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Lokalsender auf Mittelwelle

Startbeitrag von Jean-Pierre am 26.02.2004 19:44

Macht ein Lokalsender auf Mittelwelle in Deutschland Sinn? In USA ja üblich.
Wer würde das wirklich hören?

Die 50 interessantesten Antworten:

ich denk nicht:
1. die qualität ist zu schlecht
2 .die kosten zu hoch
3.keiner hört mehr MW



von Robert S. - am 26.02.2004 20:04
Man hat in Europa übersehen, die Vorteile der MW nutzbringen einzusetzen. Seit den 70er-Jahren wurde in die MW technisch auch nichts mehr investiert. In den USA gab es durch AM-Stereo und entsprechend angepasste Radioapparate, speziell Autoradios, eine Verbesserung der Hörqualität und somit ein Weiterbestehen der Akzeptanz. In den USA senden gerade die unzähligen Lokalsender hauptsächlich auf MW.
In den USA hat man außerdem immer darauf geachtet, die naturgegebenen gegenseitigen Störungen auf ein Minimum zu begrenzen. In Europa hat demgegenüber das "Power-Play" der 70er- und 80er-Jahre den Leuten das Hören vergällt. Es ist doch oft so, dass man selbst einen 600 kW-Sender nachts in 200 km Entfernung nur mehr stark gestört hören kann. Schwache Sender sind dann oft nur mehr in einem Radius von wenigen km um den Standort störungsfrei zu empfangen. Ein großer Fehler war auch, Programme meist parallel auf MW und UKW auszustrahlen. Wer konnte, hörte UKW.
Heute ist den Leuten in vielen europäischen Ländern kaum mehr bewusst, dass es außer UKW noch andere Wellenbereiche gibt. Viele kleine Radios haben auch nur mehr einen UKW-Teil. Tradition hat der MW-Rundfunk nur mehr im UK, den NL und in Spanien, obwohl ich hier über die gegenwärtige Situation nicht mehr auf dem Laufenden bin. In den osteuropäischen Staaten hatte der MW-Rundfunk auch Tradition. Man baute noch vor der Wende viele neue High-Power-Sender auf, und in YU gab es mehrere hundert Lokalstationen auf MW. Heute hat sich dort aber auch UKW durchgesetzt.
Die Situation der Störungen bessert sich zwar zunehmend durch die Abschaltung vieler Sender, aber es gibt eben niemanden mehr, der durch die jetzt wieder bestehenden Möglichkeiten Interesse an einer Nutzung hätte.

von Wasat - am 26.02.2004 21:18
Der Rundfunkmarkt ist mit Massenprogrammen übersättigt. Es wartet somit niemand auf einen neuen "Dudel-Sender", der noch dazu in schlechterer Tonqualität zu hören ist.
Für MW würden sich prinzipiell Minderheitenprogramme eignen, doch dafür zählt wegen des kleinen Publikums vor allem das Kostenargument. Der Betrieb eines UKW-Senders auf lokaler Ebene ist eben deutlich billiger.
Bislang sind nahezu alle privaten MW-Programme gescheitert, weil die MW-Ausstrahlung keine für Normalbürger erkennbare Vorteile besitzt, dafür aber den Nachteil der schlechteren Tonqualität hat.
Es schalten einige Leute sicher auf MW um, doch von ein paar unermüdlichen Radiofans kann kein Sender leben.

Dazu eine Statistik des DLF von 1994:
Die Rundfunkversorgung pro Hörer kostet gegenüber UKW auf MW das 25-fache und auf LW sogar das 300-fache.

von Wasat - am 26.02.2004 22:17
Klingt logisch. Aber kleine Lokalsender in Bayern z.B. könnten doch Ihr Programm darüber senden. Oder ein Oldieformat da ist ja egal ob AM oder?

von Preetz - am 26.02.2004 22:25
Ich schon. Ich höre gerne nachts zum Einschlafen Virgin, 538 oder Radio10 über die Mittelwelle. Aber das ist bei mir keine Modeerscheinung. Es fing mit Radio Luxemburg an, ging weiter mit Hilversum 3, DT64, Hitradio 114, Hitradio Veronica usw. Jeden Morgen werde ich mit der 747 geweckt (dort läuft zwischen 6.00 und 8.00 Radio1NL). Zu Krisenzeiten (Golfkrieg, 11. September) habe ich immer die 1008 (Radio1NL) gehört.

Mit anderen Worten: Für ein attraktives Programm ist es kein die Mittelwelle kein Hindernis. Und durch den Flop von MegaRadio würde ich mich als Programmveranstalter nicht abschrecken lassen. Es muss halt nur das richtige Format sein. (Local-) Talk, (Local-) News, Oldies oder ähnliches. Hitradios oder Klassikstationen haben auf AM nicht viel verloren.

Wie geht man vor? Meine Vorschläge sind:
1.) MW-Zerobase, Einteilung in europaweiten (Auslandsdienste), landesweiten (max. 50 kW) und lokalen Bereich max 10 kW), großzügige Lücken lassen für Frequenzen aus Nachbarländern (z.B. Portugal 801, Spanien 810, Frankreich 828 usw)
2.) Programme die über UKW abgestrahlt werden erhalten keine MW-Lizenz (hier müsste sich das DLR entscheiden welches Programm wie verbreitet wird, die Diskussion hatten wir aber schon oft genug)
3.) in Deutschland müssen die "exklusiven Vermietungsrechte" der Telekom / T-Systems geknackt und gelockert werden, damit auch kleinere Anbieter die Chance haben Sender betreiben zu können ohne sich gleich in den finanziellen Riun stürzen zu müssen

Mal ne wahrscheinlich blöde Frage: Tummelt sich ausser Radio Vatikan und den Schlagerpiraten aus NL irgendetwas im Bereich oberhalb von 1602 kHz? Falls nicht könnte man ja ne Art DRM-Bereich einrichten.

Wenn man möchte kann man die Mittelwelle interessant gestalten. Allerdings müssen hier viele Dinge länderübergreifend geregelt werden. Und ob ein Land zum Wohl der MW-Hörer auf eine High-Power-QRG verzichtet, wage ich zu bezweifeln...

von Staumelder - am 26.02.2004 22:36
@Staumelder

Die Vorschläge kann ich unterstützen. In Europa hat man aus nationalem Egoismus "vergessen", für die MW eine vernünftige Nutzung im Interesse aller zu finden.
Ich glaube aber, dass es heute schon fast zu spät ist, dies nachzuholen. Es gibt in vielen Ländern keine flächendeckende Verbreitung von MW-tauglichen Radios mehr. Und Formatradio hat es in Deutschland schwer. In den USA hat es dagegen Tradition und die Vielfalt an Programmen ist dort viel größer als hierzulande.

Der Frequenzbereich oberhalb 1602 kHz kann eben nur mit "Weltempfängern" gehört werden, was den Nutzerkreis stark einschänkt. Es gibt meines Wissens auch keine Bemühungen, den MW-Bereich auszudehnen, wie das in den USA schon geschehen ist.

