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Informationen zum Thema:
Forum:
Flugangst
Beiträge im Thema:
16
Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 7 Monaten
Beteiligte Autoren:
Andrea, www.erklaert.de, Marc-R. Trautmann, Frank Eisenberg, Anna, Claus, Marc-R., Sylvi

wer kann mir Tips geben

Startbeitrag von Andrea am 17.01.2006 13:35

Hallo,
da ich in vier Wochen wieder auf die Kanaren fliege und mich eigentlich schon sehr auf meinen Urlaub freue, bin sehr froh, dass ich dieses Forum gefunden habe.
Ich möchte mein Problem mal beschreiben:
Wenn ich in den Flieger einsteige, habe ich überhaupt keine Angst. Auch den Start finde ich jedesmal spannend, weil schon einige Kräfte einwirken und man die Beschleunigung spüren kann.
Wenn ich dann in der Luft bin, wird es mir langsam mulmig. Ich beneide die Leute, die aus dem Fenster schauen, um zu sehen, wo man gerade ist und ob man einige Gebäude erkennen kann. Ich hab das auch mal versucht, aber da ist bei mir so richtig die Angst hochgekrochen. Als ich mich vom Fenster weggedreht habe, ist es wieder besser geworden.
Ich mag es auch nicht, wenn der Pilot durchsagt, dass wir die Reisehöhe (10000m) erreicht haben.
Nur der Gedanke, dass ich so hoch bin, macht mir noch mehr Angst. Ich versuche mich immer mit einem Buch abzulenken. Aber meine Gedanken sind immer bei der Uhrzeit.Wie lange geht der Flug noch. Ich merke auch, dass ich ständig sehr verkrampft bin. Je näher die Zeit zum Sinkflug kommt, umso entspannter werde ich. Sobald die Durchsage kommt, dass wir im Landeanflug sind und ich merke, dass wir die Reisehöhe verlassen, bin ich völlig entspannt. Auch wenn es dann bis zur Landung auch noch eine halbe Stunde dauert. Ab da kann ich ununterbrochen aus dem Fenster schauen und geniese den Landeanflug.
Das blödeste ist doch, dass wir beim vorletzten Flug ein furchtbares Gewitter umflogen sind und ich da, obwohl es furchtbar gerumpelt hat, aus dem Fenster schauen konnte. Die Gewitterwolken
waren einfach fazinierend. Das wollte ich unbedingt sehen. Ich habe dabei keinerlei Angst gemerkt.
Die anderen Leute im Flieger waren ziemlich ruhig und man merkte, dass sich keiner mehr wohl fühlte, da es schon heftig war. Mir hat das nichts ausgemacht und ich hatte überhaupt keine Angst.
Es ist total nervig, dass bei mir alles irgendwie umgedreht scheint. Je ruhiger der Flug ist, um so angespannter bin ich. Das ist doch nicht logisch.
Selbst wenn kleine Turbolenzen sind, so als ob man auf einer holprigen Strasse fährt, bin ich schon entspannter. Vielleicht muss ich nur spüren, dass ich fliege.
Ich habe also keinerlei Angst vor dem Start, Landung und sonstige Flugbewegungen. Ich habe auch volles Vertrauen in die Flugbegleiter.
Warum bloss fühle ich mich dann so unwohl oder verkrampft, wenn wir unsere Reisehöhe erreicht haben und wenn alles so ruhig dahin geht.
Vielleicht hat jemand einen Tip für mich. Lesen, unterhalten und Musik hören habe ich schon probiert, es hilft etwas, aber beseitigt das Gefühl nicht.
Wäre schön, wenn das nicht wäre. Dann könnte ich mich endlich mal wie viele andere auf einen Flug richtig freuen.
Grüsse
Andrea

Antworten:

Hallo Andrea,

zuerst mal etwas theoretisches:

Ich bin mir nicht sicher, ob Du es schon weißt bzw. irgendwo nachgelesen hast. In Reiseflughöhe bist Du am sichersten. Denn Reiseflughöhe bedeutet nicht nur, 10 000 Meter hoch zu sein. Reiseflughöhe bedeutet vor allen Dingen viel Platz zwischen dem Flieger und dem Boden. Viel Platz heißt auch viel Zeit. Sollte etwas Unvorhergesehenes passieren, haben die Piloten in Reiseflughöhe viel mehr Zeit um darauf zu reagieren und Entscheidungen zu treffen. Das Flugzeug hat viel mehr Zeit um sich zu stabilisieren (falls es z.B. von einer starken Turbulenz erwischt wird) Wenn der Flieger knapp über dem Boden ist, muss ein Pilot viel schneller reagieren, da die "Pufferzone" zwischen Flugzeug und Boden wesentlich geringer ist. Piloten versuchen immer so schnell wie möglich an Höhe zu gewinnen. Platz zwischen Flugzeug und Boden heißt Sicherheit.

