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Flugsicherung kontrolliert Lotsen stärker

Startbeitrag von TowerMuckel am 10.08.2009 14:56

Flugsicherung kontrolliert Lotsen stärker

Konsequenz aus Zwischenfall

Die Mitarbeiter der Revisionsabteilung der Deutschen Flugsicherung (DFS) haben ab sofort uneingeschränkten Zugang zu den Kontrolltürmen. Eine vorherige Anmeldung entfällt damit.

Nach einer gefährlichen Annäherung zweier Flugzeuge auf dem Frankfurter Flughafen sollen die Lotsen im Tower schärfer kontrolliert und ihre Gespräche aufgezeichnet werden. Ab sofort haben auch die Mitarbeiter der Revisionsabteilung der Deutschen Flugsicherung (DFS) uneingeschränkten Zugang zu den Kontrolltürmen, sagte DFS-Sprecher Axel Raab am Samstag. Er bestätigte einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins «Spiegel».

Bislang mussten die DFS-Prüfer wegen fehlender Zugangsberechtigung erst am Tower-Eingang klingeln. Da «war es ein Leichtes, schlafende Kollegen im Ruheraum zu wecken und nach oben zu holen», zitiert das Magazin einen Lotsen.

Um vorschriftswidrige Absprache über Pausen nachträglich aufzudecken, werde laut «Spiegel» auch darüber nachgedacht, künftig die Gespräche im Tower aufzuzeichnen. Diese Möglichkeit sei aber wegen des Datenschutzes umstritten, sagte Raab. Die Telefon- und Funkgespräche der Lotsen würden bereits aufgezeichnet.

In der Nacht vom 17. auf den 18. Juli 2009 war es auf dem Frankfurter Rhein-Main-Flughafen zu einer gefährlichen Annäherung zwischen zwei Flugzeugen gekommen. Die für die Sicherheit des Flugbetriebs zuständige Besatzung des Towers hatte den Vorfall nicht bemerkt. Nur ein Fluglotse arbeitete, die weiteren Lotsen beschäftigten sich anderweitig. Nach den Vorschriften müssen im Tower immer zwei der drei Lotsen permanent arbeiten. Nach dem Vorfall wurden drei Fluglotsen und eine Flugdatenbearbeiterin vom Dienst suspendiert.

Quelle: [www.airliners.de]

Gruß,

Michael

Antworten:

der zitierte lotse ist vermutlich einer von den 3 suspendierten. oder hat sich da noch einer versteckt?
oder wollte der z.l. sagen,"er könnte sich vorstellen, daß der sachverhalt so und so gewesen sein könnte". kwetz, uziflusi, who usw, was meint ihr?

von recht so - am 11.08.2009 17:44
Klar ist: die Lotsencrew hat gegen Regeln verstoßen was die Besetzungsvorschriften angeht.

Klar ist: der Pilot hat den Vorfall verursacht, einen Taxiway von einer Runway sollte man nach 2 Flugstunden unterscheiden können, speziell nachts wo die Beleuchtung komplett verschieden ist.

Die Ursache für den Vorfall ist nicht der Verstoß gegen die Besetzungsvorschrift! Wenn nachts ein einziger Flieger am Flughafen rumrollt und dann Ready on RWY meldet dann kann man eigentlich dem Piloten auch glauben das er auf einer RWY ist.

Ich denke nicht das 1 2 oder 5 weitere anwesende Lotsen den Vorfall verhindert hätten.

Ich will damit nicht die betroffene Lotsencrew verteidigen, ich will lediglich klarstellen das das nicht der Auslöser für den Vorfall war!!!!!

Mich nerven die Schlagzeilen a la: Lotsen schlafen, Beinahecrash!!!

von FRA ARR - am 12.08.2009 09:50
"Die Ursache für den Vorfall ist nicht der Verstoß gegen die Besetzungsvorschrift! Wenn nachts ein einziger Flieger am Flughafen rumrollt und dann Ready on RWY meldet dann kann man eigentlich dem Piloten auch glauben, dass er auf einer RWY ist."

Da stimme ich dir voll zu. Und auch mich nerven die Schlagzeilen à la: Lotsen schlafen, Beinahecrash!!!

Aber wie heißt es so schön (ich schreibe jetzt nicht wo...;)):
"Lfz sind bei Annäherung an die o.g. Positionen (gemeint sind Rollhalt oder Abflugpunkt) genau zu beobachten, damit entspr. Freigaben oder Anweisungen ohne Verzögerung erteilt werden können."

Wenn tatsächlich nur "ein einziger Flieger rumrollt", sollte die Einhaltung der vorgenannten "Mussbestimmung" doch wohl kein Problem sein. Falls man dennoch mit etwas anderem beschäftigt sein sollte, muss man halt Prioritäten setzen und das "andere" ggf. "liegen" lassen.

