Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Fussi und mehr
Beiträge im Thema:
18
Erster Beitrag:
vor 4 Jahren, 5 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 4 Jahren, 5 Monaten
Beteiligte Autoren:
Beorn, SCVe-andi, Tesla, ravanelli, Stollentroll, MircoPB1976, Currywurst-Fan, Ottster

Ultras St. Pauli ....

Startbeitrag von SCVe-andi am 31.07.2013 10:47

Der selbsternannte Kult-Club mit den kultigen Fans möchte keine Polizisten als Fans

[basch-fanzine.de]

Ich mache keinen Hehl draus, dass ich den FC St. Pauli nicht mag. Dieser sogenannte Kultclub geht mir mit seiner "Wir-sind-anders"-Masche auf den Senkel. Das ist Kommerz pur und pures Marketing.

Und diese Fans bzw. einige von ihnen gehen gar nicht. Mit welcher Selbstherrlichkeit die bestimmen wollen, wer in die Kurve darf und wer nicht, unglaublich.

"Wenn ihr Bullen in der Kurve seht, gebt uns Bescheid und geht zum Fanladen..." (unfassbar)

Antworten:

Seufz, jetzt also auch hier ...

Na gut, dann wiederhole ich mal hier, was ich bereits andernorts dazu geschrieben habe: Im St. Pauli Fanforum haben sich dazu mitlerweile mehr als fünfzig Seiten angesammelt. Darin wird dieses Thema vor und wieder zurück diskutiert, unter nahezu allen denkbaren Aspekten. Wie so oft, wenn ein Thema in einem Fanforum schon längst "durch" ist, kommen die "Profis" der diversen Medien und setzen das Ganze wieder auf Null. Nur mit dem Unterschied, dass dann auch alle mitmachen, die ganz weit weg vom eigentlichen Sachverhalt sind.

Soll heissen: Es ging vor allem um zwei Dinge: Den Konflikt zwischen einem Fanclub und den USP wegen eines Polizisten in der Gruppe. Es gab dazu von jeder Seite eine Darstellung, welche man plausibler und glaubwürdiger findet, bleibt jedem Leser selbst überlassen.

Das zweite Problem ist das tatsächliche oder empfundene "Recht" bzw. die "Anmaßung", ob die größte organisierte Gruppe im Stadion darüber bestimmen kann, welche anderen Gruppen sich in ihrer Nähe aufhalten oder nicht. Vor allem dieser Aspekt wird in der Fanszene des FC St. Pauli viel diskutiert, aber eben auch das Verhältnis zur Polizei. Insbesondere festgemacht am Spieler Fabian Boll, der eben selbst Polizist ist. (Inwieweit das mit dem Profitum zusammengeht kann ich nicht beurteilen, der Schwerpunkt wird dabei sicher auf Spiel und Training liegen.)

Seit das Ganze dankbar von der Mopo und anderen Medien aufgegriffen wurde, ist es vor allem ein Aufhänger für die gesamte Fraktion "Ich mag St. Pauli nicht, weil ..." Man kann sich dabei eben an einem Verein abarbeiten, den man nicht leiden kann. Obwohl es sich dabei um eine faninterne Auseinandersetzung handelt, welche den Verein selbst erst einmal überhaupt nicht betrifft.

Konflikte dieser Art sind auch in anderen Fanszenen möglich. Beispielsweise haben wir vor einigen Monaten bei einem Auswärtsspiel einen bei uns im Block auftauchenden stadtbekannten Neonazi samt seiner Begleiter aus dem Gästeblock rausgeschmissen, er und seine Kumpels haben das Spiel von der Tribüne geguckt.
Der Unterschied zwischen einem Kameradschaftsaktivisten, der zuvor gleich zwei Verurteilungen wegen Gewalt- und politischen Delikten hatte, und einem Polizisten im Stadion, der ist mir voll und ganz bewusst. Nur: Ist es rechtens, wenn wir als Fan einem Nazi sagen "dich wollen wir nicht bei uns haben, verschwinde hier!", oder ist es Anmaßung, ja Nötigung? Die Stadionordnung verbietet es einem Neonazi nicht, ein Stadion zu betreten. Dürfen wir ihn also rauswerfen, ja oder nein?

