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Flugangst
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Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 2 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 9 Monaten
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www.erklaert.de, SW, Mussflieger, de, vielflieger, Alex, Klaus, Kerstin777

Es wird mit jedem Mal schlimmer

Startbeitrag von Mussflieger am 15.09.2006 23:57

Ich kam gerade heute abend wieder von einem beruflichen Flug zurück. Technisch gesehen war es nicht der Schlimmste. Allerdings war ich noch nie in einer so schlechten körperlichen Verfassung während eines Fluges. Das Herzrasen hielt vom Start bis kurz vor der Landung an, Rest kalte, nasse Hände und kalter Schweiß in Stirn und Nacken. Atemtechnik half nix- Musik musste ich wieder ausmachen, Lesen ging auch nicht. Kurz: Ich "stelle" mich quasi immer wieder der Angst, und es wird von Mal zu Mal schlimmer. Ich habe schon daran gedacht mit den Kollegen zu reden, und den Kram sein zu lassen und die Reisen mit dem Zug zu machen.

Ich habe nämlich Bedenken, dass wenn ich in keiner so robusten körperlichen Verfassung mehr sein sollte, der Kreislauf diese Schwerstarbeit von ca. 2 h Powerherzrasen mal nicht mehr mitmachen könnte. Hat jemand ähnliche Erfahrungen? Alle Strategien versagen bei mir; das mit dem der Angst stellen hab ich ja eingangs schon erwähnt, technisches Herangehen half auch nichts (ich übe sogar einen technischen Beruf aus), die Technikkenntnisse bewirkten eigentlich nur, dass ich jetzt der beste Pilotenkontrolleur bin. Ich beobachte quasi, ob er die Landeklappen rechtzeitig und im richtigen Winkel anstellt, etc. Allerdings muss ich dazu sagen, so schlimm ist es, seit ich bei einem Landeanflug mal einen Strömungsabriss der Maschine mitmachte, und der Pilot große Schwierigkeiten hatte, die Mühle wieder unter Kontrolle zu bringen.

Antworten:

Hallo,

ich kann Dich gut verstehen! Ich habe selber auch einmal eine kritische Situation im Flieger erlebt und mir fehlt seitdem das "naiv-blinde" Grundvertrauen in die Technik und die Piloten bzw. denke ich, daß das der Grund für meine heutige Flugangst ist. Schade, früher habe ich sogar als Flugbegleiterin gearbeitet und Flugangst konnte ich mir damals nicht mal vorstellen...

Ich arbeite momentan per Autosuggestion (Selbsthypnose) daran, dieses "Grundvertrauen" wieder aufzubauen und glaube, daß das auch funktioniert. Ich merke schon jetzt, daß mir der Gedanke an den Flug nicht mehr so bedrohlich erscheint und teilweise (ein klitze-kleines bischen, aber immerhin) freue ich mich sogar darauf. Bald kann ich es in der Praxis ausprobieren, denn wir fliegen am 21.09. nach Washington....Wenn Du darüber etwas wissen möchtest, gib doch einfach mal Bescheid.

Bist Du ganz sicher, daß es sich bei dem Erlebten tatsächlich um einen Strömungsabriß gehandelt hat? Ich weiß, daß solche Dinge sehr schwer zu beurteilen sind und denke Du solltest die Situation vielleicht jemanden schildern (erklaert@de), der über das nötige Fachwissen verfügt. Hey - auch als Techniker kannst Du das vielleicht falsch einschätzen ;-) und stell Dir vor, die Situation war vielleicht gar nicht kritisch...evtl. würde Dir das auch im Nachhinein noch helfen Deine innerlich "Bewertung" gegenüber Technik & Mensch zu korrigieren.?

Viele Grüße, Kerstin

von Kerstin777 - am 16.09.2006 11:09
Hallo,

ich habe meine Flugangst (vorerst) überwunden. Ich hatte noch nie eine Erfahrung wie Strömungsabriss erlebt. Allerdings eine Landung, bei der das Flugzeug quasi "stufenweise" runtergekommen ist. Von "Luftloch" zu "Luftloch" und dazwischen musste der Pilot die Maschine immer wieder hochziehen. Das war sehr unangenehm, weil zeitweise war man quasi schwerelos. Und das mit einer 747. Wo man glaubt, mit einer so großen Maschine dürfte man Turbulenzen eigentlich garnicht spüren.

Ich übe auch einen technischen Beruf aus und versuche zu verstehen, was da vorsich geht. Dabei habe ich eins gelernt: Flugangst spielt sich im Kopf ab. Ich war entsetzt, als ich sah, wie sehr Triebwerke unter den Flügeln hin und her wackeln können. Ich dachte vorher, nur die Flügel können wackeln. Und dann musste ich mir eingestehen: Du hast zwar ne Menge technisches Verständnis, aber keine Ahnung, wie mein ein Flugzeug fliegt. Also vergiss es, alles verstehen zu wollen. Du bist kein Pilot und kannst garnicht beurteilen, ob der jetzt gut oder schlecht ist.

Ich las mal, dass bei Charterflügen die Passagiere nach einer Landung klatschen. Aber nicht, wenn der Pilot die Maschine hart aufsetzt. Das gilt als schlechte Landung. Das ist völliger Blödsinn. Bei schlechtem Wetter muss das so sein, damit die Räder möglichst guten Bodenkontakt bekommen. Nicht angenehm für die Passagiere, aber notwendig.

Was den Strömungsabriss betrifft: Schau mal auf die Webseite der Bundesanstalt für Flugsicherung. Sollte es einen Stömungsabriss gegeben haben und ist es auf einem deutschen Flughafen passiert, müsste es dort stehen. Das ist kein trivialer Zwischenfall.

Gruß

Klaus

von Klaus - am 16.09.2006 11:52
Hallo zusammen,

nochmal eine Bemerkung zum Strömungsabriss.

Ich kann euch garantieren, dass ihr noch keinen Strömungsabriss erlebt habt. Sonst könntet ihr hier nicht darüber berichten.

