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Informationen zum Thema:
Forum:
Flugangst
Beiträge im Thema:
12
Erster Beitrag:
vor 12 Jahren, 1 Monat
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 8 Monaten
Beteiligte Autoren:
Marc-R. Trautmann, Rico H., www.erklaert.de, Huber R., Stephanie, StephanieA.

Soll ich wieder fliegen???

Startbeitrag von StephanieA. am 11.09.2005 21:44

Hallo,
ehrlich gesagt bin ich schon ganz oft geflogen. Das hat mir auch immer Spaß gemacht und ich habe keine Gedanken an Unfälle verschwendet. Aber seit letztem Jahr habe ich plötzlich Angst davor und weiß nicht warum. Ich bin dann auch mit dieser Angst geflogen und es war schrecklich. Ich konnte nichts essen oder trinken und nicht einmal Fernseh schauen,ständig kochte diese Angst in mir hoch.Es ist schlimm die Stunden so im Flieger zu warten und auf jedes noch so kleine Geräusch zu reagieren. Ich möchte dieses Wochenende gerne wieder in den Urlaub,ich brauche Sonne und Meer. Aber ich weiß nicht ob und wie ich das schaffe. Ich würde gerne mal mit einem Piloten/Pilotin oder Flugbegleiter/inim Vorfeld reden. Das tät mir sicherlich gut-immerhin arbeite ich ja für LH!
(Aber Gott sei Dank nur am Boden).
Könnte mir da jemand weiterhelfen???
Gruß Stephi

Antworten:

Hallo Stephanie,

wenn Du bei der LH arbeitest, hast Du vielleicht Kontakte zum fliegenden Kollegenstamm? Die sind sicher gerne bereit. Von der LH schreibt soweit ich weiß keiner hier. Aber vielleicht kannst Du Dich ja mit Marc "kurz schliessen"??




von www.erklaert.de - am 12.09.2005 08:19
Hi,
arbeite zwar bei LH,aber im Bereich Catering und an einem Standort wo es keinen Flughafen gibt, deshalb komme ich mit Bodenpersonal oder Piloten etc.gar nicht in Kontakt. Haben den Flug und Urlaub der für´s Wochenende geplant war auch schon wieder gekenzelt. Grund:zu teuer (bin aber auch irgendwie froh nicht fliegen zu müssen).
Stephi

von Stephanie - am 12.09.2005 18:56

pure Panik und Angst!

Hallo zusammen,

wie viele von Euch, bin ich durch Zufall auf dieser Seite gelandet.Die Beschäftigung mit diesem Thema, begann eigentlich erst wieder, vor einigen Tagen. Dazu aber später mehr. Meine Flugangst fing nach dem besagten 11. September 2001an. Allein der Gedanke daran läßt mich ins Schwitzen kommen. Immer wieder habe ich die Bilder von New York im Kopf. Brauche nur ein Flugzeug von weitem zu sehen, pure Panik. Davor bin ich sehr oft in der ganzen Welt rumgeflogen, ohne Probleme.

Es ist nicht so, dass mir das Vertrauen in die Flieger und die Gesellschaften fehlt, sondern Angst vor Terror. Seit 2001 habe ich entweder auf Urlaub verzichtet, oder war mit dem Bus unterwegs und das, als bis zu 30 Stunden.

Nach Monaten, voller Stress und Hektik, wäre wieder mal eine Auszeit fällig, doch wohin ohne Flieger und das dann auch noch billig dazu? Einer meiner Freude, der für sein Leben gerne fliegt, und es noch nicht geschafft hat, mich von den positiven Seiten des Fliegens zu überzeugen, ist nun für 2 Wochen in die Türkei geflogen und das ganze für 299.-¤ All inklusive in einem 5 ***** Hotel. Das Geld würde mir nicht mal für eine Busfahrt in den Schwarzwald reichen. (Grins).

Als ich versuchte, darüber nachzudenken, ob solch eine Reise vielleicht auch mal für mich wieder drin wäre, machte es wieder klick und ich hatte die schlimmsten Bilder von New York vor mir. Selbst die allerbesten Vorzüge eines Fluges, lösen bei mir nur negative Gedanken und Gefühle aus.

Habe es dann mit Bücher, CD´s und Phantasiereisen versucht, ohne Erfolg. Stress pur. Medikamente habe ich ausprobiert, helfen zwar zuhause etwas, aber halt nicht mit der tatsächlichen Situation im Flugzeug zu vergleichen.

Vielleicht hat ja jemand einen guten Rat für mich, wäre echt wichtig, meine Lebensqualität etwas verbessern zu können.

