Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Flugangst
Beiträge im Thema:
7
Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 3 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 3 Monaten
Beteiligte Autoren:
Team Flugangst-Ambulanz, arona, www.erklaert.de, Alex

Tut Marc der Ar*** weh?

Startbeitrag von Alex am 15.07.2006 07:32

Sagt mal, liebe Piloten...

Es hat zwar nur entfernt mit Flugangst und -sicherheit zu tun, aber wenn es euch gut geht, geht es auch uns gut :)

Aus leidvoller Erfahrung weiß ich ja, wie sich 12h Touristenklasse anfühlen.

Wie gut sind denn eure Sitze (so toll sehen die ja nicht aus) und wie müde seid ihr nach Langstrecke wirklich? Tut der Hintern weh und man will nur noch endlich ins Hotel? Euer Arbeitstag schließt ja auch noch stundenlange Vor- und Nachbereitung ein.

Wie gewöhnt sich der Körper an so unregelmässige Tagesintervalle? Lebt ihr ungeachtet der Aussenwelt immer in der Heimatzeit?

Antworten:

Hallo Alex

das machen die Piloten durchaus unterschiedlich. In der Regel versucht man aber in der "Homezone" zu leben, egal wo man ist. Die unterschiedlichen Arbeitszeiten, Zeitzonen und vor allem Klimazonen gehören auf alle Fälle zu den Hautpbelastungen in diesem Job. Mit den Jahren hat da aber jeder seine eigene Strategie.

Die Sitze im Cockpit sind durchaus komfortabler als in der Holzklasse. Wobei man auch hier einschränken muss. Wenn der Flieger einige Zeit auf dem Buckel hat (und die Sitze noch nicht ausgetauscht wurden) können die Dinger schon etwas ausgelutscht sein.

Bei sehr langen Flügen (10h +) sind meist mehrere Piloten (mindestens 3) an Board, die dann rotieren. Man hat also auch ein paar Stunden Schlaf (in Langstreckenfliegern gibt es kleine Schlafkabinen für die Crew).



von www.erklaert.de - am 15.07.2006 12:08
Hallo zusammen

Ich finde das ein ganz interessantes forum da ich auch in den "club der flügängsitgen" gehöre. habe nun schon viele beiträge gelesen und verstehe das eine und das andere besser. in einer woche "muss" ich fliegen - die angst kriecht jetzt schon im mir hoch.

ich habe eine frage, ist es wirklich so, dass bei langstreckenflüge immer drei piloten an board sind. ich stelle mir nämlich immer vor, dass diese sicher schon längst hunde müde sind und eben bei den anforderungsvollen phasen dann nicht mehr richtig reagieren (turbulenzen, landung).

dann habe ich noch eine andere frage, was soll ich an board machen, damit mich nicht panik erfasst (habe jetzt das gefühl, jesses was mache ich, wenn ich einfach "druchdrehe" oder eben vor lauter panik keine luft mehr bekommen.

Danke für eure wertvolle stellungnahme

Arona

von arona - am 16.07.2006 08:20
Hallo Arona,

auf Langstreckenflügen sind tatsächlich immer drei Piloten an Bord. Der dritte Mann ist beispielsweise bei LH der so genannte Senior First Officer, kurz SFO. Es erfolgt eine Rotation, wie erklaert.de schon beschrieben hat. Während der Ruhepausen kann man im den Crewrests, den kleinen Kabinen, schlafen.

Tipps für den bevorstehenden Flug bzw. gegen Deine Flugangst sind schwierig, denn jede Flugangst ist individuell verschieden. Ich habe mal die wichtigsten, allgemeingültigen zusammen gestellt, sozusagen als "Last Minute Tipps" gegen Flugangst. Der formelle Wortlaut liegt daran, dass wir diese Tipps vor zwei Wochen als Pressemeldung verschickt haben - also nicht iriitieren lassen. :-)

1. Großes, unhandliches Gepäck wiegt mindestens so schwer, wie angstbeladene Gedanken. Nutzen Sie, gerade bei frühen Abflügen, den Vorabend Check-In. So können Sie am Abflugtag ein wenig länger schlafen, kommen nur mit Handgepäck zum Flughafen und haben bereits Ihren Sitzplatz. Wichtig hierbei: Medikamente, die Sie regelmäßig einnehmen, gehören ins Handgepäck!

2. Je früher Sie einchecken, desto größer ist die Chance, einen angenehmen Sitzplatz zu bekommen. Die ruhigsten Plätze in einem Flugzeug befinden sich in den vorderen Reihen bis hin zur Tragflächenmitte. Hier ist es leiser und man spürt mögliche Flugbewegungen nicht so stark. Welche Reihen das sind, sagen Ihnen die Damen und Herren am Schalter. Sie können sich auch vorab informieren, denn fast alle Fluggesellschaften haben auf Ihren Internetseiten Grundrisszeichnungen der jeweiligen Flugzeugtypen.