Ein zweiter Punkt: bedenke, dass ein Flugzeug im Reiseflug sehr schnell fliegt. In dieser Geschwindigkeit ist Luft nicht als Luft/Nichts zu sehen sondern viel mehr wie ein Brett oder ein Straßenbelag, wenn man so will. Der Effekt ist einfach zu spüren, wenn man bei schneller Fahrt die Hand aus dem Auto hält. Luft besteht aus Molekülen. In diesen Geschwindigkeit ähnelt sie (genauso wie Wasser) einem festen Untergrund. Dein Flugzeug ist dafür gebaut, um auf diesem Untergrund zu "fahren". Die Flügel sind sozusagen das Fahrwerk für den Untergrund, die Luft. Und sie kommen blendend damit zurecht.
Vielleicht hilft es Dir, wenn Du Dir während des Fluges die Luft als festen Untergrund vorstellst (was sie ja in diesem Moment auch ist). Eine schöne, frisch geteerte Luft-Straße.

Nun zu Deiner Angst:

In Deinem Falle scheint es nicht so sehr um Flugangst sondern mehr um Höhenangst zu gehen. Kannst Du problemlos von hohen Gebäuden herab sehen?
Vielleicht erscheint es für Dein Unterbewusstsein "verdächtig", wenn der Flieger ruhig vor sich hin fliegt und nichts passiert. Dein Unterbewusstsein oder auch Dein Gleichgewichtssinn wollen dann nicht einsehen, dass der Flieger wirklich sicher fliegt - dafür ist es ja auch "viel zu ruhig"... (dabei ist es doch schön, auf einem frisch geteerten Straßenbelag zu fahren - ohne Schlaglöcher)






von www.erklaert.de - am 17.01.2006 14:49
Hallo Andrea,

Deine Schilderung zeigt sehr deutlich, wie unterschiedlich und individuell verschieden sich eine Flugangst äußern kann. Deshalb ist es auch völlig falsch, von einer "generalisierten" oder "allgemeinen" Flugangst zu sprechen. Jeder Betroffene hat eine ganz eigene, persönliche Angstgeschichte, die er - einmal erlebt - in künftige Flüge bzw. Fluggedanken einbaut oder mit diesen in Verbindung bringt.

Auch, wenn vieles auf eine zugrundeliegende Höhenangst hindeutet, wage ich, daran zu zweifeln, da Du durchaus auch Momente erlebt hast, in denen Du ohne Angst aus dem Fenster schauen konntest. Überleg doch mal, in welchen Situationen Du die unangenehmen Flüge erlebt hast: Waren es Urlaubsreisen oder berufliche Flüge? - Wie war Deine allgemeine Situation vor dem Flug? - Hat sich etwas besonderes rund um die Negativfüge ereignet? - Grund meiner Fragen: Oftmals werden andere Stresssituation mit an Bord genommen, die dann im Flieger zum Ausbruch kommen und sich als Flugangst manifestieren.