Was ihr erlebt habt, waren Fallwinde. Es gibt unter bestimmten Wettervoraussetzungen unterschiedliche Lufströmungen in einem Areal. Dazu können auch Fallwinde gehören. Das Flugzeug hat in so einem Fallwind weiterhin Auftrieb, es fällt nur zusammen mit der umgebenden Luft. So lange der Flieger nicht sehr nah am Boden (also sehr niedrig) fliegt, ist das überhaupt nicht gefährlich. Nur eben unangenehm. Gefährlich kann es nur an Flughäfen unmittelbar vor dem Aufsetzen sein (also wenn der Flieger wirklich sehr niedrig fliegt). Inzwischen gibt es jedoch Warnsysteme an Flughäfen und im Flieger selbst, um während der Landung vor solchen Fallwinden zu warnen.



von www.erklaert.de - am 16.09.2006 13:49
Nun, Jungs und Mädels,

die Beurteilung, ob das ein Abriss war oder nicht, stammte nicht von mir sondern von einem Bekannten, der eine Pilotenlizenz besitzt. Ich habe Ihm die Situation beschrieben, und er hatte nach weiteren detaillierten Nachfragen diese Erklärung abgegeben. Wenn ich richtig informiert bin, fällt das Flugzeug bei Fallwinden, die ich auch kenne, im ganzen. So war das aber nicht. Die Mühle ist beim Landeanflug (allzuviel Luft war nicht mehr unter uns) seitlich abgekippt, Tragfläche auf meiner Seite zeigte fast 90° zum Boden, wobei der Bug auch nach unten (natürlich nicht 90°) zeigte. Es kippte quasi nach links unten ab. Danach wurde der Schub aufgerissen, die Maschine "wackelte" sich danach unter einem hektischen Benutzen von Landeklappen und Seitenruder auf die Landepiste. Glaubt mir, so harmlos war das nicht. Es war auch kein Fallwind sondern ein Schleppwirbel, dieses Detail hat der Pilot der Kiste selbst bestätigt.

Nun ich wollte Euch nicht entäuschen, aber grenzenloses Vertauen ist in keine Technologie gerechtfertigt, ich arbeite wie gesagt selbst in einem techischen Beruf und auch da sind in der Produktion schon Fehler passiert, die keiner vorher für möglich hielt. Und wo wir gerade beim Thema Technologie sind, bei der Technologiefolgenabschätzung schneidet der Luftverkehr auch nicht so gut ab. Überlegt mal, wieviel Energie (und damit Kerosinverbrauch und Abgasaustoss) notwendig sind um einen Passagier in einen meiner Meinung nach überflüssigen Badeurlaub ans andere Ende der Welt zu bringen. Ob das verhältnismäßig ist? Bei den Ursachen für das Abschmelzen der Pole und Gletscher und dem daraus resultierenden zukünftigem Absaufen so manch einer Urlaubsinsel hat die kommerzielle Luftfahrt einen Spitzenplatz. Nur mal so als Gedankenanstoss.

Ich finde das Forum hier super, denn man glaubt nicht, wieviele Leidensgenossen es gibt. Und ich denke allerdings auch, dass man jemand, der beruflich nicht fliegen muss, nicht zwangsweise von seiner Flugabneigung "heilen" muss. Glaubt mir, man kann tolle Urlaube machen ohne zu fliegen.

Gruß Mussflieger

von Mussflieger - am 16.09.2006 20:05
Hallo Mussflieger,

vielen Dank für Deine detaillierteren Informationen. Jetzt verstehe ich auch die Umstände besser.

Dennoch handelte es sich bei Deinem Erlebnis um keinen Strömungsabriss!

Noch einmal: würde dies (rein hypothetisch) tatsächlich passieren (vor allem in dieser Höhe), würdes Du hier nichts mehr erzählen können. Bei einem kleinen Flieger kann so ein Strömungsabriss (im günstigen Fall) schnell wieder abgefangen werden. Bei einer großen Maschine ist das schwieriger. Strömungsabrisse passieren in der "Großfliegerei" übrigens so selten, dass man von 'garüberhauptnicht' sprechen kann.

Wirbelschleppen werden von Flugzeugen aufgrund aerodynamischer Vorgänge (hauptsächlich an den Tragflächen / Flügelspitzen) erzeugt. Fliegt man hinter einem Flugzeug her, kann man in so eine Wirbelschleppe kommen. Gefährlich wird dies nur, wenn die vorausfliegende Maschine wesentlich schwerer ist, als die eigene. Aus diesem Grund gibt es genaue Maßgaben, wie weit der Abstand zwischen zwei Fliegern sein muss. Bei bestimmten Wetterverhältnissen jedoch, zeigen sich Wirbelschleppen sehr hartnäckig. Sie bleiben sozusagen für mehrere Minuten "am Leben" und verändern ihre Position leicht (je nach Wind).

Das hinterher fliegende Flugzeug wird dann - kommt es in so eine Wirbelschleppe eines schwereren Fliegers - im ungünstigsten Falle (wie von Dir beschrieben) um die Längsachse gedreht. Dies heißt jedoch nur, dass die Piloten (wie bei einer sehr starken Böe) den Flieger wieder "einfangen" müssen. Das ist im Normalfall kein schwieriges Manöver. Dabei wird natürlich Schub gegeben, damit die Maschine eine Gegenkraft zur Wirbelschleppe entwickelt. Je schneller (je stärker die Vortriebskraft) desto besser ist der Flieger wieder zu stabilisieren.

Ich verstehe, dass die Tragfläche nach Deiner Wahrnehmung (fast) 90° zum Boden hatte. Tatsächlich kommt einem das aber (weil nur eingeschränkter Blick zur Seite) stärker vor als es wirklich ist.


Nun noch zu Deiner Öko-Rechnung:
da unterliegst Du falschen Annahmen. Der Kerosinverbrauch pro Passagier in der Verkehrsluftfahrt liegt zur Zeit bei ~3 Litern pro Passagier. Der Abgasausstoß reduziert sich mit dem geringeren Treibstoffverbrauch. Außerdem sind die Verbrennungsvorgänge heute wesentlich effizienter. Moderne Triebwerke sind (aus rein ökonomischen Gründen - da soll man der Luftfahrt nicht zu viele Lorbeeren schenken) im Vergleich zu früher durchaus umweltschonend.
Rechnet man einige Jahre zurück (bis in die frühen 80er), dann hast Du recht mit Deiner Rechnung. Aber die Zeiten dieser alten Sprit- und Qualmschleudern sind vorbei. Auf den meisten Flughäfen dürfen die alten Kisten auch garnicht mehr landen (schon allein aus Lärmschutzgründen).



von www.erklaert.de - am 17.09.2006 01:11
Auch ein Schleppwirbel hat mit Strömungsabriss nichts zu tun. Und die 90° hast du sicher nur empfunden. Denn sonst wärst du bestimmt nicht mehr am posten hier.