Ich möchte im Fall des Konflikts zwischen USP und dem Fanclub „Millerntor Devils Sankt Pauli“ jetzt keine Wertung abgeben. Ich kann beide Seiten verstehen, halte die Wortwahl des Basch-Beitrags aber für falsch und die öffentliche Austragung des Konflikts sowieso. Denn die St. Pauli-Hasser werden zwischen beiden Gruppen keine wirkliche Unterscheidung treffen, man kann den Club und sein Umfeld ja sowieso nicht leiden.

Wenn Fanthemen in den Medien, dann im Grunde nur in skandalisierender Form. Und mit dem Effekt, dass Polarisierungen gegenüber den Vereinen vertieft werden. Dann sind alle Rostocker Nazis, alle Düsseldorfer machen Krawall und stürmen den Platz, alle Dresdener sind Schläger, alle Chemnitzer sind Nazis (eigentlich haben alle Ostfans ausser Red Bull ein mieses Image), und so weiter.

Dann gibt es widerum Vereine, die ein anderes Image haben und über die mehrheitlich positiv berichtet wird: Mainz 05, der SC Freiburg, Bayern München sowieso, die schweben über allem, aber eben auch der FC St. Pauli. An dem haftet das Image "Kultclub", dieses wird auch seitens der Marketingabteilung des Vereins bestärkt und vermarktet. Natürlich ergeben sich daraus Widersprüche, die dann eben auch widerum zu der Antipathie anderer Fans beitragen. Selbst als St. Pauli-Fan finde ich Darstellungen "der FC St. Pauli ist klein und lieb, der HSV groß und böse" verzerrt und konstruiert.

Habt Ihr es in Euren eigenen Vereinen erlebt, wie interne Themen völlig verzerrt in die Öffentlihckeit gelangt sind, wenn erst einmal Journalisten, ob fest angestellt oder freie Mitarbeiter, darauf gestoßen sind? Hier war es natürlich USP selbst, die so blöd waren, damit hausieren zu gehen. Und das Netz samt aller anderen Medien nimmt so eine Vorlage natürlich dankbar auf, sehr zur Freude aller, die gleich zwei Feindbilder mit einem Schlag im Visier sehen: Ultras und St. Paulifans!

von Beorn - am 31.07.2013 11:40
Beorn, ich weiß ja, dass Du St.-Pauli-Sympathisant bist, was ja auch okay ist, aber den Vergleich zu ziehen zwischen einen stadtbekannten Nazi und einem Polizisten. Also, das hatte ich Dir nicht unbedingt zugetraut...

Ich finde es halt schlicht und ergreifend absolut unverschämt, dass sich einen Fangruppe im Stadion anmaßt, jemanden aus dem Block zu entfernen, ihn dabei zu beleidigen und sich dabei noch total im Recht zu fühlen.

Klaro, es gibt auch in anderen Vereinen große Probleme (z.B. Münster, Köln, auch oder gerade bei den Bayern lese ich viel über den Umgang mit Fans), aber hier ging es mir halt um St. Pauli und sowas wie in diesem Fall habe ich noch nie gehört.

von SCVe-andi - am 31.07.2013 11:58
Andi, Du hast geschrieben:
Zitat
SCVe-andi
Mit welcher Selbstherrlichkeit die bestimmen wollen, wer in die Kurve darf und wer nicht, unglaublich.
Zwei Fälle:
Eine Gruppe erklärt einer anderen Gruppe "wir wollen keine Nazis in unserem Block, haut ab!"

