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Streik

Startbeitrag von Türmsche am 01.04.2009 09:26

2.2.1 Entgegen der Rechtsansicht der Antragstellerin [DFS] sind Arbeitskämpfe und Arbeitskampfmaßnahmen im Bereich des Luftverkehrs nicht von vornherein ausgeschlossen. Diese Feststellung gilt auch für die hoheitliche, sonderpolizeiliche Aufgabe der Flugsicherung in der Bundesrepublik Deutschland, mit der ausschließlich die Antragstellerin beauftragt worden ist.

auszug aus

LAG Stuttgart

das sollte nun ein für alle Mal klar und deutlich formuliert sein - auch für die Obrigkeiten der Führung der DFS!
wieder einmal beweist die GdF durch rechtssicherheit Ihre Kompetenz!

Die 50 interessantesten Antworten:

auch sehr interessant (für den, der das nicht durchlesen möchte):
aus 2.2.2.1

Unverhältnismäßig ist ein Arbeitskampf dann, wenn er auf die Vernichtung des Gegners abstellt (BAG GS 21.04.1971 - GS 1/68 - AP Nr. 43 zu Art. 9 GG Arbeitskampf, Teil III A 2 b). Unverhältnismäßig ist ein Arbeitskampf auch dann, wenn er die wirtschaftlich Existenz des Gegners gefährdet. Dies ist dann der Fall, wenn die gegen ein Unternehmen gerichteten Arbeitskampfmaßnahmen nach den Umständen dazu führen oder führen können, dass es aus dem Markt ausscheiden muss (Kissel Arbeitskampfrecht aaO § 29 Rdnr. 24 ff. m.w.N.). Der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz im engeren Sinn fordert auch, dass der Arbeitskampf nicht außer Verhältnis zu dem angestrebten Ziel stehen darf (BAG 11.05.1993 - 1 AZR 649/92 - AP Nr. 63 zu § 1 FeiertagslohnzahlungsG, Gründe II 1). Bei der Abwägung der zwei kollidierenden Interessen unter dem Aspekt der Proportionalität ist die eine Seite, nämlich der beim Arbeitskampfgegner entstehende Druck und Schaden, relativ eindeutig zu ermitteln. Die Schwierigkeit liegt in der Fixierung der anderen Interessenseite des Abwägungserfordernisses des mit dem Arbeitskampf angestrebten Ziels. Dabei ist allgemeine Ansicht, dass bei der Bestimmung dieses Ziels nicht auf den Inhalt der Tarifforderung abgestellt werden kann. Inhaltliche Tarifkontrolle und Kontrolle des Inhalts der Tarifforderung und auch deren Bewertung und Gewichtung im Proportionalvergleich sind unzulässig: Sonst bestünde die Gefahr, über den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit eine der Tarifautonomie widersprechende Tarifzensur auszuüben (BVerG 26.06.1991 - 1 BvR 779/85 - AP Nr. 117 zu Art. 9 GG Arbeitskampf, Gründe C I 3 b cc; Kissel Arbeitskampfrecht aaO § 29 Rdnr. 34 m.w.N.). Denn es ist ohne Verletzung des Kernstücks koalitionsgemäßer Selbstbestimmung nicht der Entscheidung durch Außenstehende zugänglich, ob eine bestimmte Lohnerhöhung notwendig, angemessen oder vernünftig ist. Genauso wenig kann ein Arbeitskampf deshalb als Verletzung des Verhältnismäßigkeitsprinzips angesehen werden, weil er angesichts einer sehr niedrigen Forderung im Verhältnis zu den der Gegenseite entstehenden Schäden unproportional oder eine hohe Forderung im Interesse der Arbeitnehmer nicht erforderlich ist (Kissel aaO Rdnr. 34, 36).

von Türmsche - am 01.04.2009 09:39
und noch einer (man muss sich schon wundern, was die DFS alles aus dem Hut "zaubert"):
aus 2.2.2.2

Zwar ist die Antragstellerin [DFS] der Auffassung, dass bei einem Unterstützungsstreik bei der Antragstellerin zusätzliche Flugmanöver notwendig werden würden und sich dadurch das Risiko von Unfällen erhöhe. Deshalb steige die abstrakte Gefährdung von Leben und Gesundheit der Passagiere, der Bediensteten und der Anwohner von Luftverkehrsstraßen. Eine solche abstrakte Gefährdung der Fluggäste, der Bediensteten des Stuttgarter Flughafens und der Anwohner von Luftverkehrsstraßen, also Millionen von Menschen, ist für die erkennende Kammer, auch wenn sie diese Behauptung sehr ernst nimmt, nicht im Ansatz erkennbar.

von Türmsche - am 01.04.2009 09:41
so, der letzte ;)
auch aus 2.2.2.2

Wenn man die vom BAG im Urteil vom 19.06.2007 (aaO) entwickelten Prüfkriterien für die Verhältnismäßigkeit eines Unterstützungsstreiks auf den vorliegenden Lebenssachverhalt anwendet, ist festzustellen, dass auch keines der nicht abschließend genannten Kriterien, die gegen eine Unverhältnismäßigkeit des Unterstützungsstreiks sprechen, vorliegend erfüllt ist.
73

(1) Auch die Antragstellerin behauptet nicht, dass der Hauptarbeitskampf zwischen der Antragsgegnerin und der FSG rechtswidrig ist.
74

(2) Es besteht eine enge Verbindung zwischen dem Hauptarbeitskampf und einem möglichen Unterstützungsstreik. Beide Arbeitskämpfe würden sich auf dem Stuttgarter Flughafen abspielen. Die Vorfeldlotsen und die Fluglotsen sind gemeinsam für die Sicherheit des Flugverkehrs auf dem Stuttgarter Flughafen verantwortlich. Sie arbeiten eng zusammen.
75

(3) Es besteht eine enge wirtschaftliche Verflochtenheit zwischen der Antragstellerin und der FSG. Die Antragstellerin erbringt für die FSG wichtige Dienstleistungen. Die Antragstellerin wird ab dem 01.04.2009 einen Teil der seitherigen Aufgaben der FSG übernehmen (Vorfeldkontrolle).
76

(4) Die Gewerkschaft des Hauptarbeitskampfes und des möglichen Unterstützungsstreiks ist identisch.
77

(5) Die Antragstellerin verhält sich aufgrund der Vertragslage nicht distanziert - neutral zum Hauptarbeitskampf. Die Antragstellerin und die FSG haben Notfallvereinbarungen abgeschlossen, wonach die Antragstellerin für die FSG Unterstützungsleistungen auf dem Vorfeld der FSG bei einem Ausfall der Vorfeldkontrolle zu erbringen hat. Diese Verpflichtung gilt grundsätzlich auch für Zeiten eines Arbeitskampfes bei der FSG. Ab dem 01.04.2009 wird die Antragstellerin die Vorfeldkontrolle von der FSG übernehmen und dafür eine Vergütung erhalten.
78

