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Forum:
Flugangst
Beiträge im Thema:
5
Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 11 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 11 Monaten
Beteiligte Autoren:
Alex, www.erklaert.de, Sylvi

So, wenn mich nochmal jemand beruhigen koennte...

Startbeitrag von Alex am 19.12.2006 00:43

Am Samstag geht es wieder fuer 12h in den Flieger. Jipiee. Meiner kaum durch Worte einen Ausdruck verleihbare Begeisterung hat Atemfrequenz, Bauchmuskulator und Knieviskositaet seit gestern fest im Griff.

Bis dahin bin ich allerdings auf Dienstreise und kann nicht wieder Antworten, nur Freitag Abend mal reinsehen.

Punkte die mir Sorgen machen sind diesmal eigentlich primaer

- irgendwelche boesen Menschen, nennen wir es mal so. Die Tatsache, dass die deutsche Regierung sich ungefragt in jeden brennenden Krisenherd einmischt stelle ich mir da nicht besonders foerderlich vor.

- Materialermuedung... Gefaeschte Teile aus China (wo doch selbst Airbus plant seine Produktion teilweise dorthin zu verlegen), Schlampigkeit und "passt schon" allerorten, Kostensparen bis zum Abkotzen, meine Studienkollegen, die alle Ingenieure geworden sind, aber noch nie ne Schraube aus der Naehe gesehen haben. Alles nichts was mich ermutigt.

Meine Suche nach Fluegelbruechen in der Vergangenheit ist tatsaechlich mager ausgefallen (vornehmlich bei Sportfliegern), aber es kommt vor. Mir die Bruchtestvideos anzuschauen, das ist beeindruckend, hat es aber nicht gebracht. Schliesslich wird der Fluegel dynamisch belastet und nicht statisch wie im Test.

Leider habe ich auch keinerlei Innenaufbau von Airliner-Fluegeln gefunden. Kein Querschnitt der Holme (sofern es denn welche gibt) und Befestigungsmethode der Ober- und Untergurte.

Auch das Unwetter in 10km Hoehe mit "Querschlaegern" und ein taubstummer Pilot haben mich beim letzten Mal schwer in Begeisterung versetzt.

Ab und zu kann ich mir vorstellen es wird recht gemuetlich. Schliesslich muss ich ja wie im Hotel nix tun ausser warten, lesen und essen, aber es haelt nicht lange vor. Es ist klar, momentan bedrueckt mich auch die Angst vor der Angst. Die immer wieder gestellte Analyse hier ist richtig. Aber sie hilft mir jetzt auch nicht weiter.

Ich beneide andere menschen zutiefst, denen entweder die Angst oder jegliches Verstaendnis der Komplexitaet solcher Konstruktionen fehlt und die es einfach hinnehmen koennen.

Antworten:

Hallo Alex,

ich würde mich persönlich durchaus so einschätzen, dass ich Verständnis für die Komplexität solcher Konstruktionen habe... Schade, dass Du mich so schnell über einen Kamm scherst. ;-)
Ich habe übrigens vollstes Vertrauen in die Konstruktion.
Also Ingenieur wirst Du mir zustimmen, dass es möglich ist (auch in Leichtbauweise) eine derartige Konstruktion äußerst sicher zu machen.

Natürlich findest Du keine näheren Informationen über die Konstruktion von Flügeln. Das gehört zu den streng gehüteten "Geheimrezepten" der Flugzeughersteller (die Konkurrenz halt).

Die "Billigbauteile" sind in unseren Breitengraden kein echtes Problem. Die Fahndung nach derlei Teilen ist übrigens äußerst genau. Von der Teile-History, die in der Luftfahrt betrieben wird, könnte sich die deutsche Fleischbranche die eine oder andere Scheibe abschneiden.
Eine Airline (oder ein Wartungsunternehmen), welche derartige Teile verwenden, tun sich selbst keinen Gefallen. Sie sind schnell weg vom Markt. Bei dem derzeitig in der Luftfahrt herrschenden Konkurrenzdruck, denken die meisten Leute sofort an Einsparung im Bereich Sicherheit und Wartung. Dies mag durchaus dann der Fall sein, wenn eine Airline bereits nahe am Konkurs ist. Dann ist einfach garkein Geld mehr da. Diese Phase (so zeigt es zumindest meine Beobachtung) ist jedoch in der Regel sehr kurz. Dann ist der Laden entweder offiziell pleite, oder hat sich wieder erholt. Das liegt an den hohen laufenden Kosten. Es fällt in der Luftfahrt sehr schnell auf, wenn einer kein Geld mehr hat.
Grundsätzlich jedoch gibt es an anderen Stellen (als Sicherheit) viel stärkeres Sparpotential. Einer der Hauptposten, was die Kosten angeht, ist z.B. die Frage auf welchen Flughafen ich lande, zu welcher Zeit und welchen Flughafen-Service ich in Anspruch nehme. Ich kann z.B. die Innenreinigung des Fliegers entweder vom Flughafen-Personal machen lassen, oder ich schicke meine eigenen Flugbegleiter zum Fliegerputzen. Das mag diese nicht erfreuen, spart aber ungemein Geld.