Eine Gruppe erklärt einer anderen Gruppe "wir wollen keine Polizisten in unserem Block, stellt euch woanders hin!"

Damit setze ich nicht den Nazi mit dem Polizisten gleich, das wäre absurd. Was gleich ist, ist der Anspruch, jemanden nicht in seiner Nähe zu dulden. Die Stadionordnung sieht so etwas ganz bestimmt nicht vor.

Du schreibst, sowas hast Du noch nicht gehört. Was ist mit Trägern von Thor Steinar-Klamotten? Inzwischen sind die teilweise per Stadionordnung untersagt, aber anderswo hat man auch schon Leute aus dem Block befördert!

Anderer Fall: In einem Fanblock (ob ultrà oder oldschool ist mal ganz egal) tauche ich mit einem Trikot oder Schal eines Rivalen auf. Gehe also etwa mit einem Hannovertrikot direkt zur Tanke beim Eintrachtstadion. Oder trage auf der Kölner Südtribüne einen Gladbachschal. Auf der Nordtribüne auf Schalke schwenke ich eine BVB-Fahne. Welche Reaktione erwartest Du? Und kann ich mich dann darauf berufen, dass ich überall etwa eine BVB-Fahne ausbreiten kann, und es mir niemand verbieten darf?

Hier geht es ja konkret um einen Polizisten im Block. Und eben um die verschiedenen Stellungnahmen dazu. Die einen sagen, wir haben davon erfahren, fragten nach, kriegten gesagt "nee, hier ist kein Polizist", dann kommt raus, es ist doch einer. Die anderen sagen, wir haben aus Selbstschutz gelogen. So stellt sich für mich die Ausgangslage dar. Beide Seiten erklären ihre Standpunkte, man einigt sich (wie freiwillig das war, kann ich nicht beurteilen), dass der Fanclub sich woanders hinstellt. Breite Diskussion im gemeinsamen Fanforum und anderswo rings um den FC St. Pauli.

Ich habe von anderen Konflikten dieser Art auch nicht viel gelesen, allderdings ist mir bekannt, dass etwa erkannte Zivilpolizisten in Fanblöcken oder auch inmitten an- oder abmarschierender Fangruppen auch keinen leichten Stand hatten, um es einmal vorsichtig zu formulieren. Daraus wurde aber kein Pressethema mit breiter Diskussion.

Fans und Polizei, das ist überall ein Konfliktfeld. Üblicherweise wird es in anderer Form ausgetragen, weil die Polizisten im Dienst sind und auch als Polizisten erkannt werden. Doch glaubt ihr, dass in anderen Szenen die Reaktionen so viel anders wären, wenn der Verdacht aufkommt, ein Polizist habe sich in die Szene eingeschleust?

von Beorn - am 31.07.2013 12:46
Verstehe Dich nicht, Beorn!

Nazis, Nazi-Klamotten, Utensilien der Gegner im Block, alles logisch, dass man das nicht hinnimmt. Aber Polizisten? Der Fan ist doch erstmal einfach nur Polizist im Leben außerhalb des Fanseins. Mit welcher Begründung kann man den aus der Kurve entfernen?

Warum hat man Angst vor dem Polizisten? Hat man was zu verbergen? Ich bin mal naiv: Wenn ich mich als Fangruppe benehme, dann kann es mir kackegal sein, ob da ein Polizist, Schüler oder Rentner neben mir steht. Diese Reaktion der Ultras zeigt mir doch, dass sie etwas zu verbergen haben.