Dass die hehre Annahme, "...kann man eigentlich dem Piloten auch glauben, dass er auf einer RWY ist.", eben nicht zutrifft beweist, wie so oft, das tägliche Leben.




von TWR Typ - am 12.08.2009 12:00
Trotzdem kann ein Blick aus dem Fenster nicht schaden, wenn man eine T/O-clearence gibt.

Außerdem waren da zwei Maschinen in der Manouvering-Area und nicht nur eine.



von Req.Highspeed - am 12.08.2009 12:19
Ich gebe Euch recht, der Vorfall ist verursacht durch einen groben Fehler des Piloten der durch die Fahrlässigkeit des Lotsen nicht bemerkt wurde.

Das ganze gilt es meiner Meinung nach nur von der Besetzungsgeschichte zu entkoppeln.

Ich bin vehement dafür das immer und überall 2 Lotsen am Board oder im Tower sitzen, egal wie wenig Verkehr da ist. Es kann immer und zu jeder Zeit passieren das durch unvorhersehbare Zwischenfälle die Kapazität eines Lotsen an die Grenzen gebracht wird oder aber das ganz menschliche Bedürfnisse oder körperliche Ursachen den Lotsen "unpässlich" machen.

Ich behaupte nur das eine vorschriftsmäßige Besetzung zu diesem Zeitpunkt den Vorfall vermutlich nicht verhindert hätte!

von FRA ARR - am 12.08.2009 13:22
..a..a..aber vielleicht wurde ja geguckt. wie war das nochmal mit der parallaxengeschichte? - irgendwie dreht's sich jetzt im kreis...

ist denn eindeutig, das c tatsächlich auf twy gestartet ist?

bfu-bericht wg. cessna gegen 737(?) in stuttgart (tagsüber). hilft vielleicht auch nicht weiter...



von recht so - am 12.08.2009 13:23
Guten Tag zusammen!
Bin seit 1976 Towerlotse in diversen Türmen ( auch DFS ) dieser Republik. Der Vorfall belegt eindeutig, dass Einzelbesetzung der Sicherheit des Luftverkehrs abträglich ist.
Speziell zu der hier geäusserten Meinung " Man kann dem Piloten vertrauen usw" sage ich nur: das wichtigste, was ich schon während meines ersten Lotsenjahres gelernt habe ist niemals einem Piloten zu vertrauen, sondern ALLES doppelt und dreifach zu überprüfen und zu hinterfragen. Das hat mir bis jetzt wahrscheinlich meinen Lotsenhintern gerettet und anderen Menschen viel Ärger erspart.
Ausserdem in diesem Zusammenhang: schon mal was vom berühmten Nap in the cockpit gehört? Die Frankfurter Kollegen haben mein Mitgefühl. Die wirklichen Probleme in der deutschen Flugsicherungslandschaft liegen nämlich ganz woanders, gell?
Mit Fliegergruss, euer Oldie und noch aktiver Tower-Lotse "Sponge Bob"

von robbi - am 12.08.2009 17:45
"Paralaxe" ?!

Mach dich doch nicht lächerlich. Jeder TWR-Lotse ist mit seinem Arbeitsumfeld -dazu gehört auch der Blick auf die Flugbetriebsflächen in jedweder Richtung- so vertraut, dass dieses Phänomen keine Rolle spielt. Und überdies gibt es da auch noch ein Bodenlageradardarstellungssystem, welches das ganze Geschehen zweidimensional -also ohne Paralaxe- vorspielt.

von TWR Typ - am 13.08.2009 06:30
"Der Vorfall belegt eindeutig, dass Einzelbesetzung der Sicherheit des Luftverkehrs abträglich ist."

Genau dies belegt der Vorfall eben nicht. Wie hier bereits von einigen völlig richtig geäußert, hätte der Vorfall auch bei Komplettbesetzung passieren können. Für alle Vorfälle gibt es erfahrungsgemäß immer nicht nur eine einzige sondern mehrere -z.T. hochkomplexe- Ursachen. Diese zu ermitteln und Schwachstellen zu reparieren -nicht Schuld zuzuweisen-, dazu dient die ATC-Vorfallsuntersuchung.

Was die Leitungsebene hier an arbeitsrechtlichen Maßnahmen zu ergreifen hat, hat mit der eigentlichen ATC-Vorfallsuntersuchung überhaupt nichts zu tun.

"Speziell zu der hier geäusserten Meinung " Man kann dem Piloten vertrauen usw" sage ich nur: das wichtigste, was ich schon während meines ersten Lotsenjahres gelernt habe ist niemals einem Piloten zu vertrauen, sondern ALLES doppelt und dreifach zu überprüfen und zu hinterfragen."

