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vor 8 Jahren, 2 Monaten
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Uwe Hain - Abfindung trotz ausgelaufenem Vertrag

Startbeitrag von Iggster am 15.07.2009 13:50

Kann mir das eigentlich mal jemand der juristisch bewanderten hier erklären?

Uwe Hain war bis Ende der abgelaufenen Saison Trainer der 2ten Mannschaft und Torwarttrainer der 3.Liga-Mannschaft. Sein Vertrag war bis Saisonende gültig und wurde von Eintracht nicht verlängert (was vielfach in Braunschweig Unmut ausgelöst hat, da Hain seit eh und je bei Eintracht war...ich selbst finde es hingegen ganz O.K., da etwas frischer Wind auch mal gut tut...aber egal...das soll nicht Thema sein).

Somit ist doch aus meiner Sicht alles klar. Hain scheidet hier aus und Ende.

Aber denkste!

Hain hat gegen den Verein geklagt, es kam trotz fetter Abfindungsangebote Eintrachts zu keiner außergerichtlichen Einigung und gestern vor dem Arbeitsgericht hat Hain dann auch noch scheinbar weitgehend Recht bekommen und damit noch dickere Abfindungssummen zugesprochen bekommen. Mehr dazu ist der offiziellen Pressemitteilung Eintrachts zu entnehmen:
www.eintracht.com/magazin/artikel.php?artikel=12125&type=&menuid=114&topmenu=2

Verstehen tue ich es aber gar nicht. Wenn ich als Angestellter einen befristeten Vertrag habe und irgendwann Tag X gekommen ist, dann habe ich doch auch keinerlei Rechte weiterbeschäftigt zu werden oder Abfindungen zu kassieren.

Antworten:

Zitat
Iggster
...
Hain hat gegen den Verein geklagt, es kam trotz fetter Abfindungsangebote Eintrachts zu keiner außergerichtlichen Einigung und gestern vor dem Arbeitsgericht hat Hain dann auch noch scheinbar weitgehend Recht bekommen und damit noch dickere Abfindungssummen zugesprochen bekommen. Mehr dazu ist der offiziellen Pressemitteilung Eintrachts zu entnehmen:
www.eintracht.com/magazin/artikel.php?artikel=12125&type=&menuid=114&topmenu=2
...


Hm... das mit der Abfindung bezweifle ich. Das Urteil wird m. E. eher auf Weiterbeschäftigung lauten, aber was passsiert dann?

Wenn man ihm fristgerecht kündigt, hat er dann einen gesetzlichen Anspruch auf Abfindung oder ist es einfach nur Usus? Wenn er nen ges. Anspruch hat, wieviel ist das dann, und für wie lange wird das dann angerechnet? Gilt nur der letzte 2 Jahres-Vertrag oder die gesamte Zeit beim BTSV?
Wo ist er denn angestellt gewesen, beim Verein, oder bei der GmbH & Co. KGaA? Und wie lange ist er schon bei dieser "Firma"?

Fragen über Fragen.... warten wir auf Weiteres ^^

Nemo

von Nemo - am 15.07.2009 14:02
Ich glaube nicht, dass das Urteil auf Weiterbeschäftigung lautet. Bei ordentlichen Kündigungen ist es in der Regel so, dass auf Wiedereinstellung bzw. Weiterbeschäftigung geklagt wird. In der Regel läuft es dann auf einen Vergleich hinaus. Also kurz gesagt: Weiterbeschäftigung nein, Abfindung ja. Je besser die Argumente des Arbeitsnehmers, umso höher die Abfindung. Dass wirklich jemand wieder eingestellt oder weiterbeschäftigt wird, habe ich eigentlich noch nie erlebt. Und ich habe mit sowas durch meine BR-Tätigkeit eigentlich durchaus ab und ab zu tun. Kurz gesagt...wen der Arbeitgeber loswerden will, den wird er auch los. Egal ob berichtigte Gründe vorliegen oder nicht. Es ist halt nur eine Frage, was ihn das kostet. Und formale Fehler darf er sich natürlich nicht leisten (wie beispielweise auf die Anhörung der Arbeitnehmervertretung verzichten).

Aber zurück zu Hain:
Allein dein Satz "wenn man ihm fistgerecht kündigt..." ist mir völlig unklar. Warum muss man ihm denn überhaupt kündigen? Sein Vertrag ist doch ausgelaufen. Das ganze erledigt sich doch dann von selbst.