von SCVe-andi - am 31.07.2013 13:02
Wir haben in einem befreundeten Fanclub seit zig Jahren einen Polizisten, der so oft es geht auswärts mitfährt und auch sonst eher zu den aktiveren Fans zählt. Feiner Kerl, guter Erzähler, trinkfest.
Alle wissen das und niemanden, wirklich niemanden hat sein Beruf bislang in irgendeiner Form gestört. Das war ganz einfach noch nie Thema und ich habe nichtmal einen Gedanken daran verschwendet, dass irgendetwas an seiner Anwesenheit nicht richtig sein könnte. Im Gegenteil, der kann spannende Geschichten von irgendwelchen Einsätzen erzählen. Durchaus interessant auch mal die Gegenseite zu hören. Klar bekommt der auch schon mal nen dummern Spruch, von wegen dämliche Kollegen und so. Aber immer humorvoll und das war´s dann auch.
Was für ein vollkommen schizophrener Blödsinn wäre es, wenn irgendjemand so Einen plötzlich zum Feind erklären und aus dem Block verbannen würde...

Aber, Entschuldigung, ich bin ja auch kein pubertierender Wichtigtuer namens "Ultrà"...

von Stollentroll - am 31.07.2013 13:26
Offensichtlich ist die Fansituation beim SC Verl eine andere als beim FC St. Pauli ... ;)

Vor einiger Zeit wurde auf eine parlamentarische Anfrage hin vom Innenministerium bestätigt, dass die Polizei mit verdeckten Ermittlern innerhalb der Fanszenen arbeitet. Ich habe gerade noch einmal nachgeschlagen, die entsprechende Anfrage war im August des letzten Jahres. Dabei wurde vom Innenministerium bestätigt, dass dabei insbesondere Ultràgruppen Ziel der Ermittlungen sind.

Wo wird ein verdeckter Ermittler eher eingesetzt werden, in einem Umfeld wie jenem des FC St. Pauli oder bei den Sportfreunden Siegen bzw. dem SC Verl?

Ausschlaggebend war ja der Verdacht der USP, ein Polizist stehe in zivil in der Fankurve (bzw. auf der Südtribüne), nehme an Auswärtsfahrten teil etc. Darauf fragte man bei dem Fanclub gezielt nach, die stritten die Anwesenheit eines Polizisten (auch nach eigener Aussage!) erst einmal ab. Dann kam heraus, es ist sehr wohl ein Polizist in der Gruppe.

Ich gehe einmal ganz und gar positiv für den Fanclub und den Polizisten selbst davon aus, dass er eben einfach nur in seiner Freizeit zu seinem Verein geht, und das ist eben der FC St. Pauli Hamburg. Weiter kann ich mir vorstellen, dass die Nachfrage der USP-Mitglieder nicht unbedingt freundlich war, aber da kann ich auch nur mutmaßen. Doch kann ich mir, nach Erfahrungen mit anderen Ultràgruppen, die Reaktion dort sehr gut vorstellen, als herauskam, dass tatsächlich ein Polizist in zivil in ihrer Nähe steht.

Jetzt gehe ich einmal von größeren Fanszenen aus, wo es ein sehr viel größeres Konliktpotential gibt. Dort haben beide Seiten ihre jeweiligen Erfahrungen gemacht, Fans mit Polizei und umgekehrt. Nach diesen Erfahrungen ist eine Sicht "wenn ich nichts gemacht habe, dann habe ich auch nichts zu befürchten" Luxusdenken. Übrigens die gleiche Sichtweise, die von Befürwortern der totalen Überwachung jeglicher Telekommunikation vorgebracht wird: "Hab ich doch kein Problem mit, die können doch alles lesen, ich hab nichts zu verbergen ..."

Ist es so schwer vorstellbar, wie die Reaktion einer Gruppe wie der USP auf die Anwesenheit eines Polizisten in ihrer Nähe ist? Da wird es bestimmt auch jede Menge Gruppendynamik, Wagenburgmentalität und Paranoia geben. Und, wie in vielen Fällen, wird man die Hardliner am deutlichsten hören. Doch nach meinem Kenntnisstand hat es einen Dialog zwischen den Gruppen gegeben, die "Millertor Devils" stellen sich woanders hin. Der Ablauf des Ganzen hat, wie geschildert, für eine Menge Gesprächsstoff innerhalb der Fanszene gesorgt, und dies kontroverser als es hier gerade geschieht!

