Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Achalasie
Beiträge im Thema:
16
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 5 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 13 Jahren, 11 Monaten
Beteiligte Autoren:
Ilja Lorek, Dr.H.G.Schulz, Fr. Schönberger, Ulrike Böhm, christa, heidi, jooggy, ARENS Guy, Markus Todt, Matthias

Eine seltsam seltene Krankheit

Startbeitrag von Ilja Lorek am 22.02.2003 08:07

Die Achalasia ist scheinbar doch eine sehr seltene Krankheit, man&frau finden nicht gerade viel Information zu ihr beim Durchpflügen des Webs oder beim Wandern durch den bunten Fach-Blätterwald. Überhaupt scheint (mir) die Speiseröhre in der medizinischen Literatur relativ wenig vertreten zu sein, die kleine Cardia, unser aller Lieblingskind, die ist da so gut wie ganz abwesend.

Die 30 cm Speiseröhre werden einfach zu schnell übergangen, die 3 m Darm scheinen dagegen viel interessanter zu sein, logisch. Dass jedoch so manche Magen- und Darmprobleme bereits im Mund und Ösophagus ihren bösen Anfang nehmen können, das wird dabei jedoch nur zu leicht vergessen.

Stichwort: "Schluckprobleme" führt jedoch oft zu Dysphagie-Schilderungen und wenn man ganz viel Glück hat, ist dann irgendwo beiläufig auch noch unsere Achalasie erwähnt. Kein Wunder also, dass es bis zu der Diagnose "Achalasia" oft Jahrzehnte bedarf, wie es bei mir etwa der Fall war.

Lese ich weiter über die "Dysphagie", erkenne ich viel wieder. Ist es so, dass die Dysphagie ein Oberbegriff für (alle) Schluck-Schwierigkeiten und -Schmerzen sei und die liebe Achalasie nur eine kleine Unterabteilung, eine von vielen Formen der Dysphagie?

Da wirken noch scheinbar sehr viele Einflüsse mit, von den Zähnen über Schilddrüse bis zu Tumoren und Schlaganfall. Ist nicht so manche, bisher leider erfolglose Achalasie-Therapie vielleicht auch darauf zurückzuführen, dass es durchaus auch noch ganz viele andere mögliche Ursachen unserer Schmerzen, Krämpfe und Schluckprobleme mit scheinbar recht ähnlicher Wirkung geben kann?

Wer hat schon Erfahrungen mit Schluckproblemen beim Zahnarzt, Neurologen, HNO und anderen Ärzten als Gastrologen gemacht? Sogar die Logopäden scheinen da beteiligt zu sein.

Lieber Herr Dr. Schulz, vielleicht erklären Sie uns mal, wie der medizinische Sandkasten eingeteilt ist.

Versäumen wir was, wenn wir uns nur auf das "Wesentliche" konzentrieren oder gibt es da auch interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Baustellen?

Danke und schönen Gruss il

Antworten:

Liebe Frau Lorek,

Dysphagie (Schluckstörung) ist ein Symptom und keine Diagnose ! Es ist ein subjektives Gefühl, daß der Betroffene dem Arzt schildert. Die Ursachen sind, wie Sie ja schon selber ausführen, mannigfaltig.

Bei der Achalasie ist die Dysphagie neben den Brustschmerzen eines der Hauptsymptome.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist dort notwendig, wo ein medizinisches Problem von verschiedenen Seiten her angegangen werden muß. So ist es beispielsweise sinnvoll, das bei einem Patienten mit der Parkinsonerkrankung, der unter Schluckstörugen leidet, die Fachdisziplinen Neurologie und Chirurgie/HNO zusammenarbeiten, um einerseits die die Schluckstörung durch eine Myotomie des oberen Schließmuskels der Speiseröhre zu beseitigen (Chirurgie), andererseits die gesamtneurologische Erkrankung Parkinson durch den Neurologen zu behandeln.

Für die Achalasie ist dies nur bedingt notwendig. Hier arbeiten Gastroenterologie und Chirurgie im Idealfall gut zusammen, d.h. wenn der Gastroenterologe mit der Dilatation nicht weiterkommt wird er den Betroffenen beim Chirurgen vorstellen.
Ideal ist, wenn alle 3 Therapieverfahren in der Behandlung der Achalasie in der Hand einer Fachdisziplin sind. Dies ist in der Regel nur in chirurgisch spezialisierten Abteilungen möglich, die neben der operativen Tätigkeit auch endoskopisch arbeiten. Diese Ärzte können auf Grund ihrer Erfahrung wertfrei alle Verfahren beurteilen und dem Betroffenen fundierte Ratschläge mit an die Hand geben.