Beste Grüße aus Rheinhessen,

Marc

von Marc-R. - am 18.01.2006 10:52
Hallo Fliegen@erklaert.de
Hallo Marc,
vielen Dank für Eure schnellen Antworten.
Ich habe schon gewusst, dass größere Höhe auch mehr Sicherheit für den Flieger bedeutet, da der Spielraum für evtl. Korrekturen größer ist. Es ist auch nicht das Problem, dass ich Angst habe, dass etwa ein technischer Defekt o.ä. auftritt oder dass der Pilot nicht genügend Erfahrung hat.
Es ist warscheinlich einfach Höhenangst. Ich habe die Einträge hier mal durchgelesen. In Euren Antworten wurde erwähnt, dass es sehr selten ist, dass jemand im Flieger Höhenangst hat, sondern es sich meistens um Platzangst, Angst abzustürzen, Angst vor unbekannten Geräuschen usw. handelt. Es stimmt auch, dass ich nicht auf hohe Gebäude gehen kann.
Mir bleibt wohl nichts anderes übrig, als immer wieder zu fliegen und darauf hoffen, dass es doch einmal besser wird. Vielleicht hilft mir die Vorstellung, dass der Flieger auf einer "Luftstrasse" fährt.
Es heisst ja oft, dass man sich Sachen solange einreden kann, bis man es auch glaubt.
Es wäre schön, wenn mir das in meinem Fall auch gelänge.
@Marc, ich hatte bisher noch keine Stressmomente mit an Bord genommen. Im Gegenteil, meine Anlässe für Flüge hatten bisher immer sehr schöne Gründe. Die Zeit vorher habe ich immer stressfrei gehalten, das ging auch leicht, weil die Vorfreude auf das Reiseziel immer gross war.
Auch die Flüge selbst waren bis auf das kräftige Gewitter (das mir aber keine Angst machte)
ohne Komplikationen. Der beste Flug war in die USA, da sass ich in einem rießen Jumbo in der Mitte und konnte garnicht "runterschauen".
Auf jeden Fall kann ich alle hier verstehen, die beim Fliegen Probleme haben. So unterschiedlich sie auch sein mögen, es ist einfach Mist, man kommt sich irgendwie blöd vor, wenn andere da völlig ruhig und entspannt sind. Aber deshalb nicht fliegen, das wäre wirklich das Schlechteste.
Einfach Augen und durch, in der Hoffnung, irgendwann legt sich alles.
Grüsse
Andrea


von Andrea - am 26.01.2006 14:46
Höhenangst ist aus unserer Erfahrung eine überaus seltene Ursache für die Entwicklung einer Flugangst. Grund: Angst vor der Höhe entsteht auf Bauwerken, Bergen, Türmen, die einen Kontakt zum Boden haben, das heißt, in Situationen, in denen das Gehirn die Verbindung von "IST-Höhe" zu "SOLL-Abstand-Boden" herstellen kann. Das Flugzeug ist ein eigenständiger, in sich geschlossenes System, bei dem das Gehirn diese Relation nicht mehr vermittelt bekommt.

Sorry, das meinte ich mit der Antwort auf Höhenangst.
Mein Gehirn scheint das doch noch vermittelt zu bekommen.

Grüsse
Andrea

von Andrea - am 26.01.2006 14:51
Zitat

Höhenangst ist aus unserer Erfahrung eine überaus seltene Ursache für die Entwicklung einer Flugangst. Grund: Angst vor der Höhe entsteht auf Bauwerken, Bergen, Türmen, die einen Kontakt zum Boden haben, das heißt, in Situationen, in denen das Gehirn die Verbindung von "IST-Höhe" zu "SOLL-Abstand-Boden" herstellen kann. Das Flugzeug ist ein eigenständiger, in sich geschlossenes System, bei dem das Gehirn diese Relation nicht mehr vermittelt bekommt.


Sorry, da muß ich ganz deutlich widersprechen, da das absolut nicht stimmt. Sehr wohl kann das Gehirn bei einem Flugzeug Höhenangst (oder sagen wir es mal richtig: Angst in der Höhe) vermitteln.
Das sogenannte geschlossene System wo Du anspricht hat einen anderen Hintergrund: Ich kann Angst haben wenn ich in einem hohen Haus auf einem Balkon stehe. Wenn ich mich dann innen darin befinde ohne Blick nach aussen ist die Angst verschwunden, hierbei kommt es meist (nicht immer) vor das das Gehirn diese Relation nicht mehr vermittelt wird, da der visuelle Gesichtspunkt fehlt.

von Claus - am 26.01.2006 17:24
Hallo Claus,

ich bitte Dich, künftig genau nachzulesen, was geschrieben steht. Ich habe gesagt, dass "Höhenangst" im Flieger eine überaus "seltene Sache" ist, dies aus den genannten, nachvollziehbaren und untersuchten Gründen. Wir betreuen in unserem Zentrum auch Höhenängstler. Dass Höhenangst beim Fliegen auftreten kann, ist, wie schon gesagt, durchaus möglich, wenngleich auch selten. Dazu die folgenden Ergänzungen:

Eine "Höhenangst" ist etwas anderes, als eine "Angst in der Höhe" oder der bekannte, häufig verwechselte Höhenschwindel. Höhenangst entwickelt sich aus dem Höhenschwindel, der eine völlig normale, körperliche Reaktion darstellt. Die Angst vor einem Kontrollverlust spielt dabei eine wesentliche Rolle. Kurze Gedanken wie "ich könnte fallen" aber auch " ich könnte die Kontrolle über mich verlieren und hinunterspringen" sind noch ein Normalphänomen, solange sie nach einem kurzen Schritt zurück, korrigiert werden können. Erst wenn sie einen übertriebenen Stellenwert bekommen und wirkliche Angst vor einem Kontrollverlust mit dazugehöriger Angst vor der Angst dazu kommen sollte man von Höhenangst sprechen.

Hier schließt sich der Kreislauf wieder und zeigt, dass Höhenangst im Flieger zu den seltenen Phänomenen gehört, denn im Flieger wird niemand auf den Gedanken kommen, "ich könnte hinausfallen" oder "ich könnte hinunterspringen".

Beste Grüße aus Rheinhessen,

Marc-R. Trautmann
Deutsches Flugangst-Zentrum

von Marc-R. Trautmann - am 26.01.2006 18:55
Hallo Andrea,

komisch.... ich fand den Flug in die USA (SF) auch viel angenehmer als die kurzen Flüge. Vielleicht hat man bei diesen Langstreckenflügen einfach mehr Zeit für sich selber und seiner "Angst". Und der ist man ja nun mal "ausgeliefert", wenn man den langen Flug angetreten hat. Raus geht ja nicht mehr.Man muss dann ja irgendwie da durch.

Flieg ich nach Mallorca oder München (schon lange her), kommt mein Gehirn mit der ganzen Stresssituation wohl irgendwie gar nicht klar. Die 2,5 Stunden/ 1 Stunde....is ja 'nen Witz gegenüber 10 Std. oder mehr. Stress vor dem Flug, Stress im Flugzeug, Stress beim Landen usw.usw.
Beim Langstreckenflug musste ich ja mal in mich selbst reinhören (und die Geräusche vom Flieger, allerdings gab's da irgendwie gar keine :p

Zu Claus:
Stimmt. Da gebe ich Dir recht. Bin in Amerika nur in Hochhäusern gewesen und hab oft nach unten geschaut. Fand ich nicht grad so toll. Weiche Knie und bloss weg vom Fenster. Bin ich im Raum....ok...ich seh' dann ja auch nicht mehr runter.
Das Auge isst nicht nur mit, sondern beeinflusst auch unser Dasein und Wohlbefinden.

Aber eins frage ich mich doch, Andrea scheint mit den Flügen ähnlich zu sein, umso länger die Flüge, desto "weniger" Probleme gibt's (für mich so mal gesagt). Obwohl meine Höhenangst da nicht so sehr im Spiel ist. Die große 747 liegt wirklich sooo ruhig in der Luft.....ist ja bald schon unheimlich wie ruhig....aber auch toll....
Und nach 7 Flügen in kurzer Zeit konnte ich auch mal rausgucken, von da ganz oben, und hab's auch genossen....Aber Kurzflüge fand ich nicht so gut wie die zwei etwas längeren Flüge. Komisch. Versteh' mich da auch nicht. Flug soll doch Flug sein, oder? In der Luft ist man 'eh und landen wird man ja auch!
:confused:

Aber trotz allem,
ich werde wieder fliegen,
auf jeden Fall,
Grüsse Sylvi

von Sylvi - am 26.01.2006 19:00
Hallo Andrea,

es ist manchmal gar nicht leicht, Stressmomente ausfindig zu machen. Schließlich gibt es auch den positiven Stress, der sich in der Situation Kabine nagativ auswirken kann. Ein Beispiel: Wir haben eine Flugängstlerin betreut, die ebenfalls keine subjektiven Stressmomente ausmachen konnte. Dennoch trat die Flugangst erstmalig auf einem eigentlichen ruhigen und schönen Urlaubsflug auf. In Gesprächen hat sich dann ergeben, dass die Dame Ihre Flitterwochen hinter sich hatte - 14 Tage lang super Feeling und Highlife ... Auch das kann der "rote Teppich" zur Entwicklung einer Flugangst sein.