Wogegen ich mich wehre: Es gibt einen Konflikt zwischen Anhängern des FC St. Pauli. Dieser Konflikt wird als Anlass genommen ein generelles Urteil zu fällen: Der FC St. Pauli ist scheisse, seine Fans sind scheisse! Dabei werden alle Beteiligten und Unbeteiligten in einen Topf geworfen: Die USP, der Fanclub, der Polizist, die Fanszene insgesamt, unabhängig davon, wie sie sich in dem Konflikt aufstellt oder verhält, der Verein. Obwohl der damit ja eigentlich am wenigsten zu tun hat!

von Beorn - am 31.07.2013 13:44
Nein, es geht mir auch nicht drum, den ganzen Verein zu diskreditieren. Ich mag halt so manches an St. Pauli nicht, das stimmt wohl.

Aber eines verstehe ich halt immer noch nicht. Egal ob St. Pauli, Düsseldorf, Siegen oder Verl - wenn ich als Fan nichts zu verbergen habe und mich ganz normal benehme, ist es mir latte, ob da ein Polzist neben mir steht.

PS: Hauptsache, die Fans wollen den Boll mitsamt seiner Gruppe nicht vom Platz haben ;-)

von SCVe-andi - am 31.07.2013 14:40
Steht doch in dem Basch-Artikel:

"Da wir uns als freie Subkultur begreifen, ist es unmöglich, jemanden in dieser zu akzeptieren, der den staatlichen Repressionsapparat bedient und obendrein genau unsere Freiheit einzuschränken versucht."

Ich finde in puncto Repressalien machen sich die Ultras (speziell die mit dem ganz besonders authentischen Accent auf dem a) selbst nicht schlecht. Als Erstes reklamiert man mal eben die Südkurve als sein Revier, dann spricht man Berufsverbote aus. Was wohl als nächstes kommt? Vielleicht Gehaltsobergrenzen für die Bereiche im Stadion, die man als die seinen definiert.

Wir spielen ja am Sonntag im Pokal gegen St. Pauli. Ich finde, wir sollten da einfach mal unseren Gästeblock für – sagen wir mal – Web-Designer, Soziologie-Studenten und Kfz-Mechaniker sperren.

von ravanelli - am 31.07.2013 15:32
Ich behaupte mal das in jedem Stadion von der ersten bis zur dritten Liga auch Polizisten
in Ihrer Freizeit Fussballspiele schauen. Und das ist auch völlig ok und gut so.
Nur den St.Pauli-Fans ( oder auch nur den St.Pauli Ultras ) passt das nicht...
Ist halt ein besonderer Verein mit einem besonerem Umfeld...*kotz*

von Ottster - am 01.08.2013 06:30
Der Artikel ist absolut unglaublich. Die könnten eigentlich gleich Ulrike Meinhof zitieren: "Wir sagen natürlich, die Bullen sind Schweine, wir sagen der Typ in Uniform ist ein Schwein, das ist kein Mensch, und so haben wir uns mit ihm auseinanderzusetzen. Das heißt, wir haben nicht mit ihm zu reden, und es ist falsch, überhaupt mit diesen Leuten zu reden, und natürlich kann geschossen werden." Zumindest den ersten Satz finden wir in dem Artikel inhaltlich wieder.

Aber wie Beorn schon sagte, handelt es sich nur um die Meinung einer Gruppe. Wenn man im Netz zu diesem Thema ein wenig liest, findet man eine überwältigende Mehrheit unter den St.-Pauli-Anhängern, die sich von den Inhalten des Artikels und seinem Schreiber distanzieren.

