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vor 8 Jahren, 4 Monaten
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Na ja, Centerlotse, CNS-Radarist, Kranich, Saigor, Ronald Heyne, fliegerfahrer, Denti

Mode-S in und um Amsterdam....

Startbeitrag von fliegerfahrer am 05.05.2009 10:41

Da freut man sich doch, dass man für zigtausende Mode S eingebaut hat....und die liebe Flugsicherung doch schon so weit vorrausdenkt...

Artikel aus dem PuF. ( [www.pilotundflugzeug.de] )

Flugsicherung: Mode-S-Probleme in Holland

ATC verrückt – Weniger Sicherheit durch Mode-S

Die Niederländische Flugsicherung (LVNL) sagt: "Vielen Dank, dass Sie einen teuren Mode-S-Transponder eingebaut haben, zur Belohnung dürfen Sie den Luftraum um Amsterdam nicht mehr befliegen und außerdem ist in Hilversum und Lelystad auch gerade Ihr TCAS nutzlos geworden."
Eine Erhöhung der Sicherheit, flexiblere Luftraumnutzung und Vorteile für alle Beteiligten – das waren die Argumente mit denen den Haltern und Betreibern von Flugzeugen der Allgemeinen Luftfahrt die erheblichen Investitionen für neue Mode-S-Transponder seitens der Flugsicherungsunternehmer aufgezwungen wurden. In Holland zeigt sich nun, dass diese Ziele nicht nur nicht verwirklicht werden, sondern dass sie sich sogar ins Gegenteil verkehrt haben. Glaubt man dem Wortlaut des Niederländischen AIP SUP 04/09, dann ist Mode-S die Ursache dafür, dass rund um Amsterdam nun ein großer Luftraum für den VFR-Verkehr gesperrt wurde und zudem die Sicherheit im Platzverkehr der Flugplätze Hilversum und Lelystad erheblich reduziert wird.


Dank Mode-S ist nun ein großer Teil des Luftraums unterhalb der TMA von Schipol für die AL faktisch gesperrt.
Das Supplement der Niederländischen Flugsicherung hatte nach der Veröffentlichung in der ersten Aprilwoche einiges Aufsehen erregt. Im Gegensatz zu so mancher Interpretation dieser Vorschrift, heisst die Zusammenfassung des Zweiseiters aber nicht etwa nur "Transponder ausschalten", de facto wird ein großer Teil des Luftraums für den VFR-Verkehr gesperrt.

Die Sache erscheint auf den ersten Blick so irre, dass wir uns etwas Zeit nahmen hinter den Kulissen mit ATC-Leuten zu sprechen und verschiedene Begründungen für diese Einschränkung zu prüfen.

Unhandlich ist bereits die Art und Weise, wie die Luftraumsperrung im AIP SUP 04/09 kommuniziert wird. Da wird in der Einleitung zunächst erklärt, dass "radar clutter" im Luftraum um Schipol die Niederländische Flugsicherung daran hindern würde ihre Aufgaben wahrzunehmen. Schuld sind natürlich die VFR-Flieger, die unterhalb der TMA mit eingeschaltetem Transponder im Luftraum unterwegs sind. Also "reinigt" die Flugsicherung diesen Luftraum von den Transponderzielen. Man schafft eine "Special Rules Zone", die Schipol SRZ, unterhalb der TMA. Dort ist der Betrieb von Mode-S-Transpondern ab dem 4. April 2009 nicht mehr gestattet.

So weit, so schlecht. Jetzt aber hebt die Sache ab: Am Zwang zur Mitführung und zum Betrieb eines Mode-S-Transponders ändert sich nichts, das schreibt die Flugsicherung ganz ausdrücklich!
To be perfectly clear: the mandatory carriage of a mode S transponder is not changed.

Aus beiden Vorschriften zusammen, die eine schreibt Mode-S vor, die andere verbietet Mode-S-Flugzeugen den Luftraum, ergibt sich dann – oops – das Verbot für VFR-Flugzeuge unterhalb der Schipol-TMA!

