Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Fussi und mehr
Beiträge im Thema:
4
Erster Beitrag:
vor 11 Jahren
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren
Beteiligte Autoren:
ravanelli, Beorn, Tesla, Iggster

Axel Schulz

Startbeitrag von Iggster am 26.11.2006 10:53

Ich mache mal ´nen neuen Thread auf...

Hat das gestern noch jemand außer Nemo und mir gesehen? Absolut üble Nummer. Allerdings konnte ich mir eine gewisse Portion "Siehste Woll-Freude" nicht verkneifen. Irgendwie wäre es auch zu einfach, wenn man als 38-jähriger nach 7 Jahren Pause einfach wieder zurückkommen könnte und mal eben einen Mann aus der Weltspitze weghaut. Gut so, dass das einfach nicht geht.

Übrigens glaube ich gar nicht mal, dass sich Schulz nur mal eben kampflos sein Geld abholen wollte. Dazu hat er sich vorher viel zu sehr geschunden und schien auch viel zu entsetzt/ enttäuscht. Ganz einfach hat er seine Stärke überschätzt...die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Schulz war ja ohnehin nie so der megatolle Boxer, der dann doch recht stark von seiner guten Physis gelebt hat. Da er mit 38 auch diesen Vorteil nicht mehr hat, kann nur passieren was passiert ist...man kricht die Fresse voll.

Man sah das vielleicht Scheiße aus, wie Schulz mit dicken Augen und einem völlig ramponiertem Gesicht ab der 4 Runde durch den Ring getaumelt ist. Keinen einzigen Schlag hat er in den drei letzten Runden mehr ausgeteilt. Stattdessen nur die Fäuste dicht vor´s Gesicht gehalten, um das übelste zu verhindern. Minto hat die beiden letzten Runden nach dem ersten Niederschlag ja komplett ohne Deckung gekämpft und nur noch ausgeteilt. Fast schon peinlich wie Schulz Minto nach dessen abschließender Salve den Rücken zudrehte, weglief und sich in die Seile flüchtete. Zu diesem Zeitpunkt hatte Schulz schon längst kläglich versagt.

...und ganz ehrlich: Ich hoffe Maske geht´s bald auch nicht besser!

Antworten:

dazu ein sehr guter Artikel aus der NRZ

Der Doppel-Axel



BOXEN. Schulz war nie ein guter Schwergewichtler, aber immer ein netter Kerl. Dabei wird es beim heutigen Comeback bleiben.


Man kann es sich leicht machen mit Axel Schulz und das heutige Comeback des Boxprofis, der tatsächlich schon wieder von einem Titelkampf gesprochen hat, mit einem einzigen Tiefschlag zerstören. Man müsste dafür zum Beispiel nur schreiben: "Schulz? Weltmeister? Das ist in der Tradition des Manta-Humors (Steht ein Manta vor der Uni), der kürzeste Box-Witz der Geschichte."So einfach wäre das. Es wäre zu einfach.Schulz ist der Jack Lemmon unter den Boxern. Immer irgendwie kaputt, wenn er aus dem Ring klettert, aber trotzdem liebenswert.Das ist genau das Muster, nach dem auch sein Comeback funktioniert. Schulz war in Deutschland ein Box-Held, als Kanzler Helmut Kohl noch regierte und das Publikum die Tricks der Box-Manager mit den Fallobst-Gegnern noch nicht durchschaute. Der Markt war neu, und Schulz kletterte zunächst sogar noch in Kneipensälen in den Ring.

Die Kämpfe in den Kneipensälen

So boxte er 1991 in der Dinslakener Altstadtschänke gegen einen Ungarn namens Lazslo Virag. Ein Plumpsack, der von seinen zwölf Kämpfen alberne zwei gewonnen hat. Die Männer unten am Ring rauchten und tranken König-Pils aus Flaschen. In der dritten Runde stöhnte der Ungar und kippte um. Die Männer nickten und sagten: "Der Axel wird einer."