Trotzdem frage ich mich besorgt, wie eine doch scheinbar verfassungsfeindliche Gruppe beim FC St.Pauli eine derartige Machtfülle anhäufen kann: nicht nur dass sie quasi-polizeiliche Gewalt in ihrem Stadionbereich ausübt (ich hoffe, es handelt sich hierbei nur um den vorderen Stehbereich der Südtribüne und nicht auch den oberen Sitzplatzbereich), in dem sie Vernehmungen mit so starkem Druck ausübt, dass selbst ein gestandener Polizeibeamter, also kein pickliger Teenie, es vorzieht seinen Beruf zu verleugnen, in dem sie Platzverweise gegen ganze Gruppen nicht nur auszusprechen, sondern auch durchzusetzen vermag. Wenn ich das richtig recherchiert habe, kontrolliert diese anarchistische Gruppierung einen Fan-Shop und die Auswärtstouren. Weiterhin vertreiben sie ein Printmedium mit ihrem Gedankengut.

Es beruhigt mich, dass der Großteil der St.Paulianer sich von dieser Gruppe distanziert (aber scheinbar nur noch anonym im Internet). Es beunruhigt mich, dass der Verein dieser Entwicklung scheinbar taten- und machtlos gegenübersteht. Ich kenne den FC St.Pauli eigentlich nicht sonderlich gut und unterstelle deshalb einmal, dass die Vereinsführung sich genauso wie der Großteil der Fans von dieser Möchte-Gern-Vierte-RAF-Generation distanziert, und bleibe persönlich dem FC St.Pauli gegenüber neutral-gelassen eingestellt.

Es ist doch eigenartig, dass sich die Mitglieder der Ultra-SP darüber echauffieren, dass sie von verdeckten Ermittlern infiltriert werden. Das zeigt sehr eindrucksvoll, dass sich Rechts- und Linksradikale in manchen Dingen praktisch überhaupt nicht unterscheiden, z.B. in der überschaubaren Anzahl von Gehirnzellen. Ich jedenfalls wäre förmlich entsetzt, wenn der Verfassungsschutz KEIN Auge auf diese Aktivitäten geworfen hätte...

von Currywurst-Fan - am 01.08.2013 12:54
demnächst kannste vorstellungsgespräch bei den ultras machen ob ud in den Fanblock darfst oder nicht und ob du überhaupt das Recht dazu hast dich Fan des Vereins zu nennen....
Absolut lächerlich, passt aber zu den lächerlichen Ultra die sich immer mehr selbst lächerlich machen...

von Tesla - am 01.08.2013 16:58
Zitat
Tesla
demnächst kannste vorstellungsgespräch bei den ultras machen ob ud in den Fanblock darfst oder nicht und ob du überhaupt das Recht dazu hast dich Fan des Vereins zu nennen....
Absolut lächerlich, passt aber zu den lächerlichen Ultra die sich immer mehr selbst lächerlich machen...
Das hier derartiger Ultrahass artikuliert wird, überrascht mich nach vielen Jahren nicht wirklich, es ist wohl mit dem Durchschnittsalter der aktiven Schreiber erklärbar.

Am Sonntag wird in unserem Stadion der neue selbstverwaltete Fanblock seine Premiere feiern. Wir haben in längeren Verhandlungen mit dem Verein und Überzeugungsarbeit im Umfeld dafür geworben, jetzt werden wir sehen, ob die gewünschten Effekte eintreten werden. Unter anderem verkaufen wir auch selbst die Karten für den Block, rechnen natürlich mit dem Verein ab, aber, und jetzt kommts: Wir bestimmen auch selbst, wen wir im Block haben wollen und wen nicht! Und auch das ist mit allen Instanzen abgestimmt!

Dazu zählen etwa Leute mit Fanutensilien anderer Vereine oder auch bekannte Neonazis. Generell erklären wir allen, die sich Karten für den Block kaufen, dass es ein Fanblock ist, und man dort damit rechnen muss, dass Fahnen geschwenkt werden, gesungen wird, Intros oder Choreos gezeigt werden. Klingt bescheuert, aber genau das war in den letzten Jahren ein ständiger Konflikanlass: Leute stellten sich in den Block und nölten dann rum, sie sähen nichts. Sehr viele betrieben auch Kartenbetrug, kauften sich eine verbilligte Blockkarte und setzten sich dann auf die Haupttribüne.