Ich habe übrigens in meinen Jugendjahren auch viel MW gehört, hauptsächlich AFN-Munich auf 1107 kHz. Obwohl der Sender fast 200 km entfernt stand, konnte man mit guter Erdung ein nur leicht verrauschtes Signal bekommen.

von Wasat - am 26.02.2004 23:03
Ein Oldiesender auf MW, das wäre cool. Gibt es auf ukw pur nicht und mich erinnert das immer an RTL;-))

von Preetz - am 26.02.2004 23:17
Lokale MW-Sender wären in der Tat nicht schlecht, aber in Deutschland nicht (mehr) realisierbar, da nach Kriegsende die konsequente Zerschlagung des damaligen Sendernetzes durch die Alliierten letztendlich zur Einführung des UKW-Rundfunks geführt hat. Und ich glaube nicht, dass man nach 54 Jahren konsequenter UKW-"Politik" (Deutschland hat weltweit die dichteste FM-Versorgung) hier -dazu noch unter Hinnahme von akustischen Qualitätseinbßen- etwas bewegen, geschweige denn ändern kann.
Dass in Spanien, Großbritannien und meinetwegen auch in den USA die MW eine ganz andere Rolle spielt, hat doch auch historische Gründe.
Aber: Träumen dürfen wir alle mal (und für mich gibts nichts schöneres, als abends mal die MW zu durchforsten und bei den geliebten Holländern hängenzubleiben):-).



von Heinz Schulz - am 27.02.2004 06:13
Für Lokalsender ist ein ganz anderer Frequenzbereich viel besser geeignet, nämlich das 11-m-Band um die 26 MHz herum.
Entsprechende Tests laufen bereits vom Dillberg, in Nürnberg, Erlangen und in Frankreich.
Für den guten (Stereo)-Ton sorgt DRM.

Der Aufwand auf der Senderseite ist minimal, man braucht lediglich einen modifizierten Amateurfunksender und eine einfache Stabantenne.

Auch der Aufbau von Gleichwellennetzen, z.B. zur lückenlosen Versorgung eines ganzen Bundeslandes, dürfte problemlos möglich sein.

Das Problem liegt auf der Empfängerseite, wo es bis dato noch nichts Preiswertes für Otto Normalo gibt. Da werden wir noch ein paar Jahre warten müssen.



von drm-dxer - am 27.02.2004 06:35
@Heinz Schulz:
Zitat

Deutschland hat weltweit die dichteste FM-Versorgung

und an welcher Stelle liegt Italien ?



von DX-Fritz - am 27.02.2004 08:26
Es kommen auf dem Bereich oberhalb von 1602 kHz außer Vatikan und NL bei Dunkelheit desöfteren kleine Stationen aus Griechenland durch!

von Hallmackenreuter - am 27.02.2004 08:37
Wasat schrieb:

Zitat

Schwache Sender sind dann oft nur mehr in einem Radius von
wenigen km um den Standort störungsfrei zu empfangen.
Ich dachte immer, MW kommt schon mit niedrigen Leistungen hunderte Kilometer weit? Gibt es wirklich Kleinstsender im MW-Bereich? Und welchen Sinn haben die?



von andimik - am 27.02.2004 08:53
@ Hallmackenreuter:
Sind das legale Stationen? Und warum arbeiten in GR Sender in diesem Bereich wenn er bei "normalen" Empfängern ausgeblendet wird?

@ drm-dxer:
11m ist doch das CB-Funk-Band, oder? Gibt es überhaupt noch CB-Funker? Meins liegt seit Jahren eingemottet im Keller, ich habe keinen Plan ob dort noch etwas los ist. Ende der 80er/Anfang der 90er gab es ja keinen freien Kanal mehr (auch wenn das Band nicht "offen war").
[Halb OT]: Wie laufen die Tests aus Skandinavien? Hast Du Infos über Reichweiten?

von Staumelder - am 27.02.2004 08:56
@ DX-Fritz: ich hätte besser "Deutschland hatte..." schreiben sollen :-)

@ Andreas Mikula: Jein. Das hängt von der Frequenz des MW-Senders ab. Je niedriger diese ist, desto weiter reicht die Bodenwelle. Aber auch dann wirst Du mit einem schwachen Sender bei günstigen Bedingungen nur 50-100 km abdecken können. Schau mal auf dieser Seite unter Artikel/Erläuterungen, da ist das ganz gut beschrieben.
Kleinstsender gibt es v.a. in GB. Guck mal unter www.emwg.info die aktuelle MW-Liste von Herman Boel an. Da findest Du massenhaft LPAM (Low-Power-AM)-Stationen, die vorwiegend Unis, Krankenhäuser usw. versorgen.

@ alle:
Die Sender aus NL, GR, YU usw., die oberhalb von 1620 kHz senden, sind durchweg Piraten. Gerade an Wochenenden sind abends und nachts massig solcher Stationen zu hören.



von Heinz Schulz - am 27.02.2004 09:42
11 m ist eben nicht nur CB-Funk.

Der Bereich 25670 - 26100 kHz ist ein Rundfunkband, das aber von den internationalen KW-Sendern kaum bis gar nicht genutzt wird.
Bis zum Jahr 2010 ist es wegen der abnehmenden Sonnenaktivität für Raumwellenausbreitung so gut wie unbrauchbar.

Was liegt also näher, als es für Lokalfunk zu verwenden?
Da ist jede Menge Platz und die Ausbreitungsbedingungen der Bodenwelle sind ähnlich UKW. Das wird gerade erforscht.

Und mit digitaler Modulation könnte man problemlos ganze Senderketten aufbauen, und das mit vergleichsweise wenig Aufwand.

von drm-dxer - am 27.02.2004 09:49
Lokale MW- Funzeln in größeren Städten als Werbemaßnahme für DAB und DRM wären nicht schlecht ( novaradio münchen etc. ). Für das richtige Programm würde ich auch die Mittelwelle einschalten, nicht aber für einen lokalen Hitsender. Ich habe heute morgen zufällig die 1107 AFN aus Kaiserslautern gehört und dachte zuerst an einen Pirat, da ich R.E.M. mit "What's the Frequency Kenneth" und Linking Park nicht umbedingt mit der MW des AFN in Verbindung gebracht hätte ( die wohl tatsächlich in dieser Zeit das Programm der 100,2 KL übernimmt ). Seit ich einen Weltempfänger mit Sleep Timer habe, der auch auf Mittelwelle was hinkriegt, höre ich nun auch öfters die MW zum einschlafen. NDR INFO 972 macht um diese Zeit z.B. oft gutes Musik- Programm.

Staumelder schrieb :

Zitat

Mal ne wahrscheinlich blöde Frage: Tummelt sich ausser Radio Vatikan und den Schlagerpiraten aus NL irgendetwas im Bereich oberhalb von 1602 kHz? Falls nicht könnte man ja ne Art DRM-Bereich einrichten.