Was machst du denn bereuflich, wenn du es schon mehrfach erwähnst?

von Alex - am 17.09.2006 01:16
Hallo Fliegen@erklaert.de

danke für das prompte Antworten, ich muss sagen, Deine Erklärung überzeugt mich genauso. Vor allem da Du den Umstand mit den kleinen und großen Vögeln erwähnst. Mein Bekannter ist nämlich Sportpilot, kein Verkehrspilot, daher möglicherweise die Wahrnehmungsunterschiede. Wenn ich mich nicht irre, haben aber Wirbelschleppen schon zu Unfällen geführt ;). Allerdings spielt dabei wie Du schon sagtest, wohl der Größenunterschied der beteiligten Luftfahrzeuge eine Rolle (vorusfliegendes groß - nachfolgendes klein). In seiner Rolle als Pilot einer kleinen Cessna oder Piper sieht mein Bekannter die Situation dann wohl logischerweise auch kritischer.

Sind eigentlich auf schon Verkehrsflugzeuge solchen Situationen zum Opfer gefallen? Evtl. wegen einer falschen Reaktion des Flugzeugführers auf die kritische Situation? Das würde mich interessieren. Auch ob speziell solche Situationen trainiert werden von den Piloten.

@Alex: Ich arbeite in der Automobilzulieferindustrie, technologisch gesehen bleibe ich also am Boden, ein anderer Teil unserer Firmengruppe arbeitet sogar für die Luftfahrtindustrie, aber wie gesagt, ich nicht. Ich habs ja weiter oben schon erwähnt, für uns sind dan jeweils mechnische Eigenschaften der Werkstoffe von Bedeutung, wir könnten Dir dann sagen, was für eine Schraube, Niet oder sonstiges Befestigungselement für eine bestimmte Verbindungsstelle ausreichend oder geeignet wäre oder wie ein Bauteil beschaffen sein muss. Daher gucke ich mir dann auch solche Stellen im Flugzeug an (gibt mir ein Gefühl von Kontrolle). Das trügt natürlich - denn mit Strömungstechnik habe ich zugegebenermaßen wenig zu tun. Im Fahrzeug geht es um ganz andere Lastfälle.

Da ich aus so einem Umfeld heraus natürlich eher rational veranlagt bin versuche ich natürlich aus dieser Richtung an die Sache heranzugehen. Habs ja ganz oben aber auch schon gesagt - hilft nicht. :confused:

Gruß Mussflieger

von Mussflieger - am 17.09.2006 08:36
Hallo Mussflieger,

es gab einen Absturz jüngeren Datums. In New York ist (relativ kurz nach 9/11) eine Airbus A330 abgestürzt (oder war's eine 300?). Nach dem Start geriet sie in die Wirbelschleppe einer 747. Dies war sehr unüblich. Die Wirbelschleppen selbst waren jedoch nicht der Absturzgrund. Sie waren garnicht schwer. Der Pilot reagierte allerdings "falsch" (das ist durchaus diskussionswürdig, da bis dato niemand wusste, dass es falsch ist was er machte). Um die Wirbelschleppen zu kompensieren, betätigte der Pilot das Seitenruder (das Ruder an der Flosse auf dem Heck) welches die Maschine um die Hochachse steuert. Er betätigte dies zu stark und vor allem mehrmals hintereinander jeweils in die Gegenrichtung, worauf die Belastung auf das Seitenleitwerk aufgrund höchst komplizierter dynamischer Vorgänge extrem hoch wurde. Das Seitenleitwerk brach ab. Damit war die Maschine nicht mehr steuerbar.
Zunächst bestand der Verdacht, dass die Faserverbundstoffe (aus denen unter anderem die Leitwerke der Airbusse gebaut sind) nicht belastbar genug sind. Simulationen haben jedoch ergeben, dass die Belastung auf das Seitenleitwerk (durch die Seitenruderbewegung des Piloten) ungeahnte Stärke erreicht hat. Da wäre es egal gewesen, aus welchen Werkstoff das Leitwerk gebaut ist.

Dazu muss man wissen: in der "Großfliegerei" wird das Seitenruder kaum benutzt. In der Privatfliegerei wird es ständig gebraucht (z.B. für einen ordentlichen Kurvenflug). Aber die großen Flieger haben technische und bauliche Voraussetzungen, die ein händisches Bewegen des Seitenruders nur in bestimmten Situationen notwendig machen (z.B. bei Landungen mit starkem Seitenwind). Bisher (in einem Jahrhundert Privat- und Verkehrsluftfahrt) ist so eine Situation wie in New York einfach noch nicht aufgetreten. Wieso der Pilot überhaupt das Seitenruder auf diese Art betätigte, ist allerdings unklar. Viele Kollegen sind der Meinung, dass die Betätigung des Seitenruders zur Kompensation der Wirbelschleppen nicht notwendig gewesen wäre bzw. keinen Sinn hatte. Aber es war halt keiner dabei...

Der Unfall (vor allem die Gründe) hat Luftfahrt intern hohes Aufsehen erregt. Daraufhin wurden die Ausbildung der Piloten und die Prozeduren im Cockpit weltweit umgestellt. Heute weiß jeder Pilot, was dies für Folgen haben kann.


NACHTRAG: In den regelmäßigen Pilotenweiterbildungen (passieren in viertel- bis halbjährigem Abstand) werden auch derartige Situationen trainiert.


von www.erklaert.de - am 17.09.2006 13:40
Als Vielflieger mit ca. 380 Start und 380 Landungen sowie 57,1 Erdumrundungen (am Stück) hatte ich anfangs diese Probleme auch.

Versuche doch, mal Flüge mit Großraumjets (am besten preiswerte Bussiness-Class) zu machen, zum angewöhnen. Reisebüros können sicher dabei helfen, eine angemessene Strecke zu finden.
Es ist der Fehler, der (leider und logisch) am meisten gemacht wird: Die Leute fliegen zuerst in Urlaub mit den kleinen, engen B737, A320 und kleiner. Oder dienstlich innerhalb Deutschland mit noch kleinerem Gerät.

Bei meinem Erstflug von Luxemburg nach Paris in einer Fokker 50 wollte ich den Rückflug garnicht mehr antreten, hab's aber dann doch getan.

Ich hätte noch etliche Tipps, vielleicht erstelle ich mal eine Website damit.