(6) Derzeit kann auch nicht davon gesprochen werden, dass der Unterstützungsstreik in den Vordergrund tritt. Das Ausmaß des möglichen Unterstützungsstreiks ist derzeit nicht vorauszusehen. Deshalb kann auch keine Aussage getroffen werden, ob sich der gesamte Arbeitskampf signifikant auf den Unterstützungsstreik verlagert.
79

Obwohl die vorgenannten Kriterien nicht kumulativ erfüllt sein müssen, ist für den vorliegenden Sachverhalt festzuhalten, dass diese alle erfüllt sind und deshalb nichts gegen eine Unverhältnismäßigkeit des möglichen Unterstützungsstreiks spricht.

von Türmsche - am 01.04.2009 09:48
Zitat:
[...] steige die abstrakte Gefährdung von Leben und Gesundheit der Passagiere, der Bediensteten und der Anwohner von Luftverkehrsstraßen[...]abstrakte Gefährdung der Fluggäste, der Bediensteten des Stuttgarter Flughafens und der Anwohner von Luftverkehrsstraßen, also Millionen von Menschen

Diese Peinlichkeit hat ursächlich nichts mit der DFS zu tun sondern mit der abstrakten -oder besser abstrusen- Welt jenseits jeglicher Realitäten, in der Juristen -leider und gerade auch die, die bei der DFS tätig sind- leben.
Leider gibt es auf dem "Markt" keine Juristen, die einerseits ihr Handwerk verstehen und andererseits in der Lage wären, die "Feinheiten" des Luftverkehrs und insbesondere der Flugverkehrskontrolle auch nur ansatzweise nachvollziehen noch juristisch vertreten oder untermauern zu können. Dafür gibt es nicht nur dieses sondern viele andere Beispiele -wie gesagt- leider.
Daher ist die DFS, so schlimm das auch ist, auf diese Herrschaften angewiesen.

von senior - am 01.04.2009 18:16
Um Missverständnisse auszuschließen: Mit meinem Beitrag will ich keineswegs ausdrücken, dass ich einen Solidaritätsstreik -oder wie auch immer man das deklarieren würde- von DFS-Lotsen in dem besagten Kontext gutheißen würde. Das Gegenteil ist der Fall. Streiks sind für mich, egal deurch wen und für oder gegen was oder wen, das allerletzte, da grundsätzlich nicht der Bestreikte das Opfer ist sondern immer Unbeteiligte. Und das ist imho zutiefst verachtenswert, egal welche "rechtfertigenden" Gründe angeführt werden.

von senior - am 01.04.2009 18:24
Aber das ist noch lange kein Grund und keine Entschuldigung,

so einen Schwachsinn, den diese hochbezahlten "Fachleute" fabrizieren, auch noch oeffentlich zu machen !!!
Denn die Aussenwirkung von so einem Stuss ist ja wohl entscheidend!!
Sieht mir eher danach aus, dass man hier wieder versucht, mit Unwahrheiten die Oeffentlichkeit/Medien zu beeinflussen !!!!

Sonst haette man ja denjenigen/diejenigen zurueckpfeiffen koennen, wenn man es eben nur gewollt haette!!!







von Karlsruher - am 01.04.2009 18:33
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass seitens der GdF nichts zu hören bzw. -zumindest auf der website- zu lesen ist. Auch ansonsten (Newsticker, Tagesschau, Heute etc.): Still ruht der See.
Resumé: Seit 01.04.2009 wurden die Aufgaben der Vorfeldkontrolle in EDDS inkl. Push-back (für einige VK'ler eine "heilige Kuh") qua Vertrag an die DFS delegiert. Dagegen ist -juristisch und auch von Gewerkschaftsseite- nichts einzuwenden, da in Deutschland -noch- Vertragsfreiheit herrscht.

Dem Vernehmen nach hat die DFS sogar angeboten -um die personellen Konsequenzen dieser Maßnahme der FSG für deren MitarbeiterInnen abzufedern-, die dadurch '"frei werdenden" und angeblich seitens der FSG gekündigten MA zu übernehmen und zu Platzassistenten oder Platzkoordiantoren auszubilden, so diese denn die Eignungsprüfung bestehen würden.

Auch vor diesem Hintergrund könnte ich persönlich nicht nachvollziehen, wenn DFS-Lotsen in einen Streik -für oder gegen wen oder was denn bitte?- eintreten würden.

von senior - am 01.04.2009 18:45
Glaubst du im Ernst, ein GB-Leiter oder gar Geschäftsführer eines Unternehmens würde sich trauen, einen Juristen -von dem er annehmen muss, dass dieser sach- und fachkundig ist- "zurückzupfeifen"??
Hier wird das ganze Dilemma deutlich, in dem die organisationsprivatisierte DFS sich befindet. Einerseits nehmen wir hoheitliche -manche bezeichnen es sogar als "sonderpolizeiliche" Aufgaben- wahr, für deren Legitimation wir keiner "privatjuristischen" Rechtfertigung bedürfen. Andererseits müssen wir uns heutzutage immer mehr und immer öfter vor Privatleuten, Städten, Kommunen und sonstigen Körperschaften ständig für unser Tun und Handeln rechtfertigen. Das geht leider nur mit juristischer Unterstützung. Die Rekrutierung geeigneter Juristen für diese Aufgabe wurde jedoch leider und wird weiterhin sträflich vernachlässigt.

von senior - am 01.04.2009 18:55
Vor allem, wenn man weiß, wie die Briefings in STR abgelaufen sind. Da wurde dem Volk eingeimpft, dass so ein Streik ungesetzlich ist und wir mit Schadensersatz angezeigt werden würden. Da hat sich selbst der eine oder andere SV hergegeben, um diesen Stuß zu verzapfen.

H E R R schmeiß dieser Führung H I R N vom Himmel.

Wahrscheinlich beschäftigen sich unsere Advokaten schon wieder mit den nächsten Klagen und Drohungen, anstatt mal konstruktiv zur Sache.

Ganz großes Kino.

@mitlesende GL und sonstige DFS Trolle: Urteil mal persönlich durchlesen und nicht nur die Auszüge und Darstellungen der eigenen Juristen.



von Iridium 33 - am 01.04.2009 19:09
Zitat

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass seitens der GdF nichts zu hören bzw. -zumindest auf der website- zu lesen ist. Auch ansonsten (Newsticker, Tagesschau, Heute etc.): Still ruht der See.

Kein GdF-Mitglied? Also ich hatte gerade eine eMail vom Bundesvorstand in meiner Mailbox... GESTERN gab es die Urteilsverkündung, heute die Begründung des Urteils im Internet. Und heute hat dann scheinbar der Bundesvorstand das weitere Vorgehen bekanntgegeben. Wie schnell denn noch? Oder willst du lieber das DFS-Niveau in der GdF, in der man IM VORFELD Stimmung macht, dazu auch noch mit falschen Behauptungen??

von Martti - am 01.04.2009 19:20
Zitat

Vor allem, wenn man weiß, wie die Briefings in STR abgelaufen sind. Da wurde dem Volk eingeimpft, dass so ein Streik ungesetzlich ist und wir mit Schadensersatz angezeigt werden würden. Da hat sich selbst der eine oder andere SV hergegeben, um diesen Stuß zu verzapfen.