Da Hardware ja eh erst noch gebaut werden muss, wäre es tatsächlich nicht schlecht den oberen Bereich von 1602 aufwärts für DRM zu nutzen. Dann wäre auch kein Stress mit Simulcast im heute verwendeten MW - Bereich.



von seventeen - am 27.02.2004 10:09
@Andreas Mikula

Die Reichweite von MW-Sendern ist nur theroretisch sehr groß und unterliegt starken Schwankungen, die eine stabile Versorgung nur unter gewissen Bedingungen erlauben.

1) Zunächst ist die Reichweite von der Bodenleitfähigkeit abhängig. Man kann z.B. über das Meer (Salzwasser bietet optimale Ausbreitungsbedingungen) selbst schwache Sender sehr weit hören. Vor etwa 15 Jahren war ich bei Bekannten in Rom. Diese hörten gerne auf MW "Radio Monte Carlo" auf 702 kHz. Das kam dank dem Meer dazwischen mit Bombensignal auf dem Küchenradio herein.
Im Gebirge sieht es aber ganz anders aus. Das war auch ein wesentlicher Grund, warum man sich z.B. in Österreich schon sehr früh von der MW verabschiedet hat.

2) Die Reichweite ist auch von den Empfängern bzw. Antennen abhängig. Mit einem gut geerdeten Kommunikationsempfänger kann man einen 1 kW-Sender auch 100 km weit entfernt noch einigermaßen gut hören. Als Maßstab wird aber ein übliches Haushaltsradio mit eingebauter Ferritantenne ohne Erdung angenommen, das wesentlich stärkere Signale benötigt.
Die MW hat bei uns überdies im Sommer mit vielen atmosphärischen Störungen vor allem durch Blitzentladungen zu kämpfen. Außerdem ist die MW bezüglich aller elektrischen Störungen seht anfällig, was vor allem in dicht bebauten Stadtgebieten starke Signale notwendig macht.
Als Mindestfeldstärke zur Kompensation der meisten Störungen nimmt man in der nördlichen gemäßigten Zone 60 dB (= 1000 myV/m oder ca. S9+30) an. In den Tropen sind es sogar 70 dB, weil es praktisch ständig Gewitter gibt.
Für einen 1 kW-Sender ergibt sich daraus bei durchschnittlicher Bodenleitfähigkeit eine theoretische störungsfreie Reichweite von 12 km bei 550 kHz und 9 km bei 1600 kHz. Ein 100 kW-Sender hat 85 km Reichweite bei 550 kHz und 70 km bei 1600 kHz. Für einen 500 kW-Sender betragen die Werte 150 km bei 550 kHz und 125 km bei 1600 kHz.
Diese Reichweiten habe ich übrigens über empirische Formeln ermittelt, die ich aus einschlägigen Diagrammen rückgerechnet habe. Sie passen recht gut zu einigen Daten, die ich einmal in einem Bericht der ITU gelesen habe.

3) Die Reichweite wird aber in der Nacht von den auf gleicher Frequenz sendenden Stationen beeinträchtigt. Für einen weitgehend ungetrübten Hörgenuss muss das Nutzsignal etwa 30x stärker sein als die Summe der Störsignale. Das wird bei den meisten schwachen Sendern in einem nur kleinen Umkreis erreicht. Somit sind viele 1 kW-Sender wirklich nachts nur 5 km um den Sender herum störungsfrei zu empfangen.

von Wasat - am 27.02.2004 12:50
Ja, natürlich. Kaum bringt mal jemand die Mittelwelle ins Spiel, schon häufen sich die Einträge, dass doch alles am besten schon gestern auf DRM umgestellt sein sollte, und all den anderen Salat, den man hier schon ertragen darf. Natürlich: Träumen sei erlaubt, aber bitte auch mal wieder aufwachen und eine realistische Meinung abgeben. Einige scheinen nicht registriert zu haben, was derzeit auf dem Radiomarkt los ist, und ebenso, dass wir eine bestimmte Anzahl an Mittelwellenradios haben : Nämlich schlappe 100 Millionen Geräte, die die analoge Mittelwelle nutzen können . Eine Umschaltung der Mittelwelle auf DRM, zum jetzigen Zeitpunkt, macht also überhaupt keinen Sinn, da es keine Geräte dafür gibt. Punkt. Seht es endlich mal ein, dass der Hörfunk nicht für ein paar Softwaretüftler gemacht wird, damit diese einmal im Leben sagen können : Ja, Papua-Neuguinea habe ich mit 22 KBit empfangen. Das interessiert keinen Menschen, niemanden ( höchstens ein paar Techniker vor Ort ). All diese vielleicht ganz interessanten Digitalversuche sind mit heutigem Datum noch in der Experimentierphase, daher kann man zwar immer mal darüber berichten, aber keinenfalls - nur weil man es selbst gerne hätte - eine sofortige Umschaltung der Radiosender anmahnen.

Zum eigentlichen Thema : Ja, lokale Mittelwellensender haben durchaus eine Chance. Aber nicht mit der gleichen Musik wie auf UKW. Sinnvoll ist eine Verbindung zwischen Kabel und Mittelwelle, so wie es derzeit auch RTL macht. Im Auto, und im Uhrenwecker : 1440. Und sonst : Kabel-UKW. Zudem muss, wenn schon auf MW gesendet wird, ein bestimmter Anreiz bestehen. Lokale Meldungen, regionale Berichte, ausführliche Nachrichten. Also Lokalfunk im eigentlichen Sinn.
Oder aber, man nutzt die Mittelwelle für Campusradios, oder als Stützfrequenzen für landesweite Radiosender. Oder für den Bürgerfunk.



von Der Korken - am 27.02.2004 12:51
Also ich hätte keine Probleme damit, Mittelwelle zu hören, wenn es ein gut gemachtes Programm ist.

von essemm - am 27.02.2004 13:06
@Jean-Pierre:
"Macht ein Lokalsender auf Mittelwelle in Deutschland Sinn? In USA ja üblich.
Wer würde das wirklich hören?"

Ich glaube nicht, dass eine relevante / messbare Zahl von Hörern ein Mittelwellenprogramm einschalten wird. Denn schon auf UKW zeigt sich das Problem, dass sich eigentlich nur mehr mit einem Format ernsthaft Geld verdienen lässt: dem Dudelformat (ob mehr AC oder mehr CHR, egal). Schon auf UKW dümpeln Radiosender mit anderem Format eher dahin und kommen kaum aus den roten Zahlen raus. Jetzt hätte man auf der Mittelwelle zusätzlich noch das Problem der schlechten Klangqualität. Ich glaube also nicht, dass man auf Mittelwelle Geld verdienen könnte und darum gehts wohl bei Privatradio.
Dass AM-Programme wie Virgin Radio in England tatsächlich gute Quoten haben, heißt leider nix, da die Mittelwelle dort eben generell noch mehr beachtet wird als hierzulande, wo sie einfach tot ist. In England läuft im übrigen auch DAB sehr gut, das hierzulande gar nicht mag. Ist also immer schwierig mit Vergleichen zu anderen Ländern. V.a. mit Ländern wie USA...

