen (am 28. August 1993 wird bei dem Spiel PSG-Caen ein Bereitschaftspolizist von den indépendants verprügelt). Fréoux arbeitet heute in einer "familiären Gruppe" die eine Sicherheitsfirma besitzt an der auch sein Bruder beteiligt ist. Sein Treffen mit Graille hat MCS beunruhigt, die seit mehr als 10 Jahren im Stadion arbeitet.
Freoux ist auch Mitbesitzer, mit zwei anderen Fan-Verantwortlichen aus Boulogne, einer Bar in Boulogne-Billancourt, The Corner. Diese wurde auf präfektoralen Beschluss geschlossen, nachdem ein Bus aus Marseille beim letzten Spiel PSG-Marseille am 7.11.2004 attackiert wurde. Dem Präfekten zufolge sind die Pariser Hooligans aus diesem Lokal gekommen. Ein gewaltiger Fehler hat zu diesem Zusammenstoß geführt:
Weil das Lokal das Verbot Alkohol auszuschenken nicht beachtet hatte, war die Polizei dazwischengegangen um das Lokal zu schließen und schickte einige Dutzend Hooligans auf den Bürgersteig, genau in dem Augenblick als der Marseiller Bus um die Ecke bog...Heute dementiert Fréoux diese Version und gibt an dass der Geschäftsführer vor Gericht die Entscheidung des Präfekten anfechtet.
"Man hat ihnen auch sagen müssen, dass ich der Mann hinter den Merchandising Gesellschaften war", nimmt er vorweg. Das Gerücht betrifft zwei Marken, Virage Auteuil und Kop of Boulogne, geschaffen 1998. Sie sind weder vom Verein noch von den Gruppierungen selber hinterlegt worden sondern vielmehr von zwei anderen Fans: Joaquim Costa, Auteuil, der Freoux "sehr sehr gut" kennt: „Er hat die Marke Virage Auteuil eintragen lassen und Eric Imbert die Marke Kop of Boulogne. Letzterer ist einer der Leader vom Commando Pirates.

7 Monate nach dem Auslösen des Konflikts, Francis Graile muss eine düstere Bilanz erstellen vom Zustand seiner Unterstützer. Die Sanktion eines Spiels vor verschlossenen Türen und die Urteile des Französischen Fussball Verbands hat sich zu einem Geschwür gebildet in der Direktion des PSG, die sich entschieden hat die ganze Sache vor Gericht zu bringen. Frédéric Thiriez, der Präsident des Ligaverbands, war lange zeit an der Seite von Graile. In einem Brief an den Innenminister, datiert vom 10. Januar, gibt er an dass er die von Larrue eingeführte Politik der tracibilité unterstützt. Ein Verhalten, dass ihm heute von einigen Präsidenten anderer Vereine vorgeworfen wird. Und Thiriez schaut mittlerweile in Richtung der Innen- und Justizminister. "Das Problem der Gewalt, ist zu 90% PSG, erinnert der Präsident der Liga. Und in Paris sind es 200 oder 300. Die dazu noch bekannt sind. Und sie fragen sich: Wie kommt es, dass diese kein Stadionverbot haben? Ich habe darauf keine Antwort." Die Situation für Graille ist insofern noch schwieriger als dass die verschiedenen Polizeiabteilungen, die sich mit dem Thema beschäftigen, Schwierigkeiten haben zusammenzuarbeiten. Unseren Informationen zufolge plant die Direction de l'ordre public et de la circulation (keine Ahnung, was das deutsche Äquivalent ist) in Paris interpellations (ich hab dazu keine Übersetzung gefunden, muesste etwas sein wie Kontrollen/Verhoere) in den Tribünen. Ein Test, wenig beweiskräftig, wurde im Februar vollzogen. Und diese Methode ist vor allem im Widerspruch zur aktuellen Gesetzeslage.
In diesem Kontext setzt der PSG Präsident alles auf die gerichtliche Meditation. Am 14. Februar hat die erste von sechs Veranstaltungen in einem Saal des Pariser Rathauses stattgefunden. Vier Gruppierungen (Lutèce, Tigris, Supras und Boys) haben teilgenommen. Die indépendants haben eine Teilnahme abgelehnt, sogar die Rangers und Gavroches sind den Diskussionen ferngeblieben. Fréoux wiederum hat einer Fangruppen-Tagung teilgenommen, während der er die Gruppen aufforderte, den Druck auf den Verein zu erhöhen.
Der Club selber hat entschieden der Strategie von Larrue zu folgen. Die Debatten kamen bis zur vierten Sitzung gut voran, auf der Philippe Pereira, Präsident von Gavroches sich zum ersten Mal vorstellte und den Rauswurf von Larrue forderte, bevor er wieder ging. Die indépendants treten genauso zu Tage. Sie hoffen auf ein Festfahren der Verhandlungen während Graille eine schnelle Lösung bevorzugt um in das Gesellschaftskapital (???) eintreten zu können.
Auf den richtigen Gleisen die Meditation müsste am Anfang dieser Woche zu einer Lösung kommen und die Diskussionen leiser werden lassen. Bleibt die Frage wie viele Gruppierungen diese abzeichnen. Sie wird den Unterzeichnern wiedergeben, schwarz auf weiß, die von Larrue gelöschten Errungenschaften: Es stehen Lokale mit reglementierten Zugang zur Verfügung, es gibt eine festgelegte Alarmprozedur in Krisenfällen, die Logi des Clubs dürfen zu nicht kommerziellen Zwecken verwendet werden...Und sie widerruft das Prinzip der tracibilité. Warum also den Abflug von Larrue überstürzen?
Selbst unter diesen Bedingungen ist eine Abwehr der Krise nicht garantiert. Wird es sie dennoch geben eines Tages?"

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schon heftig wie das bei denen abgeht...
Da sind wir ja richtige Engel dagegen.,..

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