Gerade so genannte "Billigflieger" können es sich nicht erlauben, an der Sicherheit zu sparen. Wenn ein Carrier wie Ryan Air auch nur einmal wegen derlei Versäumnissen in der Presse stehen würde, könnte er sofort dicht machen, weil alle Welt sagen würde "ich hab's ja immer gewusst".

Ich kenne übrigens einige Ingenieure, die regelmäßig/täglich dreckige Finger haben.

Zumindest hinsichtlich der Konstruktion und Material-Verwendung von Flügeln (auf deren Verwendung optimiert) liegst Du mit Deiner Annahme falsch, dass der Bruchtest keine zweckmäßigen Ergebnisse liefert, bzw. andere Ergebnisse liefern würde, als beispielsweise ein Schwingen bis zum Bruch. Das Bruchlimit (man kann fast von Sollbruchlimit reden, weil es genau berechnet ist) bleibt das gleiche.
Zum anderen ist der Bruchtest nur ein Teil der Belastungstests. Hier wird tatsächlich die Höchstbelastung bis zum Bruch getestet.
Es gibt natürlich auch umfangreiche Ermüdungstests. Dazu wird der ganze Flieger (bzw. alle wichtigen Teile) in ein Gerüst verbaut und mittels einer Simulation einem kompletten Flugzeugleben ausgesetzt. Bei diesen Tests werden im späteren Verlauf auch mit Absicht Risse und Brüche, Lackschäden, etc. eingefügt um deren Entwicklung zu verfolgen.
Die Tatsache dass Du keine Flügelbrüche im Airliner-Bereich gefunden hast zeigt, dass dieses System sehr gut greift.

Bezüglich der "bösen Menschen" ist das hier wahrscheinlich das falsche Forum...





von www.erklaert.de - am 19.12.2006 08:58
Poah, das ist mal wieder eine ausfuerhliche Antwort, da bleibt mir ausser Danke zu sagen nicht mehr viel uebrig. BTW, hat das Hotel hier tatsaechlich einen Computer, den ich mal fuer 5 Minuten verwenden konnte :) Ach und dreckige Finger habe ich heute auch ;)

Zitat

ich würde mich persönlich durchaus so einschätzen, dass ich Verständnis für die Komplexität solcher Konstruktionen habe... Schade, dass Du mich so schnell über einen Kamm scherst.

Oehm, Moment. Das heisst jetzt dass du auch Flugangst hast? Anders wuerde die Kammscherung keinen Sinn machen, weil ich habe ja entweder / oder geschrieben...? Ja oder ich stehe auf demj Schlauch.

Viele Gruesse aus dem fernen Osten
Alex

von Alex - am 20.12.2006 08:33
Ok ok,

da habe ich wohl zu hurtig gelesen. Mein Fehler... ;-)



von www.erklaert.de - am 20.12.2006 09:21
Hallo erst einmal,

melde mich auch seit langer Zeit mal wieder.

@erklärt, das kenne ich auch mit dem hurtigen Lesen. Man antwortet dann auch mal sehr hurtig.

Aber Alex.....
Dein Beitrag fand ich wirklich extrem. Über was machst Du Dir alles Gedanken? Also, ich als "fast-gar-nicht-mehr-Flugpanische" (schmunzel) hatte solche Gedanken vor einem Flug noch nie. Bruchtestvideos, Flügelbrüche usw.usw. Puuuhhh, da kann ich ja froh sein, dass ich nur zwei Gedanken damals hatte: Platzangst und Abstürzen, gggrrhhhhh. Hätten mich fast wahnsinnig gemacht die Gedanken.