Dank Euch! Ciao Rico

von Rico H. - am 04.02.2006 04:47
Hallo Rico,

in Deinem Fall scheint es weniger die technische Seite des Fliegens (Zuverlässigkeit, etc.) zu sein. Leider ist keiner aus unserem Team im Sicherheitsbereich tätig. Hier wären sowieso jegliche Auskünfte sehr sensibel. Es fällt mir auch immer schwer, etwas zum Thema Terror zu sagen.

Ich persönlich bin der Meinung, dass die Angstmache (z.B. von Seiten der US-Regierung) wesentlich größer ist, als die echte Bedrohung. Vor allem wenn es um Charter- bzw. Urlaubsflüge (z.B. nach Malle oder so) geht! Der "Kampf gegen den Terror" ist halt ein bequemes Mittel, um alle möglichen Aktionen zu rechtfertigen.

Ich bin mir auch nicht sicher, ob vielleicht ein Flugangst-Seminar das richtige für Dich wäre. Vielleicht kann Marc-Roman dazu etwas sagen.



von www.erklaert.de - am 04.02.2006 12:21
Hallo,

vielen Dank für die schnelle Antwort. Bedeutet mir eine Menge, mit diesem Themenbereich nicht auf Unverständnis gestoßen zu sein. Klar darum gibt es ja auch deiner Seite. Werde mich weiter umsehen und Infos sammlen, bis dann

Ciao Rico!

von Huber R. - am 04.02.2006 13:53
Hallo Stephi,

auf Deine Überschrift gibt es im Grunde nur eine Antwort: Ja!
Aber zugegeben: Wenn`s so einfach wäre ...

Hinsichtlich Deiner Flugangst bist Du klar im Vorteil: Dich belastet das Problem seit relativ kurzer Zeit. Bei der Flugangstbewältigung sagt man, "je früher, desto besser". Leider warten viele Betroffene viel zu lang damit, professionelle Hilfe zu suchen. Deshalb: Kompliment an Dich!

Versuche erstmal genau zu definieren, wovor Du beim Gedanken ans Fliegen bzw. an den nächsten Flug Angst hast. Da gibt es viele Möglichkeiten, angefangen von dem unangenehmen Gefühl, ausgeliefert zu sein, bis hin zum Zweifel an der Technik. Letzteres ist relativ leicht durch Information in den Griff zu bekommen. Diese Information bekommst Du durch entsprechende Literatur oder aber, wie www.erklaert,.de schon empfohlen hat, durch Gespräche mit Airlinern - Flugkapitänen und/oder Flugbegleitern.

Ersteres ist nicht ganz so einfach zu lösen, aber durchaus machbar. Wichtig ist, sich seiner Angst schrittweise zu stellen, also eine Art (neuer) Konfrontation aufzubauen. Sozusagen ein langsames erneutes Hineintasten in die Kabine, den Flieger und - schließlich und endlich - einen Flug. Meine Empfehlung ist, dies unter Anleitung zu tun, beispielsweise im Rahmen eines Seminars. Hier erfährst Du Strategien gegen Deine bestehende Angst und, vor allem, verschiedene Möglichkeiten, mit dieser Angst umzugehen, sie künftig auszuschalten. Fliegen soll schließlich wieder Spaß machen und nicht zu einer Belastung werden, die man am liebsten vermeidet. Natürlich kosten entsprechende Seminare Geld, deshalb mein Vorschlag: Ruf` doch einfach mal unverbindlich an. Vielleicht können wir Dir bereits telefonisch helfen, die Grundlagen der Angst aus dem Weg zu räumen.

Infos und Telefonnummer findest Du unter www.flugangstzentrum.de.
Gern nehmen wir Dich auch mal zu Gesprächen mit in eine Werft.

Beste Grüße aus Rheinhessen,

Marc-Roman Trautmann
Deutsches Flugangst-Zentrum

von Marc-R. Trautmann - am 05.02.2006 11:37

Re: pure Panik und Angst!

Hallo Rico,

Du gehörst tatsächlich zu einer sehr kleinen Gruppe von Flugängstlern (ca. 2%), die ihre Angst auf Terror gründen. "Wir Menschen" haben in den meisten Fällen "gelernt", mit dieser Bedrohung zu leben - eine tragische, wenn auch in die heutige Zeit gehörende, Entwicklung.