Also ich als direkt Betroffener aus Stuttgart habe das so wie du es schilderst nicht wahrgenommen. Diesen ganzen Blödsinn, mit dem uns Angst gemacht werden sollte, habe ich eigentlich immer nur im Intranet gelesen... In Stuttgart selbst lief es eigentlich immer recht sachlich ab!

Besagte Briefings, wo Leute bewusst eingeschüchtert werden sollten, gab es eigentlich nur vor ein paar Jahren unter der alten Niederlassungsleitung... ;-)



von Martti - am 01.04.2009 19:25
Zitat

Dem Vernehmen nach hat die DFS sogar angeboten -um die personellen Konsequenzen dieser Maßnahme der FSG für deren MitarbeiterInnen abzufedern-, die dadurch '"frei werdenden" und angeblich seitens der FSG gekündigten MA zu übernehmen und zu Platzassistenten oder Platzkoordiantoren auszubilden, so diese denn die Eignungsprüfung bestehen würden.

Dieses "Angebot" macht die DFS jedem Abiturienten... Das sie als Lotsen eingestellt werden, wenn sie die Einstellungstests bestehen... Grandios, dies Angebot! Dem Vernehmen nach hat der Flughafen Stuttgart den gekündigten Leuten auch "angeboten", man dürfe sich bei Fraport bewerben... Einfach spitze!


von Martti - am 01.04.2009 19:28
Hey, ich habe nicht von '"Lotsen" geschrieben sondern von Platzassistenten oder Platzkoordinatoren. Diese sind mit "Lotsen" gemeint sind "Flugverkehrslotsen" nicht vergleichbar. Dies gilt i.Ü. genau so für so genannte "Vorfeldlotsen". Diese sind im Sinne der Flugsicherungsberechtigungen eben keine "Lotsen", auch wenn sie es gerne hätten.

Vielleicht solltest du dich erstmal mit den einschlägigen Vorschriften und Regularien vertraut machen, bevor du hier "Äpfel mit Birnen" vergleichst.

von senior - am 01.04.2009 19:41
Mal abgesehen von aller juristischer Wortklauberei bleibt doch ein Fazit:

Die DFS hat vor Gericht wieder mal ordentlich ein paar auf den Sack bekommen. Und im Intranet schaffen sie es immer noch, die Belegschaft zu belügen. Warum kann man eine Niederlage nicht einfach eingestehen? Die Zahl der Leute, die nur noch ans Board gehen, weil es viel Kohle dafür gibt wird immer größer.

"Die DFS hat versucht, Rechtssicherheit herzustellen, leider ist dies nicht gelungen".
Natürlich herrscht jetzt Rechtssicherheit, dank der DFS: Ein Streik ist recht- und verhältnismäßig.

Ich fang schon wieder an, mich aufzuregen. Jetzt mach ich lieber den Rechner aus, sonst...

von alter Schwede - am 01.04.2009 20:14
@senior

Ich kann nicht nachvollziehen, warum die DFS sich keine fähigen Juristen leisten kann.Wir haben eine Firma mit einem verdammt hohen Gehaltsniveau. Warum sollten dann gute Juristen nicht marktgerecht bezahlt werden können?
Auf der einen Seite bin ich nicht gerade unglücklich über diese Art der juristischen Vertretung der DFS, aber andererseits ist es schon manchmal peinlich, in so einer Firma beschäftigt zu sein

Genau so unverständlich ist Deine Behauptung, auf dem freien Markt gibt es keine Juristen, die ihr Handwerk verstehen und zusätzlich noch die Feinheiten des Luftverkehrs bzw. der Flugverkehrskontrolle auch nur ansatzweise nachvollziehen können.
Dem kann ich nur entgegenhalten, unser GdF-Anwalt macht sich vor den Verhandlungen schlau und blubbert nicht irgendeinen Schwachsinn vor Gericht und wenn er etwas nicht weis, dann erklären wir ihm den Sachverhalt so lange, bis er es wirklich verstanden hat.

Deine Einstellung zur Wahrnehmung durch die Verfassung geschützter Rechte ,wie z.B. das Streikrecht, ist schon erstaunlich. Da frage ich mich schon , wie Du die regelmäßigen Sicherheitsüberprüfungen überstehst, wenn Du prinzipiell die Wahrnehmung dieser Rechte für verachtenswert hältst. Man sollte deine freiheitlich demokratische Grundgesinnung mal näher untersuchen.
Aber Vorsicht: in dieser Firma hat man schon versucht ,Mitarbeiter loszuwerden, die Ihre Mutter in Ex-Jugoslawien besuchen und schlimmer noch, auch ein Grundstück dort besitzen. :uebel: :uebel: :uebel:

von owi - am 01.04.2009 20:15
Also ich verstehe, dass bei diesem Thema die Emotionen "hochkochen".
Trotzdem gilt das Folgende.
Die Ausübung der "Vorfeldkontrolle" an Flughäfen ist KEINE berechtigungspflichtige Tätigkeit im Sinne der für die DFS relevanten Richtlinien (z.B. FSPersAV).
U.a. müssen die für die Flughafengesellschaften tätigen "Vorfeldkontrolleure" sich nach meiner Kenntnis auch nicht regelmäßig vom Fliegerarzt auf entspr. Tauglichkleiten untersuchen lassen.
Unabhängig davon ist Fakt, dass die Ausübung der Vorfeldkontrolle -sprich Rollverkehrsführung auf dem Vorfeld durch die DFS, egal ob mit oder ohne Pushback- an vielen internationalen Verkehrsflughäfen in Deutschland bereits durch die DFS wahrgenommen wird.
Aus Sicht der fliegenden Kundschaft ist es daher allein schon im Sinne einer Standardisierung nicht nur sinnvoll sondern vor dem Hintergrund der einschlägigen Sicherheitsvorschriftenlage der EU (ESARR...) unerlässlich, die Schnittstellen sowie die Betriebsabläufe bei An- und Abflügen zu optimieren.
Folgerichtig ist es die Strategie der DFS, an möglichst vielen (bzw. möglichst allen)Verkehrsflughäfen auch die Rollverkehrsführung inkl. Pushback auf dem Vorfeld zu übernehmen.

von senior - am 01.04.2009 20:18
Aber einen habe ich noch, für senior:
Zitat

Streiks sind für mich, egal deurch wen und für oder gegen was oder wen, das allerletzte, da grundsätzlich nicht der Bestreikte das Opfer ist sondern immer Unbeteiligte.