UPDATE 01.05.2009: Mit dem neu herausgegebenen AIP SUP 05/09 darf der Luftraum zwar mit Einschränkungen (

Antworten:

Ach Mode-S, ja das könnte viele tolle Sachen... Und als Lotse sitzt man da und kriegt von all den Daten einzig die Aircraft ID angezeigt, groundspeed und vertical speed werden wie eh und je am Boden errechnet - nachdem die Kundschaft schon längst viel Geld für neue Transponder ausgegeben hat. Ich möchte wirklich mal wissen, warum da nichts vorwärts geht.

von Centerlotse - am 05.05.2009 15:59
Ich weiß nicht, wie es jetzt ist. Aber bis vor nicht allzu langer Zeit wurden die Flieger gezwungen, Transponder einzubauen. Die Radaranlagen konten die Informationen auch abfragen. Aber wenn die Daten bei P1 ankamen, wurden die Daten weggeschmissen, weil das System sie nicht verarbeiten konnten. Armutszeugnis.

von Na ja - am 05.05.2009 17:20
Ja die Daten wären da, man nutzt sie nur nicht. Die DFS findet es zwar ganz toll, Transpondercodes einzusparen, vergisst dabei aber die anderen Funktionen von Mode-S, die bei der täglichen Arbeit äusserst nützlich wären.

von Centerlotse - am 05.05.2009 18:36
Hallo,

eigentlich bin ich ja der gleichen Meinung: Da gibt es viele Informationen und keiner (zumindest kein Lotse) kann sie nutzen.

Aber man muss sich mal ein wenig informieren. Allein bei der Übermittlung der MSID gibt es schon reichlich Probleme, die keineswegs nur bei der DFS liegen. Da sollte es verständlich sein, dass der nächste Schritt erst dann gemacht wird, wenn der erste erfolgreich abgeschlossen ist.

Die Nutzung der Enhanced Data funktioniert auch noch nicht perfekt. Man hat zum Beispiel die "Selected Flight Level"-Informationen mal ausgewertet:
Da werden dann schon mal Höhen eingegeben (und angezeigt), die noch gar nicht freigegeben wurden oder es wird die freigegebene Höhe verändert, während der Autopilot aktiv ist. Dadurch wird zufällig die Höhe übermittelt, die im Moment der Abfrage drin war.
Das würdet Ihr Euch als Lotsen nicht bieten lassen...

Gruß

Ronald

von Ronald Heyne - am 05.05.2009 19:11
Enhanced Data ... ok. Ich spreche davon, dass die Flieger zeitgerecht zertifizierte Transponder einbauen mussten, dass deutschlandweit die Radaranlagen umgerüstet wurden. Das hat viel Aufwand und Kosten verursacht, bei den Kunden und bei uns. Aber dann musste die Meldung vom Schnittstellenrechner (RMCDE) in "normale" Plot-Meldungen umgerechnet werden, weil die P1-Software mit Mode-S-Meldungen nichts anfangen konnte. Das wurde mir so von einem Ingenieur erklärt, weil bei mir auf dem SDD von einer Mode-S-Umstellung überhaupt nichts ankam.

von Na ja - am 05.05.2009 19:26
Das Problem in den Niederlanden scheint ja eher Display-Clutter, also zuviele dargestellte Ziele zu sein. Könnt ihr da anders als eure Kollegen sinnvoller Filtern so dass das die DFS bzw die benutzten Systeme (P1) nicht so betrifft?

von Denti - am 06.05.2009 14:21
Ist doch nicht wahr, oder?

von Kranich - am 06.05.2009 15:00
dann frag besser nochmal einen anderen Ingenieur, weil das so mit Sicherheit nicht stimmt.

Mode-S wird im Citypair EDDM-EDDF genutzt. Ob da alles klappt, muss mal einer aus dem Betrieb berichten. Fakt ist, dass die DFS-Anlagen das können und auch ausgeben.


von CNS-Radarist - am 06.05.2009 17:18
äh zu viele Ziele?

Und zu vor-Mode-S-Zeiten wurden die Flieger gar nicht angezeigt und beachtet oder wie ist das zu verstehen?

von CNS-Radarist - am 06.05.2009 17:22
Was ist mit DFS-Anlagen gemeint? Die Radar-Anlagen? Die sollten das doch alles können, habe ich doch geschrieben. Nur P1 konnte das nicht. Weiß nicht wie das heute ist, weil ich aus dem Betrieb ausgeschieden bin.

von Na ja - am 06.05.2009 20:52
der Flieger wird ordentlich angezeigt auf dem Radar und wenn man nicht weiß, das dies einer der Test-Flieger ist, dann fällt's einem nicht auf. Nur hätte ich vom operationellen Standpunkt aus gerne die weiter reichenden Daten, nicht nur den Code-Ersatz. Heading, Speed und Rate würden mir schon genügen - aber da werden wir noch lange warten müssen. Genauso wie auf eine Einspielung echter Wetterradardaten in das P1-Bild (und ich weiß von dem Probebetrieb in München bevor wieder kommt 'das gibt es doch schon')


Saigor

von Saigor - am 06.05.2009 21:36
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