Guten Flug


von vielflieger - am 16.10.2006 12:09
Ich denk dann auch immer: diesmal ist es soweit, so oft hast du dich mit der Schöpfung angelegt, sie herausgefordert...der Mensch gehört einfach nicht in den Himmel (in ein Auto,...), er ist für solche Geschwindigkeiten und Höhen nicht gemacht...das denk ich dann.
Dann denk ich daran: ich möchte nicht in solch einem Plastik/Metallsarg sterben, mit so vielen Menschen die einander im Alltag so egal sind und erst durch Katastrophen und Extremzuständen zueinander finden und sich die Hand halten.
Das Schlimme am Fliegen ist die Vorstellung über einige Sekunden in den vermuteten Tod zu rasen, mit so einer Gewissheit, die -wenn sie dann nicht zutrifft- etwas Befreiendes sein kann:
insofern auch ein Anlegen mit der Schöpfung, zeig mal, Gott, ob ichs denn in diesen oder in d i e s e n Himmel gehör.
Und vor allem, wenn man abstürzt ist man ja nicht in dem schönen rosefarbenden Himmel, wie er auf Flugangstbewältigungsanleitungen vorkommt, sondern in einem Feuerball, verbogenes Eisen, ineinandergeschmolzene Körper...
Auwei, man muss mir nicht sagen, Statistik hin oder her, Fliegen ist gefährlich oder ungefährlich, ich glaube aber bei keinem Reisemittel, am ehesten noch ein Schiff, bei keinem Verkehrsmittel ist ein Nahtoderlebnis im übertragenen Sinne so greifbar wie beim Fliegen.
Ich schliesse natürlich bei jedem Flug ab, auf eine Art. Ich will mich verabschieden, bei den Menschen, bei der Heimat, die mir wichtig ist und sind, und nicht nur an meine Meilensammelprämien denken, oder den Zielort denken.

Und insofern: ich finde die Fluglinien entwürdigen zum Teil dieses Bewusstsein, was man natürlich hat, wenn man bedenkt, wie grauenvoll es sein muss, über einige Minuten abzustürzen. Auf www.airdisaster.com habe ich eben Aufnahmen des VoiceRecorders gehört. Eine Maschine sagt in den letzten Momenten vor dem Aufschlag, ich glaube, d-o-w-n,d-o-w-n,...das sind dann die letzten Eindrücke die ein Pilot haben muss, bevor es ihn trifft. Es muss unfassbar sein, was ein Pilot erlebt, der aus seiner Kanzel die Erde auf ihn zurasen sehen kommt...Gott weiss, an was er dabei denkt, an seine Liebsten, an den Sinn des Lebens,...
Man möchte nur jedem raten, es solle in der nacht geschehen, auf offener See...das stelle ich mir noch als die humanste Art des Absturzes vor,...bebildert in dem Film CAST AWAY mit Tom Hanks...
Wieso also entwürdigen die Airlines die Gefahren? Natürlich weil sonst weniger mit ihnen fliegen würden. Aber was für ein Partner soll das sein, der einen nur belügt und sich selbst schön redet. Mit solch jemandem möchte ich nicht zusammen sein...
Inwiefern also entwürdigen die Airlines m.E. das Fliegen:
durch den Preiskampf.
durch die Werbung an Bord, das wiederliche Interieur, das Plastik, das Einheitsgrau...
schauen wir uns doch mal ein Flugzeug eines Menschen an, der das Geld dazu hat: Holzfarben, warmes Farben,...Sessel, natürliches, heimeliges Mobiliar: Airforce One, Scheich Ahmed seine Kiste, etc...
Ich versteh natürlich weshalb die das machen, weil alles billig sein soll, und auch ich habe den Flug für 250 EUR nach New York gebucht, Return versteht sich, am 7. Februar, Northwest Flug 51...
Wieso ist so verdammt wenig Herz dabei, wieso spiegelt die oft auf angenehme positive Emotionen abzielende Werbung wie von Delta, Air France, Lufthansa, sich nicht im Flugzeug wieder...wie gesagt, dieses Einheitsgaru, ab und an andere Kopftücher oder wie die Dinger heissen, alle mit Logo der Airline natürlich, bah!
Dann das falsche Getue, Auf Wiedersehen, danke dass Sie sich für XYZ entschieden haben.
Mir wird ein bissl schlecht, wenn ich dran denke, dass ich in dieser unaufrichtigen Kiste, ohne Würde abstürze.
Ich habe ja nich so die Angst vorm Tode an sich, also, ich mein, ich will aber wenn schon, dann nich im Flugzeug erleben.
Und ja: Lieber auf der guten alten Mutter Erde, oder in luftigen Höhen eines Berges, aber dieses Geschreie, dieses "Jeder-sitzt-und-ist-angeschnallt-wie-in-der-Hinrichtungszelle" im Moment des Absturzes...brrr ~schauderlich~.

Zurück zum Thema: also, ja ich finde auch es wird jedesmal schlimmer. Es ist ja auch jedes Mal wahrscheinlicher, daher verstehe ich die Statistiken nicht, welche Airline sicher sein soll, weil sie ja noch keinen Absturz hatte?! Dann ist doch gerade das wahrscheinlicher. Also, ich würde weniger Angst haben, mit einer Gesellschaft zu fliegen, bei der gestern und heute ein Flieger abstürzt, es wär ja dann wohl sehr unwahrscheinlich, DASS noch eines abstürzt, aber seit dem 11. September sind solche Gedanken dann auch eher besänftigend für den Mind.

Ich wünsche mir sehr, dass "meine" Airline den Flug nicht bestätigt und ich wäre erleichtert, wenn ich nicht fliegen muss, und denke, es würd nicht schlimm sein, wenn Fliegerei überhaupt nicht mehr möglich wäre, viele Piloten waren ja vorher bei der Armee und drum, horch was aus dem Walde ruft, mit Soldaten, die vielleicht schon Menschen weggebombt haben zu fliegen, gibt dem ganzen ja wieder etwas von Beruhigung.
Drum Mensch, leg dich net mit der Schöpfung an, sondern bleib bei deiner Liebsten und auf deinem Hofe und sei genügsam und ehrlich, herze deine Kinder und sie werden dich herzen.
Und den Kopfhörer könnt ihr behalten ;-)

Sebastian



von SW - am 25.01.2007 00:59
Hallo Sebastian,

Herrjeh! Da hast Du aber ein Pamphlet geschrieben. Ich habe den Eindruck, dass nicht nur Deine Flugangst Dir zu schaffen macht, sondern eine sehr massive Abneigung gegen Fluggesellschaften / die Luftfahrt im Allgemeinen.

Gegen so viel Misstrauen bin ich doch ein wenig machtlos.
Was soll ich Dir sagen? Es ist überhaupt nicht so, wie Du denkst? Würde eine solche Aussage etwas helfen? Eher nicht. Ich fürchte Dein Misstrauen und Deine derzeitige Meinung kann Dir wohl niemand mehr nehmen. Da könnte man anführen was man wollte...
Bei Deiner Verwendung des Begriffs "entwürdigen" kann ich Dir leider nicht ganz folgen. Was meinst Du genau damit?