Streiks sind nicht schön. Aber wie sollen Arbeitnehmer ihre Interessen sonst gegenüber dem Arbeitgeber durchsetzen? Sollen die Müllkutscher vielleicht eine Unterschriftenliste starten? Oder die Mädels von UFO vor der Lufthansazentrale ein Sit-In veranstalten?

Und Streiks sind wirklich das Allerletzte. Danach kommt nichts mehr. Entweder es klappt, oder die anderen haben gewonnen.

von alter Schwede - am 01.04.2009 20:21
@ senior

wenn ich von einem hohen Gehaltsniveau in der DFS rede, dann meine ich natürlich auch den nichtoperativen Bereich. Und warum kann man diesen Bereich nicht mit anderen Firmen vergleichen ? Warum soll sich die DFS keine gut bezahlten Juristen leisten können?Gibt es in dieser Hinsicht Einschränkungen des Ministeriums oder von anderen Stellen?

Meine Emotionalität hält sich bei Deinen Ausführungen nichtsdestotrotz auf einem bescheidenen Niveau. Ich weiß aber trotzdem, wovon ich spreche, nämlich von deiner Behauptung, die Wahrnehmung des Streikrechtes der Arbeitnehmer ist verachtenswert.

Zu Deinen Behauptungen:

Hat irgendjemand prinzipiell bestritten, dass Die DFS die Vorfeldkontrolle übernehmen darf?
Hat jemand behauptet, dass Vorfeldlotsen zum Fliegerarzt müssen?
Hat jemand behauptet, dass Vorfeldlotsen eine erlaubnispflichtige Tätigkeit ausüben?
Hat jemand behauptet, dass die Übernahme der Vorfeldkontrolle durch die DFS fachlich keinen Sinn macht?

von owi - am 01.04.2009 21:10
Die von dir aufgestellten Behauptungen 1-4 stammen nicht von mir.
Jedoch gilt allein aus der Tatsache des angedrohten "Solidaritätsstreiks", dass seitens der androhenden Gewerkschaft diese Postulate als Streikbegründung angesehen werden.
Und genau dieses ist aus meiner Sicht rechtswidrig. Ich bin allerdings kein Jurist. Und was Juristen bisweilen zu konstruieren in der Lage sein können, darüber habe ich an anderer Stelle in diesem thread meine Meinung kundgetan.

von senior - am 01.04.2009 21:22
auf das peinliche Gestammel von Gefahren für Leib und Leben von Millionen von Menschen antwortet das Gericht...

"Da kein Flug länger als 24 Stunden dauert, scheidet die Situation aus, dass ein gestartetes Flugzeug umgeleitet werden oder Warteschleifen drehen muss. Vielmehr werden in diesem Fall Flüge von und nach Stuttgart nicht mehr starten bzw. landen."

sehr gut Herr Richter, warum haben sie das nur so schnell verstanden, aber die Prozessführenden nicht?

und weiter...

"Es ist für das Gericht nicht nachvollziehbar, wie die abstrakte Gefahr für die o.g. Rechtsgüter [gemeint ist Leib und Leben] steigen kann, wenn bis zu 75 % der Flüge vom bzw. zum Stuttgarter Flughafen nicht mehr stattfinden."

Da muss ein Richter den firmeneigenen Juristen erklären, wie Flugsicherung funktioniert. Wieso muss denen das ein Richter für teures Geld erklären, man hätte uns doch einfach fragen können, für umme :-)

Es tut mir leid sagen zu müssen, dass hier bei mir das sog. "Fremdschämen" einsetzt!

von mein Lieblingszitat - am 01.04.2009 21:48
Zitat
Iridium 33
Vor allem, wenn man weiß, wie die Briefings in STR abgelaufen sind. Da wurde dem Volk eingeimpft, dass so ein Streik ungesetzlich ist und wir mit Schadensersatz angezeigt werden würden. Da hat sich selbst der eine oder andere SV hergegeben, um diesen Stuß zu verzapfen.

H E R R schmeiß dieser Führung H I R N vom Himmel.

Wahrscheinlich beschäftigen sich unsere Advokaten schon wieder mit den nächsten Klagen und Drohungen, anstatt mal konstruktiv zur Sache.

Ganz großes Kino.


Das will ich auch widerlegen!
Es wurde in diesem Fall von den Stuttgarter Führungskräften kein Druck ausgeübt, noch Angst geschürt und auch keine Gehirnwäsche durchgeführt.
DAS läuft hier wirklich recht menschlich ab - entweder hast du mit Stuttgart nicht viel zu tun, oder das is einfach Stimmung-Mache.

@senior:
deine laudatio gegen die grundrechte einer demokratie sind wirklich peinlich und schon widerlich - owi hat alles aufgeführt, aber da scheinst du nicht drauf eingehen zu wollen...
mehr is da einfach nicht zu sagen... reden lassen...

von Türmsche - am 01.04.2009 23:13
Zitat
senior
Streiks sind für mich, egal deurch wen und für oder gegen was oder wen, das allerletzte, da grundsätzlich nicht der Bestreikte das Opfer ist sondern immer Unbeteiligte. Und das ist imho zutiefst verachtenswert, egal welche "rechtfertigenden" Gründe angeführt werden.


ich wollt ja gar nichts mehr schreiben, aber das regt mich schon wirklich auf...

das hier findest du also verachtenswert??? Grundgesetz
interessant...
:heul:

von Türmsche - am 02.04.2009 12:04
1. muss man ja nicht alles tun, was einem "von Rechts wegen" erlaubt ist oder zustehen mag.

2., wenn du schon das Grundgesetz bemühst, solltest du vielleicht auch den folgenden Artikel einmal lesen und vor allem versuchen zu verstehen. Dann würdest du nämlich Meinungen, auch wenn diese nicht der deinen entsprechen, akzeptieren.

"Artikel 5
(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt."

Dieses Recht auf freie Meinungsäußerung erlaube ich mir, in Anspruch zu nehmen. Und ich erlaube mir auch, Streiks verachtenswert zu finden. Schließlich gibt es auch noch Werte wie Anstand, Moral, Verantwortungsbewusstsein. Diese werden bei Streiks zumeist, und zwar von beiden Seiten, mit Füßen getreten.

von senior - am 02.04.2009 17:37
@ senior
Wenn Du schon das Grundgesetz zitierst, dann bitte vollständig.Ich erlaube mir daher folgende Ergänzung:

2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

Und um Deine Worte zu benutzen:Man muss nicht alles sagen,was einem "von Rechts wegen" erlaubt ist oder zustehen mag.
Werte wie Anstand, Moral, Verantwortungsbewusstsein werden von Verbalakrobaten wie Dir mit den Füßen getreten.