3. An Bord gibt es, je nach Streckenlänge, ein mehr oder weniger umfangreiches Angebot an Musik-, Computerspiel- und Filmprogrammen. Wem das nicht reicht, der sollte ein Hörbuch zum Zeitvertreib mitnehmen. Hörbücher haben den Vorteil, dass sie sowohl akustisch ablenken, als auch zum Nachdenken anregen.

4. Suchen Sie sich für den Flug bequeme, weite Kleidung aus – auch, wenn diese nicht unbedingt den letzten Modetrends entspricht. Ohne einengende Kragen und zugeschnürte Gürtel fliegt es sich einfach besser.

5. Das Essen an Bord ist leicht und gut verdaulich. Achten Sie aber darauf, viel zu trinken, denn die Luft an Bord ist recht trocken. Empfehlenswert sind stilles Wasser oder Säfte. Alkohol – in Maßen genossen – ist übrigens vollkommen in Ordnung. Nur übertreiben sollten Sie nicht. Das heißt: Ein Glas Sekt oder Bier nach dem Start zum Auftakt eines schönen Urlaubs wirkt durchaus entspannend.

6. Sie müssen nicht während der gesamten Flugzeit sitzen bleiben. Tun Sie Ihrem Körper im Allgemeinen und Ihren Venen im Besonderen etwas Gutes, und laufen Sie, sobald die Anschnallzeichen ausgeschaltet sind, mehrmals durch den Flieger. Wer zu schüchtern ist, sollte Dehn- und Streckübungen im Sitz durchführen, damit die Venendurchblutung angekurbelt wird. Am einfachsten: Ferse auf den Boden, Zehen in die Luft, zehn Sekunden halten, dann von hinten nach vorn den Fußballen abrollen. Das ganze dreimal hintereinander wiederholen.

7. Turbulenzen sind unangenehm, für das Flugzeug selbst aber völlig ungefährlich. Allerdings sollten Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit die Anschnallzeichen beachten, denn bei unruhigen Luftströmungen droht Verletzungsgefahr – für Sie selbst und die Mitreisenden.

8. Auf Medikamente gegen Flugangst sollten Sie verzichten, denn Arzneimittel können an Bord völlig anders wirken, als am Boden. Zum anderen besitzen dämpfende, beruhigende Mittel nicht zu unterschätzende Nebenwirkungen, vielfach besteht auch das Risiko der Abhängigkeit. An diese Information sollten auch Hausärzte denken. Flugangst ist keine Krankheit, deshalb bleiben Medikamente ursächlich wirkungslos.

Viele Grüße,

Marc-R. Trautmann
Deutsches Flugangst-Zentrum
www.flugangstzentrum.de


von Team Flugangst-Ambulanz - am 16.07.2006 16:39
Besten dank für die schnelle und kompetente antwort und die zusatztipps.

das mit den drei piloten will mir noch nicht ganz in den kopf....

weshalb sieht man beim ein- und aussteigen denn nur immer zwei - wo ist denn der dritte??
und wo ist das "schlafzimmer" des (ominösen) dritten piloten????
hat eine MD11 diese vorrichtung auch???

danke für die klärenden antworten.....

... muss/darf/sollte am samstag einen 10 stunden flug antreten mit einer MD11 - das forum hat mir bis jetzt sehr geholfen mit erkärenden darstellungen und es hat mir gut getan, zu merken, dass ich nicht der einzige "hasenfuss" bin.... (ich weiss, turbulenzen sind nicht schlimm, ist ganz normal, macht nichts, gehört dazu, ist wie wellen im see, können ein flugi nicht zum absturz bringen..... ja ja, ich werde es ruhig nehmen.... au jeh.....)

und was meinen sie, ist es gut, wenn ich mir einen sitz im gang oder noch besser beim notausgang (mehr platz) beschaffen könnte...

danke für die bemühungen meine fragen zu beantworten

Arona

von arona - am 17.07.2006 20:06
Hallo arona,

auch wenn Du nur zwei Piloten siehst, es sind drei. Die Crew Rest Area ist je nach Flugzeugtyp an unterschiedlichen Orten. Meistens hat man einen Teil des Cargo-Bereichs (also da wo normalerweise Koffer und Fracht geladen wird - unter der Passagierkabine) für die Schlafkabinen reserveriert. Von der Kabine geht dann ein kleines Treppchen nach unten. Bei der MD11 ist es (soweit ich mich erinnere) genauso.



von www.erklaert.de - am 18.07.2006 07:16
Ja, völlig richtig: Die MD11-Schlafgemächer befinden sich im "Keller".

Bei der 747-400 ist es etwas komfortabeler: Cockpitbesatzung ruht direkt hinter ihrem Arbeitsplatz, noch vor der First Class (die jetzt allmählich abgebaut und in Business Class umgewandelt wird). Die Cabincrew klettert am Ende des Fliegers nach oben; dort ist eine recht kleine Kammer direkt unter der Heckflosse mit Treppchen nach oben, in die immerhin sechs Leute passen. Weitere zwei Plätze sind unten angesiedelt.

All das zeigt: Platz ist in der kleinsten Hütte. ;-)

Viele Grüße,

Marc-R. Trautmann

von Team Flugangst-Ambulanz - am 18.07.2006 07:24
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.