Wochenend und Sonnenschein...

Startbeitrag von Beorn am 06.08.2007 13:11

... da kann ich nur beim Fußball sein, was brauch ich mehr zum Glücklichsein, als Fußball, Bier und Sonnenschein"

An sich war das ein Wochenende der Kategorie "schöner wirds nicht". Am Freitagabend eine Feier, Samstag dann unser erstes Auswärtsspiel am traditionsreichen "Bornheimer Hang", abends zum Rollenspiel getroffen, Sonntag dann zum Pokal nach Darmstadt. Besser gehts nicht. Hat da jemand das Wort "Frauen" erwähnt? Ja, gut, zugegeben, sind auch nicht schlecht. Manchmal nicht...

Von Besuchen am Bornheimer Hang habe ich ja hier schon früher geschrieben, etwa damals zum Himmelfahrtsendspiel gegen Hessen Kassel. Damals stand ich noch im Regen und schaute auf eine rot-weisse Wand, diesmal war ein Seitenwechsel angesagt, eine Wand war es auch nicht gerade, aber immerhin waren es doch so 800/1000 Sportfreundefans, die das günstige Geschick eines unserer beiden Samstagsspiele genutzt haben. Intern streiten wir uns über die Mitfahrer, einige sehen eher 1500, manche sogar 2000, das ist für mich aber völlig überzogen. Ist ja auch egal, dient eh nur dem Schwanzvergleich, wer denn nun mehr Leute mobilisieren kann. In zwei Wochen, wenn wir an einem Freitagabend nach Stuttgart fahren, dann sind wir mit Sicherheit wieder froh, wenn wir unseren Bus halbwegs ausverkauft melden können.

Unser Support war auch diesmal richtig schlecht. Die weite Fankurve lud zum großzügigen Auseinanderstehen ein, da kam in der Gluthitze nur ganz selten mal Stimmung auf. Und solang unser Block auswärts meint, permanent mit Liedern wie "Frankfurt, ihr Zigeuner" daherkommen zu müssen, singen viele mit voller Absicht nicht mit. Ich auch.

Zum Spiel muss man nicht viel schreiben. Zwar erzählen einem die Sportjournalisten dauernd einen von der "brutalsten Regionalligasaison aller Zeiten", aber die haben meist eh bestenfalls ein Kurzzeitgedächtnis. Wer erinnert sich denn noch von denen an die Saison 1999/2000? Statt des brutalsten Fights um wichtigste (immer schön den Superlativ bemühen, siehe auch Christians Thread zur deutschen Sprache) Punkte gab es ein Taktikspiel zu sehen, wo man Kräfte schonte, Räume eng machte und es immerhin fünf richtig aufregende Minuten gab. Erst gingen wir durch einen recht schönen Spielzug in Führung, dann schlagen die Frankfurter mal eine Flanke nicht ins Nirvana sondern von aussen präzise in die Mitte und schon stand es wieder unentschieden. Später verweigerte man uns noch einen glasklaren Elfmeter, damit wir nicht mit einem Traumstart abheben und gleich wieder von der Zweiten Liga träumen. In drei elfmeterreifen Situationen in den beiden ersten Spielen gab es nicht einmal einen Pfiff für uns. Dann bin ich mir ja schon sicher, was am Sonntag passieren wird, wenn einer der Hachinger in unserem Strafraum hinfällt...

Leider gab es ein ganz böses Nachspiel. Einer meiner Freunde, der im Bus nach Hause noch neben mir gesessen hat, wurde mit seiner Freundin und einigen Begleitern auf offener Straße von einer Horde unserer Neonazis angegriffen und zusammengeschlagen. Unsere Faschofraktion nutzte den nahen Spieltag als Gelegenheit um mal wieder gemeinschaftlich mit der Bahn zu reisen und nach ihrer Rückkehr trafen meine Freunde mit ihnen zusammen. Derzeit habe ich schon einmal mit unserem SKB gesprochen, weil eine "gemeinschaftliche Körperverletzung", wie es im Amtsdeutsch heisst, wenn eine Gruppe einen Einzelnen zusammenstiefelt, auch von Amts wegen untersucht wird. Jetzt müssten die Beteiligten natürlich Zeugenaussagen machen, haben aber Angst davor, da mindestens ein sehr gewaltbereiter Bonehead darunter ist, der auf Bewährung rumläuft, und der bei einer Anzeige mit einiger Sicherheit wieder in den Bau gehen wird. Das war nebenbei einer von denen, die ich vor zwei Monaten vor mir hatte, als ich ihnen ankündigte, dass sie bei uns nie mehr mitfahren würden. Bei mir sind sie über Drohungen nicht hinausgegangen, aber wenn sie am hellen Tag auf offener Straße Leute angreifen, ob es nun meine Freunde sind oder nicht, das ist ein Rückfall in die Vergangenheit, als die Faschos in Siegen noch glaubten, für sie gelte "die Straße frei".

An sich könnte es so schön sein, an einem Sommerwochenende zum Fußball zu fahren. Ist es auch. Aber es gibt eine andere Wirklichkeit, die einen immer wieder einholt. Ambivalenz eines Fanlebens...

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