von owi - am 02.04.2009 19:05
Ob man gewinnt oder nur zweiter wird, liegt, wie wohl die meisten von uns schon mal erfahren haben, letztlich nicht am juristischen Geschick des dich vertretenden Anwalts, sondern durchaus auch an der persönlichen und politischen Einstellung sowie an der Tagesform des jeweiligen Richters(kollegiums). Und das das so ist, sieht man an oftmals unterschiedlicher Rechtsprechung zweier verschiedener Gerichte zum gleichen Sachverhalt. Man sollte das Stuttgarter Ereignis, weil Baden-Württemberg (von der Sonne verwöhnt), nicht überbewerten. Das kann in den nördlichen Bundesländern ganz anders ausgehen.

von Intranetleser - am 03.04.2009 08:06
Ob man gewinnt oder zweiter wird, hängt weniger von der Tagesform des Richterkollegiums oder der persönlichen und politischen Einstellung der Richter ab, sondern im wesentlichen von der höchstrichterlichen Rechtssprechung, wenn es sie zu dem jeweiligen Thema gibt. Und wer das Urteil des LAG durchgelesen hat, kann erkennen, dass die Kriterien des Bundesarbeitsgericht zur Zulässigkeit von Solidaritäts - u. Unterstützungssteiks das Maß der Dinge war und nicht die Einzelmeinung der Richter.

Der DFS bleibt es natürlich unbenommen, sich bei anderen Arbeitsgerichten mit den gleichen Argumenten wieder lächerlich zu machen.

Aber dem Intranetleser bleibt es natürlich auch unbenommen, sich solche Urteile schönzureden.

von owi - am 03.04.2009 08:32
Deutsche Fluglotsen dürfen grundsätzlich streiken
Hessisches LAG, Urteil vom 22.07.2004, Az. 9 SaGa 593/04

Keine Untersagung von Arbeitskampfmaßnahmen der Deutschen Fluglotsen im Eilverfahren, da Streiks in der Luftfahrt weder unter dem Gesichtspunkt des Verbots des Vernichtungsstreiks noch dem des Verbots von Gemeinwohlschädigungen von vornherein unverhältnismäßig sind.


@Intranetleser: Deine Einschätzung ist nicht zutreffend. Das Gericht hat ein eigenes Ermessen und hat -wie bereits schon das Hess. LAG- entschieden, dass ein Fluglotsenstreik nicht per se unzulässig, gemeingefährlich oder unverhältnismäßig ist.
Wenn sich die Rechtsverdreher der DFS mit der höchstrichterlichen Rechtsprechung beschäftigt hätten und nicht nur mit politischen Spielchen, dann hätte sich die DFS nicht so blamiert. Auch im Norden wird es keine andere Entscheidung geben.






von Strike - am 03.04.2009 19:26
Zitat
Martti
Nun steht es fest: Morgen, Montag (6. April), wird der Tower von 16-22 Uhr bestreikt... Siehe Ticker auf der GdF-Homepage...

Oh mein Gott!

Unser Ansehen wird leiden! Die DFs wird nie und nimmer mehr einen Auftrag für irgendeine Dienstleistung bekommen!

Die Welt geht unter!

:D :D :D :D :D


Im Ernst: Wie kann man die Kollegen unterstützen? Gibt es Solidaritätskundgebungen?

von Armes Boardschwein - am 06.04.2009 06:49
Zitat

06.04.2009

Streik der Fluglotsen nach Gerichtsverfügung >br>um kurz nach 21 Uhr beendet
Der Streik der Fluglotsen am Flughafen Stuttgart ist vorzeitig beendet worden. Das Arbeitsgericht in Frankfurt hat ihn am Abend für unzulässig erklärt. Es gab damit den Anträgen mehrerer Airlines statt. Sofort nach Eintreffen des Urteils kurz nach 21 Uhr haben die Fluglotsen im Stuttgarter Tower ihre Arbeit wieder aufgenommen.

Die Gewerkschaft der Fluglotsen (GdF) hatte zu dem Streik aufgerufen. Er sollte von 16 bis 22 Uhr dauern. In der Zeit vor der gerichtlichen Streikuntersagung war es zu zahlreichen Verspätungen und insgesamt 30 Flugausfällen in Stuttgart gekommen – allerdings weniger als im Vorfeld befürchtet. Sechs Flüge der 30 Ausfälle wurden zum Flughafen Karlsruhe-Baden-Baden umgeleitet. Die Passagiere wurden von dort mit Bussen nach Stuttgart gebracht.

Hintergrund des Streiks war die Forderung der GdF nach rund 30 % mehr Gehalt für die Vorfeldkontrolleure der Flughafen Stuttgart GmbH. Diese werden wie die Fluglotsen der DFS von der GdF vertreten. Die GdF hatte bereits seit Anfang März versucht, ihre Forderungen mit einem unbefristeten Streik durchzusetzen. Nachdem dieser wirkungslos blieb, hatte die GdF die DFS-Lotsen aufgerufen, zur Durchsetzung ihrer Einzelinteressen ebenfalls in den Ausstand zu treten.

Anfang April hat die DFS planmäßig die Steuerung der rollenden Flugzeuge auf dem gesamten Vorfeld übernommen. Einen entsprechenden Vertrag haben die Geschäftsführung von Flughafen und Flugsicherung abgeschlossen. Durch die Übernahme dieser Aufgabe durch die DFS wird die Vorfeldkontrolle des Flughafens um neun Stellen reduziert. Sowohl für die Piloten als auch für die Flugsicherung ist das neue Verfahren vorteilhafter. Der gesamte Rollverkehr am Boden wird zentral aus einer Hand gesteuert, es gibt weniger Schnittstellen. Das einheitliche Verfahren wird bereits seit langem an neun anderen deutschen Flughäfen praktiziert (u.a. Düsseldorf, Köln, Berlin-Tegel).


http://www.flughafen-stuttgart.de/sys/index.php?section_id=8&id=1&news_id=649

von Armes Boardschwein - am 06.04.2009 20:05
so so, jetzt haben sie es also getan. unglaublich. erreicht haben sie nix, außer dass ihnen vom gericht gehörig auf die finger geklopft wurde. recht so liebe airlines. das wäre ja noch schöner. bleibt noch zu hoffen, dass die beteiligten postwendend die quittung für ihr hirnrissiges handeln bekommen. wahrscheinlich wissen die noch nicht mal, wofür sie eigentlich gestreikt haben. haben sich wie die esel vor einen karren spannen lassen, der sie gar nichts angeht. wenn ich der ag wäre, würde ich die sofort achtkantig rausschmeißen. können ja nicht mehr als 2-3 hanseln gewesen sein. auf solche typen können wir gern verzichten.

von fazit - am 07.04.2009 05:52
Letztendlich war es wieder "nur" ein Arbeitsgericht. Ob und von wem Druck auf den diensthabenden Richter ausgeübt wurde, ist nicht bekannt.

Die Bahn hat ja auch zig Gerichte in den verschiedensten Städten angerufen, um den Gdl-Streik zu verhindern.