Ein Satz, der zum Mantra wuchs, weil der Fernsehsender RTL Schulz im Windschatten von Henry Maske zum zweiten Helden aufbaute. Beide Boxer hatten mit Manfred Wolke den gleichen Trainer, also mussten beide auch gut sein. Und dort, wo Maske besser kämpfte, redete Schulz freundlicher. Maske rang um Anerkennung, Schulz flogen die Herzen zu. Eine Gabe, die man hat oder eben nicht.

Schläge wie bei einer Kitzeltaktik

Misstrauen gegen die Box-Qualität von Schulz regte sich erst, als der Schwergewichtler Zejlko Mavrovic im Vorprogramm der Kampfabende auftauchte. Immer, wenn der Kroate mit dem Irokesen-Schnitt im Ring stand, fiel ihm jemand vor die Füße. Der Boden wurde gewischt, dann kam Schulz, und seine Schläge sahen mit einem Mal nur noch aus wie eine Kitzeltaktik. Aber Schulz war ein Deutscher, die Leute liebten ihn. Der Doppel-Axel, und Promoter Wilfried Sauerland setzte auf ihn.

Das ist die eine Hälfte des Geheimnisses seiner Popularität. Die andere Hälfte ist im Geld begründet. RTL hatte den Boxboom inszeniert, verdiente Millionen und investierte weiter in Titelkämpfe. Schulz bekam haufenweise Chancen, weil seine Gegner hohe Börsen witterten. Seinen WM-Kampf gegen Francois Botha sahen 18 Millionen Deutsche im Fernsehen, bis heute der RTL-Rekord.

Aber auch Schulz stellte einen Rekord auf: Kein Schwergewichtler hat mehr Titel-Chancen versemmelt als er. Drei Fights um die Europameisterschaft, drei um die Weltmeisterschaft: Kein Sieg.

Nach seinem letzten EM-Kampf 1999 gegen Wladimir Klitschko sah er aus, als sei er von einem Achtzehn-Tonner überfahren worden. K.o. in der achten Runde, aber dafür war er in der Pressekonferenz wieder mal ganz o.k. und fand: "Das war´s. Ich habe im Boxen nichts mehr verloren."

Ein ehrenvoller Abschied, Schulz hatte alles erreicht, was er erreichen konnte. Insgesamt ein gutes Ende für den Bär von einem Mann, der immer mehr Teddy als Grizzly war.

Wäre jetzt nur nicht sein Comeback.

Schulz hat sieben Jahre lang nicht geboxt. Er ist 38 Jahre alt und damit in einem Alter, in dem andere ihre erste Brille mit Gleitsichtgläsern verschrieben kriegen. Warum macht einer sowas?

Die ersten Antworten von Schulz klangen platt. "Meine Tochter soll keinen Verlierer-Typen als Vater haben", sagte er. Er hatte in Florida geheiratet, Töchterchen Paulina war im Sommer zur Welt gekommen. Aber Schulz ist ein ehrlicher Mann, und er nahm das zurück: "Die Wahrheit ist, dass mir das Boxen fehlt."

Wer das Leben von Schulz verfolgt hat, kann diesen Satz nachvollziehen. Als Jugendlicher hat er im autoritären DDR-System mit dem Sport begonnen, später schrieb ihm Trainer Wolke den Tagesablauf vor, das Training war sein Haltegriff im Leben als Star in einer fremden West-Gesellschaft.

Im Pool in Florida plätschert ein Wasserfall

Nach seinem Rücktritt fehlte diese Ordnung im Leben von Schulz. Er zog nach Florida, sein Haus steht in Cape Coral, einem Badeort mit rosa Strandpavillons und mehr Senioren als jungen Leuten. Im Pool des 38-Jährigen plätschert ein Wasserfall, und sein Manager Wolfram Köhler wohnt nur zwei Straßen weiter. Köhler war früher Oberbürgermeister von Riesa, er wollte Olympia nach Sachsen holen, scheiterte kläglich und ließ sich in Florida nieder, wo er nun versucht, mit Schulz Geld zu verdienen.

