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nomen est omen, MUAC, muci, Centerlotse, Alter Zeitungsleser, gyver, Ronald Heyne

Streik in Frankreich

Startbeitrag von MUAC am 11.06.2013 20:18

Hallo zusammen,

in Frankreich wird mal wieder richtig gestreikt. Weiß jemand, worum es genau geht? In der deutschen Mainstream-Presse liest man leider nur so nichtssagende Sätze wie

"Mit dem Streik protestieren Gewerkschaften in Frankreich gegen europäische Pläne bei der Luftüberwachung. Sie befürchten etwa schlechtere Arbeitsbedingungen der Fluglotsen." (aus SpOn).

Antworten:

[www.austrianwings.info]

von Alter Zeitungsleser - am 11.06.2013 20:45
Das schreibt die GdF dazu:

Zitat

ETF - European Action Day
to demand a social dimension inside the Single European Sky

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wie Ihr sicherlich schon erfahren habt, plant die Europäische Transportarbeiter Föderation (ETF) für morgen einen europaweiten Aktionstag gegen das SES 2+ Regulierungspaket.

Der Verband der europäischen Fluglotsengewerkschaften ATCEUC - in dem auch die GdF vertreten ist - hat auf seinem letzten Meeting in Dublin beschlossen, sich dem Streikaufruf der ETF nicht anzuschließen, sondern stattdessen weiterhin auf sozialen Dialog mit der Europäischen Kommission zu setzen.

Deshalb unterstützen die im ATCEUC organisierten Gewerkschaften den morgigen Aktionstag nicht.

Freitag, den 14. Juni, findet ein Treffen von ATCEUC Vertretern (mit direkter Beteiligung der GdF) und Matthew Baldwin (Director Air Transport - DG Move) in Brüssel statt. Wir erwarten, dass die Europäische Kommission die von uns seit längerem eingeforderten Änderungen am SES 2+ Paket zusagt. Davon wird abhängen, ob der ATCEUC den Dialog fortführt oder aber - wie die ETF - seine Mitglieder aufruft, sich aktiv gegen die wirklichkeitsfremden Regulierungsvorgaben der Europäischen Kommission zu wehren.

Entsprechende Aktionen befinden sich - auch bei uns - bereits in der Vorbereitung!

Der Bundesvorstand

Warum müssen wir uns gegen das SES 2+ Regulierungspaket wehren?
Die Vorgaben der Europäischen Kommission für die erste Regulierungsperiode (nur Strecke) haben die DFS bereits über ihre Leistungsfähigkeit hinaus belastet. Im Ergebnis wird unser Unternehmen - trotz der eingeleiteten Sparmaßnahmen (Heading 2012) - einen eigenkapitalwirksamen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe realisieren.
Die sich aus dem SES 2+ Paket ergebenden zusätzlichen Belastungen richten sich deshalb direkt gegen uns.

Hier ein Beispiel, das uns unmittelbar betrifft:
Der sich aus dem (durch die Eurokrise) stetig sinkenden Zins ergebende Nachfinanzierungsbedarf für unsere betriebliche Altersversorgung soll - nach dem Willen der Europäischen Kommission - in der zweiten Regulierungsperiode nicht mehr als so genannte „nicht kontrollierbare Kosten“ in der Flugsicherungsgebühr Berücksichtigung finden. Sinkt der Zins um nur 1 % bedeutet dies derzeit einen Nachfinanzierungsbedarf von mehr als 500 Mio. Euro (bei einem DFS-Jahresumsatz von ca. 1 Mia. Euro).
Wollen wir unsere betriebliche Altersversorgung erhalten, müssten wir zur Finanzierung von 1 % Zinssenkung dauerhaft auf ca. 5 % Lohn verzichten, bei 2 % Zinssenkung 10 % Lohn usw.


Das war nur ein Punkt aus den wirklichkeitsfremden Anforderungen des SES 2+ Paketes…


von Ronald Heyne - am 11.06.2013 21:19
Herzlichen Dank, Ronald!

von MUAC - am 12.06.2013 04:42
heute lag ein GdF-Schreiben mit genau diesem Text auch in meinem E-Mail-Fach :)

Laut Eurocontrol wurden 650.000 Delay-Minuten erzeugt.

von MUAC - am 13.06.2013 05:53
wie waere es denn, wenn man jeden Flug nach bruessel und in das land ueberhaupt, VFR und ohne ABSPRACHEN verabschiedet? Kann es sein, dass dann die die Spitzeneuropakommissare etwas lernen? Wahrscheinlich nicht! Dort sitzen doch nur Verlierer! Falsche Doktoren, Unfaehige Minister....................... Und Die schaden Deutschland ganz bewusst- zur Selbstdarstellung!
Man kann ja auch aus den Minuten STUNDEN machen(das ist es vorbei, die Stechuhr am Montagabend und Freitagmorgen zu bedienen! -in Bruessel !):p

von muci - am 14.06.2013 01:27
Das wär doch mal eine Idee, jede Woche von Donnerstag Mittag bis Freitag Abend Brüssel und Umgebung bestreiken. :cool: Ggf. natürlich Straßburg.
Da trifft es dann die richtigen, wenn ihnen das lange Wochenende versaut wird.

von gyver - am 14.06.2013 18:45
Viel Spaß beim "sozialen Dialog mit der Europäischen Kommission".