MfG

gez. Dr.H.G.Schulz, Chirurgische Universitätsklinik, Marienhospital Herne, NRW

von Dr.H.G.Schulz - am 28.02.2003 08:08
Vor etwa 6 Monaten blieb bei mir zum ersten Male das essen buchstäblich im Halse stecken. Weder Essen noch Flüssigkeit passierte meine Speiseröhre. Bei mir wurde dann eine Magenspiegelung durchgeführt ohne nennenswerten Befund. Konnte wieder normal essen und habe auch keine Krämpfe wie beschrieben. Vor etwa 4 Wochen stellte sich dieses Phänomen wieder ein. Diesmal wurde mir das Mittel Buscupan eingespritzt und innerhalb von 5 Minuten war alles vorbei. Ich kann alles essen und trinken und habe auch keine Probleme mit Krämpfen. Ich stelle mir jetzt jedoch die Frage ob ich tatsächlich an Achalasie erkrankt bin oder nicht. Ich bin Anfang 40 und betreibe regelmässig Sport (Mountainbike). Sind im im Anfangsstadium der Krankheit die Schluckbeschwerden selten, alle 6 Monate oder so oder ist das eine andere Form von Achalasie???

von ARENS Guy - am 25.06.2003 17:03
Das kann sicher sagen, dass am Anfang die Schluckbeschwerden seltener sind, doch die wenigstens von uns wissen es so ganz genau, wann es angefangen hat, es fängt schleichend und sporadisch an und meistens denkt man (und die Ärzte) an alles andere als an Achalasie.

Wenn Dir mit Buscupan geholfen wurde, dann ist es eigentlich ganz toll, ich würde mir nicht die Haare raufen, solche Schluckbeschwerden können auch von ganz anderen Ursachen sein, wenn die Endoskopie keine andere Diagnose brachte, dann ist es doch prima. Geniesse es und das Leben, aber beobachte es auch ganz genau, besonders in der Nacht, besser gesagt im Liegen, macht es sich bemerkbar, dass die Speisen nicht im Magen, sondern noch im Kropf liegen.

Also viel Glück und Mut und vielleicht ist es wirklich wieder gut, wenn nicht, dann bist Du ja nicht allein.

Alles Gute und Gruss Ilja

von Ilja Lorek - am 25.06.2003 18:26
hallo arens,

bei mir fings so an, dass ich mich beim essen des öfteren mal verschluckt hab,
einher hatte ich meinen ersten krampf nachts, kann mich aber auch nicht mehr
so genau erinnern, ob die schluckbeschwerden od. der krampf zum ersten
mal auftauchten. jedoch haben laut der umfrage auf [www.achalasie.com] alle erkrankten auch diese krämpfe. kann mir aber vorstellen, das es auch welche
gibt die keine haben. denk auch, das es nicht gleich achalasie sein muss, aber leider dauert die erste diagnose sehr oft lange bis sie festgestellt wird.
würd sie auch weiterbeobachten und event. einen spezialisten aufsuchen.

wünsch dir auch alles gute und gut schluck, so sagt man unter uns leidgenossen.

lg markus :-)

von Markus Todt - am 25.06.2003 20:25
Hallo, ARENS Guy,

nicht immer kann eine Endoskopie eine bestehende Achalasie bestätigen oder widerlegen. Du solltest dich an einen Internisten in einem Krankenhaus wenden, der eine Manometrie der Speiseröhre durchführen kann ( Druckmessung, ob die Speiseröhrenmuskulatur normal arbeitet oder nicht ). Meine Achalasie fing ganz genauso an wie du es beschreibst.

Gruß, jooggy

von jooggy - am 26.06.2003 18:36
...Hmm, ja bei mir eigentlich auch ganz ähnlich und mit der Manometrie wollte ich Dir nicht gleich kommen, wenn Du jetzt und der Zeit keine Beschwerden mehr hast, aber das ist eigentlich DIE Methode um die Achalasie genau zu erkennen, es ist zwar nicht so schlimm, samfter als die Endoskopie, aber so viel Vergnügen hat es mir doch auch wieder nicht bereitet, dass ich es so alle paar Wochen wiederholen lassen möchte.