Die Frage dabei lautet zwar auch: Wieviel kann Schulz im Ring nehmen, aber noch mehr interessiert, wieviel er einnehmen kann.

RTL zahlt ihm angeblich für drei Kämpfe zwischen fünf und zehn Millionen Euro. Der Name Schulz zieht, die Werbespots für den Comeback-Kampf sind für 74 400 Euro pro 30 Sekunden verkauft. Der US-Gegner Brian Minto ist handverlesen, er hat bis vor kurzem noch als Kabelmonteur gearbeitet und kann kaum gefährlich werden. Schulz kann den Kampf locker gewinnen, doch sportlich sollte man das alles nicht zu hoch hängen.

Schulz? Weltmeister? Bevor das passiert, wird die Sonne mit drei Stunden Verspätung aufgehen. (NRZ)


24.11.2006 RALF BIRKHAN

NRZ

von Tesla - am 26.11.2006 11:00

Re: Achtunddreissig...

Tja, ganz ehrlich, meinen letzten kompletten Boxkampf habe ich mit fünfzehn gesehen. Das war in einem Sechsbettzimmer im Krankenhaus und wegen der Knieoperation kurz vorher konnte ich nicht weglaufen. Nicht mein Sport.

Wenn ich lese, dass ein Achtunddreissigjähriger einer ist, für den im Prinzip alles vorbei ist, dann fällt mir ein, dass ich in den nächsten Tagen dieses Alter nach oben verlasse und dann in einem Jahr eine "4" vorn stehen wird. Zugegeben, ein Leistungssportler war ich nie, und ich glaube, dass ist es, was Du sagen willst, dass man für absoluten Hochleistungssport dann einfach nicht mehr die Ressourcen hat. Was aber vielleicht eher an der siebenjährigen Pause gelegen hat. Ich versteh nichts vom Boxen, mag es auch ehrlich gesagt nicht, aber mit einer so langen Auszeit vom Leistungssport käme nicht einmal eine Birgit Fischer wieder an die Spitze zurück.

Wahrscheinlich muss ich einfach nur der Wahrheit ins Gesicht sehen, dass ich für jenen Teil der Menschheit, der gerade einmal zur Schule geht, sich eben an der Uni eingeschrieben hat, in der Ausbildung steckt oder einfach so jung ist, ein alter Sack bin. Sie sehen sich auf dem Weg nach vorn und oben, während meine Kurve abwärts zeigt. Kann ich ja verstehen, ich habe auch mal so gedacht. Und schon da war ich schlecht in Sport.



von Beorn - am 26.11.2006 11:07
Ich glaube nicht, dass es Maske ähnlich ergehen wird. Zwar halte ich dessen Comeback-Versuch für ähnlich schwachsinnig, aber so kläglich eingehen wie Schulz wird der garantiert nicht. Dafür ist Maske zu ehrgeizig und zielstrebig.

Insgesamt war das gestern doch wohl eher eine Kirmes-Veranstaltung. Axel Schulz war schon damals ein mittelmäßiger Schwergewichtler und wer gedacht hatte, dass er nach sieben Jahren Pause plötzlich auf Topniveau boxt, glaubt wohl auch an den Weihnachtsmann. Lustig fand ich auch den Kommentar von Ben Wett (im Original übrigens Bernd Nass), der meinte, in Amerika würde dieser Kampf keine Sau interessieren. Schätze mal, RTL fand das gar nicht so lustig.

Spätestens nach dem gestrigen Abend ist es ziemlich offensichtlich, dass RTL sich diese Schulz und Maske-Comebacks am Reißbrett ausgedacht hat. Sportlichen Nährwert hat das jedenfalls nicht. Für mich fällt das eher in die Kategorie Promi-Boxen mit ehemaligen Profisportlern. So etwas zieht Publikum. Gestern haben fast 12 Millionen Leute zugesehen.

von ravanelli - am 26.11.2006 13:35
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.