Jetzt müssten die DFs/Airlines konsequenterweise versuchen, Schadensersatz einzuklagen. Und das dürfte ihnen nicht gelingen. Weil ihre Rechtsabteilungen genau wissen, wie gering ihre Erfolgschancen sind. Deshalb werden sie es nicht tun.

von Armes Boardschwein - am 07.04.2009 07:51
Wie aus den Kommentaren ersichtlich, ist die Mitteilung des Bundesvorstands zum aktuellen Stand bereits bekannt.
Daher nur als Zusatzinfo. Der Text ging in leicht redigierte Form heute vormittag an die Nachrichtenagenturen, die TV-Sender, an die größeren Tages- und Wirtschaftszeitungen sowie insbesonders an die Printmedien im Raum Stuttgart. VC und IFATCA sind ebenfalls informiert.
Beschwerde gegen die ominöse und obskure Entscheidung des Erstgerichts wird schnellstmöglich beim LAG Hessen eingereicht.

von "der flugleiter" - am 07.04.2009 11:17
Schön! Endlich mal!

...aber was mich nachdenklich stimmt (da wird die Unke leider wieder in mir wach!):

warum hat es bisher bei den Streiks nie geklappt obwohl viel wichtigeres in der Vergangenheit auf dem Spiel stand?

Wieso wird bei einer so "unwichtigen" (nur im Vergleich, bitte nicht gleich alles auf die Goldwaage legen - ich weiß um was es für die Betroffenen geht) Angelegenheit, die vor allem in den finanziellen Folgen für alle beteiligten sehr billig war, gestreikt?

Wo war die weiter oben so sehr gelobte juristische Beratung der GdF in der Vergangenheit?

Nicht das am Ende die GdF bewußt à la 70er-Jahre schadenersatzmäßig relativ günstig vor die Wand gefahren wurde um sie mundtot zu machen?

Aber wahrscheinlich wird alles gut...hoffentlich...

von Rasenmähermann - am 07.04.2009 15:32
Hallo Leute,

regt Euch nicht so sehr über die einstweilige Verfügung auf. Es sollte niemand den Airlines verübeln, dass sie versucht haben, sich aus der für sie ganz offensichtlich schmerzhaften und vermutlich teuren Streiksituation zu befreien.

Ich glaube nicht, dass das Urteil im Hauptverfahren so bestehen bleibt, weil die Begründung für die einstweilige Verfügung nicht stimmt. Nur konnte das der Richter ohne die GDF anzuhören auch nicht erkennen. Man könnte sich frage, warum er dann so urteilt, aber das hilft auch nicht weiter.

Der Streik hat sein Ziel aber erstmal erreicht. Die Aufmerksamkeit der Airlines ist auf jeden Fall geweckt.
Die Geschäftsführer des Stuttgarter Flughafens sollten ihre Position überdenken und an den Verhandlungstisch zurück kehren um diesmal ernsthaft zu verhandlen.
Die GDF hat weiterhin gezeigt, dass sie in der Lage ist einen Streik geordnet durchzuführen.

Ich ziehe daher ein anderes Fazit, als das die Aktion Unsinn war.

Es gibt ein Streikrecht auch für die Mitarbeiter der Flugsicherung. Dieses Streikrecht ist auch für uns durch das Grundgesetz garantiert. Wir gehen verantwortungsvoll damit um, aber wir werden es auch einsetzen, wenn wir auf dem Verhandlungsweg nichts erreichen, unsere Interessen nicht vertreten können.

Dies ist auch im Hinblick auf die Verhandlungen zur Altersversorgung wichtig.

Schönen Abend noch,

ciao Volker



von Volker M - am 07.04.2009 18:03
Grundsätzlich richtig, was Volker hier beiträgt.

Nur eines müsste auch er auf Grund seiner langjährigen Tätigkeit als BR mittlerweile begriffen haben oder sogar wissen:

Eine einstweilige Verfügung wird in einem Eilverfahren durch den Richter nur dann erlassen, wenn im Verfahren zur Hauptsache hinreichende Gründe/ Hinweise auf Erfolg bestehen.

Das sagt er Euch aber nicht.

Wie war das doch mit Thomas von Aquin: Die Wahrheit klug verschweigen!

Schauen wir mal!



von ??? - am 07.04.2009 18:15
Hallo drei Fragezeichen,

nun, wenn denn die Begründung der Airlines stimmen würde, hätten sie auch Aussicht auf Erfolg.

Da sie aber den Streikgrund völlig falsch analysiert haben, der Grund mit der Übernahme der Vorfeldtätigkeit durch die DFS daher nicht abhanden gekommen ist, wird die einstweilige Verfügung im Hauptverfahren auch nicht aufrecht erhalten werden.

Thomas von Aquin war aber ein kluger Mann, da geb ich dir Recht.

ciao Volker

von Volker M - am 07.04.2009 18:20
@ Volker

Ich kenne die Begründung der Airlines nicht. Das ist sicherlich ein Manko.

Aber ich verstehe etwas von gesetzlichen Verfahren.

Mir liegt es auch vollkommen fern, hier " Schwarzmalerei " zu betreiben. Ich halte nur etwas davon, alle Umstände angemessen zu würdigen und nicht falsche Hoffnungen zu wecken.

Zum guten Schluss wird zusammengezählt und dann kann man Erfolg oder auch Mißerfolg beurteilen.

von ??? - am 07.04.2009 18:30
Zitat

Es gibt ein Streikrecht auch für die Mitarbeiter der Flugsicherung. Dieses Streikrecht ist auch für uns durch das Grundgesetz garantiert. Wir gehen verantwortungsvoll damit um, aber wir werden es auch einsetzen, wenn wir auf dem Verhandlungsweg nichts erreichen, unsere Interessen nicht vertreten können.


Das kann man gar nicht fett genug schreiben. Natürlich geht es im erster Linie um die Vorfeldkontrolle Stuttgart.
Aber jetzt wissen die Airlines, die Politik und die Öffentlichkeit: Die Lotsen meinen es ernst, wenn sie einen Streik ankündigen, und sie schaffen es, die Reihen geschlossen zu halten. Künftig wird mit einer Streikdrohung vielfach mehr Druck auf den Arbeitgeber ausgeübt. Damit hat die DFS jetzt ein großes Problem.

von alter Schwede - am 07.04.2009 20:39
Einstweilige Verfügung im Tarifkonflikt bei der Flughafen Stuttgart GmbH





Das Arbeitsgericht Frankfurt am Main hat gestern am späten Nachmittag über eine von der Deutschen Lufthansa AG, der Air Berlin PLC & Co. Luftverkehrs KG, der Hapag-Lloyd Flug GmbH und der Germanwings GmbH am gestrigen Tage gegen 15.30 Uhr beantragte einstweilige Verfügung gegen die GdF Gewerkschaft der Flugsicherung e.V. ohne mündliche Verhandlung entschieden (Aktenzeichen 12 Ga 64/09).