Das würde ich auch sofort unterschreiben. "doppelt und dreifach" muss imho allerdings nicht sein. Einmal fragen sollte dann auch reichen.

von TWR Typ - am 13.08.2009 06:53
Zitat
FRA ARR
Ich behaupte nur das eine vorschriftsmäßige Besetzung zu diesem Zeitpunkt den Vorfall vermutlich nicht verhindert hätte!


Behauptung oder Vermutung ;)
Eher doch letzteres...

Mal was zum Nachdenken:
Bei FRA Apron versuchen wir uns gegenseitig auf die Finger zu schauen - sooft es geht und sofern es der Betrieb dies natürlich zulässt. Ich kann mich an Zeiten erinnern, da empfanden das gerade die "älteren" als persönlichen Angriff wenn man sie kontrollierte. Inzwischen ist man grösstenteils von diesem Denken abgerückt. Es geht hier ja schliesslich nicht um persönliche Belange oder darum jemanden Unfähigkeit zu attestieren wenn man auf etwas hinweist. Ich bin zu 100% davon überzeugt, dass schlimmeres dadurch auch schon verhindert wurde. Jeder weitere Mitarbeiter im Raum erhöht die Chance dass Fehler bemerkt werden.

von 121.7 - am 13.08.2009 08:03
Wenn die DFS arbeitsrechtliche Schritte unternimmt, weil nur ein Lotse am Arbeitsplatz gesessen hat (klar ist es nicht korrekt, wenn da mehrere sein sollten), wie ist es dann zu bewerten, daß auf diversen Sektoren nachts planerisch nur einer vorgesehen ist?

von Aus dem Norden - am 13.08.2009 18:04
Zitat
Aus dem Norden
Wenn die DFS arbeitsrechtliche Schritte unternimmt, weil nur ein Lotse am Arbeitsplatz gesessen hat (klar ist es nicht korrekt, wenn da mehrere sein sollten), wie ist es dann zu bewerten, daß auf diversen Sektoren nachts planerisch nur einer vorgesehen ist?

Der feine aber kleine Unterschied: Ist es geplant, werden keine Logs gefälscht und die, die arbeiten müssen, sitzen am Arbeitsplatz.

von Keine Ahnung - am 13.08.2009 21:24
Zitat
Keine Ahnung
Zitat
Aus dem Norden
Wenn die DFS arbeitsrechtliche Schritte unternimmt, weil nur ein Lotse am Arbeitsplatz gesessen hat (klar ist es nicht korrekt, wenn da mehrere sein sollten), wie ist es dann zu bewerten, daß auf diversen Sektoren nachts planerisch nur einer vorgesehen ist?

Der feine aber kleine Unterschied: Ist es geplant, werden keine Logs gefälscht und die, die arbeiten müssen, sitzen am Arbeitsplatz.


Ich wollte damit nicht das Fälschen der Logs verteidigen, das ist absolut nicht korrekt, keine Frage. Es ging mir eher um die Diskussion, ob der Vorfall aufgetreten wäre, wenn mehrere Personen anwesend gewesen wären. Schon planerisch ist dies halt in vielen Towern und auch auf diversen Centersektoren erst gar nicht vorgesehen.

von Aus dem Norden - am 14.08.2009 18:07
Zitat
Aus dem Norden
.....wie ist es dann zu bewerten, daß auf diversen Sektoren nachts planerisch nur einer vorgesehen ist?


Wenn bei einem gewerbsmäßigem Flug in einem Jumbo immer mindestens zwei Piloten sitzen müßen, wie ist es dann zu bewerten, daß in einer Cessna nur einer vorgesehen ist?

Merkt eigentlich keiner, wie absurd die Diskussion hier wird?
Mir scheint, bei manchen gibt es ein echtes Problem zuzugeben, daß im Betriebsdienst der DFS auch mal was daneben geht. Nicht nur in der HV.



von Req.Highspeed - am 15.08.2009 06:08
Ähm, also man sollte sich mal entscheiden. Entweder wir finden SSO scheisse, weil das so wichtige 4-Augen-Prinzip ausgehebelt wird, oder die eigenmächtige SSO der Kollegen am Franfurter Turm war keinesfalls ursächlich für den Vorfall. Beides geht natürlich nicht.

Das Vier-Augen-Prinzip in der FS ist so wichtig, und ausgerechnet hier hätte es keine Rolle gespielt? Klar, wir wissen nie, was passiert wäre wenn. Aber dieses bedingungslose Abkoppeln der beiden Vorfälle halte ich für falsch.

von Karlsruher Upper - am 21.08.2009 09:13
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