Lese doch die Beschreibungen bei [www.achalasie.de] , [www.achalasie.com ]und bei [www.m-ww.de], die eigene Beobachtung ist eigentlich die wichtigste Methode, wenn man schon etwa weiss, worum es so ungefähr gehen könnte.

Aber es kann genau so gut wieder Ruhe geben und das wünsche ich Dir auf jeden Fall. Alles Gute!

Ilja

von Ilja Lorek - am 26.06.2003 19:23
Hallo Arens!

Am Anfang hatte ich nur alle paar Wochen mal Schmerzen im Kropf u. Zahnleiste und auch hinter dem Brustbein. Erst ungefähr 10 Monate später kamen die Essbeschwerden dazu. Immer Superstau in der Speiseröhre.
Bei der ersten Endoskopie wurde nichts entdeckt. Erst beim Breischluckverfahren (Röntgen mit Kontrastmittel in Breiform) kam das Problem zu Tage.

MfG Matthias

von Matthias - am 15.07.2003 11:13
Die Video-Röntgen-Aufnahme bringt meistens Klarheit, ist aber auch relativ kompliziert, ich denke, zuerst sollte die Manometrie angewendet werden bevor man zu slchen Mittel greift.

Ilja

von Ilja Lorek - am 15.07.2003 12:18
Hallo Leute!

Finde für uns Betroffene ist eine Video-Röntgen-Aufnahme doch um einiges "angenehmer" als eine Manometrie. Laut meiner Erfahrung kann die Krankheit durch eine Video Röntgenaufnahme sehr gut diagnostiziert werden.

Liebe Grüße
Christa

von christa - am 16.07.2003 19:14
Ja, das stimmt, doch es wird wohl kaum auf die Manometrie verzichtet werden, warum eigentlich? Wahrscheinlich auch aus Kostengründen, doch sieht man bei der Manometrie doch ein paar Werte mehr, die man bei der Röntgenaufnahme vielleicht nicht sehen kann, denn Ösophagus-Druck in Zahlen und Kurven...
Ilja

von Ilja Lorek - am 17.07.2003 06:43
mir bleibt seit einer woche ungfähr immer das esssen im hals stecken,ich krieg dann panik und würg es gleich wieder hoch.aber nicht tief in der speiseröhre sondern gleich hinten im rachen.hab aber zur zeit auch eine grippe.iWeiß mann ob das heilbar ist?

von Fr. Schönberger - am 11.03.2004 14:46
die geschilderten Schluckschwierigkeiten könnten, müssen aber nicht zwingend auf Achalasie hinweisen, die richtige Diagnose ist gar nicht so leicht und sollte deswegen von einem erfahren Gastrologen gemacht werden. Achlasie ist ursächlich zwar nicht heilbar, doch in der Realität kann Dir schon geholfen werden. Mit Achlasie kann man leben und trotz Allem auch Freude am Leben und Essen oder Trinken haben, die meisten von uns haben den einen oder anderen Therapieweg schon hinter sich und wir sind kein Trauerverein. Aber zuerst muss man wissen, was Dich am Schlucken hindert, wenn man das versteht, gibt es schon deutlich weniger Gründe für Angst und Panik, auf zum Facharzt.

Alles gute und machs gut oder lass es gut tun!

Ilja

von Ilja Lorek - am 11.03.2004 20:25
vor genau einem jahr fing es bei mir an das ich essen einfach so wieder hochwürgte.
so wie das gefühl einen fremdkörper hinter dem brustbein zu haben,eine röntgen untersuchung so wie brei schlucken ergab keinen befund.
nach einigen tagen besserte sich alles und ich lies es auf sich beruhen.
immer wieder aber trat das gefühl aus das mir das essen buchstäblich im hals stecken blieb bis vor wenigen tagen selbst das wasser was ich trank so wieder heraus geschossen kam.
nun hatte ich letzte nacht solche schmerzen das ich schon an selbstmord gedacht habe um sie los zuwerden,nachdem ich heute beim doc war gab er mir eine krapflösende tablette und zwei stunden später war es weg.
jetzt habe ich ein permanentes druckgefühl und essen und trinken traue ich mich garnicht.
was soll ich nun tun bzw. was kann das sein?
mein doc meinte es wäre ein krampf in der speiseröhre.
danke für eure antwort
Heidi

von heidi - am 27.05.2004 22:00
Liebe Heidi,

die achalasiebedingten Krämpfe haben eine große Bandbreite: Es gibt Betroffene, die haben gar keine Krämpfe und dann wieder welche, die im Rahmen solcher Krämpfe richtige Vernichtungsgefühle in der Brust bekommen, die sie dann während des Krampfes völlig handlungsunfähig machen.

