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102.1, PowerAM, RADIO354, Felix II, Sebastian Dohrmann, Alqaszar, The Jazzman, Handydoctor, vari107, Chris_BLN, Kay B

Satellitenempfang im Ostblock vor 1990

Startbeitrag von Kay B am 30.07.2012 21:38

In den 80er Jahren wurden gerade im Tal der Ahnungslosen Antennengemeinschaften, die einige private Fernsehprogramme per Satellit empfingen, sehr beliebt. Eingesetzt wurden dafür meist aus westlichen Ländern geschmuggelte LNBs und Satellitenreceiver.

Es war nun aber auch so, daß vor allem Russland schon sehr früh Satellitenfernsehen im C-Band genutzt hatte. Demnach müßte es ja auch Satellitenempfangstechnik aus russischer Produktion gegeben haben.

Gab es damals in Russland oder in anderen Ostblockländern vor 1990 offiziell Satellitenempfangstechnik zu kaufen, sodaß hier Individualempfang möglich war? Oder waren jegliche TV-Abstrahlungen über Satellit im Ostblock stets nur für Senderzuführungen?

Antworten:

In der damaligen CSSR gab es von Tesla SatReceiver zu kaufen.Das war so ca.1986/87 genau festlegen willich mich da nicht. Schüssel und LNB habe ich aber nicht in Erinnerung.

von Handydoctor - am 31.07.2012 05:08
Hi Kay B !
My father was try to obtain a "licence" for have and use "the receiver was not a public receiver" in 1986.
In Polish People Republic, You must have a "licence" to buy or use a satelite TV receiver set.
In application You must indicate a "important reason" to have and use satelite receiver.
Most popular was "foreign language learning".
Not every citizen was obtain a "licence".
If You was a "politically suspect", You receive a refusal.
In "Pewex" shops (western wares for $) You can buy SAT TV receivers, VCR's, top HiFi sets and other.
Most popular was Amstrad SAT receivers.
In late eighties in TVP2 was a special program "Bliżej Świata" (closer to word) with fragments of popular programs from varies SAT TV stations like SAT1, 3SAT, RTL, SKY etc.
In early nineties, TVP in mornings, was retransmit CNN Headline News in original and live.
Polish Radio MW network, for example (at the moment non-existent) 819 kHz transmitter in Wola Rasztowska near Warsaw, was retransmit Radio Free Europe (Polish Section).
Paradoxically, from this same transmitter, which use to jamming RFE in comunistic era.
vari

von vari107 - am 31.07.2012 13:54
Ich habe es so in Erinnerung, dass DDR Buerger immer wieder via Antennengemeinschaften und div. Bastelloesung mit tlw. ins Land geschmuggelten LNBs Satelltenempfang auf die Beine stellen, und offenbar nichtmal mit den Behoerden grossen Aerger hatten. Mein Arbeitskollege aus Dresden meinst, dass es in der DDR nur dann Arbeitsmotivation gab und alle fleisig zupackten, wenn man gemeinsam eine Antenne fuer Westfernsehen installierte und die Programme in einem Haeuserblock oder Plattenbau zur verfuegung stellte.

Aus Tschechien, Slovakei und Ungarn, u. dgl. weis ich komplett nichts. Ich denke dort half man sich mit diversen Yagi Antennen und dgl. um ORF oder ARD irgendwie zu bekommen.

Vermutl. hatten Aparatschiks und Parteibonzen irgendwie Zugang sich solche Ausruestung zu beschaffen. Vieles scheiterte wahrscheinlich auch an den Kosten.

von 102.1 - am 27.10.2013 14:49
Zu terrestrischen Zeiten war es doch schon viele Jahre eher üblich, Westfernsehen ins Kabel zu nehmen. Wir hatten in Gera neben DDR 1 und DDR 2 dann halt ARD, ZDF, Bayerisches FS und N3. 6 Programme im jahre 1983 - nicht übel, auch für gesamtdeutsche Maßstäbe.

Genehmigt wurden die Antennengemeinschaften gern wegen "Empfang DDR 2", der wegen schlechterer Abdeckung oft regional mies bis unmöglich war und nur mit Antenne auf dem Berg ging. Das Westfernsehen kam selbstverständlich mit rein, und da schien es bei den Oberen nach dem Motto "besser sie gucken Westfernsehen als sie stellen einen Ausreiseantrag" gelaufen zu sein.