Zunächst einmal (für alle Gottesfürchtigen): ich wage zu bezweifeln, dass der Herrgott sich durch unsere fliegerischen Ambitionen in seiner Persönlichkeit angegriffen fühlt...

Du bemängelst (durchaus mit Recht) die Diskrepanz zwischen Image/Werbung und Realität. Aber ist das nicht absolut überall so? Den Hamburger vom Werbe-Bild bekommt man bei den gängigen "Fleischbrötchen-Brätern" auch an keiner Theke zu kaufen. Auf der einen Seite bemängelst Du, dass alles so "billig" ist (die Beinfreiheit in der Economy ist bei einigen Fluggesellschaften wirklich eine Unverschämtheit), auf der anderen Seite kaufst Du aber dann doch das 250 Euro Ticket nach New York. Damit unterstützt Du die Annahme der Fluggesellschaften, dass es offensichtlich vor allem auf den Preis ankommt. Wie wär's, wenn Du das nächste mal ein 1000 Euro Ticket kaufst. Dann wird Dir das eine oder andere auch nicht mehr so "billig" vorkommen.

Dein größtes Schreckensszenario scheint der "klassische" Absturz zu sein. Heißt: Flieger fliegt weit oben am Himmel, plötzlich macht es Peng (oder was auch immer) und er fällt und fällt...
Lass Dir gesagt sein, dass diese Abstürze (unter allen Zwischenfällen) absolut selten sind. Die meisten Abstürze passieren am / um den Flughafen herum. Die meisten Menschen, die tatsächlich bei einem Zwischenfall sterben (das sind sehr wenige im Vergleich zu allen Zwischenfällen), tun dies nicht in einem "Feuerball" und "verbogenem Eisen". Die meisten Menschen sterben an einer Rauchvergiftung. Das heißt sie überleben den eigentlichen Zwischenfall (meist garnicht oder nur gering verletzt), schaffen es aber nicht mehr aus dem Flieger und werden ohnmächtig. In der Regel (das muss man leider auch sagen), deshalb weil sie die Sicherheitshinweise nicht beachtet hatten. Es gibt einige sehr einfache Regeln, die das Herauskommen aus so einem Flieger wesentlich erleichtern und die Überlebenschancen (erwiesenermaßen) um ein Vielfaches steigern.

Ich glaube (zwischen den Zeilen) gelesen zu haben, dass Dein Hauptproblem (und auch Deine Wut) das Gefühl des ausgeliefert seins in einem Flugzeug ist (keine Kontrolle über das Geschehen). Auch dies ist absolut verständlich. Was Dir dabei aber sehr zu fehlen scheint, ist das Vertrauen in Deine Mitmenschen (eventuell generell? im Speziellen aber Piloten, Fluglotsen, etc.), dass diese ihren Job beherrschen, sehr Gewissenhaft vorgehen und vor allem dass sie heute Abend - ebenso wie Du - unverletzt und vor allem zufrieden nach Hause zu ihrer Familie wollen.

Mit einer Sache hast Du recht: in eine Fluglinie, die gerade einen Zwischenfall hinter sich hatte, würde ich in der Regel auch sofort einsteigen! Was jedoch im Umkehrschluss nicht zwingend bedeutet, dass eine Fluglinie, ohne Zwischenfall für lange Zeit, extrem gefährdet ist. Diese Annahme würde auf dem reinen statistischen Zufallsprinzip beruhen. "Wir haben schon lange keine 6 mehr gewürfelt, dann muss es ja bald passieren." Damit tätest Du zig-tausenden Mitarbeitern in der Luftfahrtbranche, die sich tagtäglich bemühen, dass nichts passiert, sehr unrecht. Mit dem Hintergrund Deines tiefen Misstrauens ist es aber wieder verständlich.

Leider bleibt mir zum Abschluss nur zu sagen (und das soll nicht heißen, dass ich Dich nicht ernst nehmen würde):

Flieg' nicht!!!

Niemand wird Deine Meinung ändern können (oder?) und schon garnicht jemand, der auch noch aus dieser "entwürdigenden" und "lügenden" Branche kommt. Leider wären diese Leute jedoch die einzigen, die Dir ein wenig Hintergrundwissen über die umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen und dem gewissenhaften Vorgehen liefern könnten...







von www.erklaert.de - am 25.01.2007 10:25
Hallo, danke für die ausführliche Antwort und Auseinandersetzung mit meinem Problem.
Nun, erstmal auch sorry wegen der vielen Formulierungsfehler, ich habe lange nicht in einem Forum gepostet und sollte mir angewöhnen, die Vorschau Funktion auch zu nutzen.
Also, ich finde dieses Forum ganz grosse Klasse.
Wirklich.
Zu deiner Antwort:
Ich wünschte ich müsste nicht fliegen.
Ich wünschte, ich könnte das Flugzeug selber steuern, ich bin schonmal mit einem Kleinflugzeug geflogen und mein Onkel hat in Vancouver B.C. einen Helikopter selbst zusammengebaut mit einem Freund.
Ich finde halt diese riesen Flugzeuge besonders krass, auf den Malediven bin ich mal mit so einem Kleinflugzeug geflogen, der Pilot flog barfuss, und irgendwie waren das glaube ich alle australische Abenteurer die bei der Airline tätig waren.
Angst hatte ich da aber auch drin.
Mich hat das einfach sehr bedrückt, gestern die VoiceRecorder Aufnahmen zu hören,
und von dem Absturz zu lesen von der Egypt Air, wo sich der Pilot wohl selbst umgebracht hat, mit ihm auch alle Passagiere sterben mussten.
Das war erst vor ein paar Jahren.
Ich weiss nicht, aber die meisten Piloten sind warhscheinlich voll am burn outen und denken nicht darüber nach, ich will zu meiner Familie.
Ich glaub, der EgyptAir Pilot war schwul und sein Freund hatte mit ihm Schluss gemacht.

Als ich 10 Jahre alt war, ein Flug nach Bulgarien, BalkanAir?!, die Piloten liessen mich ins Cockpit...bei der Landung auf den Hannover Flughafen!
Das waren drei Männer, und es war toll, ich hatte überhaupt gar keine Angst.
Es ist wunderschön in solch einem Cockpit,
aber was mir Angst macht sind eben Piloten, die das nicht würdigen, das Fliegen, ihre Passagiere, denen egal ist ob sie Post transportieren oder Menschen, die nur an ihre Rolex und Lifesytle Dingen hängen und denen das Leben als solches auch nich so viel bedeutet.
Und man weiss eben nie an wen man gerät...

