Chamois Niortais - Valenciennes FC - Ligue 2 in Frankreich

Startbeitrag von Beorn am 22.09.2014 16:10

Hallo zusammen, hiermit melde ich mich offiziell wieder zurück. Zwei Wochen habe ich in Frankreich auf der Île de Ré Urlaub gemacht.

Wenn man schon einmal in Westfrankreich ist, dann liegt es natürlich nahe zu schauen, was man denn so an Fußballhotspots mitnehmen kann. Leider machten mir das Länderspielwochenende und der Spielplan meine Hoffnungen zunichte, ein Spiel von Nantes FC oder Girondins Bordeux sehen zu können, beide spielten am vergangenen Wochenende auswärts. Doch kurz vor der Abreise stand immerhin ein relativ nahes Spiel in der Ligue 2 auf dem Programm:

Chamois Niortais FC gegen Valenciennes FC!

Beide Namen sind vielleicht nicht jedem geläufig, daher kurz einige Worte zu den Städten und ihren Clubs. Niort ist eine Stadt im Westen Frankreichs, hat knapp 60 000 Einwohner und ist eine Stadt die vor allem vom Dienstleistungssektor geprägt ist. Valenciennes dagegen liegt fast an der belgischen Grenze, hat etwas mehr als 40 000 Einwohner und ist ein Industriestandort. Unter anderem werden dort Autos und Maschinen produziert, auch Bombardier hat dort zwei Werke.

Der Heimverein wurde 1925 vom Besitzer einer Lederfabrik gegründet. Dessen Firma verarbeitete vor allem Gamsleder, so kam die Gams dazu dem Verein als Wappentier zu dienen. Dabei ist die Gegend um Niort alles andere als alpin ... ;)

In den Achtzigern spielte der Verein für eine Saison in der ersten Liga, ansonsten war und ist man eher im unterklassigen Fußball zu Hause, seit zwei Jahren wieder in der Ligue 2. Valenciennes FC ist dagegen aktuell aus der Ligue 1 abgestiegen in der man acht Jahre lang spielte. Der Traditionsverein aus dem nordfranzösischen Industrierevier, einem der frühen Zentren des französischen Fußballs, ist aber in der neuen Liga noch gar nicht angekommen, der Club steht als Absteiger am Tabellenende.

Ein Zweitligaspiel zwischen einem Mittelfeldclub und einem Tabellenschlußlicht verhieß eher kein ausverkauftes Stadion, also fuhr ich ohne Vorbestellung an. Immerhin war ich zeitig angereist und konnte problemlos fast beim Stadion parken. Nur wenig später sperrte dann die Polizei die Zufahrtsstraße ab, Glück gehabt! Karten gab es problemlos in allen Kategorien, ich entschied mich für einen Gegengeradensitzplatz für zehn Euro. Eine gute Wahl! Denn ich hatte einen Platz unmittelbar neben den heimischen Ultrás, so dass ich einen guten Eindruck von deren Auftreten hatte.

Das Stadion René Gaillard hat 10900 Plätze, alles Sitzplätze, auch in den Kurven. Tribüne und Gegengerade sind langegzogen und vergleichbar mit der Haupttribüne unseres heimischen Leimbachstadions. Wellige Tribünendächer lockern die Optik sehr auf, allerdings fand ich einen Medien- oder Sicherheitsbereich auf der Tribüne doch als arg klotzig.

Die Kurven sind mit Tribünen bestückt, im Heimbereich durchgehende eine durchgehende Stahlrohrtribüne, hinter dem anderen Tor drei seperate Sitztribünen, die mittlere war der Gästeblock. Das René Gaillard ist ein Mehrzweckstadion mit einer Laufbahn, auch ein Grund, warum ich mich gegen die "billigen Plätze" (nur 5€!) in der Kurve entschieden hatte.

Relativ kurz vor dem Anpfiff kamen die heimischen Ultrás und hängten ihre Fahnen auf. Zahlenmäßig waren sie mit der Siegener TSC vergleichbar, also eine eher kleinere Gruppe. Geleitet wurden sie auch von einem Capo mit Megafon sowie einem Trommler mit gleich zwei Trommeln. Beide waren sehr aktiv, die Gruppe dagegen nicht immer. Der Altersdurchschnitt war eher mit der Brigada Sigena als der TSC vergleichbar, viele jüngere Fans hielten sich zwar in der Nähe der Ultrás auf, waren aber erkennbar kein Teil der Gruppe. Bemerkenswert fand ich Doppelhalter mit Simpsons- und anderen Zeichentrickfiguren. Solche waren vor einigen Jahren noch in in Deutschland sehr häufig, inzwischen sind sie doch eher eher von anderen Motiven abgelöst worden.

Bei den Gästen hatte etwa ein Dutzend Fans die weite Reise an einem Freitag angetreten, sie hatten drei Pocketfahnen dabei und verbrachten das Spiel mehrheitlich mit freiem Oberkörper. Gehört habe ich sie nicht, dafür waren sie zu wenige und zu weit weg.

Das Spiel war recht temporeich und auf einem durchaus guten Niveau. Verglichen mit dem vor einigen Monaten gesehenen kroatischen Erstligaspiel war diese Begegnung deutlich besser! Die Gäste setzten auf eine Kontertaktik und hatten damit beinahe Erfolg, doch ein aussichtsreicher Schuß ging nur an den Pfosten. Das Heimteam kombinierte gefällig durchs Mittelfeld, doch in Strafraumnähe war für sie lange Zeit überhaupt kein Durchkommen. Bis dann ein Spieler einfach mal aus der Distanz abzog! Der Ball wurde unhaltbar abgefälscht und mit der ersten richtigen Chance führten die Blau-Weißen dann. Das Pech eines Schlußlichts ...

In der zweiten Halbzeit wurde die Partie einseitig. Als der Kapitän der Gäste einen durchgebrochenen Spieler im Strafraum von hinten legte war die Sache klar, Rote Karte und Elfmeter. Diesen hielt der Gästekeeper sogar, doch nur wenig später kassierte er ein Stochertor nach zweimal abgewehrten Bällen. Da fehlte er, der Innenverteidiger! In der Schlußphase erhöhte Niort auf 3:0, dies durch einen wunderschön vorgetragenen und abgeschlossenen Angriff. Zu diesem Tor habe auch ich stehend applaudiert, es war eine wirklich sehenswerter Spielzug mit ebenso sehenswertem Abschluß.

Das aus meiner Sicht bemerkenswerteste habe ich mir aber für den Schluß aufbewahrt: Das Stadionbier! Die Auswahl bestand aus Bitburger und Krombacher Alkoholfrei! Da fährt man tausend Kilometer ins Ausland und kriegt das heimische Bier angeboten! Unglaublich!

Es war kein Spiel für die Ewigkeit aber eines, das mir sehr viel Spaß machte und neue Eindrücke vom französischen Fußball gegeben hat. Drei Tore, ein gehaltener Strafstoß, ein Platzverweis und ein Pfostenschuß, da war doch sportlich einiges geboten. Und ich kann einen Ground abhaken, der wahrscheinlich noch nicht so sehr viele deutsche Hopper gesehen hat!

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