Ich finde das aus heutiger Sicht auf andere Art oberschräg. Das DDR-Fernsehen zeigte (nicht nur beim Sudel-Ede) doch genug Widrigkeiten der BRD. Warum fallen dann heute noch viele ex-DDR-Bürger aus allen Wolken, wenn sie merken, daß bei ihnen nicht Tante Clementine und Onkel Dittmeyer vorbeikommen und auch nicht die Rama-Tussi goldgelbes Pflanzenfett auf den sonnigen Frühstückstisch vor der Villa stellt, wo die pickellosen Vorzeigekinder (Marke "Kinder-Überraschung") die heile Welt verkörpern und erst mittags wieder zu Miracoli reinkommen, wenn sie nicht von der besorgten Mutti vormittags wegen eines Löffels Sanostol geholt werden, sondern alles irgendwie doch eher so läuft, wie es die DDR-Medien gerne gezeigt haben?

von Chris_BLN - am 27.10.2013 16:31
Zum Teil gab es Kabelanlagen die in den 80ern Privatsender vom Satelliten einspeisten. Das wurde toleriert, um notfalls den Stecker ziehen zu können. So soll es während eines kritischen Berichts über Rostock dort "rein zufällig" einen Black out gegeben haben...

Ansonsten haben in Regionen, in denen es kaum Empfang am Westfernsehen gab, sich die Bürger zu Antennengemeinschaften (mit hoher Eigenleistung) zusammen geschlossen und dabei auch Programme vom Sat eingespeist.

von The Jazzman - am 27.10.2013 19:51
@Chris_BLN:

Der Mensch glaubt nur, was er glauben will. Nun sind wir 30 Jahre weiter, und alle glauben an "Mutti". Ob da wirklich die Medien das letzte Wort haben, wage ich zu bezweifeln.

Allerdings war die Fallhöhe zwischen dem Westen und dem Osten (nicht nur der DDR, sondern auch anderen Ostblockländern) so groß, dass jedem erst einmal die Augen übergingen, wenn sie in den Westen kamen.

Dies blieb sogar noch bis jahre nach der Wende so. Leute, die in den Westen gegangen sind, kehrten mit ihrem auf Schulden gekauften, gebrauchten 3er BMW oder 190er-Benz zurück nach Rumänien, Bulgarien oder so, wo man auf den Dörfern sich hauptsächlich noch mit Pferdekarren bewegte. Dort hielten sie das Image vom "goldenen Westen" aufrecht, um als besonders "goldener Westler" durchzugehen. Später hat sich das aber gegeben, seitdem sich auh in diesen Ländern die wirtschaftliche Situation etwas besser geworden ist und man alle Illusionen endgültig verabschidete hatte.

Die Enttäuschung, welche viele DDR-Bürger nach der Wende verspürten, war natürlich auch in den anderen Ländern des Ostens da. Schnell wurde klar, dass die neuen Regierungen, oft hervorgegangen asu den Demokratiebewegungen 1989/1990, nicht weniger korrupt waren als die alten, kommunistischen Eliten. Im Gegenteil, nun gab es plötzlich Profiteure, die ihren Reichtum groß und provokant zur Schau stellten.

Will damit sagen: So lange man am TRaum festhalten konnte, war der Zugang zu Programmen aus dem Westen wie ein Gottesdienst für religiöse Menschen. Ich bin fest davon überzeugt, das die Rama-Bilder und Jacobs Krönung midnestens einen so großen Anteil am Fall der Mauer hattemn wie die polnische Solidarnosc oder die Demokratiebewegung in der DDR. Denn nur die Versprechung des besseren Lebsn, und der naive Glaube, dass es ausgerechnet Hocker & Co. waren, die es einem vornethielten, konnte letztlich die Menschen auf die Straße treiben.

Von daher war Fernsehwerbung vbielleicht sogar wirkungsvoller als all die teuren Medfieninitiativen wie der DLF, RFE, VoA oder Radio Liberty, welche in missionarischem Auftrag über den Eisernen Vorhang sendeten.

von Alqaszar - am 28.10.2013 01:21
So wie das Westfernsehen ausstaffiert war namen viele Irrtümlicherweise an Schlaraffenland 1 bis 3
auf der Mattscheibe zu haben... Das das Ganze mit Täglichem Existenzkampf einher geht war Vielen
unbekannt...

von RADIO354 - am 28.10.2013 09:53
Zitat
Chris_BLN
Das Westfernsehen kam selbstverständlich mit rein, und da schien es bei den Oberen nach dem Motto "besser sie gucken Westfernsehen als sie stellen einen Ausreiseantrag" gelaufen zu sein.


sehr weit OT: Funktionierte dies mit dem Ausreiseantrag wirklich? Ich hatte es von Kollegen immer so verstanden, dass Ausreiseantraege aus der DDR nur fuer diejenigen in Frage kamen, die nicht einen Fluchtversuch unternehmen trauten, und die Antraege erstmal abgesehnt wurden, und 2 bis 3 mal neu gestellt werden mussten, um genehmigt zu werden. Zwischenzentlich verlor man seinen Job, und lebte halt von dem was man hatte und hatte man Glueck kam die Genehmigung des Ausreiseantrag noch bevor das Geld zur Neige ging.

Ausreise Richtung Westen ging dann nur mit der Kleidung die man am Koerper trug, vielleicht ein Koffer, der Rest blieb zurueck, Ankunft im Westen, meistens mit wenig finanziellen Mitteln...

von 102.1 - am 28.10.2013 13:43
Der Antrag hatte immer weitreichende Konsequenzen. War man vorher in einem einigermassen eintraeglichen Job, dann wurde man i. d. R. irgendwie versetzt und bekam u. U. deutlich weniger Geld. Begruendet wurde das damit, dass das Vertrauensverhaeltnis belastet war. Die Konsequenzen gingen bis in familiaere und soziale Richtungen, man machte sich das Leben erstmal sehr schwer. Die ersten Antraege blieben meist erfolglos, die Bewilligung kam (wenn ueberhaupt) meist ueberraschend und schlagartig. In der Tat blieb dann keine Zeit zum Verabschieden von Freunden oder zum Regeln irgendwelcher Angelegenheiten. Haus und Hof wurden i. d. R. verwertet, fiel entweder an den Staat oder ggf. an Angehoerige. Die Hinterlassenschaften der Person wurden gewissenhaft entsorgt, es sollte moeglichst wenig an den Nestbeschmutzer erinnern.

von PowerAM - am 28.10.2013 14:18
mich ueberrascht, dass ueberhaupt auf diese Art eine legale Auswanderung aus der DDR moeglich war.

In den meisten anderen Ostblock Laendern gab es das nicht, da blieb nur die Flucht als einzige Option.

von 102.1 - am 28.10.2013 14:43
letztere Praktiken gabe es auf aehnliche Art auch in der CSSR. D.h. es gab die Moeglichkeit fuer hoehere Parteimitglieder, dass lediglich ein Familienmitglied quasi auf Urlaub in den Westen reisen konnte, der Rest der Familie musste aber in der CSSR zurueckbleiben, sodass die Rueckkehr gesichert war bzw. als sehr wahrscheinlich fuer das Regime erschien.

von 102.1 - am 28.10.2013 15:46
Zitat

Das DDR-Fernsehen zeigte (nicht nur beim Sudel-Ede) doch genug Widrigkeiten der BRD.


Das war aber alles politisch gefärbt und die Leute nahmen es als Lügen auf. Offiziell war der Westen der Klassenfeind und alles von da war erstmal grundsätzlich schlecht. Und so kam das natürlich auch in den Medien pausenlos rüber. Von daher prallten derlei Informationen an den Zuschauern ab.

von Felix II - am 28.10.2013 18:50
Ihr Lieben,

das Thema ist sehr spannend, aber wir driften leicht vom eigentlichen Thema des Fadens ab. Wollt ihr zum Thema "Ausreise aus der DDR / ehemalige Ostblockstaaten" ein Thread im OT aufmachen? :)

von Sebastian Dohrmann - am 29.10.2013 06:14
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