Sicher erfährst Du auch in Seminaren gegen Flugangst einige Aspekte zur Sicherheit. Dennoch denke ich, dass ein Seminar für Dich nur bedingt geeignet wäre. Hierfür gibt es einen sehr einfachen Grund: Du musst nicht erst in ein Flugzeug steigen, um Opfer eines Anschlages oder einer Katastrophe zu werden.

Erinnere Dich an Madrid, an London oder Ägypten. Die Ereignisse des 11. September haben - unter der Voraussetzung, alles geschah so, wie es uns vermittelt wurde ... - nur indirekt etwas mit der Fliegerei zu tun. Das Flugzeug war hierbei "Mittel zum Zweck". So könntest Du den 11. September auch auf die Gefahr beziehen, sich in Büros aufzuhalten, auf die Gefahr, sich in Hochhäusern aufzuhalten, auf die Gefahr, überhaupt eine Großstadt zu besuchen, usw. ...

Übrigens: Ich finde es bewundernswert, sich 30 Stunden in einen Reisebus zu setzen. Dies aus zwei Gründen. Erstens: Angst ist nichts anderes, als Stress. Du versuchst also Stress zu vermeiden, in dem Du Dich 30 Stunden in einen Bus setzt? - Zweitens: http://www.adac.de/Tests/Mobilitaet_und_Reise/Busreisen/bustest_2004/busunfaelle_europa/default.asp?ComponentID=95351&SourcePageID=95508&TL=2
Aber wir wollen uns nicht auf Statistiken beziehen ... ;-)

Beste Grüße aus Rheinhessen,

Marc-R. Trautmann

von Marc-R. Trautmann - am 05.02.2006 11:52

Re: pure Panik und Angst!

Hallo Marc-R.!

Vielen Dank für Deine Nachricht. Mir ist bewusst, dass es sich bei Unfällen, wie Bus, Bahn und Flieger, immer um Massen handelt, die verletzt oder getödet werden. Rückblickend auf die 80 er Jahre und danach, sind halt auch beim Fliegen viele, zu viele ums Leben gekommen. Jeder Verletzte oder Tode ist einer zuviel.

Vielleicht muss ich mich von den so festgestzten Gedanken, ich fliege, ich stürze ab und ich sterbe lösen, aber nur wie?????? Genau das ist das Probelm. Bei einem Unfall am Boden, habe ich vielleicht noch die Möglichkeit wegzulaufen, das wird in der Luft ein wenig schwierig. Für mich ist Busfahren alltäglich, so wie für andere das Fliegen. Es muss wohl etwas mit der Geschwindigkeit zu tun haben, denn seit Eschede, bin ich auch in keinen ICE mehr eingestiegen. Es ist so verrückt, wieviel Lebensqualität einem da verloren geht.

Sogar jetzt beim Schreiben muss ich versuchen die Panik im Griff zu halten.

Nochmals Danke für Deine Tips.

Rico H.



von Rico H. - am 06.02.2006 07:37

Re: pure Panik und Angst!

Hallo Rico,

Du hast natürlich vollkommen Recht: Allein durch Logik lässt sich das Problem nicht so einfach aus der Welt schaffen. Übrigens ist das bei allen Flugängstlern so: Du würdest niemals gegen wetten, dass ein Flieger von A nach B nicht unversehrt wieder landet. Nur, wenn Du selbst drin sitzen würdest, sähe die Situation schon anders aus, Zweifel kämen auf, das Gedankenspiel um Katastrophen, der Angstkreislauf, usw. ....

Wichtig ist, dass Du Dich, trotz der Gedanken, erneut und immer wieder mit der Situation Fliegen konfrontierst. Aus Deinem Bericht erkenne ich, dass es (noch) in erster Linie das Flugzeug ist, welches Dir Angst macht, sich die Angst also noch auf einen einzigen Bereich konzentriert, sie spezifisch ist. Lass´ es gar nicht soweit kommen, dass Du die Angst vor Terror auch auf andere Bereiche überträgst. Diese Möglichkeit ist schnell gegeben, denn Terror ist, wie schon vorher geschrieben, leider Teil des Alltags geworden. Folge: Die spezifische Angst weitet sich aus, hindert Dich daran, in die Bahn, in den Bus zu steiegen, usw..Wir sprechen in diesem Fall von einer generalisierten Angst.