Aber warum suchst Du denn direkt nach irgendwelchen Bruchsituationen der Flügel, Ingenieure, die noch nie ne Schraube gesehen haben (kennst sie ja leider wohl persönlich), Materialermüdung usw.usw.??? Ob das der richtige Weg ist.....mmmmmhhhhhh...irgendwie kann ich's aber auch verstehen. Kleine Erklärung folgt:

Ich bin die mit den 7 Flügen (einer ging auch so um die 11,5 Std., SF) in 16 Tagen letztes Jahr, habe hier ja schon öfter mal geschrieben und bin immer noch begeistert von diesem Forum. Danke noch mal an alle!!
Soooo, jetzt mal knallhart. Vor meinen Flügen sind vorher auch, innerhalb von ca.4 Monaten glaube ich, fünf Flugzeugunfälle passiert...ja richtig...und ich musste fliegen. So eine Schei.... fand ich damals. Abgesagt hätte ich aber nie. Das war nur sehr, sehr dumm für mich gelaufen. Aber was soll's....da musste ich nun durch.
Und jetzt kommt das (irgendwie)-Verständnis für Dich, pass auf. Alles ging durch die Presse, durch's Radio, in den Zeitungen, meine Kolleginnen/Kollegen flaxten mit mir....oh Sylvi.....ist das gemein...grade jetzt die ganzen Unfälle.....und ich kann Dir sagen, das war eeeexxxtreeemmmm fies. Ich sollte da rein in die Flieger und das so oft, mannooo.
Komischerweise habe ich mir die Zeitungen durchgelesen, die Nachrichten angeguckt über diese "Unfälle"...ich habe nicht alles weggepackt und gesagt.....geht mich nix an. Zwischen diesen 7 Flügen, mitten im Urlaub ,sehe ich in Amerika auch noch so'n blöden "Landeunfall" im amerikanischen Fernsehen (hab kein Wort verstanden, kann aber ja gucken)...na da war ich ja bedient, aber bin am nächsten Tag trotzdem wieder in den nächsten Flieger gestiegen....und ....was soll ich sagen...war ok.

Kann das denn bei Dir so sein, dass Du vielleicht allgemein Schwierigkeiten hast Vertrauen aufzubauen? Du studierst ja wohl auch irgendwie so was in der Art, Technik o.ä. Vielleicht würde ich dann auch anders denken, naja, wer weiss.

Also, zu den Piloten habe ich persönlich schon Vertrauen , auch wenn manche nicht sprechen, wenn's mal holprig wird. Zum Material....naja...da bin ich absoluter Laie.
Allerdings habe ich noch ein paar "Schrauben" (sind ja eher Stifte) hier zuhause, die die Außenhaut eines Fliegers zusammenhalten. War mal im Airbus-Werk zum Rundgang. Waren mit einer der letzten Gruppen, die so dicht an ein Flugzeug randurften. Dann wurde es wegen Sicherheit verboten.
Fazinierend, in den Flügel zu gucken, die Kabel im Fahrwerk zu sehen (irre wie viele),den Rumpfaufbau usw.usw. Da mein Chef sagte, ich bin eine Flugpanische, wurde auf mich besonders eingegangen.....ich war begeistert!!!
Jeder, der ein Flugzeug mit zusammenbaut, wird ja schriftlich erfasst, wann,wie und wie viele "Stifte" er in die Fliegeraußenhaut reintackert. Wird alles super kontrolliert finde ich. Hat mich sehr beruhigt alles. Wer seine Arbeit nicht exakt nachweisen kann, hat die "A-Karte" gezogen.
Dass ein Flügel bricht glaube ich nicht, nach den Ausführungen des Werkes. Die Flieger sind doch in der Luft und "schweben/gleiten".Das eine Achse am Auto bricht, wenn man über einen Acker fährt, das kommt wohl häufiger vor.

Und die Angst vor der Angst......ja das kenne ich auch....geh' doch in den Flieger und sage Dir: Ok. Jetzt habe ich Angst! Aber nicht vor dem Fliegen.....nein...vor meiner eigenen Angst.
Mein Tipp: Erzähl' doch einfach Deinem Sitznachbarn von Deiner Angst. Es kann passieren, das derjenige auch Angst hat und dann bist Du nicht mehr so allein. Und wenn nicht, dann hast Du es einen "Wildfremden" einfach gesagt. Derjenige wird nicht gleich weglaufen, wohin auch (grins), aber ich wette, Dir geh's dann besser. VERTRAUEN -DANN IST MAN(N) NICHT SO ALLEIN MIT DER ANGST.

So, länger geworden als gedacht. Bin jetzt wahrscheinlich im August 07 wieder dran zu fliegen (freu''' nach einigen Klappt-leider-nicht-Flügen). Kopf hoch Alex.....und guck doch mal nach netten Dingen im Internet über's Fliegen (nicht nur so'n techniken-kram).

Sollte jetzt kein schlaues Gebrabbel sein. Waren nur meine Gedanken über Deinen Bericht. Ängstlich (Angstattaken) bin auch ich noch. Aber ich bin guter Dinge und das wünsche ich Dir auch Alex.

Viele Grüße
sendet Sylvi



von Sylvi - am 20.12.2006 19:51
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