@Korken:
"Einige scheinen nicht registriert zu haben, was derzeit auf dem Radiomarkt los ist"

Sicher, der steckt halt in der Krise wie so vieles in diesem Lande. Aber dennoch können neue Techniken für den Hörfunkmarkt doch interessant sein. Denn selbst in der jetzigen Zeit der Krise scheinen ja auf jede UKW Ausschreibung immer noch zig Berwerbungen zu laufen, Bedarf wäre also da für Neues und UKW ist nun einfach bald mal völlig ausgereizt. Dass es in der gegenwärtigen Krise schwierig ist, in neue Techniken zu investieren, die sich wohl erst in Jahren mal halbwegs rechnen, ist auch klar. Aber wenn in der Vergangenheit niemand Neues mit Risiko gefördert oder sich mal was getraut hätte, würden wir heute immer noch auf Buschtrommeln rumklopfen und hätten schlichtweg gar keinen Hörfunk. Und solange es Anbieter gibt, die gerne im DAB (z.B. Nova Radio) oder DRM (z.B. RTL) senden, so lange hat das alles seine Berechtigung, genauso natürlich wie normale AM Ausstrahlungen oder natürlich v.a. UKW. Das ist dann schließlich deren eigenes Risiko. Dass eine DRM Abstrahlung genauso wie eine DAB oder AM Abstrahlung derzeit kaum Hörer haben wird und sich sogar Stationen auf UKW, die nicht das Dudelformat fahren, schwer tun, macht das natürlich nicht einfacher. Aber man sieht ja, dass es immer wieder Anbieter gibt, die solche Dinge einfach mal probieren.

"Nämlich schlappe 100 Millionen Geräte, die die analoge Mittelwelle nutzen können."

Mit Betonung auf "Können". Nenne mir mal eine nennenswerte Hörerquote eines Mittelwellenradioprogramms im deutschen Sprachraum (abzüglich der Hörer im Kabel etc...)? Die Mittelwelle wird, obwohl bei 100 Millionen Leuten vorhanden, nahezu nicht gehört. Daran wird sich unter den gegenwärtigen Umständen auch nicht viel ändern. UKW ist halt das Maß der Dinge. Deshalb besteht gerade im AM Bereich die Chance, ohne großartigen Hörerverlust auf DRM umzustellen und dank seiner UKW-nahen Klangqualität langfristig die Hörer von UKW wieder auf AM Bereiche zu locken (das geht sicher nicht von heute auf morgen, aber man kann ja jetzt schon mal vorbauen auf die Zeit später). Ich finde das deshalb eben nicht so sehr abwegig, DRM zu fordern. Die paar Freaks, die heute die Mittelwelle noch einschalten, sind sicher auch bereit, in DRM zu investieren.



von Andreas W - am 27.02.2004 13:24
Mich würde mal interessieren, ob es überhaupt zuverlässige Zahlen über die Akzeptanz der Mittelwelle in Deutschland gibt.
Wieviele Leute hören denn den DLF auf 549, 756, 1269 usw.?

Wie hoch sind demgegenüber die Betriebskosten der Sender?

100 Mio. Geräte sagen überhaupt nichts aus.

Dass eine Umstellung auf DRM nicht von heute auf morgen zu realisieren ist, ist doch jedem klar. Hier muss man in Zeiträumen von Jahren und Jahrzehnten denken. Ich würde sogar zunächst für eine Zerobase plädieren, weil sich AM und DRM nicht vertragen.

Wenn es aber so ist, wie immer wieder behauptet, dass in Deutschland MW kaum noch gehört wird, dann kann man auch zügig auf DRM umstellen.
Zumindest kann man anfangen, Sender mit größerer Leistung zu testen, was bisher überhaupt noch nicht passiert ist, gleiches gilt für Gleichwellennetze.
Und die Stromersparnis bei DRM-Betrieb ist auch nicht zu verachten.

Die Mittelwelle hat nur eine Überlebenschance mit einer deutlich gesteigerten Klangqualität, und die ist technisch schon heute problemlos möglich.
Damit das Henne-Ei-Problem gelöst wird, sollten die Sender in Vorlage gehen, wie sie es auf der Kurzwelle auch tun.
Die wissen ganz genau, dass sie am Anfang nur wenige Hörer haben werden.

Was die Entwicklung von Empfängern angeht, werden wir nach der nächsten IFA 2005 sicher klarer sehen.

von drm-dxer - am 27.02.2004 14:23
Die Sonderprogramme z.B. Sportübertragungen zur Fußball-WM oder Olympia sowie Bundestags- oder Länderparlamentsdebatten haben viele Hörer zum Umschalten auf Mittelwelle veranlaßt. Da aber bei allen Sendern die Leistung erheblich reduziert wurde, ist der Empfang gerade nach Einbruch der Dunkeheit nicht mehr überall gewährleistet. Presseclub, Sabine Christiansen und andere Talkprogramme die z.Zt. nur über die schwache Berliner 855 kHz kommen, böten sich für eine bundesweite Mittelwellenausstrahlung an.

von digifreak - am 27.02.2004 14:37
Ich bin mir ziemlich sicher, dass hier in Bayern höchstens einer pro 100.000 Einwohner regelmäßig (mindestens einmal in der Woche) in die Mittelwelle reinhört.



von DX-Fritz - am 27.02.2004 15:56
Das sind alles immer nur Vermutungen. Was heißt "viele Hörer"?
Kennt jemand konkrete Zahlen, die auf Umfragen beruhen?
Ich nicht.

Wer tut sich eigentlich noch freiwillig Bundestagsdebatten an?
Zu Zeiten von Brandt, Strauss, Wehner und Schmidt war das noch was anderes.

von drm-dxer - am 27.02.2004 16:11
Der bayrische Rundfunk erstellte vor längerer Zeit eine Studie, nach der gut 6 % der gesamten Hörer auch geziehlt die Mittelwelle nutzen. Vor ein paar Tagen habe ich diesen Text im Internet gefunden, aber den Link nicht gespeichert.