Wichtig ist, genau das, was Du selbst sagst: Das Fliegen auf keinen Fall zu meiden!

Beste Grüße aus Rheinhessen,

Marc-R. Trautmann
Deutsches Flugangst-Zentrum

von Marc-R. Trautmann - am 26.01.2006 19:00
Man sollte auch bedenken, dass eine 747 wesentlich größer ist als Flieger, die Mittel- oder Kurzstrecke fliegen. Der Innenraum kommt einem nicht ganz so eng vor. Oft wird bei Beschreibungen von "unangehemen" Situationen auch die "enge Röhre" ins Spiel gebracht.

Ich hatte z.B. als Kind immer Probleme mit dem Autofahren. Mir wurde (zur Freude meiner Eltern) im wahrsten Sinne des Wortes regelmäßig Kotz-Übel. Aber in einem Reisebus passierte mir das nie. Heute führe ich das auf den vorhandenen Freiraum zurück.






von www.erklaert.de - am 27.01.2006 08:27

Letzter BEITRAG wurde vom Moderator aufgrund von Beleidigungen gelöscht.



Der Ton macht die Musik



von www.erklaert.de - am 28.01.2006 13:31
Würde mich auch mal interessieren wieso die Admins sowas zensieren. Ist doch normal das man Stellung beziehen kann wenn man angegriffen wird - wieso ist das hier anderst und solche Beiträge werden gelöcht??

von Anna - am 28.01.2006 21:51
Liebe Anna,
lieber Claus,

unabhängig von der Tatsache, dass ein Beitrag gelöscht wurde, ich aufgrund der Inhalte keineswegs gefrustet bin :-) und das Thema mit der Löschung auch eigentlich beendet ist, möchte ich gern ein paar Punkte ergänzen:

1. Ich unterliege - genau, wie alle anderen auch - den Forumsregeln und darf natürlich nicht "alles posten, was ich will". Das wäre auch schlimm, denn eine vernünftige Diskussion wäre auf diese Weise nicht möglich. Und auf diese kommt es doch an, oder?

2. Ich beteilige mich an diesem Forum als Privatperson. Ich bitte, zu akzeptieren, dass das DFaZ hier weder als Forums-Partner noch als Ratgeber auftritt.

3. Eine Diskussion besteht aus Meinung und Gegenmeinung, aus Darstellung und Gegendarstellung. Nur darauf kam und kommt es mir an. Es gibt in allen Bereichen des täglichen Lebens (und vor allem im Beruf) ständig Kontroversen - und das auch und gerade unter Kolleginnen/Kollegen. Wichtig ist, für sich zu akzeptieren, dass durch eine "andere Meinung" bzw. eine Kritik niemand persönlich "angegriffen" wird.

4. Rein schriftliche Äußerungen werden sehr häufig missverstanden, denn innerhalb einer vernünftigen Kommunikation macht "der Ton ja bekanntlich die Musik". Falls in meinem von Claus und Anna kritisierten Beitrag fehlende Emoticons oder Betonungen zu Missfallen geführt haben, bitte ich, das zu entschuldigen. Ich bezog mich, wie nachzulesen oder besser, von mir gewünscht, auf Zitate, nicht auf Personen.

5. Ganz wichtig: Eine "Bitte", etwas "genau nachzulesen" hat zumindest für mich immer noch einen anderen Stellenwert, als eine "Unterstellung", die sich jemand "gefallen lassen muss" und dem Begriff "lehrerhaftes Getue". - Auch damit hätte ich leben können, zeigt es doch die Bereitschaft zur Auseinandersetzung --- mit dem Thema! ;-)

6. Claus: Wir können uns gern in FRA auf einen Kaffee treffen. Wirst sehen, dass die Menschen hinter den Zeilen oftmals ganz anders sind, als erwartet.