Ach ich weiss auch nicht.
Ich denk es ist auch normal und ok, dass ich grosse Angst habe vorm Fliegen.
Ich denk halt auch dass Fliegen schön geredet wird, und eben nicht so ungefährlich ist, wie immer beschrieben.
Die Route nach New York zum Beispiel, wisst ihr wieviele Menschen schon im Flugzeug von und nach New York abgestürzt sind?
Und das ist nicht Sibirien, das sind Terroristen, aber auch Rauch im Cockpit bei Swissair, ...
ganz normale westliche Maschinen, top Standarts an Sicherheit und Überwachung...und dennoch.

Ich finde, am meisten hilft man den Leuten wenn man ehrlich ist, und eben sagt:
ja, es ist eine Gefahr da.
Ja, du kannst abstürzen.
Sei dir bewusst, dass du bei dem Absturz umkommen kannst.
Wertschätze, dass es die Gefahr gibt.
Es ist für mich nicht überzeugend, wenn man mir sagt, die Wahrscheinlichkeit ist gering (was sie nicht ist), wenn man mir sagt zehntausende wollen alle nur das Beste...es reicht ein crazy Pilot, ein blöder Vogel in ein Triebwerk und ein Stein, der in die Treibstofftanks der tollen Concorde beim Start(!) knallt...
Also sagt mir nicht Fliegen ist nicht gefährlich.

Wir Passagiere sollen den Piloten vertrauen.
Uns Passagieren vertraut man ja auch nicht,
wir werden durchgeckt bis zum Gehtnichtmehr( aus gutem Grunde, ich weiss).

Ich such die Schuld jetzt nicht bei Piloten, sondern wie gesagt,
ich finde die ganze Aufmachung des Fliegens total menschenfeindlich und wunder mich daher nicht, dass es soviele Flugängstige gibt.
Am Flughafen in Vancouver war zum Beispiel Teppichboden auf den Gangways, rotbrauner Teppichboden.
Wieso richtet man die Flugzeuge nicht persönlicher, heimeliger ein.
Lädt einen Kindergarten ein, die Wände zu bemalen.
Aber dieses pseudosterile, das ist es was einen so elend und unheimatlich fühlen lässt.





von SW - am 25.01.2007 16:16
Zitat
www.erklaert.de

Dein größtes Schreckensszenario scheint der "klassische" Absturz zu sein. Heißt: Flieger fliegt weit oben am Himmel, plötzlich macht es Peng (oder was auch immer) und er fällt und fällt...
Lass Dir gesagt sein, dass diese Abstürze (unter allen Zwischenfällen) absolut selten sind. Die meisten Abstürze passieren am / um den Flughafen herum. Die meisten Menschen, die tatsächlich bei einem Zwischenfall sterben (das sind sehr wenige im Vergleich zu allen Zwischenfällen), tun dies nicht in einem "Feuerball" und "verbogenem Eisen". Die meisten Menschen sterben an einer Rauchvergiftung. Das heißt sie überleben den eigentlichen Zwischenfall (meist garnicht oder nur gering verletzt), schaffen es aber nicht mehr aus dem Flieger und werden ohnmächtig. In der Regel (das muss man leider auch sagen), deshalb weil sie die Sicherheitshinweise nicht beachtet hatten. Es gibt einige sehr einfache Regeln, die das Herauskommen aus so einem Flieger wesentlich erleichtern und die Überlebenschancen (erwiesenermaßen) um ein Vielfaches steigern.
ist es aber wieder verständlich.

Lieber erklaert.de,

Das ist grauenhaft! Aber ich bin vielleicht auch sehr geprägt durch Filme wie FIGHT CLUB und Final Destination. Und ja, der "klassische" Absturz ;-) ist der der mir am meisten Sorge bereitet. Also das minutenlange Ungewisse. Grauenvoll.
Also, wenn das Flugzeug sofort explodieren würde, ich glaub, das würd man ja nicht mitkriegen, ausser wenns halt einen Teil des Flugzeug wegreisst, wie bei dieser einen Boeing 747, wos die Leute rausgezogen hat.

Von einer erfolgreichen Notwasserung (auf die man bei den Flügen ja immer trainiert wird) habe ich noch nichts gehört, gab es schon mal eine?
Das ist dann ja das unglaubwürdige, man lernt was, und eigentlich solls nur die Gemüter beruhigen...
Also ich glaub, ihr Piloten stellt euch das zu toll vor, hinten in der Economy Klasse, enge latent hysterische Menschen wie ich...es ist der Horror! Und sorry, ich habe kein Geld für einen 1000EUR Flug. Liebe Grüsse von ganz hinten, Sebastian.

von SW - am 25.01.2007 16:25
Hallo Sebastian,

es tut mir Leid. Ich kann Dir nicht helfen. Du hast Dich entschlossen, lieber aufreisserischen Revolver-Medien wie "airdisaster" (à la Bildzeitung) zu glauben, als Menschen die wirklich mit der Materie vertraut sind. Gegen solche Angstmacher kommt man nicht an. Es ist nämlich immer einfacher den Menschen Angst zu machen (siehe Bush) als ihnen zu erklären, dass alles nur Angstmache ist.

Fight Club? Du glaubst lieber einem Film? Einer Fiktion? Denkst Du auch, dass Godzilla demnächst New York zerstört?

Du hast Dich wohl dazu entschlossen, Dir Vorurteile zuzulegen und Märchen/Legenden zu glauben für die es keinerlei vernünftige Grundlage gibt.

Zitat

Ich glaub, der EgyptAir Pilot war schwul und sein Freund hatte mit ihm Schluss gemacht.
(...) was mir Angst macht sind eben Piloten, die das nicht würdigen, das Fliegen, ihre Passagiere, denen egal ist ob sie Post transportieren oder Menschen, die nur an ihre Rolex und Lifesytle Dingen hängen und denen das Leben als solches auch nich so viel bedeutet.
(...) Ich denk halt auch dass Fliegen schön geredet wird, und eben nicht so ungefährlich ist, wie immer beschrieben.

Ergo wird es auch keine vernünftigen Argumente geben, um Dich vom Gegenteil zu überzeugen.
Woher hast Du diese komischen Informationen denn bloß? Von airdisaster?
Zitat

Die Route nach New York zum Beispiel, wisst ihr wieviele Menschen schon im Flugzeug von und nach New York abgestürzt sind?

Weißt Du es denn? Weißt Du auch wieviele Menschen überhaupt jemals schon von und nach New York geflogen sind (der Vergleich MUSS nämlich sein)? Weißt Du wieviele Menschen sich jedes Jahr beim Gardinen-Aufhängen das Genick brechen?