Natürlich sind Beratungen via Forum Grenzen gesetzt. Dennoch ein Tipp: Manchmal helfen sogenannte Positiv/Negativ-Listen. Stell` Dir zum Beispiel einen Ort vor, an den Du am liebsten reisen würdest, natürlich per Flugzeug. Dann schreibe auf die eine Seite alle positiven Details dieser Reise, also alles, das Dich begeistern würde, auf das Du Dich freust. Schreibe anschließend alle Negativpunkte auf, also die Dinge, die Dich am Flug hindern könnten. Ich denke, dass dort nur ein Begriff stehen würde: "Terror" oder "Angst vor einem Anschlag". Bringe dann die Logik ins Spiel, vergleiche positiv und negativ, mache Dir Gedanken darüber, was realer zu erleben ist: Das Glas Rotwein am Hafen von Neapel, oder eine Boeing, die in ein Hochaus fliegt? - Man verzeihe mir den harten Vergleich, das Beispiel soll nur zeigen, wie hart man mit seinen Gedanken umgehen muss.

Beste Grüße aus Rheinhessen,

Marc R. Trautmann


von Marc-R. Trautmann - am 06.02.2006 09:20
Hallo Marc!

Danke für Deine Nachricht. Es wäre vermessen, zusagen, hurra - meine Flugansgt ist weg-super-klasse-geil. Nein im ernst, so ist es nicht. Bestimmt noch lange nicht. Die Angst ist riesig. Auch jetzt. Aber ich muss zugeben, vor einigen Tagen, hätte ich eine Meinung und einen Ratschlag von einem der sich mit Flugangst auskennt, schlicht weg für verrückt erklärt.

Aber das Austauschen von Gedanken und vor allen Dingen, eine andere Sichtweise in Betracht zu ziehen, ist mir neu, fremd und überrascht mich doch sehr. Was ich zuvor mit Fliegen/Terror in Verbindung gebracht habe, wurde sofort und ohne Einsicht einer neuen Anschauung abgeblockt. In etwa so, ich weiss genug, ich kenn mich aus, mir braucht keiner was zu erzählen.Damit war das Thema erledigt.

Plötzlich lese ich andere Zeilen, und die schwarz auf weiss. Suche immer mehr nach Info´s, um Deine, wie ich sagen muss fast überzeugenden Fakten, (so denke ich es im mom), bestätigt zu bekommen. Denke immer an die Liste, die Negatives und Positives enthalten könnte.

Fällt mir wirklich nichts positives zum Fliegen ein? Stehen wirklich nur negative Punkte auf der anderen Seite?

Sehe mich zwar etwas ratlos aber nicht ganz so hilflos. Ups, sind das wirklich Zeilen von mir?

Gruss aus Mannheim, freue mich über Post von allen zu diesem Thema.

Ciao Marc, Gruss Rico H.



von Rico H. - am 07.02.2006 08:14
Hallo Rico,

Gespräche helfen fast immer, eine andere Sicht der Dinge zu bekommen. Voraussetzung ist natürlich, die Bereitschaft, andere Perspektiven überhaupt zuzulassen. Das Problem bei der (Flug-)Angst ist, dass die Fakten gegen das Fliegen bei Betroffenen unglaublich tief sitzen und(anscheinend) überzeugend sind. Insofern glaube ich Dir gern, dass Du sehr genau liest und Dich auch künftig intensiv mit dem Thema beschäftigen musst (und wirst).

Wir vergleichen die Hilfe bei Flugangst gern mit einer Situation, die jeder kennt: Als kleines Kind geht man in die Küche und fasst - ohne nachzudenken - auf die Herdplatte. Diese ist heiss, und man zieht natürlich ganz schnell die Hand weg. Folge: Seit diesem Ereignis achten wir auf heisse Herdplatten, tasten uns vor oder werfen einen Blick auf die - möglicherweise eingeschalteten -Knöpfe. Aber: Wir alle gehen weiterhin in die Küche! - Bei der Flugangst ist es ähnlich: Als Therapie kann man weder Angst ausschalten (Betroffene würden lebensmüde!) oder das Flugzeug - trotz aller Sicherheitsaspekte - als ein "unverletzbares" Verkehrsmittel darstellen. Aber man kann, gemeinsam mit Flugängstlern, basierend auf der individuellen Angstgeschichte, die Gesamtsituation betrachten, verändern und eine neue Betrachtungsweise erarbeiten. Der Flieger wurde durch irgendeinen Auslöser "brandheiss", was nicht bedeutet, dass Fliegen und Flugzeuge im allgemeinen zu vermeiden sind oder eine reale Gefahr darstellen. Hierauf basieren Therapien und Seminare.

Wann immer Fragen sind, einfach schreiben! :-)

Beste Grüße aus Rheinhessen,

Marc-R. Trautmann

von Marc-R. Trautmann - am 07.02.2006 10:26
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