Geziehlt - damit sind spezielle Übertragungen gemeint. Debatten, Fußball und anderes. Das bedeutet : wenn auf der Mittelwelle etwas anderes als auf UKW geboten wird, dann schalten die Hörer auch dorthin. Wenn dort nur der gleiche ...... läuft wie auf UKW, dann wird die Mittelwelle gemieden. Ergo gibt es immer noch ein enormes Potential für den analogen MW-Hörfunk, wie auch vor einigen Jahren die Fußballsendungen des WDR auf 720 deutlichst gezeigt hatten.



von Der Korken - am 27.02.2004 17:24
6 % kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Das hieße, jeder 13. nutzt die Mittelwelle. Eine Umfrage in meinem Kollegenkreis würde bestimmt einen weitaus niedrigeren Prozentsatz ergeben, davon bin ich absolut überzeugt.



von DX-Fritz - am 27.02.2004 18:31
Bitte richtig lesen. 6 % nutzen nach einer Statistik des BR geziehlt die Mittelwelle. Ich habe nicht geschrieben: Es sind 6 % aller Hörer. Das eine ist eine subjektive / und damit nicht beweisbare / Aussage, das andere ist irgendwann einmal ermittelt worden. Die Mediaanalyse bezweifelt auch keiner, auch wenn in eurem Bekannten und Freundeskreis die Radionutzung u.U. erheblich von den offiziellen Werten der MA abweicht. Das eine ist festgestellt worden, das andere ist eine persönliche Beobachtung. Ich kenne übrigens mehrere Menschen, die hie und da den DLF über die Mittelwelle hören, ohne dass sie wissen, dass es MW ist. Sie drücken halt ein oder zwei Knöpfe am Radio, und dann kommt das gewünschte Programm. Das da "AM" drauf steht oder nicht, das interessiert nicht. Etliche Radios erlauben sogar eine gemischte Programmplatzbelegung. Die ersten Sender können von UKW sein, die restlichen von MW, ohne dass da von UKW auf MW umgestellt werden müsste.
Noch etwas: Ich höre keine Mittelwelle ( das Ohr würde ich mir versichern lassen ): ich höre die Sender, die auf dem Mittelwellenband ausgesendet werden. Ich höre auch kein UKW. Kein Mensch sagt : "Heute morgen wurde auf UKW gesagt, dass der Kanzler gestern ausgerutscht ist." Man sagt : "Bei Radio xyz sagten sie heute, dass der Kanzler ausgerutscht ist". Und das sind wohl auch die Gründe, warum der eine oder andere Hörer, der einen vermeintlich speziellen Frequenzbereich einstellt, unentdeckt bleibt. Wenn ich meinem Sohn das Radio auf Mittelwelle 1440 einstellen würde, und es käme dort den ganzen Tag 'sein' Kinderradio Jojo, dann würde er es eben dort auf der MW hören.



von Der Korken - am 27.02.2004 19:19
Die 6 % könnte ich mir schon vorstellen, den es gibt viele ausländische Mitbürger, die lieber die Stimme Russlands, AFN oder Radio Makedonija & Co in ihrer Sprache hören als Dudel, Leute die sich einfach nur über ihr Land informieren wollen und das können sie dank hoher Reichweiten auf LW/MW/KW.

QTH: Werdau bei Zwickau
Ja volim Radio Bosna i Hercegovina prvi program na 612 kHz. Tvoja i moja muzika za cijeli dan!

von Arndt Ackermann - am 27.02.2004 22:39
Andreas W schrieb :

Zitat

Die Mittelwelle wird, obwohl bei 100 Millionen Leuten vorhanden, nahezu nicht gehört. Daran wird sich unter den gegenwärtigen Umständen auch nicht viel ändern. UKW ist halt das Maß der Dinge.


Dass 100 Millionen Leute ihr AM- Band vermodern lassen liegt wohl auch daran, dass außer Wortprogrammen dort kaum was abgeht. Zum Frühstück hätte man doch gern ein unterhaltsames Musikprogramm und aktuelle Infos. Das gibt es auf UKW. Auf AM dagegen wird nur getextet.

Schon als kleinem Kind wurde einem klar, dass auf der MW das langweilige SWF 1 sendete und auf UKW weitaus spannendere Sachen wie SWF 3 und hr 3. Da nahm man es auch in kauf sich aus einer metallischen Buchhalterung eine provisorische UKW- Antenne zu schustern, da man ein Radiogerät mit der berühmten abgebrochenen UKW- Antenne besaß ;-). Und wer kehrt auf die AM zurück, wenn er schon als Kind diese Erfahrung "Mittelwelle = alt und langweilig" mitgenommen hat.

Würden auf der MW interessante Musikprogramme und Alternativen zum UKW- Einheitsbrei entstehen könnte da schon was gehen. Wäre auf der 594 KHz vom hr beispielsweise die Jugendwelle hr-xxl damals aufgeschaltet worden, hätte man mit On- Air- Promotion bestimmt einige Hörer in den FM- unterversorgten Regionen gewinnen können. Das mit der Tonqualität und dem wechseln in einen unbekannten Frequenzbereich mag zwar für viele Hörer ein Problem darstellen, aber mit Werbung und Alternativprogrammen bin ich überzeugt könnte man auch mit der Mittelwelle wieder Publikum gewinnen. Auch der BR könnte seine DAB- Programme im Zeit- Sharing auf die Mittelwellensender packen. (Für kommerzielle Anbieter gilt dies nicht, da zu teuer ).

Aber diese Überlegungen sind leider wirklich schon zu spät, die MW als Massenmedium ist definitiv schon lange tot.



von seventeen - am 28.02.2004 01:38
Elf Jahre später hole ich den Thread mal wieder hoch, weil mich eines sehr interessieren würde:

Weiß jemand, welche Mindestnutzfeldstärken für unterschiedliche Qualitätsstufen des Mittelwellenempfangs erforderlich sind? Ich würde gerne mal ein Beispiel für den bei einem Tag der Offenen Tür der BR-Senderanlage Ismaning (KLICK!) auf der QRG 585 kHz verwendeten Test mittels Radio Mobile simulieren. Wasat berichtete noch Ende 2012 von einer recht geringen Reichweite dieser Versuchsausstrahlung - zwischenzeitlich hat sich das Mittelwellenband in Europa jedoch weiter geleert.

Welches elektrische Feld in der Einheit dBμV/m ist näherungsweise erforderlich, um tagsüber...

- einwandfreien Empfang
- akzeptablen Empfang
- ein gerade noch lesbares Signal
- ein sehr verrauschtes, praktisch nicht mehr lesbares Signal

... zu erzielen?

Voraussetzungen:
- Sendeleistung 1 Watt ERP (wie bei obigem Tag der Offenen Tür)
- Empfang der Bodenwelle
- QRG: 585 kHz (akzeptable Bodenleitfähigkeit, keinerlei Gleich- oder Nachbarkanalinterferenzen)
- Vernachlässigung atmosphärischer Störungen
- Antenne besteht aus 200 Meter Draht, aufgehängt in, sagen wir: 50 Meter Höhe
- Guter mobiler Empfänger, etwa der Sangean ATS 909X
- Empfängerstandort in ländlicher Gegend, kein hoher Störnebel

Bin für jeden Tipp dankbar, um das Ergebnis so realistisch wie möglich zu errechnen.

von FM-FREAK HESSEN - am 15.03.2015 15:31
In einem alten Lehrbuch stand:

A-Empfang (99% störungsfrei) min. 10 mV/m > 80 dB
B-Empfang (95% störungsfrei) 5-10 mV/m > 74 dB
C-Empfang (80% störungsfrei) 2,5-5 m/m > 68 dB

Nach den ITU-Richtlinien zur WARC 1974 für die gemäßigte nördliche Zone gelten:

Bodenwelle Tag: 1413 myV/m 63 dB
Bodenwelle Nacht ländliche Gebiete: 3548 myV/m 71 dB
Bodenwelle Nacht städtische Gebiete: 7079 myV/m 77 dB

Für Amerika gelten eigene teilweise deutlich niedrigere Grenzwerte. Ist aber ziemlich kompliziert, weil nach Stationsklassen unterschieden wird. Daher nur das Beispiel einer Class C Station (Lokalversorgung):

Bodenwelle Tag: 500 myV/m 54 dB
Bodenwelle Nacht: 4000 myV/m 72 dB

Ob man schwache bzw. gerade noch lesbare Signale empfangen kann, ist weitgehend vom Empfänger und der Empfangsantenne abhängig. Auch die Umwelteinflüsse wie Wetter, Sonnenaktivität und Bodenleitfähigkeit spielen hier eine große Rolle.

von Wasat - am 15.03.2015 21:28
Besten Dank, Wasat für Deine Informationen.