Mit ihren Hauptanträgen wollten die Antragsteller erreichen,



* dass es der GdF Gewerkschaft der Flugsicherung e.V. untersagt wird, die am oder für den Standort Stuttgart der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH tätigen Mitglieder der GdF Gewerkschaft der Flugsicherung e.V. und sonstigen Arbeitnehmer der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH zu Arbeitskampfmaßnahmen aufzurufen, aufrufen zu lassen oder einen bereits erfolgten Aufruf aufrecht zu erhalten mit dem Ziel einer Durchsetzung von Vergütungsforderungen, die die GdF Gewerkschaft der Flugsicherung e.V. für die Arbeitnehmer der Vorfeldkontrolle gegen die Flughafen Stuttgart GmbH erhebt;



* dass es der GdF Gewerkschaft der Flugsicherung e.V. weiter untersagt wird, Arbeitskampfmaßnahmen am oder für den Standort der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH in Stuttgart selbst durchzuführen, zu übernehmen oder durchführen zu lassen, mit dem Ziel einer Durchsetzung von Vergütungsforderungen, die die GdF Gewerkschaft der Flugsicherung e.V. für die Arbeitnehmer der Vorfeldkontrolle gegen die Flughafen Stuttgart GmbH erhebt.



Das Arbeitsgericht Frankfurt am Main hat den Hauptanträgen entsprochen und damit zugleich einen für den gleichen Tag zwischen 16.00 und 22.00 Uhr vorgesehenen Unterstützungsstreik untersagt. Es hat aufgrund des glaubhaft gemachten Sachvortrages der Antragstellerinnen angenommen, dass nach Übernahme der Tätigkeiten der Vorfeldkontrolle durch die DFS Deutsche Flugsicherung GmbH die GdF Gewerkschaft der Flugsicherung e.V. den angestrebten Tarifvertrag für die in diesem Bereich zuvor tätigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Flughafen Stuttgart GmbH, die zwischenzeitlich gekündigt wurden oder andere Tätigkeiten ausüben, nicht mehr abschließen kann. Vor diesem Hintergrund hat das Arbeitsgericht Frankfurt am Main in seiner gestrigen Entscheidung weiter angenommen, dass der Unterstützungsstreik der GdF Gewerkschaft der Flugsicherung e.V. daher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit rechtswidrig sein dürfte, so dass der Erlass der beantragten Einstweiligen Verfügung gerechtfertigt sei. Das Arbeitsgericht Frankfurt am Main hat sich aufgrund des aus seiner Sicht veränderten Sachverhaltes damit nicht der Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Baden-Württemberg vom 31. März 2009 - 2 SaGa 1/09 angeschlossen, durch die zuvor entsprechende Anträge der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH gegen die GdF Gewerkschaft der Flugsicherung e.V. zurückgewiesen worden waren.







gez. Woitaschek

Präsident des Arbeitsgerichts

von Die Einstweilige Verfügung - am 08.04.2009 21:40
"handstreichartig veränderte sachverhalte"

Bevor du hier solchen Unsinn verbreitest, solltest du dich erst einmal über die Fakten informieren.

Die Übertragung von Aufgaben der Vorfeldkontrolle von einer Flughafengesellschaft auf die Flugsicherung erfordert langwierige, u.U. mehrjährige Vertragsverhandlungen und umfangreiche Klärungen der Rahmenbedingungen. Dies kann man nicht mal eben "handstreichartig" erledigen. Und schon gar nicht kann oder wollte man Gerichte damit "düpieren".

von Fazit - am 09.04.2009 09:20
Hallo Fazit,

da Du auf fast schon schmerzhafte Weise offensichtlich den Antrag zu Verhandlungen nicht kennst, der an den Flughafen stuttgart ging, solltest Du mit deinen Wertungen zumindest im Ungefähren bleiben, bevor du hier postest.
Erkundige dich einfach mal, dann wirst du erkennen, dass die Annahmen des Richters, dass der Tarifvertrag nicht mehr abgeschlossen werden kann, falsch ist.
Daher wird auch die Einstweilige keinen Bestand haben.

Die Übernahme der Vorfeldkontrolle benötigt übrigens keine langjährigen Vorbereitungen. Ohne, dass die GDF die Verhandlungen mit dem Flughafen Stuttgart begonnen hätte, wäre es für die DFS vermutlich unendlich schwieriger geworden, die Vorfeldkontrolle zu übernehmen.

Mässige also bitte deinen Ton.

ciao Volker

von Volker M - am 09.04.2009 18:24
noch ein anderer aspekt: der ganze laden ist und bleibt vom öl (kerosin) abhängig.

bei daimlers z.b. gewinnen mehr und mehr herren die überhand, von denen schon heinz erhardt anläßlich einer zugfahrt berichtete: "sie fahren sicherlich nach köln zum karneval!"
-"nee, wir sehen immer so aus."

(bei air berlin sind's halt irgendwelche oligarchen, tuifly und ltu personal freuen sich über jeden neuen arbeitgeber.)

wenn die "privatwirtschaft" sowas goutiert, soll sie's haben.

flugsicherung hält sich da raus.

von recht so - am 10.04.2009 18:57
Zitat BV-Info oder www.gdf.de:

Arbeitsgericht Frankfurt lehnt den Antrag von vier Fluggesellschaften auf Erlass einer einstweiligen Verfügung ab!
05.05.2009

Bereits am 19.04.2009 war die DFS Deutsche Flugsicherung GmbH mit ihrem Versuch vor dem Landesarbeitsgericht Baden Württemberg gescheitert, der GdF die von ihr beabsichtigten Unterstützungsstreiks zu untersagen. Am 06.04.2009 wurden somit rechtmäßig von der GdF die bisher bei der Verkehrszentrale/Vorfeldkontrolle am Flughafen Stuttgart stattfindenden Streiks auch auf den Bereich der DFS ausgedehnt. Gegen diese Maßnahme wiederum hatten noch am selben Tag die Fluggesellschaften Deutsche Lufthansa, Air Berlin, Germanwings und Hapag-Lloyd in einem Eilverfahren ohne mündliche Verhandlung eine einstweilige Verfügung erwirkt, die der GdF untersagte, Arbeitskampfmaßnahmen gegen die DFS durchzuführen. Der Streik wurde bekannter Weise 51 Minuten vor seinem geplanten Ende abgebrochen.

In der heutigen mündlichen Verhandlung vor dem Arbeitsgericht Frankfurt konnten sich die vier beteiligten Fluggesellschaften nicht durchsetzen, der GdF im Rahmen einer einstweiligen Verfügung den Aufruf zu Unterstützungs-Arbeitskampfmaßnahmen zu untersagen. So vermochten die Arbeitsrichter den Argumenten der von den Fluggesellschaften vertretenen Anwälte offensichtlich nicht zu folgen.