Beste Grüße aus Rheinhessen,

Marc-R. Trautmann

von Marc-R. Trautmann - am 29.01.2006 10:06
Hallo,

ich bin wieder zurück aus dem Urlaub und total glücklich. Endlich habe ich es geschafft,
einen ganz "normalen" Flug hinter mich zu bringen. Es fühlt sich an, als ob eine Last abgefallen ist.
Früher habe mich zwar gefreut, ins Reisebüro zu gehen, Urlaubsprospekte zu wälzen, wenn, ja wenn nur der Hin- und Rückflug nicht gewesen wäre. Die Tage vor dem Abflug und der Tag vor dem Rückflug hat mir das tolle Urlaubsgefühl immer etwas vermasselt. Ich bin zwar geflogen, aber immer mit dem Gefühl, wenn Du da hin willst, musst Du da durch. Da ich Gott sei dank ein Mensch bin, der nicht so schnell aufgibt, hab ich es dann auch gemacht, jedoch immer mit Angst im Bauch.
Dieses Mal jedoch war es einerseits mehr Wut auf mich selbst, andererseits die täglichen Besuche in diesem Forum.
Ich wollte verdammt nochmal, vor diesem Flug keine Angst mehr haben. Ich wollte einfach nicht mehr, dass ich stundenlang (immerhin ein 4 Stunden-Flug) verkrampft vor mich hinstiere und nicht ansprechbar bin (ist auch schon vorgekommen). Das wollte ich wirklich nicht mehr.

Als wir gestartet waren und wir auf unsere "Wahnsinnshöhe" (Reisehöhe) gestiegen sind, war es dann wieder so weit. Erst leichtes Beklemmungsgefühl, das sich langsam steigerte und früher beim "ich will nur runter und raus hier" stabil bis zur Landung blieb.

Aber genau das wollte ich nicht mehr. Ich habe die Augen geschlossen und habe an den Tipp hier im Forum gedacht. Ich habe mindestens zehnmal in Gedanken wiederholt:
Der Flieger fährt auf einer Luftstrasse, wie eben ein Auto
Der Flieger fährt jetzt gerade am Besten und sichersten
Der Flieger fährt immer gleich weiter bis zum Ziel
Der Flieger fährt sehr schnell und ich komme gut voran.
Der Flieger fährt die genannten Kilometer in vier Stunden, das Auto braucht Tage dafür.

Die ständigen Wiederholungen haben mich deutlich ruhiger gemacht. Dadurch etwas ermutigt, dass ich ein Mittel gefunden habe, dieses aufkommende Angstgefühl in den Griff zu bekommen, habe ich dann den nächsten Schritt gewagt und aus dem Fenster geschaut.
Da eine geschlossene Wolkendecke war, dachte ich erst, hmmmm, das ist ja fahren wie auf einer schneebedeckten Strasse.....mit dem Unterschied, dass ich nicht Angst haben muss, dass ich ins Schleudern gerate...
Danach ging es mir aber sehr gut und ich war schon ziemlich locker. Aber irgendwie war ich noch nicht ganz zufrieden mit mir. Später sagte der Pilot, dass es etwas unruhig wird, da heftige Seitenwinde aufkommen. Naja, dachte ich, wie beim Autofahren, da spürt man den Seitenwind auch ganz schön, besonders auf Autobahnen.
Nach ca. 2,5 Stunden erfolgte nochmals eine Durchsage, dass wir nun das Festland verlassen und an der Küste von Maroco entlang fliegen. Ich hörte jemanden sagen, dass die Wolken verschwunden sind. Da nahm ich nochmals meinen ganzen Mut zusammen und wagte ganz vorsichtig einen Blick aus dem Fenster. Erst kurz, dann nochmal, nochmal, ein bisschen länger und dann so lange es geht.
Und es ging.....und wie......bis mir meine Sitznachbarin einen Platzwechsel am Fenster anbot, da ich meinen Hals total verrenkte (sie hat ja eh nur gelesen, wer weiss warum, kann mich da an sowas erinnern).
Ab diesem Zeitpunkt war alles anders. Ich habe mich wohlig (soweit es ging) in meinen Sitz verkrochen und pausenlos diesen traumhaften Ausblick in mich hineingezogen. Ich hatte so ein unwahrscheinliches Zufriedenheitsgefühl.
Meine Gedanken drehten sich nur noch um meinen bevorstehenden Urlaub, ums Wetter dort usw.
Das blieb so bis zur Landung.
Gespannt war ich dann am letzten Tag vor dem Rückflug. Schon während der Busfahrt zum Flughafen war ich irgendwie anders. Ich dachte nicht ans fliegen, sondern an die Abholung, wie ich das organisiere usw.
Der Rückflug war dann so, wie ich es mir immer gewünscht habe. Ich hatte einen netten Sitznachbarn, mit dem ich zwischendurch ein total nettes und interessantes Gespräch hatte. Zwischendurch schaute ich immer wieder aus dem Fenster um zu sehen, wo wir gerade waren.
Kurz vor der Landung stellte ich dann ganz neue Gefühle bei mir fest. Das waren z.B. Rückenschmerzen vom Sitzen, Unmut weil es wieder so kalt ist, wenn ich aussteigen muss, wieder in den Arbeitstrott zu müssen, der super schöne Urlaub so schnell vorbei ist .......und was ich nie geglaubt hätte......es ist mir langweilig geworden.

