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Fussi und mehr
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Erster Beitrag:
vor 4 Jahren, 10 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 4 Jahren, 10 Monaten
Beteiligte Autoren:
SCP-FaFF, ravanelli, Beorn

Eindrücke und ein Gruß aus Dänemark!

Startbeitrag von Beorn am 18.09.2013 12:32

Endlich “richtiger” Urlaub! Und erneut in meinem geliebten Dänemark! Statt an der Nordseeküste befindet sich unser Domizil in diesem Jahr in Ebeltoft, einem kleinen Städtchen an der Ostsee, etwa eine halbe Stunde östlich von Aarhus. Also ein optimaler Startpunkt, um zwei Spiele der Superligaen zu besuchen.

Am Sonntag war das Jütlandderby zwischen den beiden Traditionsvereine Aarhus GF und Viborg FF. Der Weg nach Aarhus war schnell zurückgelegt, auch die Fahrt durch die zweitgrößte Stadt Dänemarks ging leicht, doch ein wenig war ich irritiert, dass ich selbst unmittelbar vor dem Ziel das anvisierte Stadion ganz einfach nicht sehen konnte.

Der einfache Grund: Der NRGi Park liegt umgeben von herrlichen alten Bäumen welche es nahezu abschirmen. Der zweite, ebenso einfache Grund: Das Stadion fasst gerade einmal 19.433 Sitzplätze. Damit ist es bereits das drittgrößte Stadion ganz Dänemarks!

Auch wenn ich Allseatern nicht sonderlich viel abgewinnen kann, muss ich zugeben, dass dieses Stadion einfach Charme hat. Ich entschied mich für einen Platz im Kurvenoberrang, unmittelbar beim Gästeblock. Lange Zeit fragte ich mich, wo denn wohl das Heimpublikum sein möge, doch dabei hatte ich deutsche Maßstäbe vor Augen. In Dänemark kann man locker ohne Probleme eine Viertelstunde vor dem Anpfiff zu einem Erstligaspiel kommen!

Am Ende waren es etwas mehr als 9600 Zuschauer, welche das Spiel sahen, davon etwa 300 Gästefans. Der Heimblock lag gegenüber, hinter einer schönen Zaunfahne versammelte sich eine doch sehr überschaubare Zahl von AGF-Supportern. Diese waren wohl eher dem Oldschoolsupport zugetan, während die Viborger hinter einer Ultràfahne standen und auch einen durchgehenden Ultràsupport zeigten. Der Rest des Stadions verbrachte die Begegnung in andächtigem Schweigen.

Viborg ging recht früh durch einen Kopfball nach einer Ecke in Führung, verteidigte diese für den Rest des Spiels sehr geschickt. Beide Mannschaften zeigten einen eher technischen Fußball, man suchte in vielen Fällen eher die spielerische Lösung eines Problems. Sehr nett anzusehen, aber man konnte einen Eindruck davon gewinnen, warum die jütländischen Vereine in der Superligaen nur ausnahmsweise zur Spitze gehören. Und warum sie international so gut wie gar keine Rolle spielen, und im Europapokal gegen Mannschaften aus Georgien oder Zypern bereits früh Endstation ist.

Der Spielplan ergab ein nahegelegenes Montagsspiel, und die Gelegenheit dänischen Spitzenfußball zu sehen. Denn es spielte der aktuelle Tabellenführer der Liga, der FC Midtjylland gegen den Meister des letzten Jahres, FC Nordsjælland. Beide Mannschaften standen sich in den letzten Jahren auch zweimal im Pokalfinale gegenüber, in beiden Fällen blieb Nordsjælland Sieger.

Doch in diesem Jahr waren die Vorzeichen anders, es spielte eben der Tabellenführer gegen den Letzten. Doch auf dem Platz war davon lange Zeit gar nichts zu sehen. Zwar ging Midtjylland früh in Führung, doch die Seeländer dominierten in der ersten Halbzeit deutlich und erzielten auch verdient den Ausgleich. Auch in der zweiten Hälfte waren die Gäste lange Zeit überlegen, doch brachte eine Einzelaktion die erneute Führung für das Heimteam. Diese wurde auch ins Ziel gekämpft, die Tabellenführung auf sechs Punkte ausgebaut. Wenn ich es nicht gewusst hätte, wäre mir niemals die Idee gekommen, einem Spitzenreiter zuzuschauen!