Zu deiner Frage mit dem gesetzlichen Anspruch:
Wenn ich jemanden fristgerecht kündige und diese Kündigung berechtigt ist (fristlos wg. irgendwelcher Vergehen, betriebsbedingt oder personenbedingt (z.B. bei Alkoholismus), dann hat dieser natürlich keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Abfindung (es sei denn es wurde ein Sozialplan verhandelt - entweder freiwillig per BV oder aber erzwingbar aufgrund einer Betriebsänderung, die zu betriebsbedingten Kündigungen führt...das wird jetzt aber zu detailliert und führt dann auch zu weit...zumal es nichts mehr mit dem "Fall Hain" zu tun hat).

von Iggster - am 15.07.2009 17:05
So viel von der Braunschweiger Zeitung dazu:

Zitat

Braunschweig muss Torwarttrainer Hain beschäftigen

Braunschweig (dpa) - Fußball-Drittligist Eintracht Braunschweig muss Uwe Hain als Torwarttrainer und als Coach der Oberliga-Elf weiterbeschäftigen. Das hat das Arbeitsgericht Braunschweig entschieden.

Das Gericht hält es nach Angaben der «Braunschweiger Zeitung» generell für zweifelhaft, dass ein Arbeitsvertrag der Trainer-Kategorie Hain befristet wird. Der Ex-Torwart soll 6000 Euro brutto im Monat verdienen. Nach Ansicht des Vereins war der Vertrag am 30. Juni ausgelaufen. Die Befristung ist aber nicht zulässig gewesen, urteilten die Richter. Der Club kann jetzt Hain fristgerecht kündigen oder das Landesarbeitsgericht als nächste Instanz anzurufen.


Da stellt sich für mich die Frage welche Arbeitnehmer befristet eingestellt werden können und welche nicht.

von Replica - am 15.07.2009 17:23
Liest sich so, als ob das Gericht die Person "Hain" anders beurteilt als andere Leute..
Das kann's ja nicht sein!?

von SCVe-andi - am 15.07.2009 17:42
O.K., verstehe dann aber immerhin schonmal die Krux.

Allerdings muss ich echt sagen, dass selbst ich als Arbeitnehmervertreter diese Urteil aber sehr arbeitgeberunfreundlich finde. Ich muss doch als Arbeitgeber ganz allein entscheiden dürften, wen ich befristet und wen unbefristet einstelle.

Nichts desto trotz dumm von Eintracht, dass sie nicht als Backup auch noch fristgerecht gekündigt haben.

von Iggster - am 15.07.2009 18:07
...ich korrigiere...als Arbeitgeber weiß ich sowas im Detail vielleicht tatsächlich nicht. Aber ich habe entweder Fachexperten (Personalspezialisten, Justuziare) im Unternehmen oder beauftrage Anwälte, die sowas wissen müssen.

von Iggster - am 15.07.2009 18:08
Zitat
Iggster
Aber zurück zu Hain:
Allein dein Satz "wenn man ihm fistgerecht kündigt..." ist mir völlig unklar. Warum muss man ihm denn überhaupt kündigen? Sein Vertrag ist doch ausgelaufen. Das ganze erledigt sich doch dann von selbst.


Sollte auch eher heissen: Wenn man ihm NUN fristgerecht kündigt, vorausgesetzt er will weiterbeschäftigt werden, weil das ArbG entschieden hat, dass in diesen Trainergehaltsregionen eine Befristung des Arbeitsvertrages unzulässig ist.

von Nemo - am 15.07.2009 19:02
ich habe mal etwas gelesen und zwar: Zeitverträge dürfen nur bis zu 2 Jahren abgeschlossen werden. Danach tritt automatisch ein Festvertrag in kraft. Hier die Situation bei Hain - man hätte ihm fristgerecht kündigen müssen.

Entscheidet das Arbeitsgericht auf Wiedereinstellung muss Hain seinen alten Job wiederbekommen.

Daher vermute ich wird es eine dicke Abfindung geben müssen. Im Gespräch sind lt. Hains Anwalt 400.000 Euro.

von Dodo_BS - am 16.07.2009 07:05
Zitat

ich habe mal etwas gelesen und zwar: Zeitverträge dürfen nur bis zu 2 Jahren abgeschlossen werden. Danach tritt automatisch ein Festvertrag in kraft. Hier die Situation bei Hain - man hätte ihm fristgerecht kündigen müssen.