Was gibt's zu Essen, wie ist die Menü-Folge?


Sicherlich hat die EU auch einige aufrechte Kämpfer. Manchmal hat man aber den Eindruck, daß die Mafia dominiert.

von nomen est omen - am 21.06.2013 16:08
Auch Ryanair lernt dazu. Hoheitliche Aufgaben dürfen nicht Teil der Privatwirtschaft (die per se nicht schlecht ist) werden:

"Ryanair hat wiederholt die Europäische Union (EU) aufgefordert, das Streikrecht für europäische Fluglotsen abzuschaffen. Die französischen Fluglotsen hatten mit ihrem Streik die Passagiere in Europa für komplette zwei Tage in ihrer Hand. In vielen europäischen Ländern ist es der Polizei sowie dem Militär nicht gestattet zu streiken, und auch die Fluglotsen in den USA dürfen nicht streiken. Dies bedeutet, dass der Luftraum über den USA nicht einfach aufgrund von Streik oder Ähnlichem geschlossen werden kann.

Es ist höchste Zeit, dass die EU ähnlich strenge Regeln in Europa einführt. Diese ungerechtfertigten Streiks wurden ganz bewusst während der betriebsamsten Zeit des Jahres durchgeführt, um bei Passagieren ein maximales Chaos zu verursachen. Dies führte zu erheblichen Reisestörungen, für die Ryanair nicht verantwortlich ist und die Ryanair auch nicht vermeiden konnte." Zitat Entschuldigungsschreiben Ry

Also alles zurück auf Null.

von nomen est omen - am 23.06.2013 09:54
Alles schon mal dagewesen: deutsche Lotsen haben Ende der 1960er gestreikt und wurden daraufhin verbeamtet, um weitere Streiks zu verhindern. Resultat: Bummelstreiks.

von Centerlotse - am 23.06.2013 12:50
"Der Spaß, Menschen an der Kandare zu haben" war eine diffamierende Äußerung eines uninformierten Journalisten. Da hat sich bis heute nicht viel geändert.

Privatisierung und Wettbewerb funktionieren nicht in Bereichen, die hauptsächlich Gemeinwohl und öffentlichem Interesse dienen.

von nomen est omen - am 23.06.2013 15:29
ryanair stellt forderungen? die sollen doch erstmal durch betrug gespartes geld bezahlen!

von muci - am 23.06.2013 16:34
Die zuständigen Aufsichtsgremien sind da mal wieder sehr übervorsichtig, vorsichtig ausgedrückt.

Betrügerische airlines, die zudem noch mit anderen windigen Methoden arbeiten, gehören sofort auf die "schwarze Liste". Warum passiert da nichts?

Mafia halt...

von nomen est omen - am 23.06.2013 17:50
@ Centerlotse: die Situation von Lotsen und FDB war damals erbarmungswürdig und besserte sich grundlegend erst 1994.

Leider mit der (wie sich immer deutlicher zeigt) ungeeigneten Prämisse "Privatisierung". Die Alternative - uA von Kassebohm favorisiert - wäre eine "Sonderlaufbahn FS" gewesen.

Kommt vielleicht noch...

von nomen est omen - am 24.06.2013 07:56
...und? Was ist?

Muß der potentielle Flugsicherungs-Betrüger MOL einem Strafverfahren entgegensehen?
Wurde sein Vermögen konfisziert?
Ist mit jedem einzelnen seiner Flieger alles in Ornung? Genehmigungen, Flugdienstzeiten etc . Mann könnte ja auf die Idee kommen, daß möglicherweise weitere Unregelmäßigkeiten vorhanden sind. Im -uA- öffentlichen Interesse müßte nun sehr genau hingeschaut werden.

Vermutlich kommt es anders: "wirtschaftliche" Interessen haben Vorrang; der "Kunde" ist König.

von nomen est omen - am 27.06.2013 11:50
w.k. sollte eigendlich nicht mal den fingernagel in flugsicherungsgeschaefte stecken duerfen!:hot:

von muci - am 28.06.2013 04:42
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