Ich werde den QRP-Mittelwellensender Ismaning auf 585 kHz in den nächsten Tagen mal per Radio Mobile nachrechnen und die enstprechenden Feldstärkewerte in der Reichweitenkarte sichtbar machen.

von FM-FREAK HESSEN - am 15.03.2015 22:35
Mal als Vergleich: Vom Funkerberg bei Koenigs Wusterhausen wurde 2008 mit 10 W auf 810 kHz gesendet. Der Empfang gelang nach Forenberichten bis rund 20 km ueber die Bodenwelle in annehmbarer Qualitaet. Damals war ich ca. 44 km (Luftlinie) entfernt. Der Empfang schwankte dort zwischen "erahnbar" und "ganz weg". Wenn sich abends und nachts die Ausbreitungsbedingungen aendern, dann duerfte der Empfang auf einen Bereich weniger Kilometer geschrupft sein. Gibt es dann noch starke Gleichkanalsender, so kann sich das noch weiter reduzieren.

Die Empfangbarkeit eines 1 W-Mittelwellensenders wuerde ich mit entsprechendem Enthusiasmus aus Empfaengerseite in bis zu 10 km als machbar erwarten, sofern Sende- und Empfangsantennen etwas taugen. Ansonsten wuerde ich eine Versorgung in ueblicher Ortssenderstaerke nur in wenigen km Umkreis als gegeben sehen.

von PowerAM - am 16.03.2015 06:49
Ein paar interessante Versuche zu diesem Thema (Low Power Mittelwelle) hat "Herr Morningstar" gemacht. Da Niederländisch ja hier im Forum die zweite Amtssprache ist, hier mal der Link.

Morningstar Low Power MW

von Zintus - am 16.03.2015 16:14
Hallo,

hier mal einige Bilder vom Sender in Königswusterhausen. Es handelt sich dabei um einen "Bauwagensender" aus DDR Zeiten.
Ursprüngliche Ausgangsleistung war wohl mal 5 kW.
Jetzt wird nur noch eine Treiberstufe, des ehemaligen Senders, mit eben 10 Watt Leistung benutzt.
Auch das Modulationszuführungsgestell ist noch original in Betrieb und liefert Hitradio SKW an.

Der Steuersender ist schon irgend was modernes, kommerziell gefertigtes. Ansonsten hätte der gesamte Aufbau keine Zulassung von der Bundesnetzagentur bekommen.


Ich hoffe, die Jungs vom Funkerberg haben nichts dagen das ich das hier einstelle - wenn doch, bitte melden ;)

VG Karl3
[attachment 4782 DSCN1394Large.JPG]
[attachment 4783 DSCN1395Large.JPG]
[attachment 4784 DSCN1399Large.JPG]

von Karl 3 - am 16.03.2015 16:21
[attachment 4785 DSCN1396Large.JPG]
[attachment 4786 DSCN1401Large.JPG]

von Karl 3 - am 16.03.2015 16:22
Kann Radiomobil überhaupt MW Reichweiten berechnen:gruebel:

von DJ Taifun - am 16.03.2015 19:53
@DJ Taifun: Laut Beschreibung funktioniert Radio Mobile nicht auf Frequenzen unterhalb 20 MHz, bei Eingabe einer QRG wie der 585 kHz erscheint auch ein gelbes Warnfenster. Ein erster Plot schien mir jedoch einigermaßen realistisch. Ich werde mal weiterrechnen und in Kürze hier etwas hochladen.

@Karl 3: Danke für die interessanten Bilder aus Königswusterhausen. Die 10 Watt machen im Nahfeld am Degen ja ein Bombensignal... :-)

von FM-FREAK HESSEN - am 16.03.2015 22:22
@Karl 3 Coole Bilder. Mittlerweile sind wir mit der Instandsetung des Senders weitergekommen, die Decke ist nun fertig und auch wieder dicht.

Zur Reichweite: Mit knapp 10 Watt Leistung und einer für 810 kHz eigentlich viel zu kurzen Antenne haben wir gute Empfangsberichte bis etwa 15 km. Mit Aufwand gehts auch weiter, über der Grasnarbe geht z.b. fast 40 km weit.

Hier mal ein Beispiel für einen knapp 20 km Empfang vom letzten Wochenende:
welle370 Empfang Youtube

Die nächste Sendung ist am 19.04.15 wer mag kann gerne mal messen kommen :-)

Viele Grüße Rainer

von Funkerberg - am 17.03.2015 11:30
Hallo Rainer,

danke für die Verlinkung meines Youtube-Videos :spos:

Ich verfolge die Sendungen von Welle 370 immer wieder mit Interesse, ich glaube ich habe euch 2008 (?) das erste Mal gehört, damals allerdings noch unter starken Störungen des nur 3km entfernten DRM-Senders in Berlin-Britz auf 855kHz.

810kHz ist leider ab der Dämmerung keine wirklich gute Frequenz wegen dem Megawattsender aus Mazedonien, vielleicht überlegt ihr mal auf einer anderen Frequenz eine Abendsendung zu machen, auf der inzwischen freigewordenen Berliner Frequenz 990kHz vielleicht?
Dann könnten vielleicht auch Hobbyfreunde in ganz Deutschland das Programm zumindest kurzzeitig direkt empfangen, wäre doch ein schöner Erfolg mit nicht ganz 10 Watt :-)

Viele Grüße
Arne

von Arne_BLN - am 17.03.2015 16:19
Hallo zusammen,

ich habe ein neues Reichweitenberechnungstool im Internet entdeckt, den Field Strength Calculator One des US-Blogs „Radio Timetraveller“ und würde gerne mal schauen, ob die Reichweitenangaben von Funkerberg zu den mit 9 Watt ERP ausgestrahlten Sendungen auf 810 kHz mit den theoretisch errechneten Pegeln des Programms zusammenpassen.

Wer das Tool einmal selbst ausprobieren möchte findet es auf folgender Website, rechts unter „Latest Programs“: (KLICK!)