Weißt Du wieviele Passagiere im letzten Jahr weltweit in der Luft waren? Ich sag es Dir: 2 100 000 000 (in Worten 2,1 Milliarden). Nur damit die Verhältnisse klar sind: das ist etwa ein Drittel der Menschheit. Weißt Du wieviele umgekommen sind? 867 (in Worten achthundertsiebenundsechzig). Das sind (wenn ich richtig gerechnet habe) etwa 0,0004%. Deutschland hatte übrigens keine Todesfälle in 2006 (deutscher Boden und deutsche Fluggesellschaften) - wie seit über 4 Jahren.

Du hast recht!! Man MUSS sagen, das Fliegen gefährlich sein KANN. Man MUSS aber dann bitte auch sagen, dass Hausarbeit bei weitem gefährlicher ist als Fliegen.

Zitat

ein blöder Vogel in ein Triebwerk und ein Stein, der in die Treibstofftanks der tollen Concorde beim Start(!) knallt...

Ein weiteres Beispiel für Deine (für Dich gefährliche) Vorurteile. Ein Vogel im Triebwerk bringt KEINEN FLIEGER zum Absturz. Ich wiederhole das nochmal: es macht GARNICHTS!
> http://www.erklaert.de/engines/antrieb.htm

Bei der Concorde war es KEIN Stein. Es war auch KEIN Teil eines zuvor gestarteten Fliegers (wie man das zeitweise in der Presse lesen konnte). Das Problem war ein viel komplexeres und führte letztlich zur Aufgabe dieser Flotte (egal wie sehr das in der Öffentlichkeit als "wirtschaftliche Gründe" verkauft wurde).

Zitat

Wir Passagiere sollen den Piloten vertrauen.
Uns Passagieren vertraut man ja auch nicht,
wir werden durchgeckt bis zum Gehtnichtmehr( aus gutem Grunde, ich weiss).

Ohhjee, Sebastian. Wenn DU als Passagier die Fülle von Checks über Dich ergehen lassen müsstest, die Piloten und Flugbegleiter über sich ergehen lassen müssen Du würdest Dich noch viel mehr beschweren...
Ich bitte dich inständigst, fang an Dich über seriöse Medien umfassend zu informieren, BEVOR Du aufgrund von Unwissenheit oder Fehlinformationen derartige Vorurteile ausbildest.



von www.erklaert.de - am 26.01.2007 09:50
LIeber fliegen@erklaert.de
Bitte sei nicht gereizt, ob meiner Ängste.
Meine Mutter sagt das selbe, und als ich ihr dann gesagt habe, dem Menschen, der in einer abstürzenden Maschine sitzt, sind Statistiken reichlich schnurz, da wusste sie auch nich mehr.

Ich flieg ja nich, weil ich abstürzen will, sondern ich fliege mit einer Angst, abstürzen zu KÖNNEN.
Bitte sei nicht angep..., dass ich es so genau wissen will, und - in der Tat - Seiten wie Airdisaster.com sind einfach fies anzusehen,
eine Garantie, nicht abstürzen zu können (ob nun von der Haushaltsleiter oder aus 10000mt Höhe), selbst da gab es ja wohl mal eine Stewardess, die überlebt haben soll(??),
diese Garantie kann einem ja keiner geben.

Meine Angst bezieht sich auf die Möglichkeit, keine rechnerischen Wahrscheinlichkeiten.

Ich denke, den meisten geht es so, wir Menschen sind ja nich dumm, weil wir Angst vorm Fliegen haben.

Deine Hilfe baut auf Aufklärung und den gesunden Menschenverstand.
Ich finds toll, dass Du keine Angst vorm Fliegen hast.

Ich fänds toll, einen Amadeus bezahlen zu können, der mitfliegt.

Ich möcht hier niemanden kränken,
ich habe halt Schiss, ich lese und bild mich und werd hoffentlich nicht abstürzen,
aber wenn ichs dann doch tue, und ich finde 850 Menschen im letzten Jahr eine ungeheure Summe,
dann bin ich echt tot.

Also um nich ins Lächerliche abzudriften,
will niemanden verletzen,
i have still schiss.



von SW - am 26.01.2007 13:00
Ich bin keinesfalls angepisst bezüglich Deiner Flugangst. Sorry, wenn dieser Eindruck in meinem letzten Beitrag entstand.

Ich bin allerdings (ein wenig ;-) ) angepisst, wenn man dann auch noch den Fehler macht, seine Informationen auf sensations-heischenden, wenig seriösen Angeboten, die wirklich nur auf den Horror-Effekt aus sind, zusammensucht. Wenn man schon Flugangst hat, sollte man sich wenigstens auf seriöse Quellen verlassen.

Ich verstehe absolut, dass einem - wenn man im Flieger sitzt - 0,0004% sch... egal sind. Auf der anderen Seite scheinen Dir aber Bilder von abstürzenden Fliegern und CVR-Aufnahmen nicht egal zu sein. Die hörst Du Dir an? Das ist ein wenig einseitig, findest Du nicht? Du verstärkst durch Dein eigenes Verhalten Deine Flugangst. Die in Umlauf befindlichen Unwahrheiten (siehe Fight Club) tun den Rest. Dein Hirn nimmt sehr gerne solche schön dramatisch klingenden Informationen auf (an die Du Dich im Flieger dann auch gut und "gerne" erinnerst). Dein Hirn baut sogar noch eigene Horror-Szenarien von Champagner trinkenden Rolex-Piloten, denen "das Leben im Grunde scheiss egal ist" auf. Aber Dich davon zu überzeugen, dass dies alles nicht der Wahrheit entspricht, gestaltet sich auf der anderen Seite sehr schwierig. Wundert Dich das nicht?

Wie glaubst Du, sollte Deine Flugangst sich jemals bessern, wenn Du nicht AKTIV an ihr arbeitest? Wenn Du nicht aufhörst sie auch noch zu füttern und zu pflegen (als wäre sie ein geliebtes Haustier)?

von www.erklaert.de - am 26.01.2007 13:17
also, ich glaub ich hätt weniger angst, wenn ich im cockpit dabei sein könnt...


von SW - am 26.01.2007 15:21
Ja, das geht vielen so. Am liebsten würde ich auch jedem Flugängstlichen einen Flug im Cockpit "verschreiben". Wenn man sieht, wie routiniert und sorgfältig die Piloten ihren Job machen hilft das ungemein. Aber leider ist das heute nur noch in absoluten Ausnahmefällen möglich...


von www.erklaert.de - am 27.01.2007 13:28
Zitat
www.erklaert.de
Ja, das geht vielen so. Am liebsten würde ich auch jedem Flugängstlichen einen Flug im Cockpit "verschreiben". Wenn man sieht, wie routiniert und sorgfältig die Piloten ihren Job machen hilft das ungemein. Aber leider ist das heute nur noch in absoluten Ausnahmefällen möglich...