Spätestens da war ich mir sicher, dass ich meine Flugangst überwunden hatte, denn vor etwas Angst zu haben und zugleich Langeweile zu empfinden, dass ist einfach unmöglich, denke ich zumindest.

Lieber fliegen@erklaert.de, vielen Dank, dass es Euer Form gibt und dass Ihr Euch um uns, die hier Hilfe suchen, so intensiv bemüht. Vielleicht war ich für Euch ein "Minderschwerer Fall", für mich war es schon ein hartes Stück Arbeit. Aber es hat sich gelohnt. Vielen Dank nochmals.
Übrigens mein nächster Flug ist schon gebucht. Ab jetzt wird teuer ;-))))))))))

Liebe Grüsse
Andrea
Sorry, ist ein bisschen lang geworden















von Andrea - am 02.03.2006 14:49
Hallo Andrea,

solche Erfolgsmeldungen hören wir alle, die wir uns hier im Forum engagieren, gerne. Ich hoffe dass sich jeder - wie Du oder Cosmicgirl - die Zeit nimmt, ein paar Worte zu schreiben (auch aufmunternd an alle "noch gepeinigten"), wenn ihr eure Flugangst besiegt habt.

Und ist dieser Ausblick auf die kleine Welt da unten nicht wunderschön?

Besonders witzig fand ich:

Zitat

Kurz vor der Landung stellte ich dann ganz neue Gefühle bei mir fest. Das waren z.B. Rückenschmerzen vom Sitzen, Unmut weil es wieder so kalt ist, wenn ich aussteigen muss, wieder in den Arbeitstrott zu müssen, der super schöne Urlaub so schnell vorbei ist .......und was ich nie geglaubt hätte......es ist mir langweilig geworden.


Ja ja, der Verlust der Flugangst hat auch negative Aspekte ;-)


Viel Spaß in Deinem nächsten Urlaub (und davor und danach).





von www.erklaert.de - am 02.03.2006 15:13

Höhenangst und fliegen



Eine "Höhenangst" ist etwas anderes, als eine "Angst in der Höhe" oder der bekannte, häufig verwechselte Höhenschwindel. Höhenangst entwickelt sich aus dem Höhenschwindel, der eine völlig normale, körperliche Reaktion darstellt. Die Angst vor einem Kontrollverlust spielt dabei eine wesentliche Rolle. Kurze Gedanken wie "ich könnte fallen" aber auch " ich könnte die Kontrolle über mich verlieren und hinunterspringen" sind noch ein Normalphänomen, solange sie nach einem kurzen Schritt zurück, korrigiert werden können. Erst wenn sie einen übertriebenen Stellenwert bekommen und wirkliche Angst vor einem Kontrollverlust mit dazugehöriger Angst vor der Angst dazu kommen sollte man von Höhenangst sprechen.

Hier schließt sich der Kreislauf wieder und zeigt, dass Höhenangst im Flieger zu den seltenen Phänomenen gehört, denn im Flieger wird niemand auf den Gedanken kommen, "ich könnte hinausfallen" oder "ich könnte hinunterspringen".

Soweit ausführlich erklärt, allerdings sollte noch ergänzt werden, dass man dann auch von einer "Höhenangst" spricht, wenn eine statische Verbindung zum Boden besteht (z.B. auf der Aussichtsplattform eines Fernsehturms) nach unten schauen. In der Fliegerei ist es demzufolge, wie bereits schon richtig beschrieben, der klassische Kontrollverlust im Sinne von "in der Luft hängen", weil Luft für uns "nicht greifbar" und "nicht sichtbar" ist, höchstens spürbar im Sinne von "es ist windig".

Grüße aus Paderborn

Frank Eisenberg

Institut für Flugangst

von Frank Eisenberg - am 16.03.2006 15:55
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