Zugrunde gelegt habe ich eine ERP von 9 Watt sowie die in Königs Wusterhausen zu berücksichtigende Bodenleitfähigkeit von 6 mS/s, auf folgender Karte gut erkennbar:

[attachment 4799 BodenleitfhigkeitDeutschlandMillisiemensproMeter.jpg]

Ferner habe ich eine Dielektrizitätskonstante von 10 eingegeben, was einer Bodenbeschaffenheit in Richtung flach, trocken, sandig, bodennahe Kräuter entspricht (so meine ich Brandenburg jedenfalls in Erinnerung zu haben…)

Das Ergebnis seht Ihr hier:

[attachment 4800 BerechnungFieldStrengthFunkerberg19.03.2015.jpg]

Auswertung:

Im Umkreis von 8,6 km müsste der Sender auf 810 kHz demnach in Ortssenderstärke (Local Level) ankommen. Bis dort würde ein Pegel von mindestens 2,5 mV/m entsprechend ca. 68 dBµV/m erreicht.

Die Weitversorgung zum Empfang mit gutem Receiver und Antenne prognostiziert das Tool im Umkreis von 25,9 km (Distant Level) – hier werden mindestens 0,5 mV/m entsprechend einem elektrischen Feld von ca. 54 dBµV/m prognostiziert.

Der sogenannte Fringe Level würde an guten Empfängern noch im Umkreis bis 47,7 km anliegen. Mindestens 0,15 mV/m bedeuten ca. 44 dBµV/m, was einem schwachen, insbesondere nachts sehr interferenzgefährdeten Signal entspricht.

Als Extreme Level gibt das Programm 0,05 mV/m an. Diese umgerechnet 34 dBµV/m entsprechen dann einem extrem schwachen, kaum noch lesbaren Signal, das knapp über dem atmosphärischen Rauschen läge – und es diesem Reichweitenberechnungstool zufolge vom Funkerberg immerhin noch 74 km weit schaffen könnte.

Für eine Distanz von 40 km zum Empfänger wird übrigens ein elektrisches Feld von 47 dBµV/m errechnet.

Das alles klingt – verglichen mit den Angaben von Funkerberg – zu optimistisch. In dem Programm lässt sich auch nicht einstellen, welche Antenne in welcher Polarisation verwendet wurde. Ebensowenig lassen sich Ausblendungen in bestimmte Himmelrichtungen abbilden.

Deshalb würde es mich einmal interessieren, was Ihr von dieser Art der Reichweitenberechnung haltet. Ist das einigermaßen realistisch – zumindest in Hauptstrahlrichtung der welle370? Habt Ihr eventuell amtliche Werte der Bundesnetzagentur, mittels derer wir die Verlässlichkeit des Field Strength Calculator One überprüfen können?

von FM-FREAK HESSEN - am 19.03.2015 17:09
Die Frage ist halt, wie hoch der Wirkungsgrad des Strahlers auf dem Funkerberg war. Neben der Bodenleitfähigkeit spielt dafür auch noch das Erdnetz des Strahlers getrennt eine Rolle, ebenso das Anpassnetzwerk etc.
Ansonsten ist halt auch die Frage, wie groß das Hintergrundrauschen in der Praxis tatsächlich ist. Die Antenne beginnt irgendwann keine große Rolle mehr zu spielen, nämlich dann, wenn lokale Störgeräusche stärker werden als das Empfängereingangsrauschen!

von DH0GHU - am 19.03.2015 18:02
Das wäre sicher noch eine wichtige Variable, Ulrich. Nur wo trage ich sie ein, sofern ich das überhaupt herausbekomme? Wäre dies der A2-Faktor, des Field Strength Calculator One? (siehe Screenshot oben)

Bei UKW erziele ich durch den Antennengewinn etwa die zehnfache ERP der Senderausgangsleistung. Doch wie ist das bei einer Mittelwellensenderanlage? Muss der Sender z.B. 500 kW liefern, wenn ich 500 kW ERP erzielen möchte?

von FM-FREAK HESSEN - am 19.03.2015 21:44
Also 54 dBµV/m in 25,9 km Entfernung erscheinen mir in der Tat zu optimistisch.
Letzten Sommer zeigte mein AR-7030+ an einer Kiwa-Loop in 20km Entfernung etwa S9+10 (entspricht ca. 44dBµV). Klar, das ist keine echte "Messung", aber auch subjektiv rauschte das Signal zu stark um wesentlich mehr als S9 zu entsprechen.
Die Sendeantenne wird vermutlich von den 9W nur einen Bruchteil abstrahlen.

von Arne_BLN - am 20.03.2015 17:08
Zitat
FM-FREAK HESSEN
Das wäre sicher noch eine wichtige Variable, Ulrich. Nur wo trage ich sie ein, sofern ich das überhaupt herausbekomme? Wäre dies der A2-Faktor, des Field Strength Calculator One? (siehe Screenshot oben)

Welche Variable meinst Du nun? Die tatsächliche ERP oder den Störgeräuschpegel? Beide musst Du ja erstmal kennen, was vermutlich nicht der Fall ist.
A² ist was anderes, siehe auch readme.txt vom Programm. Sieht mir nach einem experimentell ermitteltem "Anpassungsfaktor" aus, wenn die Ergebnisse von der Realität abweichen.

Zitat

Bei UKW erziele ich durch den Antennengewinn etwa die zehnfache ERP der Senderausgangsleistung. Doch wie ist das bei einer Mittelwellensenderanlage? Muss der Sender z.B. 500 kW liefern, wenn ich 500 kW ERP erzielen möchte?

Das hängt wie auf UKW von der Antenne ab. Eine Antenne mit 0 dBi Antennengewinn erzeugt bei 500 kW Eingangsleistung 500 kW EIRP, eine mit 2,14 dBi Antennengewinn 500 kW ERP oder 818 kW EIRP.

2,14 dBi ist der maximale Antennengewinn eines vertikalen Viertelwellenstrahlers mit perfektem Erdnetz; bei Hobbyprojekten würde ich Werte zwischen -6 und 0 dBi ansetzen. Antennen mit Richtwirkung oder mit höheren Strahlern (z.B. halbwellenstrahler oder lambda5/8) erzielen höhere Gewinne...

von DH0GHU - am 20.03.2015 17:51
Moin moin an alle Mittelwellenfreunde,

zuerst einmal zwei Bilder von der für welle370 genutzten Antennensituation:

Bild 1welle370 Antennen und Senderwagen

Bild 2 Detailansicht Antenne

Außerdem habe ich mit unserem Sendetechniker gesprochen, er geht bei der Bodenleitfähigkeit eher von 3 mS/m aus.

Die Höhe des Funkerberges von 74 m üN.N. dürfte eher keine Rolle spielen.
Wir gehen davon aus, das die Antenne die Leistung zum großen Teil abstrahlt, die Verluste im Anpassnetzwerk sollten eher gering sein. Interessant könnte noch der Einfluss der Türme selber sein....