Gruß,
Fliegen@erklaert.de


Ich glaub auch, wenn jeder selber fliegen würde, dann wären viel mehr Unfälle an der Tagesordnung, also wenn jeder in sonem Kleinflugzeug (ich weiss, dass damit kein Atlantikflug geht) unterwegs wäre.

Zum Thema Beruhigung noch: ich weiss Alkohol ist kein Ausweg, aber so ein Sekt bewirkt zueilen Wunder, ich glaub aber das geht bei NorthWest gar nicht, Alkoholverbot?

Und noch eine Frage:
Wieso haben nicht alle Flugzeuge drei Triebwerke, also dass wenn eins oder zwei ausfallen, man noch eins übrig hat?

Und: stimmt dass, das ein Flugzeug auch nur mit einem ganz normal weiterfliegen könnte?

Also, nur mit einem auf der rechten Seite z B.?
Und, was machen Transatlantikflieger, wenn sie notlanden müssen, über dem Land ist das ja kein Problem, da wird ja zuweilen sogar einer amerikanischen Maschine erlaubt, in Teheran zu notlanden, was ich sehr fair finde.

Und abschliessend noch eine letzte Frage: wenn ein Flugzeug seine Reisehöhe erreicht hat, also ganz oben ist, dann kann doch eigentlich nix mehr passieren, oder?
Also, ich mein, da ist ja nix im Weg und die Maschinen haben heute doch aus den Unfällen gelernt, von wegen Rauch im Cockpit und so?

Sorry, noch eine allerletzte, ich fliege mit dem AIRBUS A330-300. Ich habe immer ein besseres Gefühl bei Airbussen, stelle mir dann vor deutsche Qualitätsarbeit (Mercedes etc...), kann man bei diesem Typ sicher sein, ein Flugzeug auf dem neuesten Stand der Technik zu nutzen?
Vielen Dank für das beruhigende Fachwissen.
Die Seite ist super interessant.
Sebastian

von SW - am 27.01.2007 17:13
Hallo Sebastian,

Fragen sind gut. Besser als Vermutungen... ;-)

Zunächst zu der einfachsten Frage:

- ob Airbus oder Boeing - das gibt sich nichts. Die beiden Flugzeughersteller sind qualitativ auf dem absolut gleichen Level. Es gibt andere Erwägungen (wirtschaftliche, manchmal auch etwas "undurchsichtige") sich für einen der beiden Hersteller zu entscheiden.
Die beiden Hersteller verfolgen durchaus eine unterschiedliche Philosophie des Fliegens und des Jobs eines Piloten. Airbus ist wesentlich automatisierter in der Cockpitarbeit. Man kann streiten, welche die "bessere" Philosophie ist. Letztlich ist es wohl eine "Geschmacksfrage".

- ich weiß leider nicht, ob Northwest Alkoholverbot hat.

- zu den Triebwerken: früher war das so. Vor einigen Jahren noch, wurden aus diesem Grund auch Flugzeuge mit drei Triebwerken entwickelt und hergestellt (DC10 bzw. MD11, Lockheed Tristar bzw. 1011, etc.). Die Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit der Triebwerke hat sich jedoch in den letzten Jahren so rasant entwickelt, dass dies heute nicht mehr notwendig ist. Damit ein (zweistrahliges) Flugzeug über den großen Teich darf, braucht es eine so genannte ETOPS Zertifizierung. Diese bedeutet, dass ein Flieger auch mit nur einem Triebwerk eine bestimmte Mindestdauer weiterfliegen können muss (zw. ~120 und mittlerweile ~180 Minuten). Das heißt, JA, ein Flugzeug kann auch nur mit einem Triebwerk normal weiterfliegen. Es kann sogar mit nur einem Triebwerk starten - falls das andere im ungünstigsten Moment ausfällt, nämlich während des Takeoffs, wenn die Runway nicht mehr zum bremsen reicht. Mit nur einem Triebwerk fliegen und starten kann jedes Flugzeug. Nur bei Flügen über den großen Teich braucht es diese Zertifizierung zusätzlich. Die Flugstrecke über den Atlantik wird dann so gewählt, dass innerhalb dieser ETOPS Zeit zu jeder Zeit ein Flughafen angeflogen werden kann.
Deine A330 hat (je nach Triebwerk - jeder Flieger kann mit unterschiedliche Triebwerken ausgerüstet werden - je nach Wunsch der Airline) zwischen 120 und 180 Minuten ETOPS (wahrscheinlich eher die 180er Variante - was entweder Pratt&Whitney oder General Electric Triebwerke bedeutet)

- der Reiseflug ist die ungefährlichste Flugphase. Zum einen ist da weniger los (im Unterschied zur Region um einen Flughafen herum). Zum anderen hat der Pilot viel Platz zwischen Flugzeug und Boden. Bei einem unvorhergesehen Zwischenfall bleibt Zeit zum Reagieren und zur richtigen Entscheidungsfindung. Bezüglich Rauch im Cockpit - da sprichst Du wahrscheinlich den MD11 Zwischenfall an (Swissair). Man hat sehr lange untersucht, um den Grund für diesen sehr einzigartigen Zwischenfall auch wirklich zu kennen. Inzwischen weiß man nicht nur warum dies geschehen ist, sondern auch warum diese zunächst sehr "harmlose" Situation sich so schnell verschlechterte. Die Ursache war eine sehr banale und einzigartige (Swissair bezogen). Der Verlauf hatte mit einem allgemeineren Problem zu tun. Es wurden auf vielen Ebenen Maßnahmen ergriffen um dieses Problem zunächst schneller zu erkennen und etwas dagegen tun zu können. Außerdem werden bestimmte Materialien (das geht nicht von heute auf morgen) in Fliegern nicht mehr verbaut. Ältere Maschinen werden im Zuge von Routine-Checks umgebaut. Hier geht es um bestimmte Baustoffe (würde zu weit führen, das im Detail zu erklären) und um die Art wie sie verbaut werden.








von www.erklaert.de - am 27.01.2007 20:17
Ich wills mal so sagen, Boeing und Airbus haben sich nicht viel aber da ich hier in Toulouse bin und jmd. aus meinem bekanntenkreis hier am A 380 arbeitet kann ich sagen dass die flugzeuge immer sicherer weden (darf wahrscheinlich mal mit rein)

von de - am 01.02.2007 12:42
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