Selbst wenn das stimmt,im Fussball ist das doch nicht wirklich praktikabel!
Wie oft hat Kosta jetzt bei uns verlängert gehabt? Das heißt, der könnte jetzt auch auf Wiedereinstellung klagen, weil ihm nicht fristgerecht gekündigt wurde?
Umgekehrt kann der Verein dann nem Spieler zum bleiben zwingen, wenn er trotz Vertragsende nicht fristgerecht gekündigt hat? Das wäre ja lustig...

Edit: Habe ich gerade bei newsclick gefunden:
[www.newsclick.de]

Finde das schon interessant, auf die Kosta Frage gibts auch ne Antwort:
Zitat

Können sich auch Spieler einklagen, deren Zeitverträge auslaufen? Kosta Rodrigues etwa hatte mehrere.

Es ist nicht zu fürchten, dass Spieler, deren Verträge ausgelaufen sind, versuchen werden, sich einzuklagen. Denn die dreiwöchige Frist zur Erhebung einer solchen Klage dürfte verstrichen sein.


Mit anderen Worten er hätte Klagen können!

von BSer - am 16.07.2009 10:23
Wenn wir von der "normalen" Arbeitswelt reden, dann gibt es die von Dir genannten Zeitverträge, die auf ein bestimmtes Datum terminiert sind. Wie Du richtig schreibst, können die eine maximale Laufzeit von zwei Jahren haben. Ausnahmen gelten für Unternehmensneugründungen. Da dürfen Zeitverträge über vier Jahre geschlossen werden. Diese Verträge müssen nicht gekündigt werden. Sie laufen einfach aus. Der betroffene Mitarbeiter weiss ja schließlich, wann sein Arbeitsverhältnis endet und kann sich entsprechend orientieren.

Die zweite Variante ist der Sachgrund gebundene Zeitvertrag. Hier stellt man Leute ein, die für die Dauer eines genau definierten Zwecks beschäftigt werden. Das kann zum Beispiel die Vertretung eines erkrankten Kollegen sein, oder bezieht sich auf eine konkrete Projektarbeit. Diese Veträge müssen gekündigt werden, da der betroffene Kollge in der Regel nicht erkennen kann, wann denn genau der Zeck erreicht ist, für den er eingestellt wurde.

Letztere Version beinhaltet eine interessante Möglichkeit. Man kann auch Zeitverträge schließen, bei denen die Eigenart der Arbeitsleistung die Befristung rechtfertigt. Vielleicht kann man hier den Bogen zum Profisport spannen. Die Eigenart des Profisports bedingt ganz einfach, dass man Zeitverträge schliesst. Das ist natürlich ein schwammiger Passus und es obliegt dem urteilenden Gericht, ob man das bei einem Fußballer so sehen will, oder nicht.

In vorliegenden Fall sieht das Gericht eben keine Grundlage für einen Zeitvertrag. Also hatte Hain nach Auffassung des Gerichts eine Festanstellung. Gut möglich, dass ein anderes Gericht das anders beurteilt.

Übrigens: Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch auf Zahlung einer Abfindung. Ist aber gängige Praxis und Verhandlungssache. Profitrainer haben in der Regel einen Abfindungsparagrafen in ihrem Vetrag der regelt, was der Verein zahlen muss, wenn der Trainer rausgeworfen wird,

von Chelm - am 18.07.2009 09:52
Zitat

Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch auf Zahlung einer Abfindung.


Wie oben schonmal erwähnt:
Es sei denn, es handelt sich um betriesbedingte Kündigungen in einer Anzahl, die den Tatbestand einer Betriebsänderung herstellt. Dann nämlich kann ein Sozialplan erzwingbar sein (durch die Arbeitnehmervertretung). Und dieser regelt in der Regel Abfindung, die dann auch vom AG gezahlt werden müssen.

Aber genau zu diesem Themen "Betriebsänderung", "Sozialplan", "Interessenausgleich" gibt es nicht umsonst 1-wöchige Schulungen. Daher muss man jetzt hier gar nicht erst versuchen zu erläutern, wann genau ein - dann letztlich zwar auf Umwegen- aber dennoch irgendwo auch gesetzlicher Anspruch auf ein Abfindung besteht.

von Iggster - am 22.07.2009 08:23
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