Dem Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung wurde vom Arbeitsgericht Frankfurt nicht stattgegeben. Inwieweit die Fluggesellschaften dieses Urteil zu akzeptieren bereit sind, bzw. ob diese dagegen in die Berufung gehen werden, bleibt abzuwarten.



von Türmsche - am 05.05.2009 16:33
Zitat
too much
Hoffentlich geht das alles gut. Ich habe die Befürchtung, dass ihr euch mit der Sache verhebt.
Dann noch die Schlichtung. Wenn das stimmt, was die Arbeitgeberseite da so vorlegt, dann müssen wir demnächst hier wohl auch alle in den Ausstand treten.
Dann wird es wieder zig Gerichtsverfahren hin und her geben.


Was für ne unreflektierte Scheiße! "Ich habe die Befürchtung..." "zig Gerichtsverfahren hin und her"..."wenn das stimmt, was die Arbeitgeberseite da so vorlegt", wenn ich sowas schon lese!

- Du kannst davon ausgehen, daß nichts stimmt was Dir die Arbeitgeberseite vorlegt.
- Wenn es Gerichtsverfahren gibt, dann wird das spätestens nach der 2. Instanz beendet sein. Da ist nix mit hin und her.
- Wenn wir den Bauchladen endlich mal einfach nur (so wie die Lokführer das z.B. ganz ohne schlechtes Gewissen getan haben) mal so für eine Woche zumachen würden, dann ist da nix mehr mit Gerichten...und mit verheben auch nicht.

Aber wenn wir noch mehr solcher Bedenkenträger im Laden haben, dann klappt es natürlich nicht und die Nächsten die dann am Arsch sind, sind die Kollegen aus der Technik (Stichwort SMZ).

Immer schön dran denken: alle Räder stehen still....


von Hornbach - am 24.05.2009 17:58
was hier in sämtlichen (verlorenen!!) Verfahren an Geld der DFS über den Jordan gegangen ist - und gegenüber UNS wird die verhältnismässigkeit in Frage gestellt??!!?? dafür hätte man viele Mitarbeiten viele viele Jahre in Lohn und Brot nehmen können (vielleicht auch mal die Einstellungsvoraussetzungen für FDB/PK nicht ganz so eng nehmen - mal ganz abgesehen was eh für Pfeifen rum laufen...) und schon wäre man auch sehr positiv in der Öffentlichkeit dagestanden...

von Türmsche - am 27.05.2009 18:46
Wahrscheinlich wurde er (von außen) eines besseren belehrt und eher an den Verhandlungstisch zurückgeschickt...

Ich glaube nicht, daß er gegenüber seiner Kundschaft gut verkaufen kann, daß ein, immerhin internationaler, Verkehrsflughafen einen Tag (oder mehr?) stillsteht, weil er 10 Leuten nicht die Arbeitsbedingungen bieten will, die an anderen Plätzen normal sind.

Könnte mir vorstellen, wenn da die Herren Oettinger, Mayrhuber oder Hunoldt nachfragen wie der Hase läuft, gibt's wenig Verständnis für diese tolle, knallharte Tarifpolitik des Herrn Fundel.

von Findel - am 29.05.2009 09:10

Prof. Fundel

Zitat
Findel
Könnte mir vorstellen, wenn da die Herren Oettinger, Mayrhuber oder Hunoldt nachfragen wie der Hase läuft, gibt's wenig Verständnis für diese tolle, knallharte Tarifpolitik des Herrn Fundel.


Kann mal jemand weiterhelfen. Die Redaktion findet per google stets ähnlich lautende Infos zur Person, die in etwa so lauten:

"Prof. Georg Fundel
Der 1954 geborene Autor ist Geschäfts­führer der Flug­hafen Stutt­gart GmbH. Er hat in Stutt­­gart Wirt­­schafts­wis­sen­schaf­ten studiert, leitete ab 1982 die Stutt­garter Wirt­schafts­förderung und war ab 1989 in leiten­der Funk­tion für die heutige LBBW tätig. Er ist Lehr­be­auf­tragter am Institut für Eisenbahn- und Verkehrs­wesen an der Uni­­versität Stutt­gart und seit 2006 Honorar­­professor."

Wir würden es gerne (zwecks korrekter Berichterstattung) etwas präziser wissen.
Mit welchem Abschluß hat er sein Studium der Wirtschaftswissenschaften wann beendet. Mit welcher Habilitationsschrift hat er wo seine venia legendi erworben?

Kurzer Hinweis auf eine www.adresse genügt. Danke im Voraus.






von der flugleiter - am 29.05.2009 10:41

Re: Prof. Fundel

Zitat
der flugleiter
Mit welcher Habilitationsschrift hat er wo seine venia legendi erworben?

Kurzer Hinweis auf eine www.adresse genügt.

ich denke mal, eine habilitation ist gar nicht von nöten, da der "professor" in wahrheit ja ein Prof. h.c. (honoris causa), also ein Honorarprofessor (also ein Dozent mit Tutularprofessur) ist, das Kürzel "h.c." aber nicht verwendet werden MUSS.
so einfach kanns gehen... ;)

von Türmsche - am 29.05.2009 11:09
Offensichtlich hat es geholfen.

Link1

Link2


wenn auch noch unter dem üblichen Vorbehalt bzgl. Zustimmung Tarifkommission.

Nochmal ein dickes Lob an die Stuttgarter Kollegen.

Saigor

von Saigor - am 30.05.2009 12:15
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2040482_0_9223_-einigung-im-tarifkonflikt-keine-weiteren-streiks-am-flughafen-stuttgart.html
Zitat
Fundel (mehr oder weniger)
Fundel nutzte die Einigung dazu, die Politik zu kritisieren. Die Genehmigung von kleinen Spartengewerkschaften wie die GdF oder die Lokführergewerkschaft sei eine Fehlleistung. Wenige Mitarbeiter an bedeutenden Schaltstellen würden so in die Lage versetzt, Infrastruktureinrichtungen lahm zu legen und die Arbeitgeber zu erpressen.
...
Im Oktober begannen Verhandlungen mit der FSG.
Das Ergebnis sei für die Betroffenen ernüchternd gewesen, bilanzierte Fundel am Freitag zufrieden und wollte dies für potenzielle Nachahmer als Warnung verstanden wissen. Er hatte als Reaktion mit der Flugsicherung vereinbart, die Vorfeldkontrolle vom 1. April an von deren Towerlotsen erledigen zu lassen. Das sei eigentlich in den nächsten Jahren nicht geplant gewesen. Statt höherer Gehälter erhielten neun von 22 so genannter Apron-Controller die Kündigung, der Rest fand sich in der Verkehrszentrale wieder ohne die extra honorierte Aufgabe, den rollenden Flugzeugverkehr von der Kanzel aus zu beobachten.

also ich weiss ja nicht, "erpressen, ernüchternd, zufrieden, Warnung, wiederfinden", der Typ is echt nicht ganz sauber, der gehört da weg, da muss doch die Politik einschreiten, sowas kann man doch nicht SO öffentlich sagen...
da könnt ich :uebel: :uebel: :uebel:

von Türmsche - am 30.05.2009 20:52
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