Trotzdem war der Besuch in der MCH-Arena in Herning lohnender als einen Tag zuvor: Das Stadion hat eine Hintertorstehtribüne, es ist ein reines Fußballstadion mit gerade einmal 11.809 Plätzen, doch dafür hatten die Jütländer ein echtes Publikum! Auch dort waren die Ultràs das Zentrum des Supports, stimmten aber viel Liedgut an, welches offensichtlich dem Rest der Tribüne bestens bekannt war. Was ich in Dänemark gar nicht erwartet hatte, hier fand ich es, ein aufopferungsvoll supportender Heimblock! Die Fans der Ulvene (Wölfe) haben mich vollauf überzeugt, auch wenn die Besucherzahl eher einem deutschen Drittligaspiel entsprach. Es waren kaum mehr als 6200 Besucher, davon drei Fans im Gästeblock.

Die Eintrittskarten kosteten mich an beiden Spieltagen 110 Kronen, das entspricht 15 Euro. Da kann man nicht meckern, das ist nicht teurer als in Deutschland. Dafür nimmt man es im Stadion von den Lebenden: Bier 10 Euro, Wurst 6,50€, Hotdog 4,50€. Dafür sind Softdrinks, Wasser und Kaffee recht bezahlbar, die kosten 3 - 4 Euro.

Bemerkenswertestes Detail zum Schluß: Bei beiden Spielen habe ich nicht einen einzigen Polizisten gesehen! Es gab eine Handvoll Ordner, keine Leibesvisitationen, keinen Streß. Vergleiche ich dies mit unseren Ligaspielen, wo schon in der Oberliga Polizeigeleit und massive Präsenz im und ums Stadion alltäglich sind, dann ist es nahezu unvorstellbar!

Doch eines möchte ich noch erwähnen: Beim Besuch in Herning machten mich Fans darauf aufmerksam, dass mein Auto im Parkverbot stand, was für mich nicht ersichtlich war. (Und in Dänemark 100€ kostet!) Sie zeigten mir einen kostenlosen Parkplatz, luden mich auf die Tribüne ein, wir redeten viel über deutschen und dänischen Fußball. So kann man auch als Hopper empfangen werden! Vielen Dank dafür! Hej Ulvene Hej!



Der Text ist bereits recht lang geworden. Wenn es interessiert, kann ich noch ein wenig mehr zum dänischen Fußball schreiben, doch wollte ich vor allem eigene Eindrücke schildern

Antworten:

Interessanter Bericht, wie immer eigentlich von dir. Ich selbst war zwar auch schon zig mal in Dänemark, bin aber noch nie auf die Idee gekommen, mir dort mal ein Spiel anzuschauen. Allerdings gibt's in unserer Ecke (Insel Falster) auch keine größeren Vereine...

Wie hast du denn so das Spielniveau empfunden? Konnte man sich das anschauen? Ich habe übrigens festgestellt, dass die Beliebtheit des deutschen Fußballs (Bundesliga und auch Nationalmannschaft) in Skandinavien extrem zugenommen hat. Das haben mir zuletzt viele Bekannte dort immer wieder bestätigt. Speziell in Schweden stand die Bundesliga eigentlich immer deutlich im Schatten der Premier League. Auch wenn letztere noch immer dominierend ist, hat die Bundesliga dort rasant aufgeholt. Und auch die Nationalmannschaft steht in beiden Ländern ziemlich hoch im Kurs.

Aber um noch mal auf Dänemark zurückzukommen: Was mich etwas nachdenklich stimmt, ist diese Aktion des FC Kopenhagen, die für die anstehenden Champions League Spiele keine Karten an Personen mit ausländisch klingenden Namen (auch Dänen) verkaufen wollen. Das ist schon eine ziemlich heftige Nummer und passt so gar nicht in das Bild des liberalen Dänemark, das ich über viele Jahre kennengelernt habe. Allerdings ist mir schon bei mehreren Themen aufgefallen, dass Dänemark in einigen Fragen weit weniger liberal ist, als sein Image.

von ravanelli - am 18.09.2013 15:12
Ach Uwe....

immer wieder schön zu lesen. Gerne mehr davon!

Vielleicht kannst du ja noch ein paar Sätze zu unserem neuen Trainer Ralf Loose abgegeben.

Ich war jetzt 2 Wochen ohne Internet und versuche gerade einen Überblick über die Geschehnisse beim SCP zu bekommen. Ist ja doch einiges passiert.... :-(

von SCP-FaFF - am 18.09.2013 15:12
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