Insgesamt erscheinen die von Dirk errechneten Werte etwas zu optimistisch. Vielleicht ergibt sich ja die Möglichkeit, bei Gelegenheit mal richtig zu messen. Die nächste Gelegenheit dazu ist am 19.04.15 :-)

Die Reichweite ist geografisch sehr unterschiedlich. Teilweise haben wir Richtung Berlin locker 20 km erträglichen Empfang, Bestensee (7 km Richtung Süden, leichte Senke) ist nahezu welle370 frei ...

Insgesamt sind wir aber zufrieden, zumal wir immer mal wieder die Kurzwelle als Reichweitenverstärker nutzen :-)

viele Grüße Rainer

von Funkerberg - am 22.03.2015 17:57
Danke für Eure detaillierten Empfangsbeschreibungen.

Ich habe die Werte im Field Strength Calculator jetzt entsprechend angepasst und das Tool nur noch mit einer Bodenleitfähigkeit von 3 Millisiemens pro Meter (mS/m) gefüttert. Zwar werden auf meiner Deutschlandkarte für Berlin 6 mS/m und für Teile Brandenburgs 4,5 mS/m angegeben - aber Rainers Sendetechniker kann das vor Ort sicher exakter einschätzen.

Entscheidend war wohl der A2-Faktor, wie Ulrich, DH0GHU, bereits vermutete. Ich habe den Wert nun exakt auf Arnes Feldstärkeangabe angepasst. A2 liegt jetzt bei 0,5 (statt 0,25) - und siehe da: Es ergibt sich ein deutlich realistischeres Bild:

[attachment 4804 BerechnungFieldStrengthFunkerberg22.03.2015.jpg]

Local Level = Ortsempfang mit Feldstärke von mindestens 68 dBµV/m: 5,8 km

Distant Level = Empfang mittels hochwertigem Empfänger/mit mindestens 54 dBµV/m: 13,0 km

Fringe Level = Schwacher, vor allem nachts interferenzbelasteter Empfang mit mindestens 44 dBµV/m: 20,2 km

Extreme Level = Äußerst schwaches, kaum noch lesbares Signal mit mindestens 34 dBµV/m wäre demzufolge noch bis in eine Entfernung von 27,7 km möglich.

Demzufolge wäre das Grasnarben-DX von PowerAM in 44 km Entfernung eigentlich weit außerhalb der jetzt neuberechneten Bodenwelle gewesen. Da wir jedoch den tatsächlichen Antennengewinn nicht kennen, scheint mir das oben gezeigte Ergebnis deutlich besser zu passen, oder?

von FM-FREAK HESSEN - am 22.03.2015 18:49
Zitat
FM-FREAK HESSEN
Zwar werden auf meiner Deutschlandkarte für Berlin 6 mS/m und für Teile Brandenburgs 4,5 mS/m angegeben - aber Rainers Sendetechniker kann das vor Ort sicher exakter einschätzen.


Das schwankt ja teilweise erheblich. Leider habe ich keine genaue Karten, 3 mS/M sind praktisch das Minimum. Vielleicht taucht ja mal irgendwo eine genauere Berechnung auf.

Zitat
FM-FREAK HESSEN
Es ergibt sich ein deutlich realistischeres Bild:

[attachment 4804 BerechnungFieldStrengthFunkerberg22.03.2015.jpg]

Local Level = Ortsempfang mit Feldstärke von mindestens 68 dBµV/m: 5,8 km

Distant Level = Empfang mittels hochwertigem Empfänger/mit mindestens 54 dBµV/m: 13,0 km

Fringe Level = Schwacher, vor allem nachts interferenzbelasteter Empfang mit mindestens 44 dBµV/m: 20,2 km

Extreme Level = Äußerst schwaches, kaum noch lesbares Signal mit mindestens 34 dBµV/m wäre demzufolge noch bis in eine Entfernung von 27,7 km möglich.

Das kommt mir etwas zu wenig vor. Liegt die Wahrheit in der goldenen Mitte?
Inbesondere den Extreme Level würde ich als zu kurz einschätzen. Wir hatten mit einem billigsten Kleinempfänger in 20 km verständlichen Empfang, da sollte die Grasnarbe deutlich weiter reichen.

Zitat
FM-FREAK HESSEN
Demzufolge wäre das Grasnarben-DX von PowerAM in 44 km Entfernung eigentlich weit außerhalb der jetzt neuberechneten Bodenwelle gewesen. Da wir jedoch den tatsächlichen Antennengewinn nicht kennen, scheint mir das oben gezeigte Ergebnis deutlich besser zu passen, oder?


Grasnarbenmitschnitte im Bereich 35 - 45 km hatten wir schon mehrere, halte ich also für möglich.
Allerdings hatten wir auch schon Tage, wo die Reichweite deutlich geringer war. Da reichen schon 2 Tage Regen um erhebliche Schwankunen zu erreichen.

Ganz ehrlich - Radio ist doch in jeder Hinsicht eine spannende Sache. Ich muss mal gucken ob wir ein wenig Statistik hinbekommen, um die Werte zu bestätigen. Für eigene Untersuchungen bleibt während der Sendungen immer wenig keine Zeit ..

Viele Grüße Rainer

von Funkerberg - am 22.03.2015 23:18
Ich habe mal eine spezielle Frage, passt vllt in etwa auch hier hin. Welche MW-Sender mit kleiner Leistung, so von 100 Watt bis max. 10kW fallen nachts durch ein starkes Signal auf und das trotz größerer Entfernung? Weil diese Sender verfügen dann über eine eher schlechte Antenne und sie strahlen statt hauptsächlich der Bodenwelle vor allem nach oben ab. Durch die Raumwelle, die bei schwachen und Lokalsendern eher unerwünscht ist, sind sie dann noch in großer Entfernung gut zu hören. Aufgefallen ist mir das bei der Sonnenfinsternis letzte Woche. Während einer Sonnenfinsternis herrschen ja in dem betroffenen Gebiet Bedingungen wie nachts. Aber eben nur tlw. und auf das verdunkelte Gebiet bezogen. Der spanische Sender Radio Manresa auf 1539khz mit 5 kW konnte hier z.B. in der Zeit gut gehört werden. Auch alle starken LW-Sender wie die aus Island waren natürlich sowieso gut zu hören usw.

von Der Chef - am 24.03.2015 15:41
Was ich bisher feststellen konnte ist die 648KHz Radio Murski aus SVN die Abends und Nachts in Köln gut und stabil ankommt, um 30dBµ. Auch die 558KHz 25dBµ // 549KHz 23dBµ R.Slowenien aus SVN kommt auch gut rein das sogar zw den DLF stört. Man muß schon gezielt auf Nordkirchen richten um den DLF störungsfrei zu hören.
Die 648KHZ und 558KHz senden mit 10KW. DIe 549KHz mit 15KW.
Empfangen mit dem PL880.

von DJ Taifun - am 24.03.2015 20:51
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