Eine Zauberformel für die Medikation gibt es für die Krämpfe nicht, weil jeder Betroffene anders auf die Medikamente reagiert.

Ich weiß nicht, welches Medikament Ihnen Ihr Hausarzt verordnet hat. I.d.R ist es sinnvoll, Präparate aus verschiedenen Substanzgruppen zu kombinieren.

Mögliche Kombinationen:

Adalat + Corvaton
Adalat + Cholspasmin
Tromcardin + Cholspasmin

... sind so einige Beispielkombinationen.

Bei vielen Betroffenen wirken die Medikamente allerdings schlecht und haben mehr Nebenwirkungen als Benefit für den Betroffenen.

Dann bleibt letztendlich nur noch der operative Eingriff in Form einer Bauchspiegelungs-OP (Heller-Myotomie). Die OP ist von den 3 klassischen invasiven Methoden (Myotomie / Dilatation / Botox) die Methode, die die Krämpfe bei fast jedem Betroffenen völlig zum verschwinden bringt. Bei denen, die nach einer OP noch Krämpfe haben, ist allerdings die Frequenz und die Intensität der Anfälle ERHEBLICH reduziert, so dass in jedem Falle ein deutlicher gewinn der Lebensqualität zu verzeichen ist.


Ich wünsche Ihnen gute Besserung !!!


MfG



von Dr.H.G.Schulz - am 28.05.2004 05:00
Hallo Heide,

habe gerade Dein Statement zu Deinen Beschwerden gelesen.

Ich selbst bin seit 1996 an Achalasie und allen Begleiterkrankungen erkrankt.

Im gleichen Jahr wurde bei mir an der Speiseröhre eine große OP duchgeführt, da man an meiner Speiseröhre ein gutartiges Geschwulst feststellte (gewuchertses Muskelgewebe). Damals meinten die Ärzte, dass daher meine Schluck-beschwerden bzw. der Engpass in meiner Speiseröhre zusatnde kam. Direkt nach
der OP musste ich feststellen, dass durch diese OP keine Besserung der Schluck-
beschwerden eintrat. Heute bin ich davon überzeugt, dass diese schon heftige
OP nicht hätte sein müssen.

Das alles hat aber nichts mit der Krankheit Achalasie an sich zu tun, denke ich. Ich möchte nur hier auch mal darauf aufmerksam machen, dass man immer mehrere Ärtzte befragen sollte, bevor man eine Entscheidung trifft.

Was Deine Symptome angeht, kenne ich zwar auch diese ziehenden Brustschmerzen hinter dem Brustbein, aber anscheinend nicht so extrem wie
bei Dir. Ich denke schon, dass Du an unserer Krankheit erkrankt bist, nur kann
ich Dir aus eigener Erfahrung sagen, man lernt damit zu leben und umzugehen.

Wenn ich so eine "Krampfattacke" habe geht bei mir auch nichts mehr auch keine
Flüssigkeit. Es kommt sogar vor, dass ich den Speiserest, der feststeckt, heraus
holen lassen muss in der Klinik. Aber da ich ja mittlerweile gelernt habe, dass dies
trotz allem nichts lebensbedrohliches ist, bekomme ich auch keine Panik mehr.
Ich bilde mir sogar ein, dass ich nun wo ich es im Kopf einigermaßen verarbeitet
habe, die Attacken nicht mehr so fot vorkommen und die Schluckbeschwerden
auch besser wurden.

Ich hoffe für Dich, liebe Heike, dass es nur eine vorrübergehende Sache bei Dir
war und wenn nicht, bisdt Du wirklich nicht alleine.

Ich wünsche Dir alles Gute

Gruß
Ulrike

von Ulrike Böhm - am 15.08.2004 10:11
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.