All denen können und werden wir in Zukunft sagen können: Das ganze Stadion ist offen, geht woanders hin. Um den Dreh zur Südtribüne zu kriegen: Dort läuft es ähnlich ab, auch da werden Karten (zumindest teilweise) nicht einfach über die Kassen oder den Vorverkauf erworben.

Gibt es in Euren Stadien derartige Bereiche nicht?

von Beorn - am 02.08.2013 10:02
Zitat
Beorn
Das hier derartiger Ultrahass artikuliert wird, überrascht mich nach vielen Jahren nicht wirklich

Also von Hass kann in diesem Zusammenhang nun wirklich nicht die Rede sein. Das wäre ein viel zu großes Gefühl.
Im Grunde sind mir die Jungs ziemlich lattek. Sie nerven mich halt nur mit ihren dümmlichen Allmachts-Ansprüchen und diesem unsäglich einschläfernden Singsang.
Was mich allerdings wirklich wütend macht, ist diese elende Pyro-Diskussion.
Ein jeder weiß doch nun wirklich, dass Pyro im Stadion verboten ist. Gerechtfertigt oder nicht, sei hier mal gar nicht diskutiert. Und trotzdem meinen fast jedes WE irgendwelche Vollpfosten auf den Rängen zündeln zu müssen und damit den Verein um Geld und die gesamte Fanszene in Mißkredit zu bringen.
Das selbe gilt übrigens auch für Becher- und Feuerzeugwerfer.
Zum kotzen!

von Stollentroll - am 02.08.2013 10:36
Findest du den Begriff "Ultrahass" nicht etwas übertrieben? Natürlich spielt das Alter bei der Einschätzung dieses Phänomens eine Rolle. Ich bin mir schon darüber im Klaren, dass das eine Fankultur ist, mit der ich nur wenig am Hut habe, versuche das aber trotzdem zu respektieren und nicht in den "früher war alles besser-Modus" zu verfallen. Trotzdem nehme ich mir aber raus, das eine oder andere mal kritisch bis sarkastisch zu kommentieren. Wenn du das als Hass betrachtest, finde ich das eine etwas seltsame Sichtweise.

Natürlich hast du ein anderes Insiderwissen über die Szene als ich und wahrscheinlich die meisten anderen. Es ist aber nun mal so, dass fast alle normalen Stadionbesucher die Ultra-Bewegung ohne diese Insiderwissen betrachten. Dürfen die sich deshalb alle kein Urteil erlauben? Ich finde schon. Für mich haben Teile der Ultra-Szene etwas zunehmend Sektiererisches an sich. Das ist etwas, was mich extrem stört.

Selbstkritisch möchte ich allerdings auch sagen, dass ich persönlich mich meistens zu negativen Begleiterscheinungen der Ultrabewegung zu Wort melde. Die positiven Aspekte – die es selbstverständlich auch gibt – gehen dabei schon mal unter.

von ravanelli - am 02.08.2013 10:50

Re: Nicht nur Ultras St. Pauli ....

Gut, Ultràhass ist sicherlich zu stark formuliert, dies nehme ich wieder zurück. Und eine distanzierte Sichtweise ist selbstverständlich legitim, gerade zu kontroversen Themen wie Pyro oder einem Alleinvertretungsanspruch in der Szene.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich finde die Ausgrenzung des Fanclubs durch eine andere, größere Gruppe auch falsch! Ebenso bin ich kein Freund unkontrollierten Abbrennens von Pyro. Doch möchte ich daran erinnern, dass es offene Diskussionen um den kontrollierten Einsatz mit dem DFB gegeben hat. So wie auch anderswo, spontan fällt mir Düsseldorf ein, wo solche Gespräche lokal geführt wurden, unter Einbeziehung von Polizei, Feuerwehr und Sicherheitsdienst.

Was ich nicht ohne weiteres akzeptiere ist eine Haltung "es ist verboten und damit basta". Gesetze und Verordnungen muss man nicht ohne weiteres als gegeben hinnehmen, man kann sich auch dafür einsetzen, diese zu ändern. Als Beispiel nenne ich den §175 StGB , der in Deutschland erst im Jahr 1994 abgeschafft wurde. Dieser Paragraph verbot homosexuelle Handlungen, er war gesetzliche Grundlage für eine Strafverfolgung von Schwulen. Ohne Reaktionen auf gesellschaftliche Veränderungen wäre dieser nicht bereits vorher reformiert und schliesslich abgeschafft worden. Würdet Ihr eine Verfolgung von Schwulen und Lesben auch heute noch akzeptieren, wenn diese weiterhin eine gesetzliche Grundlage hätte?

Ein Hinweis: USP kontrolliert nicht die Auswärtstouren! Es gibt beim FC St. Pauli, wie auch in anderen Vereinen, diverse Möglichkeiten auswärts zu fahren, ob nun mit Sonder- bzw. Entlastungszügen, Bussen oder individuell. Selbstverständlich fahren viele St. Paulifans mit ihren eigenen Bussen, wenn sie etwa in einem Fanclub organisiert sind. Es gibt keinen Zwang, mit den Ultràs zu fahren! Fanshops bzw. Stände im Stadion sind in vielen Stadien normal, da sehe ich kein Alleinstellungsmerkmal der USP.
Auch in unserem Stadion verkaufen die Ultràs Fanzines, Pins und Aufkleber an einem Stand neben dem Fanblock. Als wir im vergangenen Jahr unser Buch herausgebracht haben, stellten wir uns für den Verkauf im Stadion einfach hinzu. Probleme hat es damit noch nie gegeben.

Habt Ihr denn in Euren Szenen Kontakt zu Mitgliedern der jeweiligen Ultràgruppen? Kennt Ihr, mit anderen Worten, welche persönlich? Denn das ist oft etwas anderes, als eine Gruppe allein aus der Distanz wahrzunehmen.

Vorgestern etwa bin ich zu unserem Fantreff gefahren, der ohne das Engagement der TSC schon seit Jahren nicht mehr existieren würde. Wir haben dort über die kommenden Spiele gesprochen, das Auftaktspiel, die nächste Auswärtsfahrt, diverse Hoppingtouren, das Intro des Heimspiels am Sonntag. Nichts besonderes im Grunde, einfach einige Gespräche zwischen Leuten, die ihren Verein lieben und den Fußball mehr oder weniger intensiv leben. Und dies kann ich ebensogut mit "Normalos", "Oldschool-Fans (zu denen ich auch gezählt werde) und eben unserer Ultrágruppe. Durch solche Gespräche und Kontakte nehme ich die Vielfalt unserer (relativ kleinen und überschaubaren) Fanszene wahr. Für mich ist dies ein Gewinn, ohne dass ich deswegen alles gut finden oder akzeptieren muss, was andere Fans denken oder machen.

von Beorn - am 02.08.2013 11:32
was heisst hass? Ich finde es halt lächerlich wie sehr sich diese Möchtegernfans entwickdelt haben.
Mit fussball haben die doch kaum noch was am hut denen es geht nur noch um sich und sich gut darzustellen mehr nciht, wie der Verein spielt scheiss drauf interessiert keinen mehr, die selbstdarstelluing ist wichtiger....

von Tesla - am 02.08.2013 20:17
Doch, die interessiert es schon, aber die sind so 'linientreu', dass sie erst gar keine Kritik aufkommen lassen ...

von MircoPB1976